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Htrsftlder Klkisdlsltt.

Mit wöchentlicher KraLis-AeilageIllustrirtes AnterhattungsötaLL".

Nr. 58. Donnerstag den 17. Mai 1888.

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Amtliches.

Hersfeld, den 14. Mai 1888.

Die Herren Orlsvorstände des Kreises werden davon benachrichtigt, daß die nach den bestehen­den Vorschriften von der Ist-Einnahme mit 3°/0 zu berechnenden Veranlagungskosten von der Klassensteuer.pro 1887/88 zur Auszahlung an die einzelnen Gemeinden durch Vermittlung der betreffenden Steuerkasse angewiesen worden sind, und die Abhebung der Beträge alsbald zu ge­schehen hat.

5344. Der Königliche Landrath ___Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 14. Mai 1888.

Indem ich nachstehend die Bedingungen über die Aufnahme von Fohlen auf der Biebersteiner Fohlenweide (Kreis Fulda) zur öffentlichen Kenntniß bringe, nehme ich hierbei Veranlassung, den Herren Landwirthen des Kreises die Be­schickung der qn. Fohlenweibe, deren Vorzüge für eine gedeihliche Entwickelung der Fohlen be­kannt sind, zu empfehlen.

5319. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Bedingungen für die Aufnahme von Fohlen auf der Biebersteiner Fohlenweide im Kreise Fulda.

1) Die Zahl der aufzunehmenden Fohlen soll 55 betragen, keinenfalls 60 übersteigen.

2) Ausgenommen werden 1-, 2> und 3jährige Stuten, und Wallachfohlen, sowie

3) nicht castrirbare einjährige Hengstfohlen. Ausgeschlossen von der Aufnahme werden solche Fohlen, welche an Mängeln oder Krankheiten leiden, die eine fortwährende ärztliche Behandlung und Aufsicht erforder­

(Unbefugter Nachdruck verboten).

Ein Schelmenstreich des Junkers Josse von Brant.

E. Wuttke - Bill er.

(Fortsetzung.)

Er hat eine Münze gepachtet und schlechtes Geld geschlagen,* meinte Jörge Adelebsen.

Da fühlte Veit Wampel, daß er so guten Freunden seine Ernennung nicht vorenthalten dürfe. Er zog die Urkunde hervor, breitete sie sorgsam auf dem Tische aus und sagte:Lest selbst, meine Herren; aber wenn ich bitten darf, nicht laut. Die Sache ist Staatsgeheimniß." Und während die Junker sich so tief über den Tisch beugten, als wollten sie ihre Mienen ver­bergen, lehnte Veit Wampel sich in dem Stuhle zurück und warf hochmüthige Blicke nach den anderen Gästen.Ihr Dummköpfe*, schien seine Miene zu sagen,Ihr wißt noch nicht einmal, was für ein Mann hier unter Euch weilt.*

Aber Wenzel Hais wußte, daß die Junker den Steuerinspektor nie ärger verspottet hatten, als an diesem Abend, wo sie ihn mit ausgesuchter Artig- keit behandelten und selbst mit Wein traktirten.

Veit Wampel theilte feinen Freunden auch Peter Muchay's Brief mit, und sie zeigten sich auf das Eifrigste bereit, ihm bet seiner Ausrüstung für einen glänzenden Einzug in Braunschweig mit Rath und That beizustehen. Zu den namhaften Summen, deren er dabei bedurfte, hatte ihm auch Frau Rosine Lotzin einen ansehnlichen Theil vor­

lich machen oder durch ihren Aufenthalt auf der Weide das Leben oder die Gesundheit der anderen Fohlen in Gefahr bringen.

Zu entrichten ist für jedes Fohlen 15 Mk. Weidegeld und 200 Pfund = 100 Kilo ge­sunder, guter Hafer, für welchen indeß auch der Anschaffungspreis erlegt werden kann. Der Weidegang beginnt in der Regel in der 2ten Hälfte des Monats Mai und endet in der 2ten Hälfte des Monats September. Die erforderlich werdende thierärztliche Hilfeleistung wird durch den Kreisthierarzt kostenlos während der Weidezeit besorgt, ebenso werden die Medicamente aus der Fohlenweide-Casse beschafft.

Die Eröffnung der Fohlenweide ist aus den 24. Mai c. festgesetzt worden.

Hersfeld, den 14. Mai 1888.

Die am 7. Mai 1867 zu Niederjossa "geborene Catharina Wettlaufer hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

5339. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 14. Mai 1888.

Der am 4. Juli 1859 geborene Schreiner Jakob Bernhardt zu Niederjossa hat für sich und seine Ehefrau Anna Margarethe geb. Riffer um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsver- bande behufs Auswanderung nach Amerika nach­gesucht.

5358. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 9. Mai 1888.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises benach­richtige ich davon, daß in Ausführung des Reichs-Jmpfgesetzes vom 8. April 1874 im Kreise Hersfeld die Jmpfstationen bezw. Impf- und

gestreckt ; denn sie hoffte durch ihr Entgegenkommen den abgerissenen Faden wieder anzuknüpfen.

