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__________Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIssustrirtes Anterhaltungsölatt".___________

Nr. 62. Dienstag den 29. Mai 1888.

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Amtliches.

Cassel, den 27. April 1888. Königliche Aichungs-Jnspection für die

Provinz Hessen-Nassau.

Die Durchsicht der tabellarischen Aufzeichnungen über die Ergebnisse der im Jahre 1887 ausge­führten rein polizeilichen und technischen Maaß- und GewichtS-Revisionen hat ergeben, daß von Seiten mehrerer Ortspolizeibehörden, vorzugs­weise der ländlichen Orte, nicht immer richtige und gesetzmäßige Entscheidungen getroffen worden sind.

Obwohl nach §. 369 Nr. 2 des Reichsstrafge­setzbuches diejenigen Gewerbetreibenden, bei denen ungestempelte resp, mit ungültigen Stempeln ver­sehene, unzulässige und unrichtige Maaße rc. vorgesnnden werden, zu bestrafen sind und außer­dem auf Einziehung der betreffenden Maaße rc. zu erkennen ist und obwohl in den allgemeinen Bestimmungen der technischen Anleitung bei Nr. 10 das Nähere über die Behandlung solcher Maaße rc. vorgeschrieben ist, sind doch mehrfach Bestrafungen ohne Confiscation, und Confiscation ohne Bestrafungen verfügt, oft statt der Strafen nur Verwarnungen oder aichamUiche Berichtigung

Ein Schelmenstreich des Junkers Josse von Brant.

E. Wuttke -Bill er. (Fortsetzung.)

Seit Wampel zog sich gravitätisch in das Vor- zimwer zurück, wo er den Notar und einen Theil seines Gefolges fand.

.Ich habe Ihnen meine Meinung gesagt/ ver­setzte er zu dem Notar gewendet. »Sie werden sich wohl bedenken mir mein gutes Recht zu kürzen; es hat auch Keiner gewagt mich geradeaus anzublicken/

Indeß ging es im Rathszimmer so laut und lustig zu als würde dort ein Schwank aufgeführt.

.Hört Ihr, wie sie jetzt den Bürgermeister auSlachcn?" meinte Veit Wampel und bemühte stch selbst daran zu glauben.

.Wer zuletzt lacht, lacht am besten/ versicherte der Notar und versuchte an seinem Barett eine rothe Feder zu befestigen.

Wäre Veit Wampel nicht zu aufgeregt gewesen um ihn, wie seine andere Dienerschaft zu beachten, er hätte wohl noch mehr Ursachen gesunden an seinem Siege zu zweifeln.

Als er wieder den Sitzungssaal betrat, war das Lachen verstummt; doch sahen die gestrengen Rathsherrn noch so aus, als hätten sie soeben etwas sehr Lustiges erlebt.

Einer der Herren trat Veit Wampel entgegen und sagte mit gemeßner Höflichkeit: .Lieber Herr, es ist wie wir schon erwartet haben diese

angeordnet worden. In einzelnen Fällen sind andererseits Strafen bestimmt, wo nur eine Außerverkehrsetzung (Cassirung der Stempelung) der Maaße geboten erschien.

Ferner ist anscheinend nicht immer der Be­stimmung in der technischen Anleitung §. 10 dritter Absatz nach welcher zweifelhaft befundene Maaße dem Aichungsamte zur Prüfung zu über­weisen sind, in genügender Weise bei Ausführung der rein polizeilichen Revisionen Beachtung ge­schenkt worden. Wenn auch die Ueberweisung von zweifelhaften Maaßen an die Aichungsämter manchmal mit Umständen verbunden sein wird, so dürfte doch namentlich in den Orten für welche technische Revisionen nicht angeordnet sind und wo nur rein polizeiliche Revisionen stattfinden, auf diese Bestimmung mehr Werth gelegt werden, schon deshalb weil Gewichte erfahrungsmäßig nach mehrjährigem Gebrauch durch Abnutzung rc. falsch werden.

Die Eintragungen in die vorgeschriebenen Formulare durch die revidirenden Beamten ent­behren mitunter der gehörigen Uebersichtlichkeit und sind nicht immer gemäß den Bestimmungen bei Nr. 11 der technischen Anleitung ausgeführt worden. In solchen Fällen kann aber die Richtig­keit der von den revidirenden Beamten getroffenen Maßnahmen nicht genügend kontrolirt werden, auch können unübersichtliche Eintragungen zu unrichtigen Entscheidungen Veranlassung geben.

In einigen Kreisen, Frankenberg, Hünfeld, Hersfeld, Ziegenhain und zum Theil auch in den Kreisen Homberg und Kirchhain, sind von den revidirenden Beamten unrichtige und veraltete Formulare zu den Eintragungen der Ergebnisse benutzt worden. Da richtige Formulare bei der hiesigen Waisenhausbuchdruckerei seit Jahr und Tag vorräthig gehalten werden, von den Orts­behörden auch eventl. angefertigt werden können, und bei Nr. 11 der allgemeinen Bestimmung der

Urkunde ist gefälscht; die Form derselben ist bet uns nicht üblich, auch ist das Siegel nicht das­jenige der Stadt Braunschwetg. Ihr seid in einer argen Täuschung befangen, denn von uns seid Ihr nicht zu unserm Bürgermeister erwählt worden/

Erhobnen Hauptes war Veit Wampel noch in den Saal getreten; jetzt stand er da wie vom Donner gerührt. Endlich brach er in die Worte aus: «Möge ihn die Erde verschlingen! Das hat mir ein Berräther angethan! Peter Muchay, der Schreiber des braunschweigischen Rathes hat mich furchtbar betrogen!"

