Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend

SbonnementSpreib:

Vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.

Postausschlag.

Die Jnsertionigebührm betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 16 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Sei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt,

gersfrlötr Kleisblett.

Mit wöchentlicher Kratis-AeitageILlustrirtes Anterhaltungsölatt".

E^^^^-SSggg=M12JL"L'U!^^ «,.,mggBgBBSa , ..iliMBggBSHHHi

Nr. 97. SonimLcnd dm 18. August 1888.

Amtliches.

Berlin, den 21. Juli 1888.

Um den Viehversendern die ihnen durch Bundes- rathsbeschluß vom 3. November v. Js. auferlegte Pflicht der Untersuchung der nach den Nordsee­häfen zu befördernden Wiederkäuer und Schweine thunlichst zu erleichtern, ermächtige ich Euere Hochwohlgeboren unter Bezugnahme auf meinen Erlaß vom 4. Januar d. Js. (I. 19405/6 I.), in denjenigen Fällen, in welchen die beamteten Thierärzte die Untersuchungen ohne nachtheilige Verzögerung der Verladung nicht auszuführen im Stande sind, ,bezw. zu weit entfernt von den Verladestationen wohnen, auf Grund des §. 2. des Reichsviehseuchengesetzes vom 23. Juni 1880 geeignete approbirte private Thierärzte mit den gedachten Funktionen zu beauftragen.

Der Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten.

Im Auftrage, gez.: Michelly.

An den Königlichen Regierungs-Präsidenten, Herrn Rothe, Hochwohlgeboren Cassel. 1.11158.

* * *

Cassel, den 3. August 1888.

Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren unter Bezugnahme auf mein Rundschreiben vom 21. Januar er. A. II. 724 mit dem Hinzufügen, daß etwaige Anträge bezüglich Beauftragung privater approbirter Thierärzte bei mir zu stellen sind.

Der Regierungs-Prastdent.

In Vertretung: Schwarzenberg.

An die sämmtlichen Königlichen Landräthe des Bezirks. A. III. 669.

* * *

Hersfeld, den 16. August 1888.

Wird im Anschlüsse an die im Kreisblatt Nr. 16/1888 zum Abdruck gelangte Polizeiver-

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Waldschulen.

Erzählung von Robert Schweichel.

(Fortsetzung.)

»Ich fürchte, es bleibt mein Schuldner; aber ich danke Ihnen für Ihre gute Gesinnung dennoch," erwiderte Eugen mit einem melancho­lischen Lächeln. .

.Werden Sie nur kein Schwarzseher," ermuthigte der Andere. »Nehmen Sie sich ein Beispiel an dem Manne dort, den das rauhe Wetter nicht hindert, behaglich im Freien zu sitzen."

Zwischen den Bäumen zur Linken wurde der See sichtbar und aus der Chaussee an dessen Ufer saß der von Werner Bezeichnete auf einem Hausen zerkleinerter Steine. Wind und Regen schienen ihn in der That nicht zu kümmern, er saß unbeweglich, die Unterarme aus den Knieen ruhend und zwischen seinen Beinen zu Boden schauend. Den gekrümm­ten Rücken hatte er dem See zugewendet, der heute in düsterm Grau dalag.

»Es ist der Radusch," sagte Eugen, der ihn an dem Hute von schwarzem Glanzleder erkannte.

»Ay, der jetzige Chaussee-Aufseher und srühere Wilderer," äußerte Werner, indem er stehen blieb, um sich zu verabschieden. »Der Mann hat srüher den Gerichten viel zu schaffen gemacht und ich glaube nicht, daß er durch den Glanzlederhut mit dem gräflichen Wappen von seiner Leidenschaft geheilt worden ist. Die Waldwärter glauben es V«H nicht. Aber was wollten sie bisher thun,

ordnung des Herrn Regierungs-Präsidenten vom 21. Januar 1888 veröffentlicht.

8440. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 14. August 1888.

Der Bürgermeister Balthasar Göbel zu Kruspis ist heute als Standesbeamter für den Standesamtsbezirk Kruspis verpflichtet worden. 8471. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 17. August 1888.

Herr Professor Dr. Oebbeke wird in den nächsten Tagen die geologische Landesaufnahme links der Fulda wieder aufnehmen. Die Orts­und Polizeibehörden werden angewiesen, denselben bei seinen Arbeiten nach Kräften zu unterstützen. 8567. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Kolitischr Nachrichte«.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser traf in Begleitung des Prinzen Friedrich Leopold nebst Gefolge um 10V2 Uhr Vormittags in Frankfurt a. O. ein, wurden von dem comman- direnden General des 3. Armeecorps, den Divi­sionsgenerälen, dem Regierungs-Präsidenten und dem Oberbürgermeister am Bahnhof empfangen. Se. Majestät fuhr alsbald durch die prächtig geschmückte Stadt unter dem Jubel der maffen- Haft zusammengeströmten Bevölkerung nach dem Wilhelmsplatz, wo die Garnison und Deputationen der Regimenter des III. Armeecorps in Parade aufgestellt waren. Vereine und Corporationen bildeten in den Straßen Spalier. Die Feier wurde durch den ChorgesangDie Himmel rühmen des Ewigen Güte" eröffnet. Nachdem alsdann Garnisonprediger Thiel die Weiherede gehalten hatte, ertheilte Se. Majestät den Befehl

da der Mann durch Ihre Dazwischenkunst plötzlich in die Gunst des Amtsvorstehers und Oberförsters gerathen war? Sollte er aber das Wildern wirklich aufgegeben haben, so hat er es mit einer noch schlimmeren Passion vertauscht. Man hat mir erzählt, daß er in den letzten Wochen sehr nüchtern gewesen sei. Doch jetzt will auch ich machen, daß ich unter Dach und Fach komme."

