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Herssklim Kreisdiatt.

Mit wöchentlicher Hratis-AeilageIssustrirtes Anterhaltungsblatt".

Nr. 52.Donnerstag den 3. Mai 1888.

Aöonnements-Kinladung.

Bestellungen auf das

HersfeLber KreisMatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage ^JUustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate Mai und Jnni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 27. April 1888.

Bei dem am heutigen Tage dahier stattgehabten Klassifications-Geschäft wurden:

1. der Landwehrmann Johannes Hahn von Frielingen

2. der Landwehrmann Carl B attenberg von Frielingen auf erhobene begründete Reklamation von der verstärkten Ersatz-Commisston gemäß § 6 des Gesetzes, betreffend die Aenderungen der Wehr­pflicht hinter die letzte Classe der Landwehr 11. Aufgebots zurückgestellt, was hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht wird, daß diese Zurückstellung nur bis zum nächsten Klassifications- termine Gültigkeit behält. Außerdem erlischt die gewährte Zurückstellung, sobald die Betreffen­den aus dem diesseitigen Aushebungsbezirk in einen anderen verziehen.

4802. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 1. Mai 1888?" Diejenigen Herren Ortsvorstände 2c. des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ler- fügung vom 8. Januar 1886 Nr. 60 im Kreis-

Jm Hause der Bitter.

Novelle von Hans Warring. (Fortsetzung.)

Ich wußte," sprach der Kranke weiter,daß sie mit mehreren namhaften Rechtsgelehrten ge­sprochen hatte, daß ich unausgesetzt mißtrauisch beobachtet wurde. Ein unüberlegtes Wort, ein größeres geschäftliches Unternehmen konnte mich ruiniren. Viele, viele Jahre habe ich nicht ge­wagt. mich zu regen. Mitten im Reichthum habe ich gedarbt, ein Leben der Arbeit, der Einsam­keit, der Entbehrung habe ich geführt. Und so blieb es auch, als ich nach und nach durch eigene Kraft das Vermögen verdoppelt und verdreifacht hatte. Nie seit jenem Tage bin ich ein froher Mensch unter frohen Menschen gewesen, nicht einen Augenblick konnte ich meine Last vergessen oder obwerfen I Die Qualen in mir habe ich versucht, durch Wohlthätigkeit in großem Maß- stabe zu mildern keinen Augenblick innerer Be­friedigung l keinen Augenblick der Ruhe des FriedenS! Und ist das nicht Sühne? kurz­sichtige Gerechtigkeit der Menschen---zu einem barmherzigeren Richter.--"

Die Stimme stockte, die Worte wurden undeut­lich, nur noch ein schwächer und schwächer wer­dendes Murmeln ließ sich hören.

Das Mädchen war auf die Knie gesunken und drückte ihre Stirn auf die erkaltende Hand, die immer noch die ihre gefaßt hielt. In dieser Stel­lung verharrte sie lange, lange Zeit.

| blatt Nr. 6, die Erreichung der Nachweisungen über die im I. Quartal Januar März cr. zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Rückstände an drrecten Kommunal-, Kreis- und Provinzial- steuern sowie Schulgeld betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 1«. d. Mts. bei Meidu ng von 3 Mk. Strafe erinnert.

4910. Der Königliche Landrath

__________________Freiherr von Schleinitz.

Die Schulstelle zu Kathus wird in Folge Versetzung ihres seitherigen Inhabers mit dem 1. Juni d. I. vacant.

Etwaige Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst den nöthigen Sitten- und Befähigungszeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem unterzeichneten Schulvorstande einreichen.

Hersfeld, den 27. April 1888.

Der Königliche Schulvorstand von Kathus: 4790. Freiherr von Schleinitz, Landrath.

# Symptome.

Seit einigen Tagen nehmen wieder Angelegen­heiten jenseits unserer Grenzen unser Interesse in Anspruch. In erster Linie sind es die in Frankreich augenscheinlich sich vorbereitenden Umwälzungen, welche unsere Aufmerksamkeit herausfordern. Erst ein Jahr ist verflossen, seit General Bou- langer damals Kriegsminister, nicht nur den Krieg militärisch vorbereitete, sondern auch politisch herbeizuführen bemüht war. Als es sich heraus- stellte, daß der ehrgeizige Mann eine Gefahr für die Republik war, suchte diese sich seiner allmählich zu entledigen, aber das Spiel mit dem Feuer des Vergeltungskrieges gegen Deutschland hatte ihm eine große Schaar von Anhängern geworben und die Republik, welche ihn aus der Armeeliste

Das Leben neben ihr war leise erloschen, auch in ihr war es todt und starr geworden. Als ob eine Sturmfluth über eine blühende Landschaft gezogen war, und hinter sich nichts als Schutt und Trümmer gelassen hatte, so war in ihr zer- Hört und gebrochen, woran ihre innigsten und heiligsten Empfindungen sich emporgerankt hatten. Erblindet der Glanz ihres Namens, den sie mit Stolz getragen, zerstört die Ehre ihres Hauses, zu dem Hunderte mit Verehrung emporgeblickt und vor Allem, vernichtet das Bild des Mannes, der ihr und dem Vater stets als die Verkörperung der Ehre und Gerechtigkeit erschienen war!

