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Hersseliier Krcishliltt

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIssustrirLes AnLerhattungsölatt".

Nr. 55. Donnerstag den 10. Mai

1888.

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Amtliches.

Hersfeld, den 7. Mai 1888.

Die Herren Ortsvorstände zu

Asbach, Eitra, Frielingen, Gershausen, Oberhaun, Unterhaun, Wilhelmshof, Motz- feld, Philippsthal, Widdershausen und Wüstfeld haben die s. Z. von Ihnen bestellten Exemplare des Statuts für die Hessen-Nassauische landwirth- schaftliche Berufsgenossenschaft gegen Einzahlung der Kosten von 42 Pfg. ä Exemplar, in Kürze dahier abholen zu lassen.

6100. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 7. Mai 1888.

Die 1. Schulstelle zu Schenklengsfeld wird in Folge Versetzung ihres seitherigen Inhabers mit dem 1. Juni d. I. vacant.

Etwaige Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst den nöthigen Sitten- und Befähigungszeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem unterzeWteM Schulvorstande dezw. dem Königlichen Localschulinspector, Herrn Pfarrer Barchfeld zu Schenklengsfeld, einreichen.

Der KöniglicheSchulvorstand von Schenklengsfeld: 5107. Freiherr von Schleinitz,

Landrath.

Hersfeld, den 7. Mai 1888.

Der seitherige Bürgermeister Johannes Scheidemantel zu Willingshain ist heute als solcher auf weitere 8 Jahre eidlich verpflichtet worden.

5120. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Aus dem Abgeordnetenhause.

Berlin, 7. Mai. DaS Abgeordnetenhaus erledigte definitiv in dritter Lesung den Gesetzentwurf, betr. die Verleihung von Korporationsrechten an Niederlassungen geistlicher Orden rc., durch unveränderte Annahme und be. schäftigte sich dann einige Zeit mit dem Gesetzentwürfe, betreffend die Verbesserung der Oder und der Spree, der von allen Seiten mit Befriedigung ausgenommen wurde.

Es kam indeß dabei zur Sprache, daß in Betreff des früheren Gesetzentwurfs über den Ems-Dortmunder Eanal wegen der Beiträge zu den Grunderwerbskosten Erleichterungen nöthig seien, und der Herr Finanzminister sowohl wie der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten sagten auch bezüg­lich des in Aussicht gestellten AntrageS thunlichste Berück­sichtigung zu. Der Gesetzentwurf wurde einer Commission von 21 Mitgliedern überwiesen, weiche dem Wunsche der Regierung und deS Hauses entsprechend voraussichtlich schnell ihre Arbeiten erledigen wird. Außerdem kam noch eine sehr große Reihe von Petitionen zur Berathung, die indeß nach längerer Debatte fast durchweg im Sinne der betreffenden Commissionsanträge ihre Erledigung fanden. Morgen 1 Uhr: Rechnungrsachen und Petitionen.

Berlin, 8. Mai, Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich zunächst mit Rechnungssachen und beschloß hinsichtlich der Uebersicht von den Staatseinnahmen und Ausgaben des Jahres 1886/87 und der Allgemeinen Rechnung über den Staatshaushalt pro 1884/85 Decharge-Ertheilung, dagegen wurde die Beichluhsassung über weiteraehende Anträge der RechnungScommifsion bezüglich der Allgemeinen Rechnung noch ausgesetzi. Demnächst gelangte eine Anzahl Petitionsberichte zur Berathung. Eine Petition des Schul- Vorstandes Zielen, Kreis Briesen, wegen Besetzung der dortigen Lehrerstelle m't einem katholischen Lehrer, wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt, dagegen eine Petition von katholischen Familienvätern zu Hohenstein in Ostpreußen um Errichtung einer öffentlichen katholischen Schule event, wegen Gründung einet katholischen Privat­schule der Staatsregierung zur Berücksichtigung überwiesen. Eine Anzahl Petitionen von Eisenbahnbeamten um Gleich­stellung mit den Subaiternbeamten hinsichtlich des Wohnungs­geldzuschusses wurden durch einfache Tagesordnung erledigt, Petitionen gleichen Inhalts von Eisenbahntelegraphisten dagegen der Staatsregierung zur Berücksichtigung über­wiesen. Nächste Sitzung Montag 14, Mai, Mittags 12 Uhr. (Zweite Abstimmung über das Volksschullastengesetz; Zweite Berathung des Gesetzentwurss, betr. die Verbesserung der Oder und der Spree.)

Uolitische Nachrichten.

(Deutschland.) Die langsame Besserung, deren sich Se. Majestät der Kaiser im Laufe der vorigen Woche erfreute, ist leider am Schluß derselben durch eine neue Verschlimmerung unter­brochen worden. Die Nächte zum Sonntag und Montag waren nicht so gut als die vorange­gangenen; der Schlaf war häufiger gestört, weil die Eiterabfonderung reichlicher war. Auch das Fieber war etwas höher. Die Aerzte fassen das neuere Befinden als eine der Schwankungen auf, denen der Zustand des hohen Kranken unterworfen ist; sie hoffen, daß nun wieder eine Ruhepause eintreten werde.

Die Nacht zum Dienstag war wieder besser, wie aus folgendem Bulletin des Reichsanzeigers vom Dienstag hervorgeht:

Charlottenburg, den 8. Mai, Morgens 9 Uhr. Se. Majestät der Kaiser und König hatten eine bessere Stacht und fühlen Sich heute kräftiger. Das Fieber ist gering geblieben.

Mackenzie. von Wegner. Leyden. Senator.

