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Htlsscliitl Kreisbllltt.

Mit wöchentlicher Kratis-IeitageIllustrirtes AnLechaktungsölaLL".__________

Nr. 86. Dienstag den 24. Juli 1888.

Aöonnements-Ginladung.

Bestellungen auf das

HersfeLder Kreisblatt mit der wöchentliche« Gratis-Beilage Jllustrirtes Unterhattungsblatt" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Land­briefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß dem Königlichen Aichungsamte hierselbst die Be- fugntß zur Aichung der Thermo-Alkoholometer vom 1. October d. Js. ab nicht mehr zusteht. Eassel, den 12. Juli 1888.

Der Regierungs-Prästdent. Rothe.

Der Herr Ober-Präsident hat genehmigt, daß der Borstand der israelitischen Gemeinde zu Wächtersbach zum Besten des Fonds für den Neu­bau einer Synagoge daselbst im Laufe dieses Jahres bet den israelitischen Einwohnern der Pro­vinz Hessen-Nassau eine einmalige Sammlung freiwilliger Beiträge durch polizeilich legitimtrte Collectanlen verunstalten darf.

Eassel, den 7. Juli 1888.

Der Regierungs-Prästdent. I. B.: v. Kitzing.

Des Königs Majestät haben mittelst Aller­höchster Ordre vom 22ften v. Mts. dem Verwal- tungsrathe der Gartenbau-Gesellschaft Flora zu Köln die Erlaubniß zu ertheilen geruht, in Ver­bindung mit der in der Zeit vom 4. August bis 9. September d. Js. daselbst stattfindenden inter­nationalen Gartenbau-Ausstellung eine Lotterie in i zwei Serien zu verunstalten und die Loose im

Aus heiterem Himmel.

Erzählung von Oskar Höcker. (Fortsetzung.)

Die Beschuldigung Kemps's würde schon aus diesem Grunde in Nichts zerfallen sein, hätte nicht der Zufall zu Eulenstett's Ungunsten mitge- wirkt. Es war Thatsache, daß der Schauspieler Romberg ein Falsifikat von ihm erhalten und daß im Städtchen verschiedene falsche Banknoten cir- culirten. Der Amtmann hatte sich, nachdem er den Befehl zur Verhaftung Kemps's ertheilt, mit Edwin nach der Hotelwohnung Eulenstett's be­geben, denselben aber nicht angetroffen. Da der Baron nach seiner Flucht aus der Kemps'schen Wohnung nicht mehr gesehen worden war und auch in den nächsten Tagen nicht wieder zum Vorschein kam, so hielt es die Polizeibehörde für geboten, auf ihn zu fahnden.

Es läßt sich denken, daß diese Ereignisse die Köpfe der Bewohner von Rechwitz noch mehr erhitzten und daß die abenteuerlichsten Gerüchte curfirtcn, namentlich über die Person Kemps's, der mit immer neuen Enthüllungen hervortreten sollte.

Es konnte nicht fehlen, daß diese geheimnißvollen Gerüchte auch nach Buchshagen drangen und zu Frau Schröter's Kenntniß gelangten. Sie riefen seltsamer Weise bet der alten Frau eine sich mehr und mehr steigernde Erregung hervor, bis schließ- Uch in ihr der Entschluß reiste, nach Schloß Kemmeritz zu wandern und den Freiherrn um «ine Unterredung unter vier Augen zu ersuchen.

ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben. Zu dieser Lotterie, bei welcher für jede Serie neben 1400 anderen Gewinnen in Werthe von 22 500 Mk. auch 212 Geldprämien im Gesammtbetrage von 37500 Mk. zur Ausspielung gelangen sollen, dürfen für jede Serie 150000 Loose ä 1 Mk. aus­gegeben werden.

Die Polizei-Behörden des Bezirks wollen dafür Sorge tragen, daß dem Vertrieb der Loose kein Hinderniß entgegengesetzt wird.

Eassel, den 16. Juli 1888.

Der Regierungs-Prästdent,

___I. V.: Schwarzenberg._______

Hersfeld, den 20. Juli 1888.

Für den am 29. Januar 1870 geborenen Weber Johann Adam Becker zu Stärklos ist um Ent­lassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Nordamerika nach­gesucht worden.

7731. Der Königliche Landrath Freiherr v o n S chlei n itz.

Gefunden: eine Heugabel und eine Mistgabel. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Allmershausen.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Ueber die erste Begegnung der beiden Kaiser wird aus Petersburg unterm 20. Juli noch mitgetheilt: Die Monarchen umarmten und küßten sich aufdasHerzlichste. Hierauffand die Vor­stellung des beiderseitigen Gesolges statt. Kaiser Wilhelm hatte noch auf derAlexandria" eine längere Unterredung mit dem russischen Minister v. Giers, während Kaiser Alexander sich mit dem Staatsminister Grafen Herbert Bismarck unterhielt. Hierauf zogen sich beide Monarchen zurück. Das beiderseitige Gefolge blieb in leb­haftester Unterredung bei einander. Außer dem

Der Haushofmeister wollte die fremde Frau nicht vorlassen, da er in ihr eine Bittstellerin ver­muthete, wie sie zu Dutzenden im Schloß erschienen, um von der freigebigen Hand des adeligen Herrn eine kleine Unterstützung zu erflehen. Da indessen Frau Schröter erklärte, daß sie nur in der Absicht gekommen sei, dem Herrn von Kemmeritz eine wichtige, seine Person betreffende Mittheilung zu machen, so wurde sie von dem Haushofmeister in das Gemach geführt, in welchem der Freiherr verweilte.

