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Htrssel-er Kreislillitt.
Mit wöchentlicher Hratis-Meilage „Mustrirtes Anterhaltungsölatt".
Nr. 50.
Amtliches.
Chef des General- Berlin, den 24, März 1888. Stabes der Armee.
Das Königliche Ober-Präsidium benachrichtige ich ganz ergebenst, daß im Anschlüsse an die vor- jährigen Arbeiten im Laufe dieses Sommers — etwa vom 1. Mai ab — in den Regierungsbezirken Caffel und Wiesbaden trigonometrische Vermessungen unter Leitung des Chefs der trigonometrischen Abtheilung der Landes-Aus- nahme Oberst Schreiber a la suite des General- stabes der Armee, zur Ausführung gelangen.
Die Arbeiten werden in Recognoscirungen in Signalbauten für Punkte I. Ordnung bestehen. Das Königliche Ober-Präsidium ersuche ich hiernach ebenmäßig, sehr gefälligst veranlassen zu wollen, daß die betreffenden Ortsbehörden mit entsprechender Anweisung versehen werden.
Von den Seitens der Königlichen Ministerien des Innern und für Landwirlhschusl, Domü^n und Forsten ausgefertigten bezüglichen offenen Ordres gestatte ich mir 3 metallographische Abzüge mit der Bitte um sehr gefällige Kenntnißgabe an die Königlichen Regierungs-Präsidien ganz ergebenst anzuschließen.
Der General-Quartiermeister. gez.: Graf von Waldersee.
An das Königliche Ober-Präsidium der Provinz Hessen-Nassau |u Caffel. V. Nr., 238/88.
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Caffel, den 30. März 1888.
Abschrift übersende ich Ew. Hochwohlgeboren unter Beifügung von 1 Exemplare der Anlage zur gefälligen weiteren Veranlassung.
Der Ober-Präsident: gez. Graf zu Eulenburg. An den Königlichen Regierungs - Präsidenten, Herrn Rothe Hochwohlgeboren hier. Nr. 1550.
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Caffel, den 6. April 1888.
Abschrift nebst Abschrift der oben angezogenen
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Im Hanse der Mer.
Novelle von Hans War ring.
(Fortsetzung.)
„Hatte der Gedanke, daß Fremde in Ihrem Erbe hausten, viel Bitteres für Sie?" fragte Mara leise.
„Nein! weine theure Großmutter war eine weise Lebenskünstlerin. Sie hatte viel Schweres erfahren, aber ohnmächtiges Brüten darüber oder schwächliche Selbstbemitleiduog waren ihr fremd. Es ging ein Strom ruhiger Kraft durch ihr Gemüth, der alles Bittere, alles was die Seele schädigt, sortspülte. In diesem Sinne hat ste mich erzogen, — und in diesem Sinne mich gelehrt, dem Wechsel der Dinge aufzufassen."
Fräulein Decker, die sich bet den Arbeitern etwas länger aufgehalten hatte, trat in diesem Augenblicke zu ihnen und machte dem Gespräch ein Ende. Aber in Maras Gemüth hallten die Worte des jungen Mannes lange nach. Auch er besaß diesen tapferen Muth, diese ruhige Kraft, die er an seiner Großmutter rühmte. — Sie hatte nicht viele Männer gesehen, die ihm glichen. In seiner frischen Männlichkeit erinnerte er sie an ihren verlorenen Bruder, aber Eins hatte er vor diesem voraus: das ruhige Kraftbewußtsein, das sichere auf sich selbst Beruhen. Ihr Bruder war ein Kind des Reichthums gewesen, und das hatte
Sonnabend den 28. April
Anlage übersende ich Ew. Hochwohlgeboren mit dem ergebensten Ersuchen, hiernach die Veröffentlichung in den Kreis- bezwse. Localblättern gefälligst bewirken und die Ortsvorstände mit Anweisung versehen zu wollen.
Der Regierungs-Präsident. Rothe.
An die Königlichen Herrn Landräthe des Regierungsbezirks 2C. A. I. 3129.
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Hersfeld, den 25. April 1888.
Wird den Herren Ortsvorständen des hiesigen Kreises zur Kenntnißnahme und Nachachtung mitgetheilt.
Die „offene Ordre" ist hierunter abgedruckt.
4640. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Ministerium des Innern.
Die von Seiner Majestät dem Kaiser und Könige befohlene Triangulation der Provinzen des Staats wird in diesem Jahre unter oberer Leitung oevChess oex irlgvn'üMdtrischeNAbtheilung der Landes-Aufnahme, Oberste Schreibet vpm Neben-Etat des großen Generalstabes, ä la suite des Generalstabes der Armee — auch in dem Regierungsbezirk......zur Ausführung gelangen und in trigonometrischen Feldarbeiten bestehen.
Da für das Gelingen dieses gemeinnützigen und mühevollen Unternehmens aber die Mitwirkung der Magistrate, Gutsherrschaften, der Grundeigenthümer und Einsassen, sowie der Prediger, auch der Landesverwaltungsbehörden und Offizianten gedachten Bezirks erforderlich ist, so werden die genannten Behörden und Personen hierdurch aufgefordert, diese Allerhöchste Absicht um so mehr kräftig zu unterstützen, als die zu erlangenden, überhaupt nicht lästigen Hülfs- leistungen in der Regel nur ein bis zwei Mal für einen Ort erforderlich sein werden.
