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Hersfeldtl IrdsMatt
__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeikage „ILuffrirtes Nnterhaktungsölatt" Nr. 69~ Donnerstag den 14. Juni 1888.
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Amtliches.
Für die Ueberschwemmten ist noch bei mir eingegangen:
von der Gemeinde Meckbach — 30,35 Mk., von der Gemeinde Obergeis — 10 Mk., von der Gemeinde Rotterterode — 6,40 Mk., von der Gemeinde Kirchheim — 11,50 Mk., von der Gemeinde Friedewald — 27,50 Mk.
Hersfeld, den 11. Juni 1888.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Komische Nachrichten.
(Deutschland.) Potsdam, 11. Juni. Se. Majestät der Kaiser hatte eine recht gute Nacht; die Schlingbeschwerden haben noch nicht nachgelassen; der Appetit ist heute besser. Dr. Mackenzie setzte inGegenwartdesGeneralarztesvr.v.Wegner und der Professoren Krause und Bardeleben eine neue silberne Canüle ein. Se. K. und K. Hoheit der Kronprinz erschien zu Pferde heute Morgen bereits um 8*/4 Uhr, um sich persönlich nach dem Befinden Sr. Majestät zu erkundigen. Um 11 Uhr hat der Kaiser das Bett verlassen und sich alsdann in den Park begeben, wo er in dem Ponywagen spazieren fuhr. — Um 2 Uhr erschien der Justizminister Dr. v. Friedberg zum Vortrag und verweilte bis 3 Uhr 45 Minuten im Schloß. Der Erbprinz und die Erbprinzessin von Meiningen statteten heute dem Kaiser einen Besuch ab und nahmen später an dem Diner bei den Majestäten Theil.
Potsdam, 12. Juni. Se. Majestät der Kaiser hatte nur eine ziemlich gute Nacht. Der Schlaf wurde öfter durch Athembeschwerde unterbrochen. Er verließ gegen 10 Uhr das Bett und fühlte sich schwach. Der Appetit ist nicht
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Aus heiterem Himmel.
Erzählung von Oskar Höcker.
(Fortsetzung.)
.Oh, gar nicht viel,' erwiderte der Müller, in besten Antlitz die Nöthe des Zornes ausstieg. .Ich wollte ihm vor Jahren einen Wiesengrund abtaufen, der dicht an mein Besitzthum grenzt. Es lag mir viel daran mein Geschäft zu vergrößern, und ich würde ihm wahrscheinlich eine hohe Summe gezahlt haben, allein —*
.Der Freiherr ging nicht darauf ein,* vollendete Schwabel.
.Nein,' rief Steinert, dröhnend mit der Faust auf das Pult schlagend, .alles Bitten war vergebens, und als ich noch immer nicht nachließ, da wagte es der hoLmüthige Herr, mich durch seinen Haushofmeister abzuferttgen, der mir sagen mußte, daß ich den gnädigen Herrn in Zukunft nicht mehr durch Briefe oder Besuche behelligen möchte.'
«Das war allerdings deutlich,' schalt Schwabel ein.
.Oh, ich weiß auch, warum er mich in so ver- letzender Weise abgewiesen. Ich hätte meine Schwägerin Amrei, die dereinst in seinem Dienst gestanden und die er plötzlich entließ, nicht in mein Haus ausnehmen sollen.
.Dies geschah wohl nach jener unglücklichen Fahrt, bet welcher der Sohn des Schloßherrn um's Leben kam ^* fragte Schwabel.
Steinert bejahte heftig. »Er hatte der Aermsten
rege und die Möglichkeit Nahrung zuzuführen, erschwert. — Das heute ausgegebene Bulletin lautet: Bei Sr. Majestät dem Kaiser und König haben die Schlingbeschwerden zugenommen, so daß die Ernährung schwierig wird. Infolge dessen fühlt sich Se. Majestät schwächer als bisher.
Mackenzie, Wegner, Krause, Hovell, Bardeleben, Leyden, Senator.
Das .D. Tgbl." schreibt: Gutem Vernehmen nach hat sich Se. Majestät der Kaiser am Sonntag nach dem Vortrag des Fürsten Bismarck damit einverstanden erklärt, daß der Oberpräsident von Posen, Graf Zedlitz, um Uebernahme des Ministeriums des Innern ersucht werde.
Die Ausschüsse des Bundesraths dürften noch im Laufe dieser oder Anfangs der nächsten Woche die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Alters- und Jnvaliden-Ver- sicherung der Arbeiter, beenden. Es heißt, daß die Vorlage sehr wesentliche, namentlich die Organisation betreffende Abänderungen erfahren haben soll. Nach Beendigung der ersten Lesung soll eine Pause von 10 bis 14 Tagen eintreten, um den Bundesregierungen Gelegenheit zu geben, sich über das Elaborat zu äußern und sodann in die zweite Lesung eingetreten werden; nach Beendigung der letzteren wird der Gesetzentwurf der Oeffentlichkeit übergeben werden, so daß, wenn das Plenum des Bundesraths nach der Sommerpause in die Berathung eintritt, die Gutachten der betheiligten Interessentenkreise bereits vorliegen dürften.
