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Hersseliitt Kreislillitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeikageIllustrirtes Unterhaltungsblatt".

Nr. 93.

Donnerstag den 9. August

1888.

Amtliches.

Hersfeld, den 7. August 1888.

Nachdem in verschiedenen Brandschadensfällen wahrgenommen worden ist, daß vom Brande ver­schont gebliebene Gebäude bezw. Gebäudetheile selbst gegen den ausdrücklichen Einspruch des Oberbrandmeisters niedergerissen worden sind, so liegt der Verdacht sehr nahe, daß diese unberech­tigten Maßnahmen hauptsächlich nur deshalb er­griffen worden sind, um eine möglichst hohe Brandentschädigung zu erzielen, bezw. den vom Brande Betroffenen oder deren Nachbarn auf Kosten der Societät zu Neubauten zu verhelfen.

Ich nehme hiermit Veranlassung, die Orts- Polizeibehörden und die Brandmeister des Kreises hierauf aufmerksam zu machen und erwarte, daß dieselben bei Bränden derartigen Mißbräuchen, welche geeignet sind, die Interessen der Hessischen Brandversicherungsanstalt in hohem Maaße zu schädigen, mit aller Energie entgegentreten und überall da, wo das Niederlegen von Gebäuden 2C. erfolgt, ohne daß solches im Interesse des Lösch- Wesens durchaus geboten war, die Schuldigen zur Anzeige bringen, damit deren Bestrafung wegen Sachbeschädigung 2C. herbeigeführt werden kann.

Den Brandmeistern ist von Vorstehendem Kenntniß zu geben.

8199. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Bei der Postagentur in Kirchheim (Kr. Hers- feld) wird am 25. eine Telegraphenanstalt mit Fernsprechbetrieb eröffnet.

Cassel, den 24. Juli 1888.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector _______________zur Linde.__

Der hinter die Ehefrau des Tagelöhners

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(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Wuldschatteu.

Erzählung von R o b e r t S ch w e i ch e l.

(Fortsetzung.)

Wenn so 'was Unheimliches geschehen ist, das wirst über alles seinen Schatten," schwelgte die Mutter weiter in dem Grausigen.Und erinnerst Du Dich noch, wie ich den Obersörster gestern Abend warnte, daß er durch seinen Spott das Unheil nicht herausfordern sollte? Du weißt, daß ich nicht abergläubisch bin, aber es ist doch schrecklich, sich vorzustellen, daß der Mörder viel­leicht schon im Gebüsch aus ihn lauerte, während er hier so übermüthige Reden über den wilden Jäger führte. Und für die Trauer müssen wir jetzt auch sorgen. Du mußt doch ein schwarz wollenes Kleid haben zum Begräbniß. Es wird gewiß eine schöne Leiche werden."

Um ihn soll ich Trauer tragen?" stotterte Trude.

Ach Kind," erwiderte Frau Zeuner,die Welt fragt nicht danach, wie Einem um's Herz ist; ste fragt nur danach, was sich schickt. Wenn der lachende Erbe mit einem betrübten Gesicht hinter dem Sarge hergeht, dann müssen auch die anderen so thun, als ob sie seine Trauer für Ernst halten. Und schrecklich bleibt es doch immer, daß er so kurz vor der Hochzeit um's Leben gekommen ist."

Trude stand fast verzweifelt von ihrem Stuhle auf. Zu ihrem Glücke schlug in diesem Augen­blicke die Uhr und mahnte die Mutter, daß es die allerhöchste Zeit sei, nach dem Mittagsessen z»

Nikolaus Schäfer, Elise geb. Rose von Hersfeld, geboren 26. Juni 1853 in Berich in Waldeck, diesseits am 26. August 1885 erlassene Steckbrief wird zurückgezogen.

Cassel, den 30. Juli 1888.

Der Königliche Erste Staatsanwalt.