Sie nahte sich dem Letzteren mit großer Aengst- ltchkeit und Scheu, fn^te wiederholt und strich verlegen über ihre Hände. Der freundliche, wohl­wollende Blick des Schloßherrn ermuthigte sie jedoch bald und Kemmeritz vernahm aus ihrem Munde eine Geschichte, die nur zu sehr mit dem tragischen Schicksal seines Lebens zusammenhing. Frau Schröter hatte in der Residenz eine Schwester besessen, die von dem Unglück betroffen worden war, innerhalb weniger Wochen den Gatten und daS einzige Kind zu verlieren. Das Letztere war freilich erst ein Jahr alt gewesen, aber mit ihm sank alle Lebensfreudigkeit der tief trauernden Mutter in das Grab. Es berührte Frau Schröter schmerzlich, die Schwester langsam dahinstechen zu sehen, ohne ihr hellen zu können.

Mein kleiner Waarenhandel" berichtete die alte Frau weiter, .gestattete mir nicht, bei ihr in der Residenz zu bleiben und sie zu trösten. Ich zog von Messe zu Messe und es dauerte oft recht lange, ehe ich meine Schwester wiedersah.

Familiendiner in Peterhof fand daselbst auch eine Ministertafel statt, an welcher Graf Herbert Bismarck und Minister v. Giers theilnahmen, und bei welcher der Minister des Kaiserlichen Hauses Graf Woronzow-Daschkow den Vorsitz führte. Abends fand bei magischer Beleuchtung, und während alle Wasser sprangen, eine Rund­fahrt durch den Park von Peterhof statt. Heute Vormittag wird sich Kaiser Wilhelm mittelst Dampfers nach der Peter-Pauls-Festung begeben und das Grab Kaisers Alexander II. besuchen. Das Frühstück wird auf demDampfer eingenommen. Hierauf wird Kaiser Wilhelm den in der Um­gegend wohnenden Großfürsten einen Besuch ab- statten; Nachmittags findet Galatafel statt. Für den Abend ist der Besuch des Lagers in Krasnoje Selo, wobei großer Zapfenstreich in Aussicht genommen. Die Rückkehr von Krasnoje Selo nach Peterhof erfolgt erst in der Nacht.

Petersburg, 21. Juli. Kaiser Wilhelm Mit dem Prinzen Heinrich und Gefolge trafen am Landungsplätze hier ein, empfangen von den Spitzen der Behörden und enthusiastisch begrüßt von dem Publikum. Die hohen Herrschaften fuhren auf vier Dampfbarkassen nach der Peter­paulsfestung und legten Kränze auf das Grab Alexanders II. nieder, worauf der Kaiser das Häuschen Peters des Großen besuchte und hierauf die Begrüßung des Kommandanten und der Garnison entgegennahm. Um 2 Uhr Nachmittags fuhr der Kaiser auf einem Dampfer nach Oranien- baum und besuchte die Großfürstin Katharina Michael senior, und den Großfürsten Nikolaus senior. In Karneo Selo trafen der deutsche Kaiser, das Czarenpaar und Prinz Heinrich um 7 Uhr ein, am Bahnhof empfangen von den Mit­gliedern des Kaiserhauses, der Generalität und einer Ehrenkompagnie des Wiborger Regiments. Beide Kaiser und Prinz Heinrich mit glänzender Suite bestiegen die Pferde. Die Kaiserin und

Da kam ich denn mit meinem Planwagen wieder einmal die Landstraße von Buchshagen hergezogen, als ich plötzlich ein leises Wimmern vernahm. Ich kletterte vom Wagen herab und ging den kläglichen Lauten nach. Diese führten mich von der Straße abwärts nach dem wer des Flusses. Ein in Lumpen gehülltes Knäblein, das kaum zwölf Monate zählen mochte, lag dort unter einem Erlenbusch, nur wenige Zoll von dem vorüber­rauschenden Wasser entfernt. Es sah mich mit seinen großen dunkelbraunen Augen so kläglich an, daß ich es sofort vom Boden aufhob und zu beruhigen suchte. Es war ein hübsches, wohlge­bildetes Kind, zu dem das zerrissene Tuch, in welches es gewickelt war, nicht recht passen wollte. Da ich vermuthete, daß die Mutter des Knäbleins sicherlich in der Nähe sein werde, vielleicht auf einem der umliegenden Felder arbeitete, so spähte ich nach allen Seiten aus, doch weit und breit war kein Mensch zu sehen. Ich vermochte es nicht über mich zu gewinnen, das arme Würmchen seinem Schicksal zu überlassen, und so entschloß ich mich denn, es mit mir zu nehmen, Beim Zurückgehen sah ich etwas im Grase blinken, es war eine Kinderklapper, die nicht werthlos war, denn sie bestand aus Silber. Unwillkürlich mußte ich auf die ärmliche Umhüllung des Kindes blicken, das freudig die Händchen nach der Klapper aus- streckte, die ihm nicht unbekannt zu sein schien . . . Der gnädige Herr scheinen etwas sagen zu wollen," unterbrach sich Frau Schröter in ihrer Erzählung, da es in dem Antlitz des Freiherrn heftig zuckte,