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Hersscliitl Kreisblatt.

Mit wöchentlicher Hratis-WeilageIllustrirtes UnLerhattungsölatt".

Nr. 106.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser arbeitete am Mittwoch Vormittag, nach der Rückkehr von einem Spazierritte, längere Zeit mit dem Chef des Civilcabinets, Wirklichen Geheimen Rath von Lucanus, nahm alsdann einige Vorträge entgegen und empfing sodann den Oberpräsidenten Herrn v. Leipziger. Später ertheilte Allerhöchstderselbe dem diesseitigen Ge­sandten in Persien, Freiherrn Schenck von Schweins- berg, sowie Herrn von der Osten-Jannowitz und demnächst dem Geheimen Regierungs- und Stadt­rath Schreiner aus Berlin die nachgesuchten Audienzen. Am Nachmittage unternahmen die Kaiserlichen Majestäten eine gemeinsame Spazier­fahrt, und nach der Rückkehr von derselben begab £h Se. Majestät der Kaiser nach 6 Uhr zum esuch bei Ihrer Majestät der Kaiserin-Königin Augusta nach Schloß Babelsberg, von wo Aller­höchstderselbe bald nach 7 Uhr nach dem Mar­morpalais zurückkehrte. Am Donnerstag früh hatte sich Se. Majestät der Kaiser kurz nach 6 Uhr zur Abhaltung einer Pürschjagd nach dem Wildpark begeