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Htlchldtl Srcislilntt.

Mit wöchentlicher Hratis-AeilageIssußrirtes Nnterhaktungsölatt".

Nr. 94 Sonnabend den 11. August

1888.

Amtliches.

Hersfeld, den 7. August 1888.

Der seitherige Bürgermeister Johann Georg Stein zu Kleinensee ist heute als solcher auf weitere acht Jahre eidlich verpflichtet worden.

8244. Der Königliche Laudrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersseld, den 8. August 1888.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welchen in diesen Tagen

a. Ausfertigungen über Klassensteuer-Ermäßig­ungen pro 1888/89,

b. bezügliche zurückweisende Bescheide an die betreffenden Reklamanten

zugefertigt werden, haben die unter a. erwähnten Ausfertigungen demnächst als Beläge der Klassen­steuer-Abgangsliste pro 1. Semester er. beizufügen, den betreffenden Reklamanten aber alsbald über die erfolgte Ermäßigung Mittheilung zu machen, dagegen die sub b. gedachten Bescheide den Adressaten alsbald auszuhändigen.

Bis spätestens zum 18. b. Mts. erwarte ich von den betreffenden Herren Ortsoorständen Be­richt, daß und au welchem Tage von den Er­mäßigungen den Reklamanten Kenntniß gegeben ist, resp, die zurückweisenden Bescheide an die Adressaten ausgehändigt worden sind.

8233. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Bei der Postagentur in Heimboldshausen ist am 28. eine Telegraphenanstalt mit Fernsprech- betrieb eröffnet.

Cassel, den 28. Juli 1888.

Der Kaiserliche Ober>Postdirector.

In Vertretung: v. Rumohr.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Waldschatten.

Erzählung von Robert S ch w e i ch e l.

(Fortsetzung.)

Aber was ist ihm denn gewesen?" fragte Trude beklommen.

Wenn ich es nur wüßte!" antwortete die Alte mit einem Kopfschütteln.Ich war gegen Morgen eingeschlafen und als ich aufstand, war er schon wieder draußen. Ich mußte den Kaffee für ihn warm stellen, und als ich ihn fragte, da bat er mich, daß ich ihn nichts fragen möchte. Er sah ganz übernächtig aus."

Die Beklommenheit Trudes löste sich unwillkür­lich in ein Lächeln auf. Auch sie hatte ja in der letzten Nacht kein Auge zugethan in schweren Gedanken an ihre Liebe.

Bist Du so eitel, daß Du meinst, mein Eugen hat nichts anderes im Sinn als Dich?" fragte die Mutter mit einem mißbilligenden Blick, vor dem Trude beschämt den hübschen Kopf senkte.

Es ist ja jetzt alles gut," sagte Trude leise und hob die sanften braunen Augen bittend zu der alten Frau auf, die mit einem Seufzer versetzte:

Gott gebe es! Aber wenn ein Mensch gewalt­sam aus dem Leben gerissen wird, da kommt manches anders, als es Einer gedacht hat. Wer kennt alle Fäden, die den Barkow mit den Men­schen verknüpft haben? Wer sie kannte, wüßte auch seinen Mörder zu finden. Mir tst's unheim­

UMLMZ Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser kehrte am Mittwoch Nachmittag nach eintägigem Aufenthalte in Berlin von dort wieder nach Potsdam und dem Marmorpalais zurück. Nach der Ankunft in Potsdam nahm Allerhöchftderselbe noch einige Vorträge entgegen und gewährte dann von 41/2 Uhr Nachmittags ab dem Maler Böhmer eine mehrstündige Sitzung. Am Donners­tag Vormittag machte Se. Majestät der Kaiser zunächst einen zweistündigen Spazierritt in die Umgegend von Potsdam. Von diesem zurück­gekehrt ließ Allerhöchstderselbe sich Vorträge halten und arbeitete darauf von 11 Uhr ab längere Zeit mit dem Chef des Militär-Cabinets, General-Adjutant v. Hahnke.

Aus D a n z t g wird derVoss. Ztg." ge­schrieben : Ueber die Ankunft des Kaisers ist nunmehr bekannt geworden, daß dieselbe in der zweiten Woche des Septembers erfolgen wird. Die Schiffe der einzelnen Abtheilungen treffen schon am 10. August hier ein und üben zunächst jede für sich. Am 21. August vereinigen sich die­selben zu einem aus 9 Hochseeschiffen, einem Aviso, 2 Divistonsbooten und 12 Torpedobooten bestehenden Geschwader, über welches der Contre- Admiral Knorr das Commando führt. Mit diesem Tage beginnen dann die gemeinsamen Uebungen, die diesmal sehr großartig zu werden versprechen. Den Höhepunkt derselben bildet selbstverständlich die Zeit, während welcher der Kaiser anwesend sein wird. Namentlich hofft man hier, daß dann eins der schönen Nachtmanöver ausgeführt wird, deren Anblick jedem Zuschauer unvergeßlich bleibt. Das Geschwader geht sodann nach Kiel zurück, womit die diesjährigen Manöver ihr Ende er­reicht haben werden. Ob der Kaiser mit nach Kiel fahren wird, oder ob derselbe von hier aus die Rückreise antreten wird, ist zur Zeit noch unbekannt.

lich, daß ihr euch über dem Ermordeten die Hände reichet."