Erst als sie am Halse ihres Vaters hing, kamen ihr nach der furchtbaren Erschütterung der Nacht die ersten erleichternden Thränen. Und als sie an seiner Brust schluchzte und seine tröstenden Worte lind und beruhigend in ihr Ohr flossen, da fühlte sie die ganze Tiefe des Glückes, ihn zu besttzen. Ihre Jllustonen waren zertrümmert, ihre Götter zerbrochen. Aber aus dem Chaos, in dem das ganze Sein um sie kreiste, erhob sich ein fester Punkt: ihr Vater, dieser Hort der Ehre und des Rechtes! Und ihm mußte sie rauben, was einzig ihre Stütze war! Ihm sollte sie den Glauben an den Vater zerstören! O, mindestens noch ein paar Tage sollte er den Schmerz um den Ver­lorenen rein in sich ausklingen lassen. Dann nach dem Begräbnisse mußte und wollte sie sich zum Anwalt des Enterbten, Beraubten machen! Als sie an ihn dachte wallte ein Gefühl des Mit­leids und der Bewunderung warm in ihr auf.

strich, schuf sich dadurch in dem von der Gunst der Massen getragenen General einen nicht un­gefährlichen Feind. Er hat, wenn auch noch nicht der Republik, so doch dem heute regieren­den Republikaner einen unversöhnlichen Krieg er­klärt. Auf das Sprichwort:Revision der Ver­fassung", ist er in die Kammer gewählt worden, was darunter zu verstehen ist, beweisen die Geldsummen, welche die Bonapartisten für seine Wahl anfgewendet haben. Ehedem hatten auch die Orleanisten ihn empfohlen, so lange sie in ihm ein Werkzeug, nicht einen gefährlichen Con- currenten erblickten; jetzt, nachdem seine Anhänger offen erklären, das allgemeine Stimmrecht werde ihn an die Spitze der Gewalt bringen, nehmen auch die Orleans den Kampf um die Herrschaft auf.

So ist bereits seit Wochen Frankreich in zwei Heerlager gespalten, ein boulangistisches und ein antiboulangiftisches. Letzteres umfaßt merk­würdiger Weise die gesammte studirende Jugend Frankreichs, welche überall, wo Hochschulen sind, in Paris, Nancy, Toulouse, mit lautem Straßen- spectakel gegen die heraufziehende Dictatur protestirt. Während die aufgehetzten Pöbelmassen der großen Städte zu Gunsten des Säbels, der sie später bändigen wird, lärmen und toben, wenden die Studenten der französischen Universi­täten demRächer der Ehre Frankreichs" den Rücken und singen Spott- und Schmählieder auf den Wiedereroberer des Rheins.

In dem Maße als das Gestirn Boulanger drohend am Horizont der französischen Republik heraufzieht, Boulanger, dessen Name seinen An­hängern, Deroulede und der Patriotenliga gleich­bedeutend mit Krieg und Sieg ist, treten auch in Rußland die slavophilen Elemente wieder in den Vordergrund. Am 11. März v. I. hatte Bou­langer aus Petersburg einen prächtigen Kosacken- säbel mit der Inschrift:Wage, dem Kühnen hilft Gott" erhallen. Das Geschenk war vom

Jetzt verstand sie seine erste Begegnung mit dem Großvater, jetzt wußte sie jene Blicke und Worte zu deuten. Also er hatte um das Unrecht gewußt, er hatte gewußt, daß der Reichthum, in dem sie lebte, ihm geraubt war. Als er vor ihr ge­standen, um ihr seine Dienste anzubieten, und sie ihn nachlässig und gleichgültig behandelt hatte, wie einen bezahlten Untergebenen, da hatte er gewußt, daß der Reichthum, auf den sie einzig ihre Ueber- legenheit stützte, ihm gehörte! Und dann, als der Vater chm so warm entgegen gekommen ge- segnet sei er dafür! da hatte er edel und groß ohne jeden kleinlichen Groll die Hand ergriffen, die man ihm geboten. Offen und herzlich hatte er sich gegeben und ihr eine schöne Freundschaft geweiht und sie? Sie hatte immer noch nicht das Gefühl überwinden können, daß sie sich herab- lasse, wenn sie dem unwiderstehlichen Zwange folgte, der sie zu ihm zog. Sie sich herablassen zu ihm! Sie die Bettlerin, die an Allem bankerott geworden, zu ihm, der so weit, so unendlich weit über ihr stand!

Es war früh am anderen Morgen, als die alte Fränz an die Thür des Verwalters klopfte. Der junge Mann war schon auf und öffnete.

Was haben Sie was ist geschehen?" fragte er von ihrem bleichen Gesicht erschreckt.

Ich wollte Ihnen nur sagen, daß der Herr Consul in dieser Nacht gestorben ist," versetzte sie flüsternd.

Wirklich! so rasch ist es mit ihm zu Ende gegangen!" rief er erschüttert.