Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal

Dienstag, Donnerstag und Sonnabend äbonnementäpreiS :

vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.

Postausschlag.

Die Jnferttonrgebührm betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt

Hklsstldkr Kreisblutt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIssustrirLes Nnterhaktungsölatt".

Nr. 76.

Sonnabend den 30. Juni

1888.

Abonnements-Einladung.

Mit dem 1. Juli beginnt ein neues Abonne­ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Unterhaltungs - Blatt."

Wir bitten das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt.

Der vierteljährliche Abonnementspreis für das »Kreisblatt" mit der wöchentlichen Gra- tis-Beilage »Jllustrirtes Unterhaltungs- Watt* beträgt 1 Mark 40 Pf.^

Neu hinzutretenden Abonnenten wird das Kreisblatt auf Wunsch vom Tage der Bestellung an bis 1. Juli er. gratis und franco zugesandt.

3«- Inserate finden die weiteste Verbreitung und kostet die vier^espaltene Garmond-Zeile oder deren Raum

Die Expedition.

Amtliches.

Casscl, den 19. Juni 1888. Königliche Regierung.

Die Königliche Regierungs-Hauptkasse hierselbst ist heute angewiesen worden, den Standesbeamten die Seitens des Königlich Preußischen statistischen Bureaus festgestellten Kopialienentschädigungen für die im Etatsjahr 1887/88 aufgestellten und eingereichten Zählkarten über Geburten, Ehe­schließungen und Sterbefälle gegen Quittung zu zahlen.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Aus heiterem Himmel.

Erzählung von Oskar H ö ck e r.

(Fortsetzung.)

Schwabel spielte mit äußerster Vorsicht und wagte nur geringe Einsätze; Edwin sah sich durch die Verhältnisse gezwungen, dasselbe zu thun, er bedauerte dies umsomehr, als er stch gerade heute in der Stimmung befand, etwas zu wagen. Zeigte stch ihm das Glück günstig, so konnte er des Müllers, seines strengen Gläubigers, spotten, im andern Falle freilich

Der Heldenspieler dachte den Satz nicht zu Ende; Eulenstett beklagte in dem Augenblick die Flauheit der Spieler und ermuthigte zu höheren Einsätzen.

»Sie wissen, meine Herren,' äußerte er,daß ich nicht des Gewinnes wegen spiele. Ich thue es nur, um das Blut in Wallung zu bringen, und je waghalsiger wir spielen, je erregter werden die Nerven, falte votre jeu!

Die beiden Collegen gewannen, der Baron ver­lor.So ist's recht!' rief er vergnügt. »Jetzt wird eS amüsant. Ich halte das Dreifache!' Er zpg eine neue Karte ab und verlor abermals., »Das ist ja herrlich!' lachte er. »Jetzt, bester Schwabel, müssen Sie auch etwas wagen. Sie thun es ja doch sonst in ihrem Spiel auf der Bühne.'

Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich daher er« gebenst die Standesbeamten hiervon mit dem Bemerken in Kenntniß setzen zu wollen, daß, sofern die Abhebung nicht binnen 4 Wochen er­folgt, die Zustellung des zur Anweisung gelang­ten Betrages durch die Postportofrei" statt- finden wird.

Der Regierungs-Präsident.

I. V: Schwarzenberg.

An die Königlichen Landräthe des Bezirks rc. J. A. I. Nr. 6013.

Hersfeld, den 27. Juni 1888.

Wird den Herren Standesbeamten des Kreises zur Kenntnißnahme mitgetheilt.

6912. Der Königliche Landrath _________________Freiherr von Schleini tz.__

Hersfeld, den 25. Juni 1888.

Die Nummerliste der am 1. d. Mts. ausge- loosten Schuldverschreibungen der 4prozentigen Staatsanleihe von 1868 A, liegt im hiesigen, sowie in den Geschäftslocalen der beiden Steuer­kassen des Kreises zur Einsicht offen.

Zugleich mache ich auf die diese Nummerliste betreffende Bekanntmachung der Hauptverwaltung der Staatsschulden, abgedruckt unter Nr. 373, Seite 134 des Amtsblattes, aufmerksam

6839. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e in itz.

Die Thronrede

mit welcher Kaiser und König Wilhelm am Mittwoch Mittag im weißen Saal des Königl. Schlosses den Landtag der preußischen Monarchie eröffnete, lautet folgendermaßen:

Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtags!

In trüber Zeit heiße Ich Sie zum ersten Male , von dieser Stelle aus willkommen. Nur wenige I Monate hat das Scepter in Meines dahinge-

Das ist etwas anders,' w versprach der Komiker, da habe ich n'chts zu vertieren '

Ich denke, die Bühne soll das L den wieder- spiegeln?"

»Das ist die Kunst des Schauspielers.'

