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HtrsstlKr Kreisblatt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeikage „ILlustrirtes Nnterhattungsölatt"
Nr. 61. Sonnabend den 26. Mai 1888.
Amtliches.
Hersfeld, den 17. März 1888.
Der Vaterländische Frauenverein beabsichtigt zur Verstärkung seiner Mittel, namentlich zur Ansammlung eines Fonds, welcher im Falle eines Krieges bei den in Bezug aus die Pflege verwundeter und ertränkter Krieger übernommenen Aufgaben Verwendung finden soll, eine Lotterie zu veranstalten.
Es stehen zur Verfügung 330 Gewinne (Handarbeiten^ Nippessachen u. s. w.) im Werthe von 500 M. und sollen 3000 Loose zum Preise von ä 30 Pfg. ausgegeben werden.
Euer Excellenz ersuchen wir ergebenst, zu dieser Lotterie die erforderliche Genehmigung hochgeneigtest ertheilen zu wollen.
Der Vorstand des Vaterländischen Frauen-Vereins Hersfeld.
Selma von Schleinitz.
An den Königlichen Ober-Präsidenten der Provinz Hessen-Nassau, Staatsmintster, Herrn Grafen zu Eulenburg Excellenz zu Cassel.
Genehmigt für denUmfang des KreisesHersfeld. Cassel, den 7. April 1888.
(L. 8.)
Der Ober-Präsident Graf zu Eulenburg.
* * *
Hersfeld, den 19. Mai 1888.
Vorstehend abgedruckter Verloosungsantrag wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die Ausspielung am 28. Juni d. I. stattfindet. 5694. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Cassel, den 18. Mai 1888." Königlichem Landrathsamt zeige ich hierdurch unter Bezugnahme auf mein Schreiben vom 8.
Ein Schelmenstreich des Junkers Josse von Braut.
E. Wuttke -Bill er- (Fortsetzung.)
Dazu aber spürte Dieser keine Neigung, nachdem er vernommen, wo das Uebel zuerst aufgetreten und daß der Rektor eS entdeckte.
»Vertraut Euch nur mir an," rief der Notar eifrig, .und wenn Ihr morgen nicht genesen seid, will ich ein Concilium von Aerzten versammeln."
Weil Veit Wampel nicht mehr den Muth besaß sich zu sträuben, wurde er trotz deS heißen Juli- tages zwischen dicke Federbetten gesteckt und alS der Notar ihm eine schauderhafte Mixtur eingab, erinnerte er ihn zum dritten Mal an denQuacksalber.
Er fürchtete unter diesen Qualen den Verstand vollends zu verlieren; aber am nächsten Morgen versicherte der Notar, daß er nichts Besonderes mehr an ihm bemerke, und daß er in guter Verfassung zu sein scheine.
Darauf befahl Veit Wampel sofort einen Wagen zu miethen; denn seinen Schimmel betrachtete er nur von der Seite mit zornigen und mißtrauischen Blicken.
Beim Einsteigen schob der Notar einen Kasten unter den Wagensitz.
.Potz Stern", rief Veit Wampel und hielt sich die Nase zu, .was für übelriechendes Zeug führt Ihr denn mit Euch3"
.Es sind nur die Proceßacten eines Apothekers," sagte der Notar und rieb sich vergnügt die Hände;
Mai er. ergebenst an, daß die Zwangszöglinge Friedrich und Faßler in die Rettungsanstalt nach Rengshausen zurückgebracht sind.
Der Landes-Director: I. A. Schroeder. An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.
* * *
Hersfeld, den 23. Mai 1888.
Wird den Herren Ortsvorständen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises mit Bezug auf meine Verfügung vom 11. d. Mts. Nr. 5253 zur Kenntnißnahme mitgetheilt.
5782. Der Königliche Landrath __________________Freiherr von Schleinitz.__
Hersfeld, den 24. Mai 1888.
Für die Ueberschwemmten ging bei mir ferner ein: von der Gemeinde Frieltngen — 17,55 M., von der Gemeinde Hilmes — 9,60 M., von den Schulkindern in Asbach (Lehrer Möhl) —13,71 M., von der Gemeinde Goßmannsrode
— 3,50 M., von der Gemeinde Hattenbach — 6,60 M., von der Gemeinde Sorga — 6 M., von der Gemeinde Willingshain = 7,15 M., von der Gemeinde Untergeis — 10
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 9. Mai 1888.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises benachrichtige ich davon, daß in Ausführung des Reichs-Jmpfgesetzes vom 8. April 1874 im Kreise Hersfeld die Jmpfstationen bezw. Impf- und Revisions-Termine für das Jahr 1888 wie folgt bestimmt worden sind.
1) Station Hersfeld.
a) Sonnabend, den 23. Juni, Nachmittags 2 Uhr, Erstimpfung der im Jahre 1887 geborenen Kinder der Stadt Hersfeld und der Restanten.
Revision: Sonnabend, den 30. Juni, Nachmittags 2 Uhr.
.ich studirte sie gerade, als ich in Euer Gnaden Dienste getreten bin."
Veit Wampel hatte an andere Dinge zu denken, als an die Proceßacten eines Apothekers.
