Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend

Abonnementspreii; vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exd. Postausschlag.

Die Jnsertionkgebührm betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Htrsscl-er Krcisliliitt.

Wit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Nnterhaktungsötatt".__________

Nr. 96. Donnerstä^den 16. August 1888.

Amtliches.

Hersfeld, den 14. August 1888.

Am nächsten Sonnabend den 18. d. Mts. Vormittags von 6 Uhr ab wird in der Ge­markung Mecklar und zwar in dem Terrain zwischen dem genannten Orte und dem sog. Bornst- Metzenkreuz seitens des Füsilier-Bataillons 2. Thüring. Infanterie-Regiments Nr. 32 dahier ein gefechtsmäßiges Schießen mit scharfen Patronen stattfinden. Allgemeine Schußrichtung von Mecklar aus gegen Bornst-Metzenkreuz.

Zur Absperrung des gefährdeten Terrains werden seitens des genannten Truppentheils Posten ausgestellt, welchen von Seiten der vorüber­gehenden Civilpersonen Folge zu geben ist.

8411. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 13. August 1888.

Der seitherige Bürgermeister George Gros- curth zu Hattenbach ist am 11. d. Mts. als commissarischer Bürgermeister dieser Gemeinde bestellt und verpflichtet worden.

8419. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Meiningen, den 14. August 1888. Steckbrief.

Der im nachfolgenden Signalement näher be­zeichnete Füsilier Asmus Jürgen Lausen der 9. Kompagnie 2. Thüringischen Infanterie-Regi­ments Nr. 32 hat sich am 12. August 1888 ohne Urlaub aus der Garnison entfernt und ist der Fahnenflucht dringend verdächtig.

Alle resp. Militär- und Civilbehörden werden deshalb dienstergebenst ersucht, nach dem 2C. Lausen zu recherchiren, ihn betreffenden Falls festzunehmen und an die nächste Militär-Behörde, behufs

Weitertransports nach Hersfeld abliefern lassen zu wollen.

Signalement: Geburtsort und Kreis: Sterupgard, Kreis -tzlensburg. Religion: evange­lisch. Alter: 20 Jahre. Profession: Musiker. Größe: 1,73 m. Haare: dunkelblond. Stirn: hoch. Augenbrauen: blond. Augen: dunkel. Nase: groß. Mund: klein, dicke Lippen. Bart: Anflug zum Schnurrbart. Zähne: vollständig. Kinn: spitz. Gesichtsbildung: länglich. Gestalt: schlank. Sprache: deutsch, schleswig'sches Dialekt. Besondere Kennzeichen: keine.

Bekleidung: 1 Waffenrock IV. Garnitur, 1 Drillichhose II. Garnitur, 1 Halsbinde IV. Gar­nitur, 1 Schirmmütze, 1 Unterhose, 1 Hemd, 1 Paar Kurzstiefel, 1 Leibriemen mit Schloß, 1 Säbeltroddel, 1 Seitengewehr M. 71/84 Nr. 18.

2. Thüringisches Infanterie-Regiment Nr. 32.

Komische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser nahm im Laufe des Dienstag Vormittages im Marmorpalais die regelmäßigen Vorträge ent­gegen, arbeitete mit dem Chef des Milttair-Cabi- nets General v. Hahnke und ertheilte Audienz. Am 16. d. Mts. früh wird der Kaiser sich von Berlin nach Frankfurt a. O. begeben, dort der Enthüllung des Denkmals des Prinzen Friedrich Carl beiwohnen und am Nachmittage desselben Tages von dort nach Berlin bezw. nach Potsdam zurückkehren, um Ihre Majestät die Kaiserin- Königin Augusta zu begrüßen, welche von Koblenz zurückkehrend am Morgen dieses Tages auf Schloß Babelsberg eintrifft.

Der Besuch Sr. Majestät des Kaisers in Darmstadt wird am 12. September, dem Ge­burtstage des Großherzogs von Hessen, erwartet.

General-Feldmarschall Graf Moltke ist unter dem 10. d. Mts. mittelst einer sehr huld-

vollen Cabinetsordre auf seinen Antrag von der Stellung als Chef des Generalstabes der Armee entbunden und zum Präses der Landesverthei- digungs - Commission ernannt worden. Sein Nachfolger ist der bisherige Generalquartier­meister der Armee, General der Cavallerie, Generaladjutant Graf von Waldersee (geb. 1832), der bei diesem Anlaß gleichzeitig ä la suite des 1. Hannoverschen Ulanen-Regiments Nr. 13 gestellt worden ist, dessen Commandeur er früher war. Ein neuer Generalquartiermeister ist noch nicht ernannt, dagegen der Generalmajor Freiherr Vogel von Falckenstein, dem nunmehrigen Chef des Generalstabes zur Verfügung gestellt worden. Generalmajor Vogel von Falckenstein ist ein Sohn des berühmten Generals und Heer­führers, wurde vor einigen Jahren, damals Generalstabsoffizier beim Gouvernement zu Straßburg, als Abtheilungs-Chef in den Großen Generalstab berufen, ward in diesem Frühjahr General und in die Commission für die Aus­arbeitung des neuen Exercier-Reglements der_______ Infanterie commandirt. Nach der Thronbe­steigung Kaiser Wilhelms II. ward er zum Commandeur der von diesem als Kronprinz be­fehligten 2. Garde-Jnfanterie-Brigade ernannt, von welcher er nun wieder in den Generalstab zurücktritt. Graf Moltke war im October 1857, damals Generalmajor und Chef des General- stabes des 4. Armeecorps, mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Großen General­stabes betraut worden. Ein Jahr später, im September 1858, erfolgte die Ernennung zum Chef, welche Stellung er somit dreißig Jahre bekleidet hat. Im Mai 1859, gelegentlich der damaligen Mobilmachung, ward Moltke General­lieutenant, bei der Mobilmachung von 1866 General der Infanterie. Nach der Schlacht von Königgrätz erhielt er den Schwarzen Adlerorden, an seinem 70. Geburtstage in Versailles, 26.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Waldschatten.

