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Htlsseldtr Kreistlitt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes UnterhakLungsötatt".__________

Nr. 105. Donnerstag den 6. September 1888.

# Das Kaiserliche Testament.

AIsein herrliches Zeugniß erhabener Seelen- große und edlen, frommen Sinnes" hat der Kaiser die letztwilligen Aufzeichnungen seines unvergeßlichen Großvaters dem deutschen Volke übergeben und den Tag der Taufe des jüngsten Prinzen, dieses ersten Freudenstrahls in langer, schwerer Trauerzeit, dazu ausersehen. Es hat sich so gefügt, daß jene Niederschriften des großen Monarchen gerade zum Jahrestage von Sedan bekannt wurden, an welchem ohnehin alle Ge­danken auf ihn, aus sein Gedächtniß sich richteten, und gleichsam, als ob sein theurer Schatten über dem deutschen Lande dahinschwebte, klangen seine Worte wie eine Stimme aus dem Jenseits in die Erinnerungsfeier seines großen Siegestages hinein.

Soviel in den letzten Monaten auch aus dem Leben des unvergeßlichen Kaisers veröffentlicht worden ist Alles hat nur dazu beigetragen, uns sein Bild harmonischer, vollendeter zu ge­stalten. Aus diesem unermeßlich reichen, den Zeitraum fast eines Jahrhundert umspannenden Leben ist kein Mißklang, kein Widerspruch zu verzeichnen, im höchsten Glück und im schwer empfundenen Leid, als einfacher Prinz des Königshauses wie als deutscher Kaiser, als der gefeiertste, geliebteste, angesehenste Herrscher seiner Zeit immer die gleiche demuthsvolle, kindliche Ergebung in Gottes Willen; die glän­zendsten Ruhmesthaten des Heeres, die uner­wartet schnelle und vollkommene Erreichung der politischen Ziele seines Volkes sie erfüllten die Seele des Kaisers einzig mit Dank gegen die Vorsehung, mit Dankbarkeit für Gottes neue reiche Gnade. So wie der Hochselige Monarch seinen Gedanken in stillen Mitternachtsstunden an der Wende bedeutsamer Jahre vor seinem Innern, allein mit seinem Gott, Ausdruck gegeben, so hat er sich auch stets im Leben

WaldschLtteu.

Erzählung von Robert S ch w e i ch e l.

(Fortsetzung.)

Der dortige Förster hat sich nicht als ganz sauber erwiesen und entlassen werden müssen. Ja, ja, der Forstmeister Rechtlinger hat scharf durchge- griffen. So wie er nach Hause kommt, soll Ihre Commission ausgefertigt werden. Er ist zu einer Holzauction auf der Schneidemühle am See."

Am See ?" wiederholte Eugen, indem ihm das Blut nach dem Gesichte drang.

Hat Ihnen," fragte Werner,Ihre Frau Mutter nicht erzählt, daß die Eichen Ihres Reviers, allerdings zerschnitten, wieder zum Vor­schein gekommen sind? Sie werden Wichtigeres mit einander zu sprechen gehabt haben."

Ich bin eben gekommen, um von Ihnen Näheres darüber zu erfahren," entgegnete Eugen Mit beklommener Spannung.

Angenehm kann Ihnen die Geschichte nicht sein, wenn auch Ihr Verhältniß dort wohl ein anderes geworden ist," sagte Werner mit einem bedeutungsvollen Blick, indem er sich seinen dunkeln Knebelbart strich.Die Sache ist nämlich die," fuhr er rasch fort, um Eugen die Antwort abzu- schneiden,daß aus den Büchern des Müllers sich herausgestellt hat, daß er das Holz für Rechnung des Gutspächters Büttmann verarbeitet hat. Sie kennen ja den Mann? Er und Barkow waren die besten Kumpane und wie ich nachträglich hörte, hat er am Begräbntßtage hier in der Obersörsterei,

