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__________Mit wöchentlicher Kratis-Meilage „Illustrirtes Ilnterhallungsblatt".__________
Nr 4:67 Donnerstag den 19. April 1888.
Amtliches.
Berlin, den 15. März 1888.
In Gemäßheit des Art. 10 Abs. 2 der Ausführungsanweisung vom 15. September 1879 zur Verordnung, betreffend das Verwaltungszwangsverfahren wegen Beitreibung von Geldbeträgen vom 7. September 1879 (G. S. S. 591) wird hierdurch bestimmt, daß es einer vorgängigen Mahnung des Schuldners nicht bedarf:
1) bet der Vollstreckung der auf Grund des Gesetzes, betreffend den Erlaß polizeilicher Strafverfügungen wegen Uebertretungen, vom 23. April 1883 (G. S. S. 65) von den Polizeibehörden festgesetzten Geldstrafen (8.4 Abs. 2 litt. c. des Gesetzes; §§. 14 bis 16 der zur Ausführung des Gesetzes erlassenen Anweisung vom 8. Juni 1883),
. 2) bei der Vollstreckung der von den Verwaltungsbehörden im Geltungsbereiche des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (G. S. S. 195) gemäß §. 132 Nr. 2 in Ausübung ihrer Zwangsbefugnisse festgesetzten Geldstrafen.
Der Minister des Innern. Der Justiz-Minister, gez.: von Puttkamer. gez.: v. Friedberg.
Der Finanz-Minister. I. V. gez.: Meinecke.
* *
Abschrift des vorstehenden Erlasses übersende ich Ew. Hochwohlgeboren zur gefälligen weiteren Veranlassung.
Der Minister des Innern, gez.: v. Puttkamer.
An den Königl. Regierungs-Präsidenten, Herrn
Rothe, Hochwohlgeboren zu Cassel.
M. d. J. 11. 995. Just.-M. 1. 643. Fin.-M.
II. 2868. III. 4191. 1. 3186.
* * * Cassel, den 6. April 1888.
In Abschrift zur Kenntnißnahme und gefälligen
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Im Hause der Väter.
Novelle von Hans Warring. (Fortsetzung.)
„Ich bin nicht krank, — ich brauche keine Hilfe! Es ist von der Hitze der letzten Wochen, — es wird vorübergehend Still, mache kein Aussehen* Er stand mit ihrer Hilfe aus und ging auf seinen Stock gestützt, schweren Schrittes den Schnittern zu. Angstvoll hielt sich das junge Mädchen an seiner Seite. — Einmal blieb er stehen, wandle sich zu ihr und fragte leise flüsternd:
„Von wo stammt der Mann?*
„Ich glaube aus dem Hannöverschen,* entgegnete sie befremdet. —
Die Schnitter hatten bei ihrem Näherkommen die Arbeit unterbrochen und einen großen Halbkreis gebildet, aus dem zu Ehren der Herrschaft der Gruß der Schnitter: das taetmäßige Streichen der Sensen erscholl. Ein junges hübsches Mädchen trat, lange Grashalme in den Händen, an die Herrschaft heran, um sie, einen kurzen gereimten Spruch sprechend, zu binden. Das ist alter Brauch bet der Heu- und Kornerndte und war alljährlich auch hier geübt worden. — Der Consul faßte an den Hut, wie er stets gethan hatte, und zog seine Börse, um sich und seine Enkelin freigebig zu lösen. Er lächelte sogar. — Ein grauenhaftes Lächeln, dachte der junge Verwalter, der seitwärts stand, und dessen Augen wie gebannt vor diesem
weiteren Veranlassung.
Der Regierungs-Präsident.
J. V.: Schwarzenberg.
An die sämmtlichen Königlichen Landräthe des Regierungsbezirks. A, I. 3125.
* »
Hersfeld, den 16. April 1888.
Wird den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnißnahme und Nachachtung mitgetheilt.
4420. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 17. April 18887“
Der Ackermann Mathias Koch zu Oberlengsfeld hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht. 4459. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 17. April 1888.
