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Hersfelilkl Krcisblutt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Mnterhaltungsblatt".__________

Nr. 82. Sonnabend den 14. Jnli 1888.

Monnements-Ginladung.

Bestellungen auf das

Hrrsfrlder Kreisvlatt

mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" pro drittes Quartal werden von allen Kaiser­lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 13. Juli 1888.

Die Herren Bürgermeister rc. zu:

Allmershausen, Gittersdorf, Niederjossa, Obergeis, Stärklos, Untergeis, Unterbaun, Wippershain, Gethsemane, Harnrode, Hilmes, Lautenhausen, Lengers, Motzfeld, Philipps­thal und Ransbach werden hierdurch an die Erledigung meiner Ver­fügung vom 2. Juni d. I. Nr. 6200 im Kreis­blatt Nr. 66, die in ihren Gemeinden vorhandenen räudigen Schafe betreffend, mit Frist bis zum 20. d. Mts. beiMeidung von je 5 M. Strafe erinnert.

6200. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 12. Juli'1888.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 21. April 1882 Nr. 3731 im Kreis­blatt Nr. 32, das Weißen und Reinigen der Schulräume betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 30. d. Mts. bei Meidung von je 3 Mk. Strafe erinnert. 7342. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Aus heiterem Himmel.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

Indessen verfolgte er nicht die nach Rechwitz führende Landstraße, sondern bog seitwärts nach dem Schlosse ab. Dort oben wollte er einen doppelten Abschied nehmen, von dem wundervollen Landschastsbilde und von dem greisen Freiherrn, den er in der Zwischenzeit wiederholt besucht hatte, angezogen von dessen Liebenswürdigkeit und reichem Wissen. Ein Besuch im Schlöffe war für Edwin eine liebe Zerstreuung und er bedurfte der­selben um so mehr, als Die letzten Tage viel erregende Scenen mit sich gebracht hatten. Zunächst war es die schlimme Nachricht gewesen, welche aus der Mühle anlangte und Wally's gefährliche Erkrankung meldete. Pauls Jammer hatte sein Mitgefühl erregt, zumal sich der arme Bursche »Vorwürfe darüber machte, Wally die volle zeit über ihres Vaters niedrige Gewinnsucht gesagt und dadurch das ganze Unglück verschuldet zu haben. Weder die Trostesworte Edwin's noch der Zuspruch der Eltern fruchteten etwas und nur ein einziges Mal erhellten sich die Mienen des verzweifelnden Paul, und zwar, als er von dem Vater erfuhr, daß dieser durch Martin's nie geahnten Edelmuth der drückendsten Sorgen ent­hoben worden sei. Da ging es wie ein belebender Sonnenstrahl durch das so stille Haus, man wech- selte Worte des Staunens und der Verwunderung

Die Schrift der deutschen Aerzte über die Krankheit Kaiser Friedrichs.

Die nach amtlichen Quellen und den im König­lichen Hausministerium niedergelegten Berichten der Aerzte bearbeitete Geschichte des Verlaufs der Krankheit Kaiser Friedrichs liegt nunmehr vor. Die Aerzte, deren Gutachten und Erinne­rungen aus der Zeit ihrer Behandlung des hohen Patienten hier wiedergegeben werden, sind die Herren Prof. Bardeleben, Pros. v. Bergmann, Dr. Bramann, Prof. Gerhardt, Prof. Kußmaul, Dr. Landgraf, Sanitätsrath Dr. Moritz Schmidt in Frankfurt a. M., Prof. Schrötter in Wien, Prof. Tobold und Prof. Waldeyer.

Die Schrift giebt zunächst den Bericht des Prof. Dr. Gerhardt, der den damaligen Kron­prinzen des Deutschen Reichs vom 6. März 1887 ab behandelte und zuerst zu der betrübenden Ueberzeugung kam, daß das Leiden desselben Krebs wäre. Dieser Ansicht trat nach der Rück­kehr Sr. K. und K. Hoheit aus Ems ein Konsi­lium von Aerzten, welches am 18. Mai zusam« mentrat und außer Herrn Geh. Rath Gerhardt aus den Herren Excellenz von Lauer, den Se. Majestät der Kaiser Wilhelm entsandt hatte, Geh. Rath Tobold, Generalarzt Wegner, Ober­stabsarzt Schrader und Prof. v. Bergmann be­stand, einstimmig bei. Geh. Rath Tobold betrach­tete den Kehlkopf genau mit dem Spiegel Und erklärte dann sofort, als die Aerzte in das Kon­sultationszimmer kamen, es könne sich mit Aus­schluß jeder anderen Diagnose nur um Krebs handeln. Prof. von Bergmann hatte sich schon am 16. Mai auf Grund seiner Untersuchung dahin ausgesprochen, daß wegen möglicher Bös­artigkeit, jedenfalls wegen hartnäckigen Wieder- wucherns der Geschwulst, die Spaltung des Kehlkopfes und gründliche Ausrottung des Ge­wächses auf diesem Wege vorgenommen werde.

und erging sich in allerlei Vermuthungen, ohne dabei das Rechte zu treffen.

Martin, der auf die Hiobsbotschaft, daß Wally verunglückt und schwer erkrankt se', sofort mit seiner jungen Frau nach der Mühle geeilt war, hatte mit der apathisch auf ihrem Schmerzenslager ruhenden Schwägerin nur wenige Worte wechseln können. Was und wer ihn dazu vermocht, die Schuld des Lammwirths bei Steinert zu tilgen, das war und blieb ein Räthsel.