In Rautheim gedachte er zu übernachten, und am nächsten Morgen seinen feierlichen Einzug in Braunschweig zu halten; auch erwartete er hier eine städtische Deputation zu finden und überlegte sich die Erwiderung auf ihre Anrede.
Der Wirth in Rautheim empfing den .vornehmen Herrn" mit seinem tiefsten Bückling.
Veit Wampels erste Frage galt der Deputation.
.Sie ist noch nicht eingetroffen," entgegnete der gefällige Wirth, .aber sie wird gewiß nicht mehr lange auf sich warten lassen." Nachdem er Veit Wampel sammt dem Notar in sein bestes Zimmer geführt, verbeugte er sich noch einmal und fragte: .Edler Herr, wenn es erlaubt ist zu fragen, aus welcher Stadt erwartet Ihr eine Deputattons"
Da aber fuhr Veit Wampel auf. .Esel! Hat Er nicht selbst gesagt, die Deputation werde bald eintreffen s"
Der Wirth drehte verlegen sein Käppchen. .Euer Gnaden erwarteten sie schon zu finden; drum hielt ich's für meine Pflicht."
.Weiß Er von den städtischen Angelegenheiten denn gar nichts?" schnauzte Veit Wampel. .Ich bin ja der Bürgermeister von Braunschwetg."
Von diesen Worten versprach er sich eine große Wirkung. Der Wirth aber blinzelte ihn nur schlau an und sagte grinsend: .Der Herr beliebt einen Spaß zu machen."
b) Impfung: Donnerstag, den 21. Juni, Nachmittags 2 Uhr, Erstimpfung bezw. Wiederimpfung der Kinder und Schüler aus den Gemeinden Kalkobes, Allmershausen mit gählgans, Heenes, Meisebach, Eichhof, fiscal. berförsterei Hersfeld und Wiederimpfung der Schüler der Stadt Hersfeld.
Revision: Donnerstag, den 28. Juni, Nachmittags 2 Uhr.
2) Station Sorga, umfassend dieOrtschaften Sorga, Kathus, Petersberg, Wilhelmshof und Oberrode.
Impfung: Donnerstag, den 31. Mai, Nachmittags 4 Uhr.
Revision: Donnerstag, den 7. Juni, Nachmittags 4 Uhr.
3) Station Friedlos, umfassend die Ortschaften Friedlos, Reilos, Rohrbach, Tann, Mecklar, Meckbach und die fiscal. Oberförsterei Meckbach.
Impfung: Dienstag, den 5.Juni, Nachmittags 4 Uhr. Revision: Dienstag, den 12.Juni, Nachmittags 4Uhr.
4) Station Asbach, umfassend die Ortschaften Asbach, Beiershausen und Kohlhausen.
Impfung: Freitag,den 1. Juni, Nachmittags 2 Uhr. Revision: Freitag, den 8. Juni, Nachmittags 2 Uhr.
5) Station Kerspenhausen, umfassend die Ortschaften Kerspenhausen, Hilper- Hausen, Roßbach, Holzheim, Kruspis, Stärklos und die fiscal. Oberförsterei Niederaula.
Impfung: Freitag, den1. Juni,Nachmittags 4Uhr. Revision: Freitag, den 8. Juni, Nachmittags4'Uhr.
6) Station Niederaula, umfassend die Ortschaften Niederaula, Mengs- Hausen, Solms, Niederjossa, Hattenbach, Kleba, Reimboldshausen, Kemmerode und Engelbach. Impfung: Montag, den 4.Juni, Vormittags 9 Uhr- Revision: Montag, den 11. Juni, Vormittags9Uhr.
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.Frecher Bursche!" krähte Veit Wampel im obersten Register.
Der Wirth zwinkerte dem Notar zu und sagte leise: .Nichts für ungut; aber der neue Bürgermeister hat vor vier Wochen schon sein Amt angetreten."
.Was schwatzt Er da mit meinem Notar?" schrie Veit Wampel.
.Was soll man dazu sagen?" versetzte der Notar mit fast erschreckender Ruhe. Der Kerl meint, die Braunschweiger hätten schon ihre« Bürgermeister."
Veit Wampel zog die Augenbrauen drohend in die Höh und maß den Wirth vom Scheitel biS zur Sohle. Dann knöpfte er langsam fein Wamms auf, zog die Urkunde hervor und schnarrte: .Da lies!"
Der Wirth zuckte die Achseln .Ich kann nicht lesen, gnädiger Herr."
.Notar," gebot Veit Wampel, .sage dem Kerl, er wäre ein Schasskopf; heiße ihn das Abendbrot bringen, dann soll er stch nicht mehr blicken lassen!* Der Wirth entfernte sich kopfschüttelnd und daS Abendbrot trug eine Magd auf.
Veit Wampel schnallte den Degen ab, nestelte den Mantel auf und schnaufte wie ein brodelnder Kessel.
Der Notar aber saß auf dem offenen Fenster und pfiff eine Melodie; er nahm die Angelegenheit mit einer Ruhe auf, die Bett Wampel empörte und er beschloß schon in nächster Zeit ihn zu entlassen.