.Einen Schreiber mit Namen Peter Muchay, giebt es in ganz Braunschweig nicht," und der Herr klopfte dem entthronten Bürgermeister mit­leidig auf die Schulter. .Da hat man Euch ja einen gewaltigen Spul gespielt. Ihr müßt in Magdeburg wohl Feinde haben; das ist ein bos­hafter Streich. Ihr thut uns herzlich leid, lieber Herr, aber wir vermögen nicht Euch zu helfen."

Veit Wampel hatte nach diesem Schlage alle Haltung verloren; sein Verstand schien sich zu verwirren, hülfeflehend blickte er von einem zum andern. Endlich entjchloß er sich zu gehn. Gebeugt und schlotternd als ob die Glieder nicht mehr zusammenhielten, den Hut tief in's Gesicht gezogen, trat er vor das Rathhaus. Einer seiner Diener half ihm aufs Pferd steigen, was ihm in diesem Augenblicke nicht die geringste Mühe verursachte.

Es hatten stch indeß noch mehr Neugierige ver­sammelt, die ihm zuriefen r ^Seht unsern neuen

Anleitung das Nähere über die Art und Weise der Eintragung vorgeschrieben, dort auch besonders darauf hingewiesen ist, daß das in der Anlage auf Seite 31 näher gekennzeichnete Formular Verwendung finden soll, so ist diesseits die Ver­muthung entstanden, als ob die revidirenden Be­amten noch nicht durchweg im Besitz der technischen Anleitung gewesen sind und die Revisionen nicht ganz nach Maßgabe der höheren Orts gegebenen Bestimmungen ausgeführt haben. Die Ein­tragungen in die veralteten Formulare haben fast nur statistischen Werth, erfordern verhältnißmäßig viel Zeit, so daß die revidirenden Beamten dem Wesen der Sache weniger Aufmerksamkeit schenken können.

Der Aichungs-Jnspector: gez. Meyer.

An den Königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn Rothe Hochwohlgeboren dahier. J.-Nr. 464.

Cassel, den 7. Mai 1888.

Abschrift lasse ich Ew. Hochwohlgeboren unter Rückgabe der vorgelegten Revisionsprotokolle zur gefälligen Beachtung der in Letzteren und in dem vorstehenden Schreiben von dem Königlichen Aichungs-Jnspector gemachten Bemerkungen er- gebenst zugehen.

Der Regierungs-Präsident: gez. Rothe. An die sämmtlichen Herren Landräthe des Bezirks und den Herrn Polizei-Director hierselbst.

A. II. 6769.

* * *

Hersfeld, den 19. Mai 1888.

Indem ich den Herren Ortspolizeiverwaltern des Kreises Vorstehendes zur Kenntnißnahme und Nachachtung mittheile, veranlasse ich dieselben zugleich, bet den fortab stattfindenden polizei­lichen Maaß- und Gewichts-Revisionen an Stelle der seitherigen Protokolle das auf Seite 34 der Anleitung zur Ausführung der polizeilichen Maaß- und Gewichts-Revisionen" vorgeschriebene

Bürgermeister! Macht unserm BürgermeisterPlatz!" . Ohne stch umzublicken ritt Veit Wampel über den Marktplatz, bis sein Pferd, weil es in ein Menschenknäuel gerathen war, stillstand. Eine bekannte Stimme schlug an sein Ohr; er blickte auf und sah im Mittelpunkt der Menge, hoch zu Roß, seinen Notar.

Angethan mit einem rothen Mantel über dem schwarzen Anzug des Gelehrten, vor stch den geöffneten Kasten, schrie er in der gellenden Weise eines Ausrufers: .Kauft l Kauft 1 Kauft Brillen, mit denen Ihr in pechstnüerer Nacht sehen könnt! Kauft Oleum tassi barbassi I Schönes Mädchen hier ist Schminke für Deine weiße Haut. .. / Da gewahrte er Veit Wampel, der ihn mit glotzen­den Augen verständnißlos anstarrte und rief ihm zu:Biamatus ille! Vergebt nicht Euer Latein, Herr Bürgermeister!"

Diesen Worten folgte ein Murren, Schreien, dann brüllendes Gelächter. Veit Wampel aber fand es für das Klügste, stch schweigend verspotten zu lassen, und sah nur zu, daß er aus dem Ge­dränge des rohen Volkes hinauskam.

AIs er in den Bohlweg einlenkte, wurde er abermals an die Folge seiner Niederlage gemahnt. Er erblickte den einen der Diener, von welchem er glaubte, daß er mit den Anderen ihm folgte, wie er soeben Bett Wampel's Pferd, das er im Dienste desselben ritt, an einen Rohkamm verkaufte und vergnügt die blanken Gulden einstrich.

Das war Veit Wampel doch zu arg; er wollte den frechen Dieb zur Rede setzen; aber der Bursch«