Er schüttelte Eugen die Hand und kehrte um. Eugen drückte den Hut zum Schutze gegen den Sprühregen tiefer in die Stirn und beschleunigte den Schritt, um rasch wieder unter die Bäume zu kommen. Gerade dort, wo sein Heimweg von der offenen Chaussee ablenkte, saß Radusch aus den Steinen. Sein Ohr mußte trotz des vom Regen erweichten Bodens und des entgegenstehenden Windes die Schritte gehört haben. Denn er wandle sein breites bartloses Gesicht gegen den Herankommenden, erhob sich und berührte grüßend die Krempe seines Lederhutes. Eugen war der einzige Forstbeamte, den er seines Grußes wür­digte, ein Beweis, daß er ihm seine Hülse in der Noth nicht vergessen hatte. Angesprochen hatte er Eugen seitdem nie, heute schien er es zu beabsich­tigen, denn er trat einen Schritt näher und in seinen grauen Augen lag etwas wie eine Frage, weshalb Eugen stehen blieb.

Sie kommen vom Begräbniß?" fragte Radusch nach kurzem Zögern und sah sich um, als ob er sich vergewissern wollte, daß ihn sonst memand hörte.

.Allerdings," antwortete Eugen verwundert. »Waren Sie nicht auch auf dem Kirchhofe?"

zur Enthüllung des Denkmals. Unter brausen­dem Hurrah und dem Donner der Geschütze fiel die Hülle. Der commandirende General des Armeecorps übergab sodann das Denkmal der Stadt. Nachdem die Truppen defilirt waren, begab sich Se. Majestät der Kaiser zunächst nach dem Regierungs-Gebäude und fuhr von dort, überall stürmisch begrüßt, durch die Straßen der Stadt nach dem Herzog Leopold-Denkmal und alsdann zum Rathhause, wo der Ober- Bürgermeister Se. Majestät begrüßte. Hier be­gann um 12 Uhr das von der Stadt gegebene Dejeuner, an welchem Se. Majestät der Kaiser, Prinz Leopold, ferner der Generalfeldmarschall Graf Blumenthal, die Generalität, die Spitzen der Behörden, der Bildhauer Unger und andere theilnahmen.

Prinz und Prinzessin Heinrich empfingen am Dienstag auch den Ausschuß der schleswig- Holsteinschen Provinzialstände, welcher als Hoch­zeitsgeschenk der Provinz sieben gemalte Glas­fenster für das Kieler Schloß anmeldete. Die Mitglieder des ständischen Ausschusses, wie die­jenigen der ritterschaftlichen Deputationen nahmen am Mittwoch an dem Diner im Schlosse Theil.

Die Veränderungen in den hohen Stellen der Armee gelten mit dem Rücktritt des Grafen Moltke von der obersten Leitung des General­stabs der Armee, noch nicht für abgeschlossen. Mit großer Bestimmtheit tritt die Nachricht auf, daß demnächst die Verabschiedung des commandirenden Generals des Gardecorps v. Pape erfolgen werde. Als sein Nachfolger wird der gegen­wärtige Commandeur desHH. (württembergischen) Armeecorps, General v. Alvensleben, genannt, desfen Betheiligung an den Manövern des Garde- Corps in Aussicht genommen ist. Herr von Alvensleben war vor seiner Berufung an die Spitze des württembergischen Corps kurze Zeit commandirender General des V. Ärmeecorps in !!ÜJ!gg.Ll' ' JLL!"'".' 1 111 '^." 1 1 J

Radusch schüttelte den Kopf, dessen massiver Unterkiefer dem Gesichte einen leidenschaftlich energischen Charakter gab. »Dort kommt Einer Zeit genug hin, wenn er todt ist," sagte er. »Und sie haben ihn mit allen Ehren begraben? und der Herr Pfarrer hat erzählt, daß es keinen besseren Menschen gegeben hat als ihn? Nicht war?"

Eugen blickte ihn mißtrauisch prüfend an. Er war wohl auch jetzt angetrunken, obgleich seine schmächtige mittelgroße Gestalt sest auf den Füßen stand. Radusch errieth den Argwohn Eugens. .O, ich bin nicht betrunken," versicherte er. »Es ist mir nur so in meine Gedanken gekommen, wie ich hier saß. Eben hier hab' ich's denken müssen, daß Einer im Leben und im Tod vor der Welt viel Ehr' haben kann und doch"

Er brach wie erschreckend ab; denn über den Wipfeln erhob sich ein wildes Krächzen, das sich rasch näherte und auch Eugen's Aufmerksamkeit auf sich zog. Ein Schwärm Krähen verfolgte einen Habicht. Wüthend stieß bald der eine, bald der andere von den schwarzen Vögeln auf den Räuber, der es vergebens versuchte, sich über sie emporzuschwingen. Radusch schüttelte drohend die Faust gegen die krächzende Jagd, die gerade über der Stelle, wo die Leiche des Oberförsters gefunden worden, einen Augenblick zum Stehen kam, indem der Habicht die Schaar seiner hitzigen Verfolger durchbrechen wollte. Dann nahm er seine Flucht über den See, wo er plötzlich wie ein Blitz herab- stieß, seine Flugrichtung änderte, ohne sich wieder zu erheben, und dem Walde am unteren Ende des