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Hersfel-cr Kreistlitt.

Mit wöchentlicher Kratis-IeikageIssustrirtes Muterhaktungsklatl".

Nr. SS. Sonnabend den 19. Mai 1888.

Pfingsten. ^

Wie ist die Welt so wunderschön

In ihrer neuerstandnen Pracht, Die in den Thälern, auf den Höh'n In frischen Frühlingsfarben lacht!

Grün ist der Leppichschmuck der Flur, Des Waldes reich belaubtes Dach, Grün ist das Festkleid der Natur, Mit ihm ruft sie die Hoffnung wach.

Ein blauer Himmel, klar und mild, Blickt auf die Flur, den Wald, den See, Blau ist der Glaubenstreue Bild, Der Trösterin im Erdenweh.

Und von dem blauen Himmelszelt Schickt ihren Strahl, wie Gold so rein, Die Sonne auf die schöne Welt;

Das ist der Liebe Feuerschein,

Die an der ersten Pfingsten Tag In Sturmesweh'n, vom Blitz umkreist, Mit tausend feur'gen Zungen sprach, Der ew'gen Liebe yeilger Geist,

Der Liebe, die den Sonnenstrahl Den Menschen gab als Unterpfand, Durch den sie dieses Erdenthal Des Himmels lichten Höh'n verband.

Amtliche».

Hersfeld, den 16. Mai 1888.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 27. November 1876 Nr. 11906

(Unbefugter Rchdruck verboten.)

Ein Schelmenstreich des Junkers Josse von Brant.

E. Wut tke - Biller.

m t . (Fortsetzung.)

Dieser Besuch bet einem gelehrten Herrn legte sich abermals als Ahnung eines kommenden Unheils auf Veit Wampels Seele; aber er wußte was er seiner Stellung schuldig wäre und sagte zu.

Als er eine Weile gefahren war, lud er den Notar ein sich zu ihm zu setzen und ihm die An­fänge der lateinischen Sprache beizubringen.

Mit erstaunlicher Gewandtheit kletterte dieser Gelehrte über Rad und Rand des Wägelchens; wobei Veit Wampel, ganz gegen seinen Willen, abermals an den Quacksalber denken mußte.

»Um die lateinische Sprache zu erlernen," sagte der Notar und nahm mit wichtiger Miene Platz, »braucht man dreizehn volle Jahre. Daraus können Euer Gnaden ersehen, daß man nicht zwischen Groß-Ammensleben und Helmstädt ein Lateiner werden kann."

»Ach das fällt mir ja gar nicht ein", rief Veit Wampel ärgerlich. »Ich will nur ein paar Redensarten lernen; solche für den täglichen Bedarf; wie man sie braucht, wenn man einen gelehrten Herrn besucht."

.Gut", sagte der Notar, legte den Finger an die Nase und schien nachzudenken. Nach einer Weile hatte er das Richtige gefunden.

»Haben Euer Gnaden vernommen, daß ich beim

Zum Himmel auf die Pflanze blickt In Wald und Thal, auf Berg und Au, Herab vom Himmel sie erquickt Fruchtbarer Regen, frischer Tau.

Hinauf zur blauen Himmelsfern Der Vogel sendet seinen Sang, Vom Himmel reift der Früchte Kern, Zum Himmel steigt des Sängers Dank.

Aus tiefer Brust zum Himmel auch Dringt auf der Menschen Dankgebet, Vom Himmel her des Geistes Hauch Den Pfingstgruß durch die Schöpfung weht:

Ich habe durch der Sonne Licht Für dich die Erde neu geschmückt, So hoffe voller Zuversicht, Denn ich hab' dich bisher beglückt.

Ich bin es, der die Welt gemacht Und sie erhält in Ewigkeit, So glaube, daß dein Vater wacht, Denn ich war bei dir alle Zeit.

Ich war Dein Retter in der Noth, Ich nahm dir ab, was dich betrübt, So liebe mich, bis in den Tod, Denn i ch hab' dich zuerst geliebt."

im Kreisblatt Nr. 96, die zur Erfüllung ihrer Militärpflicht heranzuziehenden Personen be­treffend, im Rückstände sind, werden hieran m i t Frist bis zum 24. d. Mts. bet Meidung von 3 M. Strafe erinnert.

5616. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Abschied von den Herrschaften sagte: Blamatus ille ? (der ist blamirt); das hieß aus deutsch: Wir empfehlen uns fernerem Wohlwollen und bedanken uns für gütige Aufnahme. Aber wir rechnen die erwiesenen Ehren nicht unserer Person zu, sondern dem hohen Amte, das wir bekleiden."

»Potz Strahl!" rief Veit Wampel erfreut, »in diesem Blamatus ille steckt ja eine ganze Rede; damit will ich mich von dem Rektor verabschieden. Nun gebt mir aber etwas für den Anfang."

»Das ist freilich ein bischen länger: Dulce est desipere in loco (lieblich ist's zu seiner Zeit den Thoren zu spielen); aber gebt Acht, damit werden Euer Gnaden großen Eindruck machen. Das wird in des Rektors Ohren klingen wie die schönste Lobrede auf ihn und die ganze Universität."

Veit Wampel wurde es leicht ums Herz. .Das wird mir zu statten kommen; denn zu allen Dingen gehört Uebung und ich habe seit längerer Zeit keine Rede gehalten."

