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Herssel-n imslilott

Wit wöchentlicher Kratis-AeitageIlluKrirLes Nnterhaktungsötatt".

Nr. 75.

Donnerstag den 28. Jnni

1888.

Abonnements-Einladung.

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Jllustrirtes UutcrWtmigs - Blatt."

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Die Expedition.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Mit Bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 20. d. Mts., durch welche die beiden Häuser des Landtages der Monarchie, das Herrenhaus und das Haus der Abgeordneten, auf den 27. d. Mts. in die Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen worden sind, wird hierdurch bekannt gemacht, daß die Eröffnung des Landtages

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Aus heiterem Himmel.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

Das Parterregeschoß lag ziemlich hoch. Unter dem Fenster draußen standen zwei Männer in angelegentlichem Gespräche. Sie bemerkten den herausschauenden Edwin nicht, zumal der Austausch ihrer Gedanken en stürmischer war. Aus dem Klänge ihrer Stimmen erkannte der Schauspieler den Baron von Eulenstett und den Revierjäger Kemps. Gegen den Letzteren schien der adelige Herr sehr ungehalten zu sein und überhäuste ihn m't zornigen Reden; Kemps erwiderte schüchtern, wies aber die Beschuldigung des Andern, daß er ein *auler Schlingel sei, aus den man R4 schlechter­dings nicht verlassen könne, beharrlich zurück. Das steigerte den Unwillen des Barons nur noch mehr und er schied mit dem Ultimatum von ihm, den Monatsgehalt sistiren zu wollen, sobald Setups nicht innerhalb der nächsten Wochen den über­nommenen Verpflichtungen Nachkomme.

Edwin zog den Kops aus dem Fenster zurück und schloß dasselbe. Frau Riecke hatte inzwischen die Hängelampen angezündet und stch in die Wirthsstube begeben. Der Heldenspieler lehnte nachdenklich an einem Stuhle. Es hatte ihn über­rascht, daß Setups im geheimen Solde EulenstettS stand. Was konnte diese Beiden an Rang und

an diesem Tage Mittags um 12 Uhr im Weißen Saale des Königlichen Residenz Schlosses statt» finden wird.

In demBüreau des Herrenhauses und in dem Bureau des Hauses der Abgeordneten werden die Legitimationskarten zu der Eröffnungssitzung aus- gegeben und alle sonst erforderlichen Mittheilungen in Bezug auf dieselbe gemacht werden.

Berlin, den 23. Juni 1888.

Der Minister des Innern.

In Vertretung: gez. H e r r f u r t h.

Hersseld, den 27. Juni 1888.

Für den am 13. August 1869 geborenen Schreiner Conrad Möhl zu Goßmannsrode ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsver- bände behufs Auswanderung nach Amerika nach­gesucht worden.

6908. Der Königliche Landrath Freiherr. vo» SLIein i tz, _

Hersfeld, den 26. Juni 1888.

Wie zu meiner Kenntniß gebracht worden ist, sollen auch in diesem Jahre die Obstbäume so mit Raupennestern und dürren Aesten behängen sein, daß zur Erhaltung der Bäume ein Einschreiten unbedingt nothwendig erscheint.

Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 12. März v. I. Nr. 2932, Kreisblatt Nr. 59, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände und die Königliche Gendarmerie des Kreises, die Vertil­gung der schädlichen Raupen bezw. Entfernung der dürren Aeste sich besonders angelegen sein zu lassen.

Gegen Privatbesitzer von Obstbäumen ist eventuell auf Grund des § 368 pos. 2 des Straf­gesetzbuches strafend vorzugehen.

