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Jrtsfdkr Ircisllatt.
Mit wöchentlicher KraLis-Aeitage „IllustrirLes Anterhaktungsökatt".
Nr. 51. Dienstag den 1. Mai 1888.
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Amtliches.
Cassel, den 11. April 1888.
Ew. Hochwohlgeboren rc. theile ich ergebenst mit, daß Seitens der Section 18 der Fuhrwerks- Berufsgenossenschaft für den dortigen Kreis der Posthalter Fr. Heil in Hersfeld als Vertrauens- mannbestellt worden ist. Ew. Hochwohlgeboren rc. ersuche ich ergebenst, den Ortspolizeibehörden hiervon Kenntniß zu geben und dieselben darauf aufmerksam zu machen, daß ihnen in Gemäßheit der §§. 53 und 54 des Unfallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 die Verpflichtung obliegt, über jeden zur Anzeige gelangten Unfall eine Untersuchung einzuleiten und von dieser dem Vertrauensmann Kenntniß zu geben.
Der Seetionsvorstand besteht aus den Mitgliedern:
a. Posthalter Fr. Nebelthau in Cassel,
b. Gastwirth Ludwig Glahn in Witzenhausen,
c. Posthalter Heinrich Bödecker in Rinteln,
d. Rollfuhrunternehmer W. Stamm in Cassel,
e. Fuhrherr Fr. Schaaf in Marburg und deren Stellvertretern:
a, Fuhrwerksbesitzer F. Heerdt in Cassel,
b. Gasthalter Ed. Koch in Eschwege,
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Im Hmsc der Vater.
Novelle von Hans Warrtng. (Fortsetzung.)
Der alte Mann lag stundenlang mit geschlossenen Augen wie im Halbschlaf da. Dann hob und senkte sich seine Brust in ruhigen regelmäßigen Athemzügen. In solchen Augenblicken hofften die Angehörigen, er wende ruhig und schmerzlos einschlafen, um nicht weh»i erwachen. Denn daß es mit ihm zu Ende ^A mußte man mit jedem Tage deutlicher erkennend
Zuweilen freilich kamen die Anfälle qualvoller Angst und Unruhe wieder. Er verlangte dann allein zu sein und wurde zornig, wenn man seinen Willen nicht sofort erfüllte. Dann hatte Mara vom Nebenzimmer aus ihn unverständliche Worte murmeln gehört, bis er, von unüberwindlicher Müdigkeit übermannt, wieder in den Zustand halber Bewußtlosigkeit versank. Der Sohn kam jetzt allabendlich heraus, um für einige Stunden die Nachtwache bei dem Kranken zu übernehmen. Er mußte dann im Nebenzimmer bleiben, denn seltsamer Weise zeigte der Kranke gerade vor ihm eine ängstliche Scheu, bewahrte in seiner Gegenwart ein mißtrauisches Schweigen und schien erst wieder freier zu athmen, wenn er ihn nicht mehr an seinem Bette sah. Nur Mara durste in jeder Stunde bei ihm aus und eingehen. Da aber die lange Krankenpflege das junge Mädchen so an- griff, daß man an eine Abhülse denken mußte, so
c. Posthalter B. v. Schwanenflügel in Pyrmont, d. Fuhrwerksbesitzer Fr. Oest in Großalmerode,
e. FuhrwerksbesitzerE. Ph. Kranz inWildungen.
Der Regierungs-Präsident. Rothe.
An sämmtliche Königlichen Landräthe des Bezirks A. II. 3989.
Hersfeld, den 27. April 1888.
Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Kenntnißnahme und Nachachtung mitgetheilt. 4706. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 27. April 1888.
Zufolge Ersuchens des ständischen Bauamtes dahier weise ich die Herren Ortsvorstände re. des hiesigen Kreises hierdurch an, dafür Sorge zu tragen, daß die entlang an Landwegezügen gelegenen Gräben, sowie auch die anschließenden Flnthgräben von Fluthschutt geräumt werden und zwar bis spätestens zum 15. Mai d. I., damit bei wiederkehrenden Ansandungen eine Berieselung und eventuelle Zerstörung der Landwege vermieden wird.
4770. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
# Zweihundert Jahre!
Am 29. April 1688 schloß der Große Kurfürst die Augen. Zweihundert Jahre sind verflossen, seitdem der große Begründer des brandenburgisch- preußischen Staatswesens sein Haupt zur Ruhe legte. Wenn heute Preußen und Deutschland unter den Hohenzollern stark und mächtig dastehen, wenn heute das preußische Volk in unwandelbarer Treue seinem Königshause zugethan ■ ist und Deutschland, unter Preußens Führung geeinigt, ein starker Hort des Friedens geworden, so dürfen wir nicht vergessen, daß es der Große
war eines Tages auf das Klingeln des Kranken Fränz an seinem Bette erschienen. Beim Anblick der alten Frau aber war sein Zustand so beängstigend geworden, daß sie sich bleich und zitternd aus dem Zimmer geflüchtet hatte.