I gezeigt. Jede seiner öffentlichen Kundgebungen, Thronreden, Proclamationen, Armeebefehle, athmet jenes schlichte unerschütterliche Gottver­trauen, daneben nicht minder den Dank für Alle, die in Rath und That geholfen, der Kaiser konnte sich nie dankbar genug erweisen. Aber ebenso reich wie im Danken war er auch im Vergeben. Niemals nachtragend gegen eine ihm zugefügte .Unbill nahm er auch diese als eine Fügung der Vorsehung. Alle die Kränkungen des Jahres 1848 haben nicht vermocht, wie einst selbst democratische Blätter rühmend anerkannt haben, in ihm Haß oder Rachegefühl hervorzu- rufen; für die Gegner in den ihn tief erschüttern­den inneren Kämpfen der sechziger Jahre hatte er nur Vergebung, die gegen ihn verübten Ver­brechen des Jahres 1878 haben ihn wohl mit Schmerz und Kummer über die Verirrung, sonst aber nur mit Dank gegen die Vorsehung, die ihn auch diese Wege geführt, und gegen Alle, die ihm Liebe und Theilnahme bewiesen, erfüllt. Der ehrwürdige König sah in den Mordver­suchen, welche in der ganzen Welt Entrüstung und Entsetzen hervorriefen, nur eine Mahnung zur Selbstprüfung:die Menschen haben meine Schwächen und Fehler übersetzen, aber der, wel­cher sie kannte, wolle mir dereinst ein barm­herziger Richter sein!"

Die Wünsche, mit welchen Kaiser Wilhelm im Jahre 1857 seine Aufzeichnungen einleitete: daß es ihm vergönnt sein möge, in seinen letzten Lebensstunden seinen Geist den Händen Gottes zu empfehlen und von seinen theuren Ueberleben- den Abschied nehmen zu können sind ihm reich erfüllt worden. An seinem Sterbelager beteten mit ihm die Seinen nur seinem einzigen Sohn war es versagt, an dem Sterbebette des Vaters zu verweilen, mit ihm betete sein ganzes Volk, dem er bis in die Todesstunde hinein das herr­lichste Beispiel der Pflichterfüllung gegeben. Und

sobald der Pfarrer weggefahren war, das Trauer­mahl mit seinen saftigen Geschichten köstlich gewürzt. Nun, er behauptet, die Eichen von Barkow für zweitausendfünfhundert Mark getauft zu haben, einem Spottpreis. Ein schriftlicher Kaufvertrag ist zwischen ihnen nicht abgeschlossen worden. Büttmann aber wies drei wiederholt prolongirte Wechsel von dem Oberförster vor, welche mehr als jene Summe betragen» Spiel­schulden, die Barkow durch das Holz tilgen wollte. Er hatte eben starke Leidenschaften und achtete das Geld nicht.

Zeuner behauptete, die Bohlen abgeliefert, der Andere, sie nicht erhalten zu haben. Als sie dann zufällig entdeckt wurden, gestand der Müller, der als Hehler ins Gefängniß hatte wandern müssen, daß er sie aus Freundschaft für den Oberförster versteckt gehalten habe. Ob dieser ihm nicht einen Vortheil dafür zugewendet hat, ist jetzt nicht mehr zu ermitteln. Zeuner leugnet es hartnäckig. Mit der Ablieferung habe er aber am Begräbnißtage mit Büttmann noch zu warten verabredet, bis Sie weniger scharf aufpaßten. Denn Barkow hätte ihn noch am Abend seiner Ermordung vor Ihrer Wachsamkeit gewarnt."

