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Htlsseldtk Klcisdlitt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Nnterhaktungsölatt"__________

Nr. 80. Dienstag den 10. Juli 1888.

Aöonnements-Kinladung.

Bestellungen auf das

Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage Jllnstrirtes Unterhaltungsblatt" pro drittes Quartal werden von allen Kaiser­lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 2. December v. I. (Amtsblatt 1887 S. 295) setze ich die Verwaltungs- und Polizeibehörden des Regierungsbezirks davon in Kenntniß, daß dem Central-ComiW des Preußischen Vereins zur Pflege im Felde verwundeter und ertränkter Krieger die Erlaubniß ertheilt worden ist, die dritte der demselben in Gemäßheit der Aller­höchsten Bestimmung vom 5. Februar 1885 ge­statteten drei Geldlotterien in der Weise zu verunstalten, daß 400,000 ßoofe ä 3 Mark unter Aussetzung von 4119 Gewinnen im Gesammtbe- trage von 575,000 Mark anstatt, wie ursprüng­lich beabsichtigt, 250,000 Loose ä 5 Mark mit 3569 Gewinnen in Gesammtbetrage von 625,000 Mark ausgegeben werden.

Auch ist dem genannten Comitä gestattet worden, die Ziehung dieser Lotterie nöthigenfalls erst im nächsten Jahre zu veranstalten.

Cassel, am 27. Juni 1888.

Der Regierungs-Präsident.

J. V.: Schwarzenberg.________

Hersfeld, den 6. Juli 1888.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des hiesigen Kreises werden daran erinnert, daß

Aus heiterem Himmel.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

Der Müller blickte seine Tochter halb betroffen, halb überrascht an. Dann bedeutete er Amret und der Magd, sich aus der Stube zu entfernen.

Heulend fegte jetzt der Wind um die Ecken des Hauses, gleichsam als wünsche er Zeuge zu wer­den von dem Zwiegespräch zwischen Vater und Tochter.

Die im Zimmer herrschende Stille berührte Steinert peinlich, seine Mienen verriethen die innere Unruhe, als er sich jetzt breitspurig am Tische wieder niederließ, die Lampe so weit von sich wegschob, daß ihr volles Licht Wally traf, der er unwirsch zuries:

Nun, was giebt's, waS gegen mich?"

Sie sprechen schlecht von Wally mit ruhigem Ernst.

Das weiß ich schon, seit ich

haben die Leute Dir," antwortete denken kann. Sie

gönnen mir- nicht, daß ich es so wett vorwärts gebracht habe, aber mein Wahlspruch ist: Besser tausend Neider, als einen Bemitleider."

Wally trat dicht an den Sprecher heran, legte die Rechte auf seine Schulter und sagte:Gebe der Himmel, daß es nur Berläumdung ist, was die Leute von Dir behaupten."

Was soll die lange Vorrede ?" versetzte Steinert barsch und mit dem Fuße stampfend,heraus mit der Wahrheit."

in diesem Monate die Gemeinde-Rechnungen pro 1887/88 aufgestellt werden müssen.

In dieser Rechnung sind auch die Servisgelder, sowie die Beträge für gelieferte Marschfourage und geleisteten Vorspann gelegentlich des vor­jährigen Herbstmanövers in Einnahme und Aus­gabe nachzuweisen.

Bis zum 1. September d. Js. ist mir bericht- lich anzuzeigen, daß die fragliche Rechnung von dem Erheber aufgestellt und dem Gemeinderath eingereicht worden ist.

J. A. Nr. 459. Der Königliche Landrath __________________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 5. Juli 1888.

Der Schneider Adam Paul zu Rotensee ist heute als Vieh- und Fleischbeschauer für die Ge­meinde Rotensee widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.

7143. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.

Gefunden: eine Pferdedecke. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Kirchheim.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Dem Vernehmen nach reist Se. Majestät der Kaiser am Freitag den 13. d. Mts., Abends, nach Kiel, verweilt daselbst einen Tag und tritt sodann zur See die Reise nach Petersburg an, wo er am 18. d. Mts., Abends ankommen wird. Auf der Seereise wird nur ein ganz kleines Gefolge Se. Majestät den Kaiser begleiten: Graf Herbert Bismarck, Generaladjutant v. Wittich und die Flügeladjutanten, auch der in Berlin attachirte russische General Kutusoff soll sich an­schließen. Das übrige Gefolge begiebt sich am 17., Morgens, mittels Hofzuges über Eydt- kühnen nach Petersburg.

Prinz Georg von Sachsen, der kom- mandirende General des zwölften (Kgl. sächsischen)

Die Tochter holte tief Athem, blickte den Vater traurig an und sagte dann leise:Die Leute beschuldigen Dich des Wuchers. Ist das wahr, Vater?"

Die bisherige Spannung wich aus des Müllers Antlitz; er lächelte höhnisch und antwortete nach einer Pause:Jeder soll mit dem Pfunde wuchern, das ihm der Himmel verliehen hat. So steht es in der Bibel und danach richte ich mich."

