Erscheint wöchentlich drei Mal
Dienstag, Donnerstag und Sonnabend Sbonnementspreib:
vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel.
Postausschlag.
Die Jnsertionsgebührm betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Sei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Itrsfclhtr Krc>M«tt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „IllustrirLes UnLerhattungsölaLL".__________
Nr. 91. Sonnabend den 4. August 1888.
Aöonnements-Zinladung.
Bestellungen auf das
Hersfelder Kreisvtatt
mit der wöchentlichen Gratis Beilage „JLlustvirtes Unterhaltungsblatt" für-die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalren, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 2. August 1888.
Die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises in deren Gemeinden sich Schulstellen befinden, beauftrage ich, unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 9. April c. Nr. 4185, (Kreisblatt Nr. 43) den betreffenden Herren Lehrern bekannt zu geben, daß sie die am 1. ejusd. fällig ge- wesenen Zinsen von den bei hiesiger Sparkasse verzinslich angelegten Ablösungskapitalien, so weit solches bis jetzt nicht geschehen, noch alsbald im Bureau des Königlichen Landrathsamts in Empfang zu nehmen bezw. durch einen schriftlich Beauftragten abholen zu lassen haben.
8105. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 2. August 1888.
Die Nummerliste der auf den 1. November d. I. ausgeloosten Kurmärkischen Schuldverschreibungen liegt im Geschäftslokale des hiesigen Landrathsamtes sowie auch in denjenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises den Inhabern zur Einsicht während der Dienststunden offen.
Zugleich mache ich auch auf die diese Nummer- liste betreffende Bekanntmachung der Hauptver
(Unbefugter Nachdruck verboten)
Waldschatten.
Erzählung von Robert Sch weich ei.
(Fortsetzung.)
Wenn Trude nur die Dinge mit den Augen der Mutter anzusehen vermocht hätte! Aber die Jugend lebt eben in einer ganz anderen Welt als das Alter, und die arme Trude sah in dem Oberförster nur den Zerstörer ihres Glückes. Ach, der Traum ihres Herzens war eben so schön wie kurz gewesen! Sie wiederholte sich ihr Gespräch mit Eugen unter der Blutbuche, wie gern hätte sie gehofft, allein was wollte, was konnte er thun, um sie vor dem Schrecklichen zu bewahren?
„Herz ist Trumpf," rief der Oberförster, indem er zu einer neuen Partie die Karten abhob.
Trude schlug jäh die Augen auf und die Blicke von Mutter und Tochter begegneten einander. Die Wangen der letzteren rötheten sich höher und wurden dann um so blasser. Es gab für sie nur Mitleid, keine Hülfe. Ach, sollte es denn so schwer sein zu sterben? Sie dachte an den vom Sturm aufgewühlten See und schauderte.
„Jetzt, Freund Zeuner, gewinne ich die Partie," fuhr der Oberförster, seine Karten ordnend, gut gelaunt fort. „Es thut nichts, daß Ihr nur noch einen Point zu decken habt und ich drei. Vorwärts mit frischem, frohem Klang!"
„Ja, ja," erwiderte der Bretschnetder mit seinem Lieblingsausdruck, den er je nach der Gelegenheit betonte. Wahrend Barlow das Spiel fortwährend
waltung der Staatsschulden, abgedruckt auf Seite 163 des diesjährigen Amtsblatts, aufmerksam.
8034. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Cassel, den 1. August 1888.
Der hinter der Wittwe des Schuhmachers Adam Hebig Anna Catharina geb. Schäfer von Rothensee am 17. Juli 1888 diesseits erlassene Steckbrief ist durch Ergreifung erledigt und wird zurückgezogen.
Der Erste Staatsanwalt.
J. A.: Berndt.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Ueber die Ankunft des Kaisers in Kiel wird der „Nordd.Allg. Ztg." von dort vom Dienstag Abend berichtet: „Fand auch nach dem festgesetzten Programm bei der Rückkehr Sr. Majestät des Kaisers nach Kiel hier ein offizieller Empfang nicht wieder statt, so schlugen auch heute die Herzen höher und alles drängte dem Landungsplätze zu, um hier noch einmal den geliebten Herrscher aus nächster Nähe zu sehen. Andererseits waren Hunderte von Menschen den Strand bei Bellevue und der Wieker Bucht entlang gepilgert, um hier dem Einlaufen des Kaisergeschwaders beizuwohnen. Da die Stunde der Ankunft nicht genau bekannt war, so wurde die Geduld auf eine ziemlich lange Probe gestellt, aber trotz der nicht besonders günstigen Witterung harrte man geduldig aus, bis endlich gegen 8*/4 Uhr vom Fort Friedrichsort aus salutirt und damit das Zeichen gegeben wurde, daß Se. Maj. Aacht „Hohenzollern" im Herannahen begriffen sei. Die Stimmung der Kieler Bevölkerung war auch heute über alle Beschreibung erhaben, und enthusiastisch jubelte man bei ihrem Jnstchtkommen der „Hohenzollern" entgegen, welche
mit scherzhaften Randglossen begleitet hatte, war kaum ein Wort mehr als dieses: „Ja — Ja!" über die schmalen, ewig grämlichen Lippen Zeu- ner's gekommen. Wie ein grämlicher Hausgeist hockte die dürre, starkknochige Gestalt in dem gestrickten Kamisol von dunkelblauer Wolle auf dem Stuhle. Seine hölzerne Mienen veränderten sich auch nicht, als er die Partie gewann. Der Oberförster ließ ihn meistens absichtlich gewinnen.
„Unglück im Spiel bedeutet Glück in der Liebe," scherzte Barkow, indem er zahlte und ausstand. „Nicht wahr, Schätzchen?" fuhr er fort und drückte Truben's Kopf liebkosend an sich. Verzagt ließ sie die Hände in den Schootz sinken. „Das soll wohl ein Besatz zu Deinem Nachtjäckchen werden?" fragte er und hob die Zacken, an denen sie häkelte, aus ihrem Schooße auf.
„Aber so 'was fragt man doch ein Mädchen nicht", rief die Müllerin mit scheinbarer Entrüstung.
„Nicht, während schon unser Brautbett aufgeschlagen wird?" lachte er und strich sich den mächtigen Schnurrbart. „Gehen Sie, Frau Zeuner! Heut zu Tage sind die Mädel lange nicht so zimperlich, wie sie es in Ihrer Jugend waren. Allerlei Spinngewebe haben sie auch wohl heute im Kopf, und je hübscher der Kopf, je mehr da- von. Aber das fegt die Ehe fort und ein verständiger Mann fragt nicht nach dem, was vor der Brautnacht war."
Er sprach es leicht hin, indem er Trude über das weiche Haar strich. Sie bog den Kops weg
während eines Zeitraumes von 18 Tagen dem Kaiser, der sich in Hingabe an seine Herrscherpflichten willig den Strapazen einer Seereise unterzogen hatte, Unterkunft gewährte. Das war ein Ereigniß für unsere blauen Jungen, mit ihrem Kaiser eine Reise zu unternehmen, der sich durch sein, sich immer gleichbleibendes leutseliges Wesen die Herzen Aller im Fluge eroberte und den Betheiligten diese Reise zu einer unvergeßlichen machte. Während das Geschwader in langsamer Fahrt in den Hafen dampfte, donnerte demselben von den noch im Hafen liegenden Schiffen als Willkommengruß der Kaisersalut entgegen, zu welchem Se. Maj. Torpedoschulschiff „Blücher" das Signal gab. Leider war infolge der eingetretenen Dunkelheit ein genaues Beobachten vom Lande aus nicht möglich. Zuerst dampfte die „Hohenzollern" in den Hafen, und kurz nach ihrem Festlegen folgte in Kiellinie das Panzergeschwader, voran das Flaggschiff „Baden", danach „Bayern", „Kaiser" und „Friedrich der Große." Dem Panzergeschwader folgte das Schulgeschwader, bei welchem die Kreuzerfregatte „Stein" die Führung hatte. In Intervallen von 200 bis 300 Meter folgten „Prinz Adalbert", „Moltke" und „Gneisenau". Das Einlaufen der Schiffe nach dem Dunkelwerden gewährte einen überaus prächtigen Anblick. Von jedem Schiffe konnte man mindestens ein Dutzend in allen Farben schillernde Signallaternen sehen, die sich unaufhörlich hin und her bewegten und bei vielen Zuschauern die Vermuthung erregten, die Schiffe wären illuminirt. Dem war indessen nicht so. In neuerer Zeit wird auf den deutschen Kriegsschiffen bei Nachtzeiten außer den elektrischen Signalapparaten auch noch vermittels Laternen, die in verschiedenen Zusammensetzungen grün-roth oder gelbes Licht zeigen, signalisirt. Nachdem die „Hohenzollern" festgemacht, begab sich der Stationschef von Kiel, Viceadmiral von Blanc,
und die Mutter sagte: „Thun Sie nur nicht so! Ich werde Ihnen sagen, warum die Männer nicht danach fragen: weil sie selbst nicht nach ihrem Junggesellenleben gefragt sein wollen. Ihr seid allzumal Sünder."
Der Oberförster lachte wieder. Trude, die unterdessen ihre Arbeit zusammengewickelt hatte, erhob sich. Ein höheres Roth glühte auf ihren Wangen. Es verletzte sie, daß er von ihrer Liebe zu Eugen so geringschätzig sprach und sie drängte seinen Arm fort, den er um ihre Hüften legen wollte. Um so entschiedener umfaßte er sie und seine dunkeln Augen tief in die ihrigen bohrend, trotz des Blitzes, der ihm entgegenzuckte, sagte er: „Höre nur, wie 's draußen stürmt! Noch drei Wochen und ich brauche nicht mehr aus Deinen warmen Armen in die kalte Nacht zu gehen. Anfangs nächster Woche kommen die neuen Möbel aus der Stadt; da kommst Du mit der Mutter herüber, um sie aufzustellen, wie es Dir gefällt. O, wir wollen uns unser Nest schon behaglich machen! Und jetzt, gute Nacht, meine kleine Waldtaube!"
Er preßte seine heißen Lippen auf ihren Mund, und Trude, die bisher vergebens versucht hatte, sich frei zu machen, riß sich jetzt gewalsam los und floh aus der Stube, die Treppe hinauf in ihre Schlafkammer, wo sie sich laut ausschluchzend über das Bett warf.
Ihr Sträuben gegen seine Zärtlichkeit war ihm neu. Es hatte ihm Spatz gemacht und seine Leidenschaft nur heftiger erregt. Der Müller,