Krause. Sovell. ____

Sehr warme Kundgebungen für Se. Majestät" den Kaiser fanden am Sonntag Abend beim Jahresbankett der Academie der Künste in London statt. Der Premierminister Salisbury hielt eine Rede, in welcher er den gegenwärtigen tiefen Frieden in Europa der Thatsache zuschrieb, daß ganz Europa schweigend am Krankenlager seines mächtigsten, bewundertsten und geschätztesten Herrschers, des Kaisers Friedrich, stehe. Der Prinz von Wales sagte:Ich wünschte es wäre mir möglich, bei dieser Gelegenheit größere Hoffnung auf Erhaltung des Lebens eines Mannes zu geben, der mir so nahe steht und so theuer ist und dessen Leben nicht allein für sein eigenes Land, sondern, wie ich zu behaupten wage, für die Welt im Großen so werthvoll ist. Die jüngsten

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Ein Schelmenstreich des Junkers Josse von Braut?

E. W u t t k e - B i l l e r.

Um das Jahr 1621 war bei den Magdeburgern der WeinkellerZur Tonne" auf dem Breiten- wege sehr beliebt. Gottfried Kühlewein hieß der Besitzer, ein angesehener Mann, der in dem furcht­baren Jahre der Zerstörung Magdeburgs daS Bürgermeisteramt verwaltete.

Der Weinkeller, im Geschmacke der Zeit reich verziert, zeigte ringS an den Wänden auf weißem Grunde lustige Sprüche zwischen schnörkelhaften Ornamenten; auch Bilder, deren Figuren in Um­rissen mit rothbrauner Farbe gezeichnet waren.

DaS eine dieser Bilder stellte einen reichgeklei­deten Mann dar, zwischen zwei Frauen an einem mit Speisen bedeckten Tische; darunter stand:

So lang ich Gheldes ghenoch han, So sal mtn Budel apen stau."

An einem Tische, welcher unter diesem Bilde stand, versammelten stch allabendlich einige Junker, Söhne angesehener und reicher Geschlechter, die den Weinkeller der Herrentrinkstube vorzogen, wo ihre Verwandten und Standesgenossen sich trafen. Dort war ein gewisser Anstand und Zwang ge­boten; hier ließen sie sich gehen, spielten die großen Herrn und tmponirten den Spießbürgern.

* Da« Thema ist einem alten Stoffe bei 14. Jahrh, entnommen,

Schon bet ihrem Eintritt machten sie mit Degen, Sporen und lautem Gerede solchen Lärm, daß Alle sich nach ihnen umschauten. Hätten sie jemals ihren Tisch besetzt gefunden, würde es nicht nur argen Spektakel, sondern wohl gar blutige Köpfe gegeben haben.

Doch dieser Fall konnte nicht eintreten, weil Wenzel Hais, der Küfer, der des Wirthes Stelle im Keller vertrat, wie auch seine Knechte, jeden Fremden warnten, der sich an den Tisch setzte. Magdeburger aber hielten sich aus guten Gründen fern; es war kein Vergnügen in der Nähe dieser übermüthigen, rohen Junker zu sitzen. Ihr Witz ergoß sich wie beißende Lauge und schonte weder Alter, Ehrbarkeit noch Stellung; auch waren ihre Späße nicht von Filigran, sondern wie mit der Holzaxt zugehauen. Doch folgte jedem ein brül­lendes Gelächter der Kumpane.

Ein beliebter Schabernack war es, vom Kopse eines Menschen, der sich dessen nicht versah, die Mütze mit der Degenspitze abzunehmen, oder in gleicher Weise einfliegendes Blatt" anzuspießen, in welchem Jemand eifrig las.

Wer einem Streit ausweichen wollte, mußte gute Miene zum bösen Spiel machen und wohl gar in das allgemeine Gelächter einstimmen. Freilich war es nicht jedermanns Sache stch von diesen öden Junkern ungestraft beleidigen zu lassen. Thatkräftige und stolze Männer aber blieben wohl­weislich von den Späßen dieser Herren verschont.

Eines Tages gewahrten die Junker schon beim Eintritt, daß an ihrem Nachbartische, aus den sie

Hüte und Mäntel abzulegen pflegten, eine fremde Gesellscha't sich gemüthlich niedergelassen hatte.

Kann Er nicht auf Ordnung halten?" schrie Josse von Braut, der Wildeste unter den Junkern, dem Küfer zu.Hat er vergessen, was Er uns schuldig ist?"

Euer Gnaden werden entschuldigen," bat der Küier.Der Steuerinspektor, Herr Wampel, be­hauptet, mit Euer Gnaden bekannt zu sein, will sich auch nicht vordrängen, sondern nur in der Nähe von Euer Gnaden geduldet werden."

Leim Zeus! Das ist eine unerhörte Frech­heit l" schrie Junker Josse, und seine Freunde stimmten ein.

Wie kommt dieser elende Steuerinspektor dazu, uns zu kennen?" riefen sie.

Ich bitte Euer Gnaden nur zu bedenken, daß ich meines Herrn Gäste doch nicht geradezu hinaus- werfen kann," vertheidigte sich der Küfer ein wenig gereizt.

Das laßt nur unsere Sache sein," meinte Junker Josse.Dieser würdige Steuerinspektor scheint noch nicht zu wissen, daß wer dem Feuer zu nahe kommt, sich verbrennt."

Kann's ja mit kahlem Schädel noch erfahren," rief ein Anderer.

Veit Wampel, eine wohlbeleibte Gestalt mit vorstehenden Froschaugen, spärlichem Haarwuchs und einem schlecht gepflegten Zwickelbart, thronte oben an dem streitigen Tische. Ein Krug stark- gewürzten Weines, den der Steuerinspektor spen­dete, kreiste bet seiner Gesellschaft einigen