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Dienstag, Donnerstag und Sonnabend Bbonnementspreik:

vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel.

Postausschlag.

Die Jnsertionigebühren betragen für den Raum einer Spattzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Psg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Herchlittt Irrislilett

__________Mit wöchentlicher Kratis-AeilageMustrirtes Anterhattungsölatt".__________

Nr. 90. Donnerstag den 2. August 1888.

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Aöonnements-Z'nladung.

Bestellungen auf das

Hersfelder Kreisdlatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage ^JUustrirtes Unterhattungsblatt" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstallen, Land­briefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 28. Juli 1888.

Mit Bezug auf den Schlußsatz meines Aus­schreibens vom 13. Juli d. J. Nr. 7119, Kreis­blatt Nr. 83, die Polizei-Verordnung über den Transport und die Versendung von Wild be­treffend, mache ich die Herren Orlsvorstände des Kreises darauf aufmerksam, daß von der Ver­lagsverwaltung der Hof- und Waisenhaus-Buch­druckerei zu Kassel Wildschein-Formulare nach den vorgeschriebenen Mustern (A. und B.) zum Preis von 10 Pfg. pro Blatt 4 Stück, welcher sich bei Abnahme von 5 Blatt 20 Stück Blanquets auf 40 Pfg. stellt, vorräthig gehalten werden.

Diese Wildschein-Formulare sind von den Ortspolizeibehörden vorräthig zu halten und auf Nachsuchen an Jagdberechtigte 2c. zum Selbst­kostenpreise abzugeben.

7949. Der Königliche Landrath _________________Freiherr von SchIeinitz.

' Hersfeld, den 30. Juli 1888.

Den Herren Ortsvorständen des hiesigen Kreises werden in der Kürze die Rckrutirungs-Stamm- rollen der Jahrgänge 1866, 1867 und 1868, nachdem dieselben diesseits mit den alphabetischen

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Waldschatten.

Erzählung von R o b e r t S ch w e t ch e l. (Fortsetzung.)

Die Linien um ihren welken Mund wurden immer herber. Aber sie konnte nicht zugeben, daß er sich eines hübschen Lärvchens wegen verzehrte, und sie wollte ihn zu bewegen suchen, daß er sich nach einer anderen Stelle umthat. Es konnte ihm nicht fehlen, denn er hatte in seinem Fache etwas Tüchtiges gelernt. Nach ihrer Ansicht hätte er auf seinen Posten gar nicht wieder zurückkehren sollen und am liebsten wäre es ihr gewesen, wenn er überhaupt nicht Forstmann geworden wäre. Ihr grauste heimlich vor dem Walde, war sie doch in ihm von dem größten Unglücke ihres Lebens betroffen worden.

Vor Larkow hatte ihr verstorbener Mann die ausgedehnten Forsten des gräflich Saalstem'schen Grundbesitzes bewirthschaftet und sie als junges, glückliches Weib in der Oberiörsteret vor dem Walde gewohnt; dort war auch ihr Eugen geboren worden. Eines Tages hatte man seinen Vater, der am Morgen frisch und gesund zur Jagd aus­gezogen, ihr sterbend heimgebracht. Er halte einen Eber, der sich auf den Standort des Grasen Saalstein gestürzt, absangen wollen, seine Klinge war gebrochen und das wüthende Thier, obwohl lödtlich verwundet, hatte ihm mit seinen scharfen Hauern den Leib aufgeschlitzt. Unter gräßlichen Schmerzen war er gestorben. Das mochte wohl

Listen gleichgestellt worden find, in Gemäßheit des §. 45. 12 der Ersatz-Ordnung vom 28. September 1875 zugesandt, um dieselben nebst ihren Anlagen (Pfarramtlicher Geburtsschein 20.) in der Gemeinde-Repositur aufzubewahren.

8016. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Ueber die am Montag Mittag erfolgte Ankunft Sr. Majestät des Kaisers in der dänischen Hauptstadt bringt der Telegraph folgende Berichte:

Kopenhagen, 30. Juli, Vormittags. Die zum Empfang des deutschen Kaisers getroffenen Anstalten sind weit größer und reicher als bei früherenähnlichenGelegenheiten. UeberallBlumen- und Flaggenschmuck, an der Zollbude hat man einen prachtvollen Baldachin in Weiß, Roth und Gold errichtet, vor demselben weht auf hoher Stange die deutsche Flagge, von 2 Danebrogs flankirt, auch alle umliegenden Gebäude zeigen reichsten Flaggenschmuck. In dem durch die Garnison von der Zollbude bis zum Schloß ge­bildeten Spalier haben Truppen aller Waffen­gattungen, vor Schloß Amalienborg die Artillerie mit bespannten Geschützen Aufstellung genommen. Die Schaluppe, welche den König und den Kronprinzen Vormittags 83/+ Uhr zur ersten Begrüßung der im Geleite des deutschen Ge­schwaders nahenden hohen Gäste nach der Hohenzollern" überführte, wurde von dem Capitän Koch commandirt. Auf derselben be­fanden sich auch der deutsche Gesandte v. d. Brinken mit dem Legationssecretär v. Müller und der Chef des Adjutantencorps v. d. Maaß und der General Kauffmann. In einem zweiten von Admiral Braag geführten Boote folgten die Adjutanten des Königs und des Kronprinzen.

an die zwanzig Jahre her sein und ihr Eugen war damals noch ein kleines Bübchen gewesen, allein die Erinnerung an den Wald, der zu seinen Kinderspielen gerauscht, hatte ihn in das offene Land hinaus begleitet, als die Mutter die Ober- försterei hatte räumen müssen, und er war ein Waidmann geworden, wie sein Vater und Groß­vater vor ihm. Der Gutsherr hatte die Wittwe nicht verlassen und Dank seiner Unterstützung ihr Knabe nicht nur eine gute Erziehung, sondern auch seine jetzige Anstellung als Revierförster erhalten. Und jetzt hatte sie auch ihn an dem unheimlichen Wald verloren. Oder dachte er etwa nicht an diejenige, die sein Herz umgarnt hielt, während er ihr gegenüber auf dem alten Lehnstuhle saß? Der Stuhl, die Nußbaumkommode mit den messingenen Handgriffen, die Wanduhr, deren Stunden ein Kuckuck ausrief, stammten noch aus ihrer ehelichen Einrichtung. Es waren für sie Blätter eines alten Geschtchtenbuches, die sie immer wieder las. Und wie sehr glich Eugen mit dem flockigen Bart und dem dicken Gelock, die leicht ins Röthliche spielten, dem Vater, als das Lampenlicht auf seine kräftig geschnittenen Züge fiel! Sie ging still in die Küche, um die Thränen zu verbergen, die ihr in die grauen Augen drangen.

Ja, er dachte an Trude, an ihre Verzweiflung und auf welche Weise er sie vor dem Schicksale bewahren könnte, das sie durch den Oberförster Barkow bedrohte. Der Mann stand bet dem alten Grafen, der aus seinem Schlosse aus Hypochondrie wie ein Klausner lebte, in hoher Gunst, und nicht

Der König hatte Admiralsuniform, der Kronprinz Generalsuniform angelegt, beide trugen den Schwarzen Adlerorden, Se. Majestät der Kaiser Wilhelm trug Admiralsuniform mit dem großen Bande des Elefantenordens. Nach der überaus herzlichen ersten Begrüßung (der Kaiser umarmte und küßte sowohl den König wie den Kronprinzen) kehrten König und Kronprinz kurz nach 9 Uhr an Bord desDanebrog" zurück. Der deutsche Gesandte v. d. Brinken blieb an Bord der Hohenzollern."

Kopenhagen, 30. Juli. (Mittags). Der Danebrog" war um 10 Uhr 35 Min. hierher zurückgekehrt, dieHohenzollern", auf deren Kommandobrücke Se. Majestät der Kaiser Wilhelm in Admiralsuniform und mit dem Bande des Elefandenordens stand, traf um 11 Uhr 10 Min. hier ein. Alle dänischen Schiffe und Forts be­grüßten den Kaiser mit Geschützsalven, alle Schiffe waren in Flaggengala, die Musikcorps spielten die Nationalhymne, die Matrosen riefen Hurrah". Viele Privatdampfer und das ganze Ufer waren von Zuschauern angefüllt, welche den Allerhöchsten Gast mit lebhaften sympathischen Zurufen begrüßten, auf mehreren Privatdampfern wurde die Nationalhymne gesungen. Se. Majestät der Kaiser begab sich in einer Schaluppe der Hohenzollern" zur Landungstreppe, an deren Fuß der König, der Kronprinz und die übrigen Prinzen des Königlichen Hauses sich aufgestellt hatten. Der Kaiser begrüßte sich mit denselben und eilte dann die Treppe hinauf, wo die Königin, die Kronprinzessin und die Gemahlin des Prinzen Waldemar Allerhöchstdenselben erwarteten. Der Kaiser küßte der Königin die Hand, begrüßte die Kronprinzessin und die Prinzessin Waldemar, ließ sich darauf die dänischen Minister, sowie die anderen zum Empfang anwesenden Hof- und Staatswürdenträger, das diplomatische Korps, ingleichen den Vertreter des Ausstellungskomitees,

genug, daß dieser ihn frei schalten und walten ließ, war er seit einigen Jahren auch Amtsvor­steher geworden. Dank dieser Doppelstellung gebot er über eine Macht, wie selten ein Mensch, und wenn es gefährlich war, ihn zum Gegner zu haben, so durften diejenigen, die bei ihm gut un­geschrieben waren, es unter dem weiten Mantel seines Einflusses sich wohl sein lassen.König Barkow" nannten ihn die Leute auf dem Walde, und wie ein König ward er von ihnen um­schmeichelt und gefürchtet. Eugen hatte nur kurze Zeit in dem Sonnenschein seiner Gnade gestanden, nach der er nie getrachtet. Aus demselben Eretg- nisse war hier die Liebe, dort der Haß verwachsen. Die Macht des Oberförsters schreckte Eugen nicht, wie er ihr stets im Bewußtsein treuer Pflichter­füllung mannhaft die Stirn geboten hatte. Indem er aber daran dachte, daß er Trude an diesem Mann verlieren sollte, gohr alles, was ihm Feind­seliges von ihm widerfahren war, heftig in ihm auf.

Als Frau Lindenau in die Stube zurück kam, um den Tisch zum Abendessen zu decken, fand sie ihn mit seiner Kugelbüchse, einem Hinterlader, be­schäftigt, in deren Kammer er eine Patrone schob; andere steckte er lose in die Tasche seiner Joppe.

Du willst noch einmal ausgehen, bet dem Wetter? fragte sie während der Mahlzeit.

Das ist just das rechte Wetter für die Holz- und Wilddiebe," entgegnete er.

Die Mutter sagte nichts weiter; nur wie er nachher seinen Hirschfänger umgürtete, äußerte sie mit einem leisen Zittern der schmalen Lippen;