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tlsstlder Kreisblutt.

Mit wöchentticher Kratts-WeilageMirstrirtes AnterhartungsSkatt«.

Nr. 85.

Sonnabend den 21. Juli

1888.

Aöonnements-Kinkabung.

Bestellungen auf das

Hersfelder KreisMatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jliustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen PoAanst«r?cn, Land­briefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 19. Juli 1888.

Diejenigen Herren Lehrer in den Landgemeinden des Kreises, welche 10 Jahre und darüber im Schuldienste sind, haben ihr erstes Bestellungs- Rescript zur Einsichtnahme bis zum 25. d. M. an mich einzusenden.

Die Herren Ortsoorstände der Landgemeinden des Kreises weise ich hiermit an, dieses ihren resp. Lchrern^rsi^^bekskmt-zu-machen.

7530. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Steckbrief.

Gegen die Wittwe des Schuhmachers Adam Hevig Anna Catharine geb. Schäfer aus Rothensee geboren am 8. Januar 1837 zu Kerspen- hausen, welche flüchtig ist, ist die Untersuchungs­haft wegen am 2. Juli 18d8 zu Rothensee ver­suchten Diebstahls verhängt.

Es wird ersucht, dieselbe zu verhaften und in dasLandgerichts-Gesängnitz zuEassel abzuliefern mit Nachricht hierher zu den Akten J. 11. 081/88.

Cassel, den 17. Juli 1888.

Der Erste Staatsanwalt.

J. A.: Berndt.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Am Donnerstag Nack>- mittag um 3 Uhr hat, wie aus St. gr-^-sKs. gemeldet wird, in Kronstadt dj^ Zusammen- kunft unseres Kaisirs Dem Zaren stattgefunden^.. . ,

Den bisher für die Kalserentrevue ge­troffenen Dispositionen zufolge besucht Kaiser Wilhelm am Freitag in Petersburg das Grab Alexanders II., empfängt sodann im Winter­palais eine Deputation der Deutschen Kolonie und nimmt das Frühstück im Deutschen Bot­schaftshotel ein. Abends findet großer Zapfen­streich im Lager von Krasnoje Selo statt. Am folgenden Tage ist Parade, nach welcher ein Be­such inPawlowsk beider dort weilenden Königin von Griechenland abgestattet werden soll. Am Sonntag wird in Peterhof das Galadiner statt» finden und erfolgt dann Abends die Abreise. Nach einer andern Version wird Kaiser Wilhelm erst in der Nacht vom Montag zum Dienstag abreisen.

Die Abreise der Kaiserlichen Prinzen nach Oberhof in Thüringen wird nunmehr am Freitag den 20. d. Mts. erfolgen.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ver­leihung des Großkreuzes des Rothen Adler-Or­dens mit Eichenlaub an den General von War­tensleben und die des Rothen Adler-Ordens zweiter Classe mit Eichenlaub an den Geheimen Regierungsrath Professor Hinzpeter in Bielefeld.

DerElrcolo della caccia" in Rom, dessen Ehren­präsident der König Humbert ist, übersandte eine künstlerisch gearbeitete Broncekrone an den italie­nischen Botschafter Graten Launay, um dieselbe am Sarge des hochseligen Kaisers Friedrich, der Ehrenmitglied der Gesellschaft war, ntederzulegen. Se. Majestät Kaiser Wilhelm ließ sür diese Sen­dung seine Genugthuung ausdrücken und auch I

önlr-' »"""gtn Friedrich sprach

Dankbarkeit für diesen neuen »Är Sympathie aus.

Der König der Belgier sollte, so hieß es bisher, mit unserem Kaiser, gelegentlich des Be­suchs, welchen derselbe im Herbst den Reichslanden abstatten wird. in Straßburg zusammentreffen. Vatikanische Blätter erhalten nun aus Brüssel die Nachricht, daß die Entrevue der beiden Monarchen wahrscheinlich in C ö l n stattfinden werde.

Den französischen Klagen über die Paßcontrolle an der elsässischen Grenze wird in derNordd. Allg. Ztg." eine scharfe Abfertigung zu Theil. In den meisten Fällen, so bemerkt dieN. A. Z.". seien diese Klagen, wie beinahe alles, was in Frankreich über Deutschland gedruckt wird, einfach erlogen, aber selbst da, wo denselben ein Fünkchen Wahrheit zu Grunde liegen und sie dem Thatbe­stände mehr oder weniger entsprechen sollten, seien sie vollständig unbegründet und nur ein neuer Beweis dafür, mit welcher Beharrlichkeit man-irr- Frankreich fortfährt, die Stellung der Franzosen zu Elsaß-Lothringen zu verkennen. Unter Bezug­nahme auf ein Vorkommniß jüngsten Datums er­klärt dieNordd. Allg. Ztg." sodann, die Ange­hörigen activer französischer Oificiere hätten in Elsaß-Lothringen überhaupt nichts Erlaubtes zu suchen und brauchten sich dort nicht auszuhalten, und der ganze Zweck des Paßzwanges sei eben, die socialen und kommerctellen Verbindungen zwischen Frankreich und Elsaß-Lothringen voll­ständig abzubrechen, nachdem in unzweifelhafter Weise sestgestellt worden sei, wie diese Beziehungen von den Franzosen in völkerrechtswidriger Weise gemißbraucht wurden. Der Artikel schließt mit folgender Bemerkung:Es läge vielleicht in höherem Grade im französischen Interesse, als die durch eine jammervolle, verlogene Presse verblendete große Menge weiß, wenn man sich in Frankreich darüber klar werden wollte, daß die Franzosen sich schon

Aas Weiterem Kimmet.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

Die Entdeckung mehrerer Falsifikate hatte zur Folge, daß ein Jeder, der sich im Besitz von Papiergeld befand, dasselbe schleunigst gegen Gold oder Silber einzutauschen bestrebt war. Infolge dessen wuchs die Panik im Städtchen derart, daß man höchst energisch die Annahme von Banknoten verweigerte und einen jeden Besitzer derselben miß­trauischen Blickes betrachtete. Gegründete und ungegründete Verdächtigungen gingen der Polizei in Menge zu und der menschliche Egoismus stano in schönster Blüthe. Diejenigen, welche von den Vorkommnissen in keinerlei Weise berührt wurden, bildeten die Mehrzahl und freuten sich mit großer Behaglichkeit über jedes neu auftauchende Gerücht, das ihrerseits mit ungeheuerlichen Uebertreibungen weiter colportirt wurde. Mit einem Worte: die Einwohner von Rechwitz benahmen sich um kein Haar besser oder schlechter, als die Leute anderer Orte, die mit Wohlbehagen unglückliche Ereignisse in der Nachbarschaft aufgreifen, mit Bedauern die entsetzlichsten Dinge vernehmen und sich dabei im Stillen ihrer heilen Haut freuen, die jeden unge­wöhnlichen Vorfall willkommen heißen, sei es nun, daß ein Pferd durchgeht und der Wagen umstürzt, ein Leichenzug still vorüberzieht, oder eine Feuers- brunft ausbricht, der man ohne Gefahr zusehen tönn. Kurzum, die sich keine Gelegenheit ent- gehen lassen, sobald dieselbe geeignet ist, eine

erwünschte Abwechselung in die Eintönigkeit ihres täglichen Lebens zu bringen.

Leider hatten sich in Rechwitz die interessanten Vorfälle derart gejagt, daß mancher davon in Ver­gessenheit gerieth, oder doch wenigstens in den Hintergrund trat. Dazu gehörten die schwere Er­krankung Wally's und die heftigen Austritte, welche in der Mühle stattgefunden hatten; denn es war nicht blos bet den stürmischen Scenen geblieben, die Steinert mit dem Sohn des Lamm- wtrths, mit Martin und Wally gehabt, seit dem Augenblicke, wo die Müllerstochter bewußtlos in das väterliche Haus gebracht worden war, stürmte es von allen Seiten auf Steinert ein. Unter der Wucht schwerer Vorwürfe, die ihm von Freund und Feind wegen seiner Hartherzigkeit und seines rücksichtslosen Handelns gemacht wur­den, gelangte der Schmerz und die Besorgntß um sein Kind nicht einmal zum Ausbruch. Er war mit sehenden Augen blind und mit hörenden Ohren taub, eine nervöse Unruhe, die sich durch das ärzt­liche Verbot, an Wally's Krankenlager treten zu dürfen, noch erheblich steigerte, trieb ihn rastlos Trepp auf und ab, und dabei war ihm zu Muthe, als ob ihn Jemand mit einem Kolben auf den Kopf geschlagen hätte; aber trotz dieser Betäubung peinigte ihn unablässig der nagende Vorwurf, daß er das Glück seines Kindes mit Füßen getreten, daß er gegen Wally die Hand erhoben und das arme Mädchen hinausgejagt habe in Nacht und Sturm. Als ihm der Arzt ankündigte, daß Wally's Zustand bedenklich sei, tastete er wie ein

seiner Vernunsl Beraubter mit den Händen in der Luft umher; es war ihm, als ob eine unsichtbare Macht ihn an der Kehle würgte; er wollte seinem Schmerze Luft machen, vermochte es aber nicht, bis der Zorn bei ihm wieder die Oberhand gewann und er wüthend mit dem Fuße stampfte. Doch auch dieser Anfall ging vorüber, die frühere Betäubung kehrte zurück und mit gebeugtem Haupte schlich Steinert nach seiner Arbeitsstube. Mecha­nisch ließ er sich an dem Pulte nieder und ebenso mechanisch griffen seine Finger nach den Staats­und Werthpapieren, »to ^ i« einem Seitenfache verwahrte und deren Anblick ihn oft ergötzt hatten doch heute erschienen sie ihm so nichtssagend und gehaltslos, daß er sich widerwillig von ihnen ab» wandle. Vermochten sie ihm auch nur einen ein»- zigen liebenden Blick seines Kindes zu ersetzet! Ein schwerer, dumpfer Seufzer entrang sich.Mner Brust. Er dachte mit Grausen an die MMichkeit, daß in allernächster Zeit eine Stunde kommen könne, wo er sein Kind weder in noch außer dem Hause finden werde, wo ihre Lippen und ihr silber­helles Lachen für immer verstummt sein würden, wo nur ein armseliges prächtiges Marmorkreuz an ihr einstiges Dasein gemahnte. Da begann es endlich in dem finstern Herzen des steinharten Mannes zu tagen, ungeahnte Gefühle erwachten und in den Augen blinkte es seltsam. Hurtig warf er die buntfarbenen Scheine in das Fach zurück und stieg die Treppe nach Wally's Kammer empor. Bor der Thür blieb er stehen und tauschte. Es wapffhm, als ob er die Athemzüge der Kranken