Der am 5. Dezember 1864 geborene Theodor Hettler hierselbst hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
4482. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
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Gefunden: 1 Tabackspfeife, 1 silberner Fingerring, 1 Peitsche, 1 Dreifuß, 1 kleines Geldtäschchen mit 25 Pfg., 3 Schlüssel und 1 Stange Rundeisen. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Niederaula.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Im Zustande unseres Kaisers Friedrich ist neuerdings leider eine neue bedrohliche Verschlimmerung eingetreten. Nachdem durch die neue am Donnerstag durch Professor von Bergmann eingelegte Canüle Erleichterung verschafft war, wurden die folgenden
eingefallenen starren Antlitz angezogen wurden. Das also ist der Feind meines Hauses! —
Die schweren Anklagen, die gegen diesen Mann von Lippen ausgesprochen worden waren, welche sonst nur Worte der Milde und Verzeibung kannten, diese Anklagen hallten in seinem Ohre nach. Verrath an einem vertrauenden Freunde, Dieb- stahl, begangen an einer hilflosen Frau und einem, seinem Schutze anvertrauten Kinde! Und da steht der Verbrecher! — Die Hände des jungen Mannes ballten sich. Einen Augenblick überfluthete ein heißes Gefühl des Hasses und des Abscheus, ein wildes Rachegelüste jede andere Regung in seiner Brust. Sein Athem ging laut und hörbar, aus seinen Augen flammte ein zorniges Drohen. Und jetzt, als hätte dieser Blick die Macht anzuziehen und zu bannen, wandle der Consul den Kopf. Die Blicke der beiden Männer wurzelten in einander, sie schienen mit einander zu kämpfen, aber der gerade kühne Blick des jüngeren blieb Sieger. Sein Gegner wich zurück, seine stolze Haltung verließ ihn, wieder strauchelte sein Fuß. Diesmal aber bot der Verwalter ihm nicht den Arm. Er stand seitwärts und blickte auf die gebeugte Gestalt mit einem Ausdrucke nieder, der das stolze Blut der Wteßmann's in dem jungen Mädchen zum Wallen brächte. Sie sah den unbotmäßigen Verwalter mit einem Blicke stolzen Zürneus an. Aber die Gemüthsbewegungen der letzten Stunde zitterten in ihren Nerven. Ueber ihr Gesicht lief eine Bewegung, die Augen verschleierten sich wie von zurückgebrängten Thränen.
Nächte, namentlich die zum Sonntag, unruhiger, Husten und Auswurf wurden reichlicher.
Am Sonntag verließ der Kaiser erst Nachmittags auf kurze Zeit das Bett und zeigte sich auch am Fenster. Leider war auch die Nacht zum Montag schlecht; es hatte sich starkes Fieber eingestellt. Fürst Bismarck war am Montag von 11 bis 12 Uhr Vormittags im Charlottenburger Schloß. Der Kronprinz war nach seiner Rückkehr vom Exercierplatze sofort in gestrecktem Galopp nach Charlottenburg geritten. Er verweilte mit. dem Reichskanzler am Krankenbette. Nachmittags erschienen alle Mitglieder der Königlichen Familie. Gegen Abend veröffentlichte der Reichsanzeiger folgendes Bülletin:
Charlottenburg, den 16. April 1888.
Se. Majestät der Kaiser haben nach einer gestern eingetretenen Bronchitis mit starkem Fieber und beschleunigtem Athem keine gute Nacht gehabt.
MorellMackenzie. Wegner.Krause. T. MarkHovell.
Am Abend dauerte das starke Fieber fort und stieg bis 39,4 Grad Celsius an. An den Aerzte- consultationen nahm auch Professor Senator Theil, Professor Leyden wurde telegraphisch aus Wiesbaden, wo er sich vorübergehend aufhielt, berufen; beide sind innere Kliniker.
Am Dienstag Morgen trat Erleichterung und Besserung ein, wenn auch das Fieber noch fort- dauerte.
Am Dienstag Nachmittag veröffentlichte der „Reichs-Anzeiger* folgendes Bülletin:
Charlottenburg, den 17. April 1888.
Bei Sr. Majestät dem Kaiser haben sich die bronchitischen Erscheinungen seit gestern erheblich vermindert, auch ist das Fieber geringer geworden. Die Nacht war besser, das Allgemeinbefinden ist befriedigend.
MorellMackenzie. Wegner. Krause. T. MarkHovell.
von Bergmann. Leyden. Senator.
Das war nicht mehr der stolze sichere Blick der Herrin, das war der fragende, flehende eines hilf, losen, angstvollen Weibes. — Seltsam, wie dieser Blick das zornig wallende Blut des Mannes sänf- tigte! ArmeS Kind! murmelte er, sie so stolz, so rein, wie wird sie sie tragen, diese Schande, — diese Schmach! Er blickte ihr nach, wie sie langsam neben ihrem Großvater einherschritt, und zum ersten Male sah und fühlte er ihre Schönheit.
„Wie ist denn das heute mit dem alten Herrn gewesen?* fragte die alte Fränz, die mit ihrem jüngsten Enkelchen auf dem Arm dem Herrn Verwalter um Feierabendzeit entgegenkam, „er ist auf dem Felde plötzlich krank geworden?*
„Ja*, entgegnete der junge Mann einsilbig.
„Das Fräulein war in großer Sorge, sie hat gleich den Wagen nach der Stadt geschickt, und nun ist der Commerzienrath mit dem Herrn Sant- tätsrath herausgekommen. Aber es muß nichts Ernstes sein, denn sie sitzen jetzt unter den Kastanien und sprechen und lachen,*
„Das freut mich, Frau Tiede.*
„Für uns aber wird die Sache nicht ohne Folgen bleiben, fuhr die Alte fort. Der Herr Consul und das Fräulein werden hier Wohnung nehmen. Der Herr Doctor hat es verordnet. Es sei nichts Gefährliches, hat er gesagt, aber eine Beruhigung der Nerven oder etwas derart thut noth. Und Stille und Landluft sei am Besten dafür. Und nun werden wir zu allem Anderen auch noch die Herrschaft im Hause haben.*