Bei den letzten Worten wollte er sich erheben, doch drückte ihn Wally sanft auf den Stuhl zurück.

In diesem christlichen Sinne, Vater, ist der Wucher erlaubt; aber es giebt auch einen uner­laubten, der zur Sünde wird."

Steinert begann wieder unruhig zu werden. Ich verwerthe meine Waare so vortheilhaft wie möglich; ist sie den Leuten zu theuer, ei nun, so brauchen sie dieselbe ja nicht zu kaufen."

Was verstehst Du unter Waare?"

Alles, womit sich Handel treiben läßt."

Auch Geld?"

Steinert stieß ein kurzes Lachen aus, das aber recht ernst klang.Natürlich auch Geld; handeln die Bankierhäuser etwa mit einer andern Waare als Geld?"

Die reservirten Antworten des Vaters bestärkten die Tochter mehr und mehr in ihren Befürchtungen. Ihre bange Seele ahnte, daß es traurige Wahr­heit sei, was Paul über den Vater zu ihr gesprochen. Wally's erkünstelte Ruhe verschwand, die Farbe ihrer Wangen wechselte und tiefen Schmerz verkündeten ihre Augen. Sie achtete

Armeekorps, ist gutem Vernehmen nach von Sr. Majestät dem Kaiser zum Generalfeldmar­sch a l l ernannt worden.

Das sächsische Königspaar ist am Freitag Abend in Kopenhagen eingetroffen.

Der Gesetzentwurf betreffend die Alters- und Jnvaliden-Versicherung der Arbeiter ist von den Ausschüssen des Bundesraths festgestellt. Die Aufbringung der Mittel zur obligatorischen Ver­sicherung soll zu drei Theilen durch das Reich mittelst Umlageverfahrens, durch die Arbeitgeber und Arbeitnehmer mittelst Prämienverfahrens erfolgen. Die Beiträge sollen betragen 21 Pfennige für Männer, 14 Pfennige für Weiber pro Woche. Der Betrag der Rente soll bei den Männern auf 120 Mark, bei den Weibern auf 80 Mark festgesetzt sein. Die Altersrente beginnt mit 120 Mark mit dem 71. Lebensjahre. Eine Kürzung der Rente wegen des Ausfalls des Beitrages in Folge des Militärdienstes soll nicht stattfinden.

Eine Sitzung des Staatsministerurms Hat am Freitag Nachmittag unter Vorsitz des Fürsten von Bismarck stattgefunden.

Die Veröffentlichung der amtlichen Krankheits­geschichte Kaiser Friedrichs wird für die kommende Woche erwartet. Die Brochüre wird hauptsächlich den Zeitraum vor der großen Novemberconsultation von San Remo betreffen. Deshalb sind auch nur die Gutachten der Aerzte aufgeführt, welche vorher an der Behandlung des Kaisers theilgevommen.

Am Sonnabend Nachmittag fand auf der Werft der Actiengesellschaft Weser der Stapellauf des AvisosErsatz Pomerania" statt. Das Schiff wurde auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers durch den Viceadmiral Grafen MontsJagd" getauft. Ein zahlreiches Publikum wohnte der Feier bei.

Die österreichisch-ungartschenOffi-

weder des grellen Blitzes, noch des heftigen Donner- schlags, der die Fenster der Stube erzittern machte, es war ihr gleich, ob die elementaren Gewalten draußen in der Natur oder im eigenen Hause zündeten, so sehr litt ihre Seele unter der Er­kenntniß von des Vaters Schuld.

Sie faltete die Hände und streckte sie flehend aus, während sie in leidenschaftlich bewegtem Tone begann:Du weißt, Vater, daß ich Dich von Herzen liebe, wie Du wich; aber trotzdem über­ragt der Stolz, mit dem ich auf Dich blicke, noch um ein gut Theil meine Kindesliebe. Ich sah in Dir ein leuchtendes Vorbild, die Kraft Deines Willens, Dein rastloser Fleiß erfüllten mich mit Bewunderung und für keinen anderen Menschen empfand ich so tiefe Verehrung, als nur für Dich. Jetzt aber wollen die Leute mir dieses Heiligthum mit ihren schlimmen Reden zerstören, da sie be­haupten, daß Du gegen wucherische Zinsen Geld verleihst, daß Du dadurch so manche Familie an den Rand des Abgrundes gebracht und daß an Deinem Reichthum das Herzblut der Armen hänge; ich aber will nicht, daß die Menschen so schandbar von Dir reden. Darum beschwöre ich Dich, stopfe den Berläumdern den Mund, sage mir, daß Du rein dastehst und ich will bis an das Ende meines Lebens zufrieden und glücklich sein, selbst wenn ich den Paul niemals heirathen darf." Wally hielt in ihrer Rede inne; sie war vor dem Vater aus die Knie gesunken und starrte ihn ängst­lich an.Aber sprich, Vater," drängte sie 'nach bangem Schweigen,ich flehe Dich darum an."