Bei dem Reichskanzler Fürsten Bismarck fand am Montag ein Diner statt, an welchem die Minister v. Maybach, Freiherr v. Lucius, v. Friedberg, v. Bötticher, v. Goßler, v. Scholz, Bronsart v. Schellendorf, Graf Herbert Bismarck und der ausscheidende Minister v. Puttkamer, ferner die Staatssecretäre v. Schelling, v. Stephan und
sogar noch einen Proceß anhängig gemacht und sie wegen Eigenmächtigkeit und grober Fahrlässigkeit im Dienst verklagt. Allein das Gericht entschied zu Gunsten der Amrei. Ich aber will's ihm gedenken, er mag sich vor mir nur in Acht nehmen.' Nach dieser Drohung ließ sich der Müller abermals vor seinem Pulte nieder, während die beiden Schauspieler ihren Wirth aufsuchten und ihm die Absicht kund gaben, den Schloßberg zu besteigen. Schaller versprach, auf sie mit seinem Wagen bei dem Marmorkreuze warten zu wollen, worauf man sich gegenseitig verabschiedete. Der galante Schwabel hatte unter einer höchst komischen Verbeugung Wally die Hand geküßt, was das lächelnde Mädchen jedoch nicht abhielt, dem losen Spötter einen leichten Backenstretch zu versetzen.
In fröhlicher Stimmung stiegen die beiden Schauspieler den steilen Schloßberg hinan. Edwin sah sich durch das vom Müller erhaltene Darlehen von schwerer Sorge befreit, und Schwabel empfand jene Zufriedenheit, die den Menschen stets zu überkommen pflegt, wenn er seinem Nächsten einen Freundschaftsdienst geleistet hat.
Der Komiker erzählte allerlei Schnurren aus seiner Bühnenpraxis und oft mußten beide ihre Schritte zügeln, so herzlich lachten sie. Kein Wunder, daß bei solcher Unterhaltung die Zeit rasch verging und das Paar höchst erstaunt war, als es sich plötzlich am Ziele der Wanderung angelangt sah.
Die Mauern des Schlosses erhoben stch inmitten eines wettausgedehnten Bergplateaus, das parkähn-
Jacobi, sowie die Unterstaatssecretäre Herrfurth und Hohmeyer und der Geheimrath Dr. v. Rotten- burg Theil nahmen.
Wie es heißt, soll der Chef des Civilcabinets, Excellenz v. Wilmowski, schon zum 1. Juli seinen Abschied nachgesucht haben.
Der .Staatsanzeiger' meldet amtlich: Se. Majestät der König haben allergnädigst geruht, dem Bicepräsidenten des Staatsministeriums, Staatsminister und Minister des Innern v. Puttkamer, unter Belastung des Titels und Ranges eines Staatsministers die nachgesuchte Dienstentlassung zu ertheilen und demselben gleichzeitig den Stern der Großcomthure des Königlichen Hausordens von Hohenzollern zu verleihen.
Die.Landeszeitung für Elsaß-Lothringen' meldet: Der in verschiedenen Blättern enthaltenen Nachricht einer Verletzung der französischen Grenze in der Nähe vonAmanweiler durch deutsche Soldaten scheint insofern etwas Thatsächliches zu Grunde zu liegen, als einige Zöglinge der Kriegsschule von Metz die Grenze aus Versehen und Unkenntnitz um wenige Meter überschritten haben. Wie wir hören, wird die Angelegenheit von der zuständigen Militärbehörde untersucht werden. Sollte sich ein schülerhaftes Verhalten Einzelner herausstellen, so dürste eine Bestrafung erfolgen, gleichviel ob der an und für sich unbedeutende Vorfall seitens der französischen Regierung zum Gegenstände einer Reklamation gemacht wird oder nicht; denn für alle Militär- personen bestehen gemessene Befehle, welche denselben die Respectirung der französischen Grenze unbedingt zur Pflicht machen.
Die Zahl der in Folge des neuen Gesetzes betreffend die Aenderungen der Wehrpflicht vom 11, Februar d. J. wieder dienstpflichtig gewordenen Officiere des Beurlaubtenstandes beläuft sich nach den nunmehr abgeschlossenen amtlichen Bekanntmachungen in Preußen auf 2276. Von den einzelnen Armeecorps haben die meisten wieder angestellten Officieren auszuweisen das XL mit 299 und das III. (brandenburgische) mit 288, dann folgen da«
liche Anlagen zeigte. Neben geschmackvollen Teppichgärtnereien sah man hier üppige Blumenbeete, Springbrunnen, Statuetten und eine Anzahl seltener Bäume; dicht belaubte Bogengänge zogen sich um das Schloß herum, und zwischen dem gesättigten Grün von Jasmin und Jelängerjelieber leuchteten die vom Herbste rothgesärbten Blätter wilden Weins. Ein Theil des kreisförmigen Plateaus war mit dichten Taxushecken eingefaßt, die von zwei offenen Pavillons unterbrochen wurden, welche die prächtigsten Aussichtspunkte darboten.
Das Schloß selbst war alterthümlich. Die vier Ecken fanden durch ebenso viele Thürmchen und kleine Erker ihren architektonischen Abschluß. Inmitten des monumentalen Baues erhob sich der viereckige Schloßthurm, der mit seinem riesigen Zifferblatt, weithin zu sehen war und schon aus der Ferne so manchem fremden Wandersman», der nach Rechwitz oder dem dunkeln Grunde wollte, als Wegweiser diente.
Die beiden Schauspieler hatten das Plateau kaum betreten, als sie auch schon von einem ältlichen, schwarzgekleideten Herrn nach ihren Wünschen und Begehren befragt wurden.
.Kennt mich denn der Herr Haushofmeister nicht mehr?' äußerte Schwabel vorwurfsvoll.
Der hagere Mann nahm höchst bedächtig eine Prise, streckte den von einer weißen Binde und hohen Vatermördern umgebenen Hals gewaltsam in die Höhe, blickte einen Moment zum Himmel empor und ließ ein gravitätisches «Nein' bei«