»Reden ist mein eigentliches Metier," rief der Notar. »Wir Gelehrten lieben das. Der Rektor wird Euch garnicht zu Worte kommen lassen darum werft nur von Zeit zu Zeit rara avis (seltener Vogel) dazwischen. Das wird dem Rektor ganz verfl . . . ."

«Ihr habt von der hohen Schule noch das Fluchen recht in der Gewohnheit, Herr Notar."

.tzm! hm! ja, so 'was hängt einem lange an!" Und um sich wieder einzuheben, erbot er sich, Veit Wampel noch eine vierte Redensart einzulernen, gerade soviele als ihm selbst eingepaukt worden

Nachrichten

für diejenigen jungen Leute, welche in die Unteroffizier-Vorschulen zu Weilburg, Anuaburg und Neubreisach einzutreten wünschen.

Kriegsminisierimn. Berlin, den 8. April 1888.

1. Die Unteroffizier - Vorschulen haben die Bestimmung, geeignete junge Leute von ausgesprochener Neigung für den Unteroffizierstand in der Zeit zwischen dem Verlassen der Schule nach beendeter Schulpflicht und dem Eintritt in da» wehrpflichtige Alter derart fortzubilden, daß sie für ihren künftigen Beruf tüchtig werden. Bei militärischer Erziehung sollen sie dort Gelegenheit finden, ihre Schulkenntnisse soweit zu ergänzen, wie dies nicht nur im Hinblick auf den mili­tärischen Beruf, sondern auch für ihre spätere Verwendbarkeit, im Militär - Verwaltungs- bz. Eivildieust wünschenswerth ist. Daneben wird der körperlichen Entwickelung und Aus­bildung, unter vorzugSweiser Berücksichtigung der Anforde­rungen des Militärdienstes, besondere Aufmerksamkeit zuge­wendet.

2. Die Ausbildung in den Unteroffizier-Vorschulen dauert in der Regel ein bis zwei Jahre.

3. Die Zöglinge der Unteroffizier-Vorschulen gehören nicht zu den Militärpersonen des Reichsheeres. Denselben stehen daher bei vorkommenden Dicnstbeschädigmigen keine Ansprüche auf Jnvaliden-Wohlthaten zu. Die Ausnahme begründet aber die Verpflichtung, aus der Vorschule, unter Uebernahme der für die Ausbildung in einer Unteroffizierschule festgesetzten besonderen Dienstverpflichtung, unmittelbar in die hierfür bestimmte Unteroffizierschule überzutreten und für jeden vollen oder auch nur begonnenen Monat des Aufenthaltes in der Unteroffizier-Vorschule zwei Monate über die gesetzliche Dienst­pflicht hinaus im aktiven Heere zu dienen; für den Fall aber, daß ein Zögling dieser Verpflichtung überhaupt nicht oder nicht in vollem Umfange nachkommen sollte, die auf ihn gewendeten Kosten, 465 M. für jedes auf der Unteroffizier- Vorschule zugebrachte Jahr, sofort zu erstatten. Im letzteren Falle sind die nicht ein volles Jahr bz. einen vollen Monat ausmachenden Fristen tageweise zu berechnen. Wird ein Zög­ling als zum Unteroffizier ungeeignet aus der Unteroffizier- Vorschule entlassen, so ist er zur Erstattung der Kosten nicht verpflichtet. Auch übernimmt der Zögling für einen etwaigen, über zwei Jahre hinaus erforderlich werdenden Aufenthalt in der Unteroffizier-Vorschule keine besondere Verpflichtung.

4. Bei dem Ucbertritt in die Unteroffizierschule hat der Freiwillige den Fahneneid zu leisten und steht dann wie jeder andere Soldat des Heeres unter den militärischen Gesetzen.

waren; aber dieser fühlte nach der ungewohnte» Anstrengung ein Schwindel im Kopse und schrieb sich die Gelehrsamkeit auf ein Zettelchen, damit sie ihm nicht wieder verloren ginge.

Kurz vor Helmstädt stieg er vom Wagen auf sein Pferd und im vollen Bewußtsein seiner neuer­langten Würde ritt er mit seinem stattlichen. Gefolge der im deutschen Reiche berühmtesten Universitätsstadt zu, deren Thürme sich schon am Horizonte zeigten.

Am Ende des Osterndorses, nicht weit vom Ludgertkloster, stand dazumal ein Wirthshaus, zum «DoppeUchwänzigen Kater" benannt; ein beliebter Wallfahrtsort der Studenten.

Unter den Linden vor dem Hause saßen sie an langen Tischen, tranken aus thönernen Kannen Bier und brüllten ihre Lieder mehr als sie sie sangen.

Als Veit Wampel diesen Gesang schon in der Entfernung vernahm, legte sich abermals eine düstre Ahnung beängstigend aus sein Gemüth.

Auch die Studenten hatten den stattlichen Zug von acht Berittenen gewahrt, aus die Annäherung eines vornehmen Herrn geschlossen und waren willens ihn nicht vorüber zu lassen, bis er sich bereit erklärte, ein Fäßchen Bier als Zoll zu ent­richten. Demzuiolge stellten sie sich zu beiden Seiten der Straße auf, sperrten mit ihren Degen den Weg und schwenkten ihre Krüge. Dabei sangen sie:

Frisch auf, gut Gesell, laß rumstet gan, Lümmel Dich, guiS Weinlein!