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Hersselder Kreisblitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Jllustrirtes Zlnterhaltungsblatt".
Nr. 57. Dienstag den 15. Mai 1888.
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Amtliches
Der Herr Ober-Präsident hat genehmigt, daß auch im Laufe dieses Jahres zum Besten des Hospitals für fallsüchtige Frauen (St. Valentinushaus) zu Kiederich eine einmalige Sammlung freiwilliger Gaben bei den katholischen Einwohnern der Provinz Hessen-Nassau durch polizeilich legitimtrte Collec- tonten veranstaltet werden darf.
Cassel, den 3. Mai 1888.
Der Regterungs-Präsident. Rothe.
Cassel, den 8. Mai 1888.
Königliches Landrathsamt beehre ich mich hierdurch ergebenst zu benachrichtigen, daß die beiden Zwangszöglinge Carl August Faßler, geboren am 15. März 1870 zu Steinbach-Hallenberg und Kaspar Friedrich, geboren am 13. April 1870 zu Gersfeld, am 16. v. Mts. aus der Anstalt zu Rengshausen entlaufen find.
Ich »suche Daher ergebenst, n<W* gefälligst forschen, sie im Betretungsfalle festnehmen und in die Anstalt durch eine geeignete Ciml- person auf meine Kosten zurückbringen lassen zu wollen.
Von dem Erfolge der Nachforschungen bitte ich hiernächst um sehr gefällige Nachricht.
Der Landes-Director. I. A.: Schröder. An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.
II. 1667.
* *
Hersfetd, den 11. Mai 1888.
Wird den Herren Ortsvorständen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises behufs Fahndung nach den Flüchtigen hierdurch zur Kenntniß gebracht. , . . ,
Im Betretungsfalle derselben ist mir sofort Anzeige zu erstatten. , 5253. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Ein Schelmenstreich
des Junkers Josse von Brant.
E. Wuttke -Bill er.
(Fortsetzung.) ,
Daß Josse von Brant nach dieser Mittheilung einen Hustenansall bekam, Cristoffer Meldungen sich donnernd schneutzte, und Jörge Adelebsen auf- sprang und schnell davon lief, fiel ihm nicht ^An^einem schwülen Junitage lag Veit Wampel am Fenster und regierte in Gedanken Braun- schweig. Da kam ein lärmender Auflauf die Straße herunter; auf einem Wägelchen zeigte sich ein Quacksalber mit rothem Mantel und Federhut, der dem Volke, das ihm von allen Seiten zulief,
seine Waaren anpries. ,
„Kauft Brillen", schrie er, „mit denen Ihr in pechfinsterer Nacht sehen könnt! Rauft Oleum tassi barbassi! Schönes Mädchen, hier ist Schminke für Deine weiße Haut l Ratten und Mäu egtft, Ihr Hausfrauen! Pomade, lieblich duftende Pomade für diesen Herren Allamode."
Als nun im Vorüberfahren der Quacksalber Veit Wampel erblickte, schrie er hinauf: „Potz hundert Gift! Dem kahlen Haupte da oben soll Sjü^Sle^ In' ein?*Woche kann' vor^sich hin. ^„Jetzt werden die Hallunken vor
Eure Liebste Euch an den Locken zausen!" mir kriechen. Aber wer zur Gegenpartei gehörte,
Empört schloß Veit Wampel das Fenster und I wird ausgewiesen.-
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Im Zustande Sr. Majestät des Kaisers ist eine Periode des besseren Befindens eingetreten. Das die Kräfte auszehrende Fieber hat fast ganz aufgehört und der Appetit ist wieder reger geworden. Vorläufig sollen keine ärztlichen Bülletins ausgegeben werden. In Folge dieser günstigeren Nachrichten dürfte auch die Reise der Kaiserin Viktoria nach Westpreußen in den nächsten Tagen statt» finden.
Im Laufe des Sonnabend Vormittags nahm Se. Majestät der Kaiser und König im Schlosse zu Charlottenburg die regelmäßigen Vorträge entgegen und arbeitete von 11 Uhr ab längere Zeit mit dem Kriegsminister General-Lieutenant Bronsart von Schellendorff und- dem Chef des Militär-Cabinets, General der Kavallerie und ÄÄSÄ
Augusta, sowie der Kronprinz und die Kronprinzessin und andere Mitglieder der Königlichen Familie den Kaiserlichen Majestäten im Schlosse zu Charlottenburg längere Besuche ab.
Der Kronprinz conferirte am Freitag Nachmittag längere Zeit mit dem Fürsten Bismarck.
Die „Nordd.Allg.Ztg." schreibt: Der Geburtstag der Königin von Großbritannien wird voraussichtlich am 24. Mai durch die Hochzeit des Prinzen Heinrich mit der Prinzessin Irene begangen werden. Die Vermählung findet in der Schloßcapelle von Charlottenburg statt, und wenn die Besserung im Befinden des Kaisers, wie sie sich ------------
gestern so erfreulich zeigte, anhält, so ist die Hoff- General-Anze-ger" wollte von angeblichen Aeuße- nung nicht ausgeschlossen, daß der Kaiser bet der rungen wissen, welche Fürst Bismarck gegen hoch- Trauung zugegen sein kann. Die Braut wird in gestellte ausländische Personen u. A. des Inhalts Begleitung des Großherzogs von Hessen und ihrer gethan haben sollte, daß weder der Haltung Ruß- bisherigen Umgebung in dem Königlichen Extra- lands noch Herrn Boulanger irgend welche Bedeu-
schwor aus Braunschweigs Thoren alle Quacksalber mit Hunden hetzen zu lassen.