Lindenau, der ihm aufmerksam zuhörte, seufzte tief auf. Werner fuhr fort:

Ihre Verhaftung kam daher beiden Theilen sehr erwünscht, aber schon Tags darauf erschien der Forstmeister in Altenrode und jetzt weigerte sich Büttmann, die Bohlen anzunehmen. Er behauptet steif und fest, von deren Versteck ebenso

| wie in den letzten Stunden seines Lebens, so hat ihn auch in jenen Aufzeichnungen die Sorge für die Nachkommen und für sein Volk beschäftigt. Möge mein Sohn und seine Nachkommen solches Volk und solche Armee um sich sehen und durch besonnenes zeitgemäßes Fortschreiten das Wohl und Gedeihen beider sorglich fördern und Preußen die Stellung sichern, die ihm von der Vorsehung sichtlich angewiesen ist." So schrieb der fromme König am Schlüsse des thatenreichen Jahres 1866. Wie innig dankbar erweist er sich für die Erfolge von 1870, auch da besorgt, daß Gottes Gnadebeim Auf- und Ausbau des neu geeinten Deutschlands, zu dem erst der Grund gelegt ist", nicht fehlen möge. Von seiner erhabenen Person seinem Verdienst um das Gelingen, von der Würde, die ihm zugefallen, keine Silbe, sondern nur Dank gegen Gott, an seine Berather, an Volk und Heer. Wie er einst bei der Heerschau auf dem Marchfelde vor Wien den Feldgeistlichen zugerufen:predigen Sie Demuth!", wie er nach Abschluß der Friedenspräliminarien von Ferriöres aus geschrieben:was ich in Demuth hinnehme, war Gottes Wille" gerade so zeigt Kaiser Wilhelm sich auch in diesen Aufzeichnungen, im stillen Kämmerlein. Aber auch sie sprechen von demvon Frankreich auf das frivolste heröeige- fützrten Kriege" und geben somit dem deutschen Volke noch eine neue feierliche Bürgschaft, daß der Krieg, so glänzend sein Ausgang gewesen, nicht in den Absichten unserer Politik gelegen war.

Ein Denkmal zur Ehre des Entschlafenen, ein Vorbild für mich und mein Haus" hat unser jetzt regierender Herr das kostbare Ver- mächtniß des Begründers des deutschen Reiches zum Gemeingut des ganzen Volkes gemacht, welches in dem tiefinnersten Herzen seines Heim­gegangenen großen Kaisers wie in einem aufge­schlagenen Buche zu lesen vermag. Kaiser Wilhelm der Zweite zeigt sich auch Hierin als wenig etwas gewußt, wie etwas mit Zeuner ver­abredet zu haben, und dieser vermag ihn nicht zu überführen; denn er will den Brief, in dem der andere Kumpan von dem Handel zurücktrat, der Vorsicht halber sogleich vernichtet haben, was ja glaublich genug ist."

Aber er ist ja frei," schaltete Eugen ein.

Einstweilen gegen entsprechende Kaution, da man den ansässigen Mann wohl nicht füglich im Fluchtverdacht haben kann."

Die arme Trubel" seufzte Eugen.

Sie ist freilich tief zu beklagen," erwiderte Werner mit einem so ernsten Blicke, daß jener die Augen niederschlagen mußte. Nach kurzem Schweigen fügte er hinzu:Ich werfe mich nicht zu ihrem Richter auf; allein verzeihen Sie mir, daß ich es sage: ich begreife nicht, wie Sie das an der Armen gut machen können."

Lindenau's Brust schwoll hoch auf. O, daß seine Lippen versiegelt waren! Indessen hob er die Augen frei zu Werner auf und sagte:Ich hoffe zu Gott, daß ich es eines Tages können werde."

Werner zuckte die Achseln.

Sie schieden. Der Forstschreiber sah Eugen durch das Fenster nach, wie er über den Hof ging und schüttelte den Kopf. Er war seit gestern irre an Lindenau. Käthes' Aussage hatte ihn, obgleich beschworen, nicht voll von deren Wahrheit über­zeugt. Sie wollte nicht zu der Vorstellung passen, die er bisher von Eugens Charakter gehabt hatte nnd ebenso wenig vermochte er ihn für den Mörder