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Htrsseldkl Kreisbllltt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-AeLlage „Issustrirtes AnLerhakLungsökatL".
Nr. 84, ~ Donnerstag den 19. Juli 1888.
Amtliches
Hersfeld, den 14. Juli 1888.
Seit einem Jahrzehnt hat das Streben, von den Denkmälern der Vorzeit zum Zwecke wissenschaftlicher Erforschung noch zu retten, was irgend möglich ist, weitere Kreise ergriffen; die Nachgrabungen nach Alterthümern haben sich gemehrt, zahlreiche kleinere Sammlungen von Denkmälern römischer, heidnisch-germanischer oder unbestimmbar vorgeschichtlicher Zeit sind entstanden. Nicht überall haben wirklich sachverständige Kräfte diese Ausgrabungen geleitet oder leiten können, nicht in allen Händen ist eine zweckmäßige Behandlung der schon vorhandenen oder neu aufgefundenen Alterthümer gesichert. Die nur zerstreut veröffentlichten, von der Wissenschaft aufgestellten Maßnahmen zu einer rationellen Conservirung solcher Alterthümer sind nur wenigen Eingeweihten geläufig. Wenn die Gegenwart hauptsächlich zu beklagen hat, daß in der Vergangenheit so viele Ausgrabungen in verkehrter und darum nutzloser Weise vorgenommen und viele Fundstücke durch unrichtige Behandlung zu Grunde gegangen sind, so erwächst ihr die Pflicht, dem für die Zukunft nach Kräften vorzubeugen.
Der von verschiedenen Seiten gegebenen Anregung folgend, hat der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten für die Herausgabe einer kurzen, gemeinfaßlichen Anleitung für das Verfahren bei Ausgrabungen, sowie zum Conserviren vor- und frühgeschichtlicher Alterthümer Sorge getragen.
Diese Anleitung ist unter dem Titel:
„Merkbuch, Alterthümer aufzugraben und auf- zubewahren" bei E. S. Mittler u. Sohn zu Berlin erschienen.
Das Buch giebt nach kurzem chronologischen Ueberblick über die vorgeschichtlichen Zeitabschnitte
Aus heiterem Himmel.
Erzählung von Oskar Höcker.
(Fortsetzung.)
Diese Auskunft beruhigte den Amtmann und er kehrte mit den Worten: „Er wird nach irgend einem Raubvogel gefeuert haben," nach dem Wagen zurück.
Der Kutscher stieß einen schrillen Pfiff aus und rief die noch immer hinter einem Baumstamm kauernde Gestalt an. Doch es erfolgte keine Antwort. Kaum näherte sich der Kutscher jedoch dem Wagen wieder, als die Gestalt sich eilig in den Wald zurückzog.
Eine Viertelstunde später fuhr der Wagen am Schloßportal vor, doch wie erstaunten die Insassen, als sie von einem unter der Thür erscheinenden Diener erfuhren, daß auf den Freiherrn kurz zuvor geschossen worden sei.
Rößler wollte sofort mit dem herausplatzen, was der Amtmann und der Kutscher an der Waldlichtung beobachtet hatten. Doch ein tadelnder Blick aus Webers Augen hinderte ihn noch rechtzeitig daran.
Bei den obwaltenden Umständen erschien es fraglich, ob der Schloßherr den Besuch aus dem Städtchen annehmen werde, doch kehrte der entsandte Diener mit günstigem Bescheid zurück. Er führte die Herren direct nach dem Gemach, in welches Herr von Kemmeritz nach dem Erwachen aus leichter Ohnmacht gebracht worden war. Es verweilten jetzt nur bet ihm Edwin und der Hans-
und einer Uebersicht über die hauptsächlichsten Arten der vorgeschichtlichen Alterthümer, eine Unterweisung in Betreff der wichtigsten, bei Auffindung und Beschreibung derselben zu berücksichtigenden Umstände, alsdann eine Anweisung zur Untersuchung der Fundstätten und eine Anleitung zur Conservirung der Fundstücke sammt Anhang mit Recepten und Fragebogen.
Das Büchlein kostet in einfacher Ausstattung 40 Psg., in besserer Ausstattung 60 Pfg., und wird allen Interessenten zur Anschaffung empfohlen. 7398, Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 16. Juli 1888.
Der Königliche Kreisbauinspector Herr Wurff- bain hierselbst ist vom 16. Juli bis einschließlich 16. August d. I. beurlaubt worden und wird während dieser Zeit durch den Königlichen Regierungsbaumeister Herrn Stock vertreten.
7431. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 13. Juli 1888.
Der Balthasar Göbel zu Cruspis ist als Bürgermeister dieser Gemeinde auf 8 Jahre gewählt und heute eidlich verpflichtet worden.
7372. Der Königliche Landrath ____Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 14. Juli 1888.
Der Adam Heiner zu Gethsemane ist als Bürgermeister dieser Gemeinde auf 8 Jahre gewählt und heute eidlich verpflichtet worden.
7408. Der Königliche Landrath
__________________Freiherr von Schleinitz.
Hersseld, den 17. Juli 1888.