Ganz consternirt noch über die Frechheit dieses Burschen gegen eine Standesperson, kleidete er sich zu einem Spaziergange an. Als er vor die Hausthür trat gewahrte er den Boten, welcher ihm das Schreiben Peter Muchays überbracht hatte.
Der Bote überreichte ihm, sich diesmal tiefer wie das erste Mal verneigend zwei Schreiben und sprach: „Es ist mir eine große Ehre, edler Herr, daß ich Euch diese Briese überbringen darf und ich wünsche, daß ich nie andere Briefe zu überbringen hätte." r „
Veit Wampel merkte sogleich, daß daS eine Schreiben, welches sich durch seine Größe aus- zeichnete, seine Ernennung zum Bürgermeister enthalten müße, und daß der Bote, davon wissend, auf ein gutes Trinkgeld specultre.
Also zog er mit steifer Würde aus seiner weiten Hose ein Lederbeutelchen und indem er ihm ein Stlberstück reichte, sagte er: „Ich bin ein ehren- werther Mann, und man soll nicht sagen, daß ich Euch bestochen hätte."
Der Bote hatte mehr erwartet und sah ihm mißmuthig nach, als Veit Wampel in das Haus zurückging, und langsam, doch mit klopfendem Herzen die Treppe hinanstieg.
Jetzt bin ich ein großer Herr", murmelte er
~ " , „Jetzt werden die Hallunken vor
i zuge von Darmstadt abgeholt, an der Grenze des Königreichs feierlich empfangen und unter den der Braut eines preußischen Prinzen gebührenden Ehren, durch die Monarchie bis Charlottenburg geleitet, wo für ste die Zimmer in Bereitschaft gesetzt werden, welche die Königin von Großbritannien jüngst bewohnte. Von fremden Fürstlichkeiten werden wie man hört, der König von Sachsen als Haupt des sächsischen Hauses, der Prinz von Wales als Vertreter der britischen Königin anwesend sein. Wird die Hochzeit unter den obwaltenden Verhältnissen auch nur als eine stille zu betrachten fein, so wird das Brautpaar doch von einem Kreise von Hochzeitszeugen umgeben sein, wie sie die hohe Stellung des Bräutigams erfordert. Der Trauung folgt ein Dejeuner dinatoire. Abends reifen die Neuvermählten nach Schloß Erdmannsdorf ab. Von sonstigen Feierlichkeiten wird in Anbetracht der Verhältnisse des
vaH junge tertfF., Residenz, »imM Schlosse zu Kiel. , c t
Zu der am 18. Juni stattfindenden Einweihung des Posener Provinzial- Kriegerdenkmals hat Kronprinz Wilhelm sein Erscheinen zugesagt, falls der Zustand des Kaisers die Abreise des Kronprinzen gestatten wird.
Fürst Bismarck wird, wie der „Coln. Ztg." gemeldet wird, mit Rücksicht auf die jetzige Besserung im Befinden des Kaisers die wiederholt aufgeschobene Reise auf seine Varziner Besitzungen in allernächster Zeit ausführen und voraussichtlich mindestens eine Woche sich dort
aufhalten.
Ein süddeutsches Localblatt, der „Frankfurter
Mit bebender Hand zerriß er das große Couvert, und enthüllte ein, wie eine Urkunde mit Schnörkeln auSgestattetes und mit einem Städte- Wappen versehenes Schreiben, in welchem ihm von dem Senat der braunschweiger Bürgerschaft das Diplom des Bürgermeister-Amtes ausgefertigt wurde.
Er hatte aus einen Sieg über die Gegenpartei gehofft; von der Thatsache wurde er doch über« wältigt; es war ihm als würde er größer und größer und als müße sein Haupt an der niedrigen Decke seiner kleinen Stube endlich anstoßen.
Wie groß aber war sein Schreck, als er in dem zweiten Schreiben, einem Briese des Peter Muchay las, daß de furchtbare Gegenpartei noch immer auf der Lauer läge, und daß Veit Wampel bis zu seinem Einzüge in Braunschweig die Ernennung als tiefes Geheimniß bewahren müsse.
Die Gegenpartei trübte seine Freude, aber durch die Vorschriften, welche Peter Muchay ihm zugleich für seinen Einzug gab, wurde ihm auch die eigene Größe und das Ansehen der gewonnenen Stellung erst so recht lebendig.
Darum schien es ihm unpassend im Werkeitags« rock eine Promenade zu machen und er suchte seine Staatskleider vor, mit denen er sich auf das beste schmückte.
Doch war er so in Gedanken versunken, daß er kleine Kinder umrannte und nur durch einen weiblichen Warnungsruf den Hufen eines Pferdes entging.