6890. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

I Bildung so grundversch ebene Männer zu ein» wüthigem Handeln vereinen? Den verwerflichen Character des Revierjägers kannte Edw n aus Er'ahrung, während er dagegen den Baron als einen wissenschaftlich geb ldeten Kavalier verehrte und schätzte, dessen Noblesse zuwe len freilich an Verschwendung grenzte. Der junge Schauspieler hatte die Bekanntschaft EulenstettS in dem an der belgischen Grenze gelegenen Städtchen Burtschew gemacht, und zwar nach Beendigung einer Theater­vorstellung. Der Baron zeigte stch über Edwins schauspielerisches Talent entzückt und bedauerte nur, daß der begabte Mime nicht der sranzöstschen Sprache mächtig war, sonst würden ihm bedeutende künstlerische Erfolge in Belgien und in Frankreich sicher gewesen sein. Eulenstett ging, nachdem ihm Edwin seine Lebensschicksale offen mitgetheilt, in seinem Enthusiasmus so weit. dem jungen Schau- spieler die zu einem längeren Aufenthalte nöthigen Mittel anzubitten; indessen lehnte Edwin dies dankend ab, da sein Herz all zu sehr an der deutschen Heimath hing und er n cht nach fremden Ländern verlangte. Später war er dem Baron noch einmal in Aachen begegnet, EulenstettS Be­wunderung für sein Talent hatte nicht abgenommen. Als er von dem Schauspieler erfuhr, daß derselbe alles aufbieten werde, um endlich einmal sein Heimathsdör'chen wieder zu sehen, machte ihm Eutenstedt die überraschende M'ttheilung, daß er unweit von Buchshagen, in der Residenz seinen I

Gefunden: eine Pferdedecke. Meldung des Eigenthümersbei dem Ortsvorstand zu Niederjossa.

Gefunden: ein Regenschirm. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Kohl­hausen.

Kaiser Wilhelm II.

hat am Montag Mittag 1 Uhr im Weißen Saale des Königlichen Schlosses den Reichstag mit folgender

Thronrede

eröffnet:

Geehrte Herren!

Mit tiefer Trauer im Herzen begrüße Ich Sie und weiß, daß Sie mit Mir trauern. Die frische Erinnerung an die schweren Leiden Meines Hoch­seligen Herrn Vaters, die erschütternde Thatsache, daß Ich drei Monat nach dem Hintritt weiland SemeL-Majestät deLMisers WMelm- berufen war, den Thron zu besteigen, üben die gleiche Wirkung in den Herzen aller Deutschen, und unser Schmerz hat warme Theilnahme in allen Ländern der Welt gefunden. Unterovm^Drucke desselben bitte Ich Gott, Mir Kraft zur ErMnng. der hohen Pflichten zu verleihen, zu denen Sein Wille Mich berufen hat.

Dieser Berufung folgend, habe Ich das Vor- iild vor Augen, welches Kaiser Wilhelm nach chweren Kriegen, in friedliebender Regierung einen Nachfolgern hinterlassen, und dem auch Meines Hochseligen Herrn Vaters Regierung ent­sprochen hat, soweit die Bethätigung seiner Ab­sichten nicht durch Krankheit und Tod verhindert worden ist.

Ich habe Sie, geehrte Herren, berufen, um vor Ihnen dem deutschen Volke zu verkünden, daß Ich entschlossen bin, als Kaiser und als König dieselben Wege zu wandeln, auf denen Mein

............... *^ ^ ........... »

Wohnsitz habe, öfters nach Rechwitz komme und ihm daselbst zu begegnen hoffe. DieS war denn vor wenigen Tagen auch wirklich geschehen und allabendlich verbrachte der Baron einige Stunden in Edwins und Schwabels Gesellschaft.

Wenn der Heldenspieler an dem Character des Barons etwas auszusetzen hatte, so war es besten Hang zum Spiel. Er brach oft inmitten eines interessanten Gesprächthemas ab und verlangte nach Karten, was für den sparsamen Schwabel und den mittellosen Edwin irrn so fataler war, als Eulenstett nur mit hohen Einsätzen zu spielen pflegte, wodurch das Ganze den Anstrich des Hazard erhielt.

Der Baron trat jetzt in das Honoratiorenzimmer, Edwin, der noch immer das vor dem Fenster erlauschte Gespräch nicht vergessen konnte, schrak bei seinem Anblick leicht zusammen. Nach dem zornigen Klang der Stimme zu schließen, die der Heldenspieler kurz zuvor vernommen, mußten die Mienen des Ankömmlings noch erregt sein; wider Erwarten verkündeten seine Gesichtszüge die größte Ruhe und in fröhlichem Tone rief er, auf die Schwarzwälderuhr deutend, Edwin zu:

Bin ich nicht ein Muster von Pünttlichkeit? Beim Nähertreten wechselte er jedoch den AuS- druck der Stimme, erfaßte die Hand des jungen Mannes und sagte theilnehmend; »Sie sehen bleich aus, ist Ihnen nicht wohl?'