An alle diese Vorkommnisse dachte jetzt Edwin, während er zum Schlosse ewporstieg. Der beschwer­liche Weg, sowie die Erregung der letzten Stunden hatte ihn ermüdet und er verließ den Schleifweg, um sich zur kurzen Rast im Walde ein geeignetes Plätzchen zu suchen. Hinter einem aufgerichteten Holzschober streckte er sich auf das weiche Mooß, in allerlei wehmüthige Gedanken versinkend, denen er jedoch bald durch näher kommende Schritte ent­rissen wurde. In dem Jägersmann, welchen Edwin jetzt von seinem versteckten Platze aus auf dem Schleiswege sah, erkannte er Kemps. Derselbe schien nach etwas zu spähen, denn er blieb öfters stehen und sah sich nach allen Seiten um. Zu­weilen faßte er das über seiner Schulter hängende doppelläufige Gewehr fester, bis er sich schließlich in einen kurzen Trab versetzte und bald im Walde verschwand.

»Ein unheimlicher Mensch/ dachte Edwin bei sich. »Schon seinetwegen wird mir das Scheiden aus hiesiger Gegend nicht zu schwer fallen/

Die übrigen Theilnehmer an der ärztlichen Be­rathung stimmten dem, wie gesagt bei, und es wurde einstimmig möglichst baldige Vornahme der Kehlkopfseröffnung und Entfernung der Ge­schwulst empfohlen. Die auf Kehlkopfkrebs lau­tende Diagnose stützte sich:

1) auf das rasche Wiederwachsen der Geschwulst,

2) auf die Härte und Unebenheit der Geschwulst,

3) auf das Wundbleiben der Innenseite der Geschwulst,

4) auf die Schwerbeweglichkeit des Stimmbandes,

5) auf die Sicherheit, daß Tuberkulose und andere Jnfcc- tionskrankheiten ausgeschlossen seien,

6) auf eine Reihe von zutrefsenden Nebenumständen.

Zu letzteren sind zu rechnen das Alter des Kranken, Sitz und Aussehen des Gewächses, der Umstand, daß die Ver­letzung weder in eigentliche Eiterung überging, noch auch heilte, und noch eine"Anzahl kleinerer ätiologischer Züge und diagnostischer Beobachtungen, die diesem Falle eigen waren.

Zu dem Beschluß der Aerzte, der mitgetheilten Diagnose und den Aussichten der vorgeschlagenen Operation äußert sich der Bericht des Herrn Prof. Gerhardt nun wörtlich wie folgt:

Die Diagnose war hier früher, als in manchem anderen Falle gestellt und schien so sicher, als in diesem Stadium möglich ist, begründet zu sein, jedenfalls so sicher, daß sämmt­liche versammelten Aerzte die Verantwortung für die prac- tischen Folgerungen, die sich hieraus ergaben, zu übernehmen bereit waren.

Wenn auch einige Fälle von Kehlkopfssarcour und einer von Kehlkopfkrebs durch Entfernung der Geschwulst vom Munde aus geheilt worden waren, so lag doch bei einer so flachen und mit dem Stimmbande in solcher Breite ohne irgend sichtbare Begrenzung zusammenhängenden Geschwulst, bei der man sagen konnte, daß sie aus dem Innern des geschwolle­nen Stimmbandes sich hervordränge, keine Möglichkeit vor, vom Munde aus Heilung zu erzielen, wenn die Annahme des Krebses sicher stand. In diesem Falle mußte von jeder Operation vom Munde her abgesehen werden und durfte nur nach den schon vor 18 Jahren von Desormeaux so klar dargelegten Grundsätzen verfahren werden. Man mußte den Kehlkopf spalten. Das ist bei den heutigen Hilfsmitteln eine fast gefahrlose Operation, die man selbst wegen gutartiger Geschwülste, selbst an Kindern und Greisen unbedenklich vor- nimmt. Nur auf diesem Wege konnte es möglich werden, mit klarem Einblick das Uebel mit der Wurzel auszurotten und sicher keinen Krankheitskeim im Kehlkopfe zurückzulassen.

Eine Viertelstunde später kehrte der Heldenspieler nach dem Schleifwege zurück, die nicht mehr wette Strecke bis zum Schlosse rasch emporstetgend.

Unweit der Stelle, wo Wally in jener unheim­lichen Nacht gestürzt war, stand der Freiherr von Kemmerttz mit seinem getreuen Haushofmeister und einem fremden Herrn, in dem Edwin beim Näherkommcu den städtischen Baumeister erkannte.

.Wir haben soeben beschlossen/ äußerte nach gegenseitiger Begrüßung der Freiherr zu dem Heldenspieler, »die gesammte Peripherie deS Plateaus mit einem starken Geländer zu versehen, um in Zukunft Unglücksfälle thunlichst zu verhüten/

.Dies ist freilich wichtiger als mein Besuch/ versetzte Edwin bescheiden.

»Sie stören durchaus nicht/ versicherte der Freiherr, .denn wir sind mit unserer Berathung zu Ende/ Nach diesen Worten grüßte er flüchtig den sich tief verneigenden Baumeister, dann schritt er mit Edwin der Terrasse zu, um von dort nach dem Aussichtspavillon zu gelangen.Wissen Sie vielleicht, wie es dem verunglückten Mädchen geht^ fragte der Freiherr theilnahmsvoll; dann fügte er in kühlerem Tone hinzu: .Eine dtrecte Erkun­digung steht mir nicht zu, da ich mit dem Grund- müller nicht Content bin und meine Leute gleich­falls mit ihm nichts zu thun haben mögen/

.Ich war gestern im Hause des Müllers/ er­zählte Edwin, .von dem anwesenden Arzte erfuhr ich, daß die Verletzung, welche daS Mädchen durch den unglücklichen ^aH erlitten, unerhebliche seien,