Diese dem Herrn Oberst Schreiber und den ihm untergebenen Dirigenten, Officieren, Trigono-
ihn in seinem Bedürfen abhängig von Menschen und Dingen gemacht. Dieser aber war frei! — Sie dachte an das schlichte Berwalterzimmer und an den Glanz reicher Lebenswärme die er darüber ausgegossen — und wie sie daran dachte, glühten ihre Wangen, und jeder boshafte Gedanke, jedes übermüthige Wort wurde ein Stachel in ihrem Gewissen. —
Es war selbstverständlich geworden, daß van Riesen Abends den Thee stets an Maras Thee- tisch trank. Gewöhnlich kam gegen Abend der Commerzienrath aus der Stadt, um nach Vater und Tochter zu sehen, oft aber, wenn er von Geschäften zurückgehalten wurde, blieben die drei jungen Leute allein. Dann kam es wohl vor, daß sich zwischen Fräulein Decker und dem Verwalter ein lebhaftes Gespräch entspann, das, dem Temperamente der jungen Dame entsprechend, oft mit einer scherzhaften Neckerei endete. Aber wenn es sich, auch ernsten Dingen zuwendete, selten bethet- ligte sich Mara anders, als durch einige hingeworfene Worte daran. Sie saß dann in ihren Stuhl zurückgelehnt, die Hände gekreuzt, das Haupt etwas seitwärts geneigt da, und hörte zu. Sie regte sich kaum und blickte nicht zu ihm hinüber, aber immer hatte er die Empfindung, als wende er stch mit jedem seiner Worte an sie, als müsse ihm von ihr eine Erwiderung kommen. Sie war gewöhnlich ernst, ja oft lag eine Wolke tiefer Trauer auf ihrer Stirn. Wenn sie aber einmal
1888.
Metern und Hülfstrigonometern zu gewährenden Hülfsleistungen bestehen vorzüglich in Folgendem:
1. Bei Besteigung der Kirchthürme und anderer erhabener Orte, wenn es verlangt wird, einen oder zwei der umliegenden Gegend kundigeLeute mitzugeben, welche die entfernten sichtbaren Ortschaften zuverlässig zu benennen wissen.
2. Die zur Besteigung der Thürme und zur Eröffnung von Aussichten etwa nöthigen Anstalten zu gestatten. Die Königlichen Forstbeamten werden angewiesen, bei den zur Gewinnung von Durchsichten unumgänglich nöthig werdenden Durchhauen förderliche Unterstützung zu leisten.
3. Bei Besichtigung der Gegenden auf Verlangen Führer, zum Transporte und zur Bewachung von Instrumenten, sowie zu anderweitig nothwendigen Arbeiten und zu Botengängen geeignete Leute gegen ortsübliche Zahlung zu gestellen.
4. Bei Quartierwechseln oder sonstigen dienst- —Hdjen Veranlassungen haben die Ortsobria- ----reuen oem Ooeest «uhui^- .^ ><«— ihm untergebenen Dirigenten, Officieren, Trigonometern und Hülfstrigonometern auf Verlangen Miethsfuhrwerke gegen eine billige, die ortsüblichen Preise nicht überschreitende Vergütung, die sofort baar bezahlt werden wird, zu beschaffen und überhaupt für ein schnelles und sicheres Fortkommen zu sorgen.
5. Das zur Errichtung der Signale erforderliche Holz, welches nur dann reguirirt werden wird, wenn es unmittelbar zu dem gedachten Zwecke verwendet werden soll, ist von den Forstbeamten aus den Königlichen Forsten gegen Bezahlung nach der Forsttaxe zu verabfolgen. Die Nebenkosten, worunter die Hauerlöhne und die etwaigen Rückerlöhne bis zu den Abfuhrwegen verstanden werden, sind der Forstkasse ebenfalls zu erstatten.
lächelte, meinte er nie etwas Lieblicheres gesehen zu haben als dieses Lächeln.
Eines Abends, als sie unter den Bäumen auf und nieder gingen, erkundigte ste sich nach seinem verwundeten Arm, und als er froh erwiderte, er fühle wieder Kraft in ihm erwachen, so daß er anfange, nach und nach ihn an der Ausübung seiner Functionen zu gewöhnen, lächelte sie und gratulirte ihm. Dann fragte ste nach Art und Ort seiner Verwundung, und er berichtete von der schweren Zeit seiner Krankheit. Dann sprach ste von ihrem Bruder, wie der Vater und sie hinge- reist wären, ihn noch einmal zu sehen. Denn gegen sie hätte man kein Hehl gemacht, daß er nicht gefunden könne. Und doch hatten sie ihn so voll Hoffnung gefunden, so froh dem schönen Leben entgegen sehend. Es sei fast über ihre Kraft gegangen, ihm stets ein heiteres Gestcht zu zeigen, zuweilen habe ste gemeint, den Jammer nicht ertragen zu können. Aber es sei ihr doch gelungen, und er sei in der Ueberzeugung, der schönen Genesung entgegen zu gehen, in ihren und des Vaters Armen gestorben. Die Stimme wankte ihr bet diesem Berichte und eine Weile schritten ste schweigend neben einander weiter. Solche Pausen des Stillschweigens traten jetzt häufiger in ihren Gesprächen ein, ohne daß sie dadurch in Verlegenheit gesetzt wurden. Sie hatten Beide das Gefühl, als ob der Andere die eben gehörten Worte in sich nachhallen und weiterklingen lasse, -~ Sie