Erzählung von Robert Schweichel. (Fortsetzung.)

Ihre Liebe zu ihm wird just nicht groß gewesen sein," äußerte ein vierschrötiger tzolzknechl. Ein junges, hübsches Mädel wie sie. Freilich, die Mädel haben zuweilen einen ganz absondern Geschmack!"

Beim letzten Pfingstschießen hatte reder eher geglaubt, daß sie und der Lindenau ein Paar würden," mischte sich der Wirth ein, der eben einem von den Gästen einen frischen Krug Bier brächte.Aber da mußte die dumme Geschichte mit der Holztaxe dazwischen kommen."

Und daß der Lindenau zu den Reserveübungen eingezogen wurde," ergänzte der junge Schmied.

Aller Augen richteten sich bet der Aeußerung des Wirthes plötzlich auf Badak, der an seiner Holzpfeife saugend, bisher nur zugehört und zu den verschiedenen Meinungen entweder die Achseln gezuckt oder den birnenförmigen Kopf geschüttelt hatte. Jetzt wurde er teuerroth, räusperte sich und rief mit unverhohlenem Aerger:Ich hab' nur gethan, was mir der Herr Oberförster be­fohlen hatte. Es ging mich nichts an und ich hatte nicht danach zu fragen, warum ich aufpassen sollte, daß auf der Räumde drüben" er deutete mit dem Kopse nach dem Flussedas gute Klafterholz in die Mitte und das mindere und schlechte nach außen gestellt würde."

Und nachher ließ er es von dem Lindenau toxiren und der Herr Würmer auf Biederfeld bekam's auf der Holzauction für ein Butterbrod," rief ein anderer Forstausseher durch den Tabaks­qualm.Es war ein fein Stücklein".

Ja, meint ihr denn, daß der Schnetdemüller seine Tochter dem Lindenau gegeben hätte, wenn das nicht geschehen wäre? Der war ihm viel zu gering," suchte Badak das Gespräch von dem ihm unangenehmen Gegenstand abzulenken. Es gelang ihm jedoch nicht sogleich; denn es war aus dem ganzen Walde bekannt, daß der Oberförster diese niedrige Schätzung des Holzes benutzt hatte, um bet dem alten Grafen die Entlassung Eugens aus dem Dienste wegen unzureichender Geschäftskennt- Nisse zu erwirken. Das hatte der vierschrötige Holzknecht im Sinne, als er, ohne auf Badaks Bemerkung zu achten, mit der Faust auf den Tisch schlug und rief:

Ein fein Stücklein, das dem Lindenau fast um's Brod gebracht hat! Ich möcht' nicht dazu mitgeholfen haben. Pfui Teufel."

Um's Brod nicht, aber um die Braut," rief der junge Schmied.Ich hätt's dem Oberförster nicht so hingehen lassen."

Und hat er's ihm hingehen lassen? fragte Badak mit gedämpfter Stimme, indem er unter seinen überhängenden Brauen die Augen umher­gehen ließ.

Es wurde todtenstill.

Der Forstausseher räusperte sich und begann von Neuem: «Wir Forstwärter und auch wohl

mancher von den Waldarbeitern haben's ja gehört, wie er nachher bei jeder Gelegenheit seinen Gift über den Herrn Oberförster ausgelassen hat. Ein Blatt vor den Mund zu nehmen, ist schon nie seine Art gewesen."

Da die Zeugen, auf die er sich berief, nicht ant­worteten, fuhr er fort:

Na, und die Geschichte zwischen dem Lindenau und dem Müller seiner Trude ist wohl auch nicht ausgewesen. Ich hab' ihn oft genug um die Mühle herumschleichen sehen."

Aber ste liegt in seinem Revier," erklärte ein kleiner, verwachsener Siebmacher.

Ja, ste liegt in seinem Revier, das auf dieser Seite des Wassers bis Altenrode reicht," bestätigte Badak und fügte langsam hinzu:Und jetzt ist denn der Herr Oberförster in demselben Revier erschossen worden."

Die Stille dauerte noch eine Weile fort. Nicht ein Athemzug war hörbar.

Ihr meint also?" fragte endlich der alte Korb­macher und Badak erwiderte trocken:

Ich mein' nichts. Es kann Keiner dem An- dern in's Herz sehen. Fragen möcht' ich bloß noch, ob die Wilddiebe in unserm Forst mit Spitz- kugeln schießen?" , ,

Die Gesichter seiner Zuhörer erschienen wie gefroren, als fürchte jeder zu verrathen, was er denke. Badak trank und sagte:Der Herr Ober­förster hat ihm von Anfang an nichts Gutes zu­getraut. Und habt ihr Obacht gegeben, wie finster der Lindenau aus dem Kirchhof immer in die