Nur mit Mühe hatte Mara ihn beruhigen können, und nur nachdem er ihr feierliches Versprechen erhalten, niemals wieder einen Fremden zu ihm zu lassen, wurde er ruhiger und schloß die Augen. Er hatte die Hand der Enkelin ge- faßt, als ob er auch im Schlafe sich ihrer Gegenwart und ihres Schutzes versichern wollte. Geduldig saß das junge Mädchen am Bette. Stunde auf Stunde verrann, sie wagte nicht, ihre Hand frei zu machen, aus Furcht den Kranken zu wecken. Es wurde Abend und sie hörte den Wagen ihres Vaters. Unter den Castanien draußen wurde es hell, — man versammelte sich um den Theettsch. Sie aber bat den Vater, der zu ihr einlrat, sie bet dem Kranken zu lassen, — sein Zustand sei so beängstigend gewesen, daß sie es nicht verantworten könne, ihren Platz einem Anderen zu überlassen. So saß sie Stunde auf Stunde, — in Hof und Haus wurde es still, die Nachtlampe warf ein nur unsicheres Licht durch das Zimmer, kein Laut ließ sich hören, als das unruhige Athmen des Schlafenden. Mitternacht mochte schon vorüber sein, und sie war im Lehnstuhl in einen leichten Schlummer versunken, als sie plötzlich durch leises Sprechen erweckt wurde. Der Kranke war erwacht, seine Augen waren groß aufgeschlagen und blickten mit ruhiger Klarheit aus sie. Er sprach leise, nicht
Kurfürst war, der den Keim zu diesem fruchttragenden Baum in den norddeutschen Boden pflanzte, dessen Geäst in allen seinen Theilen Gesundheit bekundet und Zeugniß ablegt von der Kraft des Geistes, welcher dem werdenden Staatswesen von seinem Schöpfer eingehaucht wurde.
Der Große Kurfürst schuf in der militärischen Organisation, welche ihm die Unabhängigkeit des Herzogthums Preußen erwirkte, die Grundlage der brandenburgisch-preußischen Armee, welche zugleich das Bewußtsein des Zusammenhangs der zerstreut liegenden Landestheile förderte. Er erfüllte seine Unterthanen mit dem Staatsgedanken, der durch die Beschränkung der Vorrechte der Landstände in den einzelnen Provinzen und durch die erste Einführung einer den ganzen Staat umfassenden Verbrauchssteuer allmählich eine weitere Stärkung erhielt. Er förderte in seinem Lande Handel und Verkehr durch den Bau des Elbe-Oder-Canals und durch Einfüh- TUNgZteL_Pofl. We in religiösen, so machte er auch m finanziellen Angelegenheiten sein Land unabhängig vom Reich. Aber auch in militärischpolitischer Beziehung machte sich der Kurfürst selbstständig, da der Kaiser und die Reichsfürsten, von eigenen dynastischen und religiösen Interessen geleitet, der im Norden aufstrebenden Macht Brandenburg - Preußens Mißtrauen entgegen trugen. Um die Früchte des glänzenden Reitersieges bei Fehrbellin brächte ihn nicht Frankreich, sondern der Kaiser, das Reich und seine Verbündeten. Seine Idee war es, Frankreich und Schweden von dem Boden des Reichs zu verjagen, er erbot sich, mit dem Kaiser einen energischen Krieg gegen Frankreich zu führen, aber statt dessen trat das Reich aus Eifersucht gegen den Großen Kurfürsten lieber elsässische Gebiete an Frankreich ab und ließ es gewähren, daß Schweden in Pommern Entschädigung erhielt.
unverständliche Worte, sondern gutgefügte Sätze, als sagte er eine fertige, gut memorirte Rede her. — Ein Schauder ergriff sie, — sie wollte um Hülfe rufen — aber in diesem Augenblicke wurde ihr der Sinn der Worte verständlich. Das durfte Niemand hören. — Niemand, als nur fiel Während Eiseskälte ihre Glieder durchrieselte und der Blick des Sterbenden sie in Banden schlug, daß sie sich nicht zu regen vermochte, fiel Wort auf Wort wie Tropfen eines ätzenden GistS in ihr Ohr:
„---Abgründe! — Jeder trägt in sich einen solchen Abgrund herum, den er erst entdeckt, wenn die Stunde der Versuchung naht. Und wer nicht eine solche Stunde erlebt hat, wage nicht über mich zu richten! — Ich bin ein alter Mann, vielleicht bin ich der Einzige hier, meine Herren, der von jener Zeit aus eigener Anschauung zu berichten weiß. — Die Geschäfte lagen darnieder, — in meinen Speichern lagerten Lasten von Getreide, aber keine Nachfrage — kein Absatz! Und Zahlungen mußten geleistet werden oder meine kaufmännische Ehre war verloren, — der alte Name der Wießmann's mit einem Flecken behaftet. — Bankerott! Nur ein Kaufmann kann ermessen, was dies zu bedeuten hat. Das drohende Gespenst hat vor mir gestanden, Wochen, Monate lang. Ich hatte gerungen wie ein Verzweifelnder l Ich wollte mit Schaben verkaufen. Niemand aber konnte kaufen, nirgend war Geld aufzutreiben. So sah es aus im Jahr 1835. Ich hatte nur noch eine Aussicht. — Wein alter Freund van