Veit Wampels Abreise in Begleitung seines Gefolges brächte die Nachbarschaft in Aufruhr. Bor seiner bescheidenen Wohnung hielt eine ganze Kavalkade; denn nach Peter Muchays Rath durite er sich in Braunschweig gar nicht sehen lassen, ohne einen Notar, zwei Schreiber und ebensoviel Pagen wie Diener, und Alle beritten.

Der lammfrommste Gaul, der aufzutreiben war, hatte Josse von Brant ausgesucht; nun blieb aber die Schwierigkeit, wie Veit Wampel mit seinen kurzen Beinen auf den hohen Rücken dieses Thieres kommen sollte; denn Retten gehörte nicht zu seinen erlernten Künsten. Allemal, wenn ein Versuch mißlungen war, aber krähte und johlte die Straßenjugend, was ihn tief beleidigte.

Blamatus ille, donnerte der Notar in kurzem schwarzen Mäntelchen von seinem Pferde. Dann sich zu einem Diener wendend, rief er:Ver­fluchter Kerl, lange mir die Reitpeitsche zu! Potz hundert Gift! Ich muß dem verfl .... Gesindel eins auf den Buckel brennen.*

Bet diesen Worten fuhr Veit Wampel auf ein­mal eine Erinnerung an den Quacksalber durch den Kopf, der ihn durch seinen Spott so tief beleidigt hatte.

Mea virtute, me involvo, brüllte der Notar und schlug mit der Reitpeitsche auf die springende undschreiendeJllgend.Rara avis! Blamatusille!

Das wirkte; heulend zog sich die Straßenjugend

Revisions-Termine für das Jahr 1888 wie folgt bestimmt worden sind.

1) Station Hersfeld.

a) Sonnabend, den 23. Juni, Nachmittags 2 Uhr, Erstimpfung der im Jahre 1887 ge­borenen Kinder der Stadt Hersfeld und der Restanten.

Revision: Sonnabend, den 30. Juni, Nach­mittags 2 Uhr.

b) Impfung: Donnerstag, den 21. Juni, Nach­mittags 2 Uhr, Erstimpfung bezw. Wieder­impfung der Kinder und Schüler aus den Gemeinden Kalkobes, Allmershausen mit Hählgans, Heenes, Meisebach, Eichhof, fiscal. Oberförsterei Hersfeld und Wiederimpfung der Schüler der Stadt Hersfeld.

Revision: Donnerstag, den 28. Juni, Nach­mittags 2 Uhr.

2) Station Sorga,

umfassend die Ortschaften Sorga, Kathus, Peters­berg, Wilhelmshof und Oberrode.

Impfung: Donnerstag, den 31. Mai, Nachmittags 4 Uhr.

Revision: Donnerstag, den 7. Juni, Nachmittags 4 Uhr.

3) Station Friedlos,

umfassend die Ortschaften Friedlos, Reilos, Nohr- bach, Tann, Mecklar, Meckbach und die fiscal. Oberförsterei Meckbach.

Impfung: Dienstag, den 5. Juni, Nachmittags 4 Uhr. Revision: Dienstag, den 12.Juni, Nachmittags 4Uhr.

4) Station Asbach,

umfassend die Ortschaften Asbach, Beiershausen und Kohlhausen.

Impfung: Freitag,den I.Juni, Nachmittags 2 Uhr. Revision: Freitag, den 8. Juni, Nachmittags 2 Uhr.

5) Station Kerspenhausen,

umfassend die Ortschaften Kerspenhausen, Hilper-

zurück und Veit Wampel vermochte mit Hülfe eines Schemmels ungestört sich in den Sattel zu schwingen. Aber er war tief beschämt, daß ihn ein so gelehrter Mann, der mit lateinischen Redensarten nur so um sich warf, an einen gemeinen Quacksalber erinnert hatte.

Mit Befriedigung fühlte er sich auf dem Rücke» seines Schimmels, schaute verächtlich auf die fliehenden Jungen und dachte:Da kann mau sehen, was man mit dem Latein auSzurichten vermag.* Dabei faßte er den Entschluß kein Geld zu sparen, um von seinem Notar diese edle Sprache zu erlernen.

Langsam bewegte sich der Zug auf der staubigen Landstraße vorwärts; denn sobald der Notar sein Rößlein einmal schneller traben ließ, streckte Veit Wampel seine Hand beschwörend aus und rief: Herr Notarl Herr Notar! Wie wollt Jhr's vor Braunschweig verantworten, wenn mir ein Unglück zustteßer* Und auf seine Stirn trat kalter Schweiß.

Auch vom Einkehren in einer Herberge wollte Veit Wampel nichts wtffen; denn er fürchtete das Aus- und Absteigen. Als sie aber um die Mittagszeit durch Groß»Ammensleben kamen, wurde das hungrige Gefolge rebellisch. Man hätte sie auch nicht vorübergelassen. Der Edelhof, an welchem die Straße vorüberführte, war voll lärmender Junker. Josse von Brant und seine Freunde darunter. Sie begrüßten Veit Wampel mittzurrah* und der Besitzer bat ihn mit