Ei nun, so spielen Sie einmal auch im Leben aut. Wir alle sind ja doch mehr oder weniger Schauspieler."

Der Komiker blieb aber seinem Grundsätze treu und ließ sich zu keinem Wagniß verleiten, während Edwin ziemlich erhitzt spielte. Das Glück war ihm günstig geblieben; er point-rte immer höher. Eulenstett hatte bereits alles Kleingeld verloren, er zog daher seine Brieftasche und warf Edwin einen Hunderter zu. Der Heldenspieler gerieth in Verlegenhe t, da er, trotz seines Glückes im Spiel, nicht über die Summe gebot, welche er auf die Banknote herauszugeben hatte.

Bitte, halten wir uns nicht im Spiele auf,* äußerte der Baron zuvorkommend, als Edwin ihm den Kassenschein wieder zurück geben wollte. »Wir können ja später abrechnen.'

Gut giebt Muth, das fühlte jetzt Edwin, der von der Leidenschaft des Spiels mächtig fortge- rissen wurde. Er spottete aller Warnungen seines Kollegen und setzte immer tollkühner. Da, mit einem Male schlug das Glück um der Helden­spieler verlor beträchtlich, dennoch ließ er nicht

schiedenen Vaters Hand geruht, aber lange genug, um zu erkennen, welchen Herrscher das Vaterland an Ihm verloren hat. Die Hoheit Seiner Erscheinung, der Adel Seiner Gesinnung, Sein ruhmvoller Antheil an den großen Geschicken des Vaterlandes und der Heldenmuth christlicher Ergebung, mit dem Er gegen die Todeskrankheit kämpfte, haben Ihm im Herzen Seines Volkes ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Für die ungezählten Beweise treuen Gedenkens und liebe­voller Theilnahme, welche Mir in diesen für Mich so schweren Tagen zugegangen sind, sage Ich Allen, die Mir mit ihrem Troste genaht sind, Meinen Königlichen Dank.

Nachdem durch Meines Herrn Vaters Heim­gang die Krone Meiner Vorfahren auf Mich übergegangen ist, war es Mir ein Bedürfniß, bei dem Beginne Meiner Regierung Sie um Mich zu versammeln und unverweilt vor Ihnen das eidliche Gelöbniß abzulegen, welches die Verfassung vorschreibt.

Ich gelobe, daß Ich die Verfassung des Königreichs fest und unverbrüchlich halten und in der Uebereinstimmung mit derselben und den Gesetzen regieren will, so wahr Mir Gott helfe!

Geehrte Herren! Kaiser Wilhelm hat in Seiner ruhmreichen, von großen Thaten in Krieg und Frieden erfüllten Regierung das heutige Preußen geschaffen und das Streben unseres Volkes nach nationaler Einheit verwirklicht. Mein in Gott ruhender Vater hat mit derselben Pietät, welche Mich Ihm gegenüber beseelt, nach Seiner Thronbesteigung Sich in den öffentlichen Urkunden, welche Sein politisches Vermächtniß darstellen, die Politik und die Werke Meines verewigten Großvaters angeeignet, und Ich bin entschlossen, Ihm auf diesem Wege zu folgen, auf dem Gebiete der Regierung Preußens wie auf dem der Reichspolitik. Wie König Wilhelm I. werde Ich Meinem Gelöbniß entsprechend, treu und gewissenhaft die Gesetze und die Rechte der

nach im Wagen, und schon nach wenigen Minuten befand er sich auf dem Punkte, daß Schwabel vollberechtigt war, in seinem trockenen Tone zu sagen:

So, jetzt seit Ihr wohl am Ende der Dinge angelangt.'

Alles Blut war aus des Heldenspielers Antlitz g wichen. Er biß die Zähne fest auf einander und trommelte m-t den Fingern.

.Ah,' rief ihm der Baron bedauernd zu, »Sie haben wohl kein Geld mehr? Ich habe Sie aus- geraubt. Da sehen Sie, was für ein schlimmer Mensch ich bin. Ich bitte stch zu bedienen.' Bei dem letzten Satze schob er Edwin eine wohlgefüllte Brieftasche zu. Derselbe lehnte dankend ab, wenn schon mit einem unterdrückten Seufzer.

»Lassen wir das Spiel für heute sein," meinte Schwabel, sich gähnend erhebend, »ich bin müde und morgen früh ist Probe."

Wie schade," äußerte Eulenstett, seine mit Brillanten besetzte Uhr ziehend,es ist noch früh an der Zeit. Ihre Augen," fuhr er nach kurzer Unterbrechung zu Edwin gewandt fort, »zeigen noch keine Spur von Müdigkeit."

Das Spiel hat mich erregt," bestätigte der Heldenspieler, »ich könnte mich noch nicht zur Ruhe begeben."

»So begleiten Sie mich nach der Stadt in mein Hotel," rief der Baron lebhaft. »Ich will Ihnen