Ich muß jetzt gehen," sagte Trude hastig, um dem Unbehagen zu entfliehen, das sie aus den Worten der alten Frau beschlich. Diese nickte und reichte ihr über dem Zaune die Hand.

Ich will Dich nicht aufhalten. Wenn Dich die Hand Deines Bräutigams über die Schwelle dort führt, sollst Du willkommen sein. Bet' ein Vater Unser für den Todten!"

Sie kehrte zu ihrer sonnigen Bank zurück, wäh­rend Trude eilig hinweg trippelte, bei sich schmol­lend, daß sie immer wieder an den Oberförster erinnert würde. Sie hatte ja nichts mehr mit ihm zu schaffen. Ihre Brautschaft mit ihm war für sie wie eine schwere Krankheit gewesen, die ste verlassen hatte.

In einem Samenschlag von Eichen sah ste unter dem Unkraut und jungen Gebüsche, das auf dem dem sorgfältig ausgestockten Boden sproß, einen braungefleckten Hühnerhund herumschnuppern. War das nicht der Tyras ihres Eugen? Ihr Herz schlug hoch auf. Da erschien auch Eugen auf dem Pfade zwischen den weitläufig stehenden Bäumen. Wie müde sein Gang war!

Eugen! Eugen!"

Sie flog ihm entgegen. Er erhob den auf die Brust gesenkten Kops und beschleunigte ebenfalls seine Schritte.

Jetzt bist Du mein und ich bin Dein!" jubelte und weinte Trude zugleich an seiner Brust.Und Deine Mutter hat Unrecht; das Glück gedeiht

Die Kaiserlichen Prinzen werden nach einer aus angeblich guter Quelle stammenden Mitthei­lung desArnst. Nachr.- u. Jnt.-Bl." in diesen Tagen Oberhof verlaffen, um nach Rein­hardtsbrunn überzusiedeln; die Ankunft des Kaisers Wilhelm an letzterem Orte soll am 12. d. M. erfolgen; am 14. und 15. würden dann unter Betheiligung des Kaisers in den Wildgehegen des Herzogs von Gotha große Hirschjagden stattfinden.

Bei seinem Besuche in Rom, der auf etwa 5 bis 6 Tage berechnet sein soll, wird unser Kaiser, demFanfulla" zufolge, denLa Palazzina" genannten Pavillon im Quirinal be­wohnen. Dort und auf der deutschen Botschaft soll je ein großes Diner stattfinden. Die Munizipalität veranstaltet Regatta auf dem Tiber und ein Feuerwerk auf dem Monte Pincio oder Janiculo.

Das sächsische Königspaar wird für den 15. d. Mts. in Dresden zurückerwartet.

Fürst Bismarck hat sich, wie dieRat. Ztg." vernimmt, in ungemein befriedigter Weise über das Ergebniß der Petersburger Zusammenkunft ausgesprochen. Das positive Ergebniß der Zu­sammenkunft ist die Knüpfung eines Verhältnisses gegenseitigen Vertrauens zwischen den Herrschern beider Reiche; damit ist menschlichem Ermessen nach eine Periode der Beruhigung und eines auf Jahre gesicherten Friedens eröffnet. Der so ge­wonnene Boden wird jedenfalls dazu benutzt werden, um den Ausgleich der collidirenden In­teressen auf politischem und wirthschaftlichem Ge­biet anzustreben. Es gilt unter diesen Umständen als wahrscheinlich, daß der Versuch der Schließung eines deutsch russischen Handelsvertrages aus­genommen und eine Commission zu diesem Zweck zusammentreten wird.

In gut informirten Kreisen wird bestätigt, daß demnächst eine Zusammenkunft zwischen dem

auch im Walde. Ach, Eugen! Eugen! Aber was ist Dir? Du bist so still! Du küssest mich nicht wie sonst."

Es ist nichts," beschwichtigte er sie.Es gab in Altenrode viel zu thun und ich bin ein wenig müde."

Du Armer hast ja auch die ganze Nacht nicht geschlafen," sagte sie mitleidig.Aber dort liegt eine Sameneiche, die der Sturm umgerissen hat, dort laß uns niedersttzen!"

Sie wollte ihn mit sich nach dem Baume ziehen, der mit gebrochenen Aesten in den Farren lag. Er widerstrebte.Gerade hier?" Just unter diesen Eichen?" fragte er, und als Trude ihn darob verwundert ansah, fügte er rasch sprechend hinzu:Du hast Recht, der Sturm hat diese Nacht vieles entwurzelt."

Laß das! laß das!" bat sie.

Sie setzten sich.

Du hast meine Mutter gesprochen?" fragte er, indem er seinen Hut neben sich aus den Boden warf und sich durch das Haar strich.

Trude erzählte, wie sie ihm bis zu seinem Hause entgegen gegangen wäre. Inzwischen kam Tyras heran, sie liebkoste ihn und er legte sich vor ihnen in das Kraut, drückte den Kopf auf die Vorderpfoten und blinzelte bald sie, bald seinen Herrn an, der den Ellenbogen auf das Knie und die Stirn in die Hand gestützt hatte. Er ver- harrte auch in dieser Stellung, als Trude, die ihn mit zärtlicher Sorge betrachtete, schon schwieg.