Die Schulstelle zu Ransbach wird in Folge Versetzung ihres seitherigen Inhabers mit dem 1. August d. J. vacant.
Etwaige Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst den nöthigen Sitten- und
hofmeister, die sich soeben überzeugt hatten, daß von der Kugel, welche die Schulter des Freiherrn gestreift, nicht einmal die Haut geschürft worden war.
Kemmeritz begrüßte mit mattem, gleichzeitig aber auch verwundertem Lächeln die beiden eintretenden Herren, welche ziemlich umständlich ihrem Bedauern über den Vorfall Ausdruck verliehen.
„Der Schrecken war dabei die Hauptsache," erwiderte der Freiherr, welcher, in einem Armstuhl sitzend, den Besuch ersuchte, Platz zu nehmen.
„Gleichwohl giebt das Attentat zu denken, gnädigster Herr," ergriff der Haushofmeister das Wort, „denn ein Zufall gab den beiden Kugeln unmöglich die Richtung auf den Pavillon. Außerdem geschah es heute nicht zum ersten Mal, daß eine heimtückische Hand aus dem Hinterhalt auf Sie feuerte. Es wäre gut, wenn der Herr Amtmann eine ebenso rasche als thatkräftige Untersuchung einleiten wollte."
„Das würde auch ohne die Aufforderung des Herrn Haushofmeisters geschehen sein," erwiderte der Amtmann etwas spitz.
„Ja wohl," fiel Rößler hurtig ein, „zumal —"
Ein energisches Räuspern Webers brächte den Vorlauten schnell zum Schweigen.
„Alles zu seiner Zeit," bedeutete ihn der Amtmann, „namentlich jetzt, wo wir es nicht nur mit einem, sondern mit mehreren Verbrechern zu thun haben."
Rößler nickte verständnißvoll und blickte mit einem gewissen Stolze auf die übrigen Anwesenden, denen noch verborgen war, was er schon längst wußte.
Befähigungszeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem unterzeichneten Landrathe oder dem Königlichen Localschulinspector Herrn Pfarrer Seybert zu Ransbach einreichen.
Namens des Königlichen Schulvorstandes:
Der Königliche Landrath
7512. Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 14. Juli 1888.
Der seitherige Bürgermeister Conrad Kohl- tz aas zu Unterneurode ist heute als solcher auf die Dauer von weiteren 8 Jahren eidlich verpflichtet worden.
7452. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 17. Juli 1888.
Für die am 17. Juli 1868 hierselbst geborene Henriette Werner ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Reise nach Amerika nachgesucht worden.
7504. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Kolittschr Nachrichten.
(Deutschland.) Die Flottenrevue am Sonnabend in Kiel hat auf alle Zuschauer einen großartigen Eindruck gemacht; sie war das eindrucksvollste Schauspiel, welches man bisher auf diesem Gebiete in einem deutschen Hafen gesehen hat. Zur Beförderung der Depeschen und Staatsschreiben an den Kaiser während der Reise werden von Berlin aus täglich Postcouriere, bezw. Feldjäger abgeschickt. Am Sonntag geschah das nach Swinemünde. am Montag nach Memel. In beiden Hafenorten hat der Aviso „Blitz", welcher sich im Geschwader des Kaisers befindet, die Sendungen entgegen zu nehmen. Von Dienstag ab finden die Beförderungen der Feldjäger zu Bahn nach Petersburg statt. — Am Sonntag früh 4*/2 Uhr passirte das Kaiser
„Ihre räthselbaiten Andeutungen reizen meine Neugier," ergriff Kemmeritz wieder das Wort, „und ich darf Sie wohl jetzt direct nach dem Zwecke Ihres geschätzten Befuches fragen 2"
„Sie haben ein Recht dazu," versetzte mit einer höflichen Verbeugung der Amtmann. „Doch ehe ich Ihnen antworte, möchte ich Sie ersuchen, Ihren vollen Namen auf irgend ein Stück Papier zu schreiben."
Der Freiherr blickte den Sprecher verwundert an, kam aber lächelnd seinem Wunsche nach. Der Amtmann betrachtete die Schriftzüge mit großer Aufmerksamkeit, entnahm sodann seiner Brieftasche die verhängnttzvolle Banknote, verglich dieselbe mit dem von Kemmeritz erhaltenen Zettel und schob ersteren dem Freiherr» mit den Worten zu: „Jetzt zweifle ich nicht mehr, daß dies hier gleichfalls von Ihnen geschrieben worden ist."
Während Kemmeritz den Schein in der Hand hielt, wurde er von Weber scharf fixirt; es entging der Obrigkeit nicht, daß stch Ueberraschung und Unwillen in den Zügen des Freiherrn aus- drückte, welcher nach kurzer Pause erwiderte:
„Es wäre nicht das erste Mal, daß ich auf eine Banknote von höherem Betrage meinen Namen geschrieben, doch dieser hier stammt nicht aus meiner Feder."
Die beiden Herren aus der Stadt zogen ein langes Gesicht.
„Die Unterschrist," fuhr der Freiherr fort, „gleicht der meiuigen fast auf ein Haar, aber sie ist gefälscht."