J. A.: Berndt.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) UnserKaiser wohnte am Montag Vormittag einer Gefechtsübung der Potsdamer Garnison bei und arbeitete nach der Rückkehr in das Marmor-Palais längere Zeit mit dem Chef des Civil-Cabinets v. Lucanus. Um 2 Uhr begab der Kaiser sich nach Schloß Friedrichskron und nahm daselbst bei der Kaiserin Friedrich das Mahl ein. Später nach dem Marmorpalais zurückgekehrt, hatte bald darauf der bekannte Afrikareisende Premier-Lieutenant Wißmann die Ehre von Sr. Majestät in beson­derer Privat-Audienz empfangen zu werden. Später statteten die Kaiserin Friedrich mit ihren 3 Töchtern dem Kaiser und der Kaiserin im Marmorpalais einen längeren Besuch ab. Am Dienstag früh kam der Kaiser nach Berlin, ver­ließ in der Nähe von Schöneberg die Eisenbahn und begab sich von dort aus zu Pferd mit seiner militärischen Begleitung nach dem Tempelhofer Felde, woselbst Allerhöchstderselbe im Beisein der gesummten Generalität, vieler fremdherrlicher anderer Officiere das Füsilier-Bataillon des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments Nr. II. unter Major Menges vom Kriegsministerium nach dem neuen Reglement sich vorexercieren ließ. Nach dem Schluß der Exercitien kam der Kaiser vom Tempelhofer Felde nach Berlin, um, soweit bis jetzt bestimmt ist, bis Mittwoch Mittag im dortigen Schlosse Ausenthalt zu nehmen.

Der Besuch des Kaisers Wilhelm bei dem

sehen. Sie mußten es dann später allein ein­nehmen, da der Müller noch nicht aus Altenrode zurück war. Trude vermochte nichts zu genießen, die Aufregung, welche den Appetit der Mutter geschärft hatte, fieberte in ihren Adern fort. Sie schalt sich, daß das gewaltsame Ende des Mannes, dessen Lebensgefährtin sie in wenigen Wochen hatte werden sollen, ihr trotz ihres weichen Herzens kein Mitleid einflößte; aber sie kam sich vor, als ob sie selbst einem fürchterlichen Tode, der sie schon mit seinen eisig fluchten Armen umfaßte, plötzlich entrissen worden wäre, sie sah das Licht, die Sonne wieder und ihre Seele jauchzte: ge­rettet, frei!

Sie war auf den kleinen Balken vor ihrer Stube getreten, während die Mutter unten ein Mittagsschläfchen in dem Sorgenstuhl des Vaters hielt. Dort stand sie zwischen den Wipfeln der beiden Birken, in deren Grün die welk gewordenen Blätter wie goldene Sterne glänzten und ihre Augen schweiften glücklich über den weiten See, der, nur leise bewegt, in der Sonne blitzte. Der Sturm hatte sich gegen Morgen gelegt und nur sanft noch rauschte ringsum der Wald in der Mittagsstille. Mit wachsender Sehnsucht erwar­tete Trude die Stunde, in der sie Eugen unter der Blutbuche zu treffen hoffen durste, und sie empfand einen lebhaften Antrieb, sich zu dem Wiedersehen mit dem Geliebten zu schmücken. Heute durfte sie ihm ja gefallen wollen. Mit einem Lächeln auf den Lippen, welche zwei reifen Walderdbeeren glichen, trat sie in ihr Stäbchen

Kaiser Franz Joseph in Wien und bei dem König Humbert in Rom ist endgültig auf October fest­gesetzt.

Die Taufe des neugeborenen Prinzen wird, soweit bis jetzt bestimmt ist, am Sonntag den 26. d. M., im Marmorpalais bei Potsdam stattfinden. Wegen der Trauer in der Kaiserlichen Familie wird von jeder größeren Feier Abstand genommen werden. Indessen wird die Anwesen­heit des Königs Oscar von Schweden er­wartet, der bekanntlich während des Kaiserbesuches tn Stockholm, die ihm von seinem Kaiserlichen Gaste angetragene Pathenschaft übernommen hat.

Der Großherzog und die Großherzogin von Baden empfingen am Montag den Abschieds­besuch des Kronprinzen von Griechen­land, welcher Heidelberg in den nächsten Tagen zu verlassen gedenkt. Eine erneute Untersuchung der Augen der Frau Großherzogin hat einige günstige Fortschritte ergeben, die sorgfältige Pflege der Augen soll indeß noch längere Zeit fortgesetzt werden.

Eine ebenso freche als thörichte Fälschung poli­tischer Art ist soeben in Paris begangen worden. Dort giebt eine Madame Adam, Freundin Gambettas, eine Monats­schrift heraus unter dem TitelNouvelle Revue" (Neue Um­schau), welche sich vorwiegend mit politischen Dingen befaßt und auf dem Gebiet der Sensationsmacherei bereits hervor­ragende Leistungen zu verzeichnen hat. In der neuesten Nummer befindet sich ein Machwerk, welches einen Bericht des Fürsten Bismarck an weiland Kaiser Friedrich über das Battenbergische Heirathsproject vorstellen soll, aber wer einiger­maßen mit der Schreibweise des Kanzlers, mit der knappen Art unserer deutschen amtlichen Berichte, sowie mit den für diese Schriftstücke üblichen Formen bekannt ist, mußte sich sagen, daß das Ganze eine Erfindung sei, bei welcher nicht einmal in Frage kommen könne, ob der Verfasser von den Verhandlungen, die s. Zt. über das Battenbergische Heiraths­project geschwebt haben, Kenntniß hatte oder nicht. Aller­dings wird darin von einem bisher nicht bekannten Briefe der Königin Victoria an die Kaiserin Friedrich vom 26. März d. I. berichtet, an welchen der angebliche Bericht deö Reichs­kanzlers dann anknüpft, aber dieser Umstand ist nicht geeignet,

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zurück und betrachtete sich im Spiegel. Wie bleich war sie am Morgen gewesen! Jetzt war ihr Gesicht wieder rosig angehaucht. Nun, das Haar, das sie am Morgen mit wenig Achtsamkeit ge­flochten hatte, es war ihr ja alles gleichgültig gewesen, konnte sie wohl etwas sorgfältiger ordnen. Sie that es denn auch und setzte thr Strohhütchen mit rosa Bändern und Kornblumen auf die frisch geflochtenen Zöpfe und, unfähig, es länger im Hause auszuhalten, eilte sie in den Wald. Es enttäuschte sie nicht, daß sie Eugen noch nicht unter der Blutbuche fand, war sie doch viel zu früh gekommen. Blätter und Gezweig, die der Sturm abgerissen, bedeckten rings den Boden, und Trude gedachte des Sturmes, der gestern an dieser Stelle ihre Herzen so tief aufgewühlt hatte. ES war doch gut, daß es dem Geliebten erspart geblieben, um ihretwillen mit dem Oberförster in offenen Streit zu gerathen. Wer weiß, wie er ausge­gangen wäre? Wie schrecklich seine blaue Augen im Zorn blitzen konnten! Jetzt lächelte sie über die Angst, dte es ihr gestern verursacht hatte. Aber gestern hatte alles sie geängstigt, heute sah alles anders aus; auch der Wald. Mancher Baum stand freilich kahl da, manch starker Ast war gebrochen, mancher Stamm aus dem Boden gewirbelt. Aber das Laub der Birken, Eichen, Rüstern und Hornbäume hatte die prächtigsten Farben angenommen, und in dem helleren und dunkleren Grün glänzte und flammte es in Gold und Roth untermischt mit sammet- artigem Braun in allen Schattirungen. Mild schien die Sonne, und Trude athmete, indem sie