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Hersfeliiel KltiMitt.

________Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIssustrirtes AnLerhaktungsötatL".

Nr. 74. Dienstag den 26. Juni 1888.

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Die Expedition.

Amtliches.

Cassel, den 5. Juni 1888. Intendantur 11. Armee-Corps.

Die Prüfung der von den Steuerkassen, Ge­meinde- 2C. aufgestellten Nachweisungen über die an einberufene Heerespflichtige vorschußweise ge­zahlten Marschgebühren hat zu den folgenden Bemerkungen Anlaß gegeben, welche wir mit dem Ersuchen ganz ergebenst mittheilen, dieselben den

betheiligten Stellen zur künftigen recht genauen Beachtung in geeigneter Weise bekannt geben zu wollen.

1) Die veralteten Formulare, welche vor dem Inkrafttreten der Marschgebührnißvorschrift vom 22. Februar 1887 in Benutzung waren, dürfen nicht mehr Verwendung finden, es sind vielmehr künftig nur solche Formulare zu benutzen, wie sie das Muster 0. der er­wähnten Marschgebühren-Ordnung vor- schreibt. Siehe Seite 93 daselbst.

2) Die Vorlage der Zahlungs-Nachweisungen siehe 1 Seitens der Gemeinden rc. an die Steuerkassen hat vierteljährlich, bei um­fangreichen Zahlungen indeß monatlich zu erfolgen. Auf jeden Fall sind die Nach­weisungen so zeitig zur Erstattung der vor« schüßlich geleisteten Zahlungen vorzulegen, daß eine Ausgleichung der bezüglichen Kosten über den vorgedachten Zeitpunkt, sogar wie es mehrfach vo. gekommen ist, auf Jahre hinaus vermieden wird.

3) Der Wohnort des Gestellungspflichtigen ist in der vorgeschriebenen Kolonne recht deut­lich einzutragen, damit Rückfragen vermieden werden; auch sind bei einzeln liegenden Guts- bezirken, Gehöften, Mühlen rc. diejenigen Ortschaften ersichtlich zu machen, zu welchen die elfteren gehören.

4) In der RubrikGestellungsort" ist derjenige Ort einzutragen, wohin der Gestellungs­pflichtige von der einberufenden Stelle (Be- zirks-Kommando, Truppentheil rc.) beordert wird, ohne Rücksicht darauf, ob dieser Ort auch die künftige Garnison des Einberufenen bildet oder nicht.

5) Die Abhebung der Marschgebühr wie die Ouittungsleistung soll grundsätzlich von den Empfangsberechtigten selbst erfolgen und ist

daher die Ertheilung von Vollmacht an Eltern, Kameraden rc. behufs Empfangnahme der zuständigen Gebühr ausgeschlossen.

6) Es ist vielfach vorgekommen, daß im Kopf bezw. auf der Vorderseite der Nachweisungen nicht der Stationsort der Landwehr- Kompagnie, sondern das Stabsquartier des Landwehr-Bataillons eingetragen würde. Durch diese häufig vorkommende' Un­richtigkeit wird das Revisionsgeschäft erheblich erschwert und zeitraubend, weßhalb eine möglich sorgfältige Aufstellung dringend empfohlen wird.

gez. Klemm.

An die Königliche Regierung, Abtheilung des Innern hier.* Jl.-Nr. 880. 6. *

Cassel, den 14. Juni 1888.

Abschrift lasse ich den Königlichen Landräthen mit dem ergebensten Ersuchen zugehen, den Orts­vorständen die genaue Beachtung der vorstehenden Bemerkrmsen gefälligst anfg» bou_M, wollen.

Der Regierungs-Präsident.

J. V.: Schwarzenberg.

An die Königlichen Landräthe des Regierungs­bezirks. A. I. 5853.

* * *

Hersfeld, den 21. Juni 1888.

Wird den Herren Ortsvorständen und Guts- Vorstehern des hiesigen Kreises im Anschlüsse an meine Verfügungen vom 18. Mai 1887 Nr. 5049 im Kreisblatt Nr. 60 und vom 25. Oktober 1887 Nr. 10286 im Kreisblatt Nr. 127 zur Kenntniß­nahme und genauen Beachtung mitgetheilt.

6748. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 22. Juni 1888.

Auf Grund des § 1 des Gesetzes vom 11.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Aus heiterem Himmel.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

Frau Schröder bebte sichtlich zusammen. Eine eigenthümliche Unruhe überfiel sie, d e sie vergebens zu bemeistern suchte, bis sich endlich Edwin ihr näherte, ihre Hand ergriff und in weichem Tone sagte:

Durch meine Wirthsleute erfuhr ich, daß ich mit Ihrem verschollenen Sohne große Aehnlichkeit haben soll.'

Die Angeredete nickte Heilig; sie war so über­rascht, daß sie kem Wort hervorzubringen ver­mochte und erst nachdem der junge Schauspieler ihr Trost zugesprochen hatte, stahl es sich leise über ihre L ppen: »Auch der Klang der Stimme gemahnt mich an ihn.'

Kempf sah die Dazwischenkunit Edwins offenbar nicht gern. Die Schadentreude hatte schnell einem zornigen und zugleich furchtsamen Gesichtsausdruck Platz gemacht; am liebsten würde er das Weite gesucht haben. Das Blut stieg ihm zu Kopie, es flammte vor seinen Augen und in den Ohren begann es zu sausen und zu brausen, als ob sich draußen ein Orkan an den Ecken des Hauses bräche. Er vernahm von dem kurzen Gespräche, das Romberg mit den Frauen führte, kaum ein Wort und als sich, Frau Schröter. verabschiedete

In der fremden Umgebung regte sich bet ihm nur zu bald das Heimweh und er sprach es gegen seinen Verführer offen aus, daß die Sehnsucht nach der Mutter mehr und mehr zunähme. Wohl wußte der Knabe, was «hn daheim erwartete, allein er fürchtete die Strafe nicht, sondern betrachtete sie nur als Sühne für sein Vergehen. Da aber beraubte ihn Kempf jeglicher Hoffnung. Er erzählte, daß er mit einigen Bewohnern aus Luchshagen zusammengetroffen sei; durch diese habe er schlimme Dinge aus der Heimath erfahren. Der Zorn Frau Schröler's sei über Erwarten groß, denn es habe sich herausgestellt, daß ihr von dem Pflegesohne eine nicht unbedeutende Geld­summe entwendet worden sei. Sir hege die Ab­sicht, den Fall vor Gericht zu bringen. Von einer Rückkehr des reuigen Knaben könne daher keine Rede sein. Der Flüchtling wollte trotzdem nach Buchshagen zurückkehren, um der Mutter seine Unschuld darzuthun und sich von dem schimpflichen Verdacht zu reinigen. Kempf verstand es indessen, das Gemüth des Knaben mit Furcht zu erfüllen, indem er ihm vorspiegelte,- er werde bet seiner An« tauft in Buchshagen sofort festgenommen und in den Thurm gesperrt. So siegte der Verführer über sein Opfer. Welchen Zweck er dabei im Auge gehabt hatte, war für Edwin noch jetzt ein Räthsel. Die kleine Summe, welche der Knabe seiner Spar­kasse entnommen, ging bald zu Ende und Hunger und Sorgen begannen. Er hatte die beiden

| und in Begleitung der Wirthin das Gastzimmer verließ, da wollte der Revierjäger den Beiden nach. Doch de kräftige Hand des Schauspielers riß ihn zurück.

Hier geblieben Feigling!' donnerte Ew n, ihn gleichzeitig gegen die Wand drückend,noch habe ich ein Wörtchen mit Dir zu reden. Ich weiß jetzt, daß Du mich dereinst betrogen und irre» geführt hast, ja, daß Du sogar vor einer uner­hörten Lüge nicht zurückschrecktest, die meinen ehr­lichen Namen m t Schmutz besudelte. Die Zeit der Täuschungen ist jetzt aber vorbei und ich werde Dich zur Rechenschait ziehen; bi§ dahin verschwinde aus meinen Augen elender Schu't!'

Nach b esen Worten öffnete er die Ausgangs« lhüre, durch welche der Mvierjäger mit außer­ordentlicher Schnelligkeit verschwand.

Es hatte nicht in Edwins Absicht gelegen, sein Jncogatto jetzt schon fallen zu lassen, allein der gerechte Zorn über des Jägers Spott und Hinter­list riß ihn mit sich fort. War es doch jener elende Mensch gewesen, welcher ihn nach des Pfarrers Tode gegen die Pflegemutter ausgehetzt und ihn zu seiner Flucht verleitet hatte, indem er den Ehrgeiz des Knaben autstachelte und ihm vor- spiegelte, daß er in der Residenz einflußreiche Gönner besitze, die sich seines jungen Freundes gewiß annehmen und ihm die nöthigen Mittel zum weiteren Studium gewähren würden. Kempf ver­brachte den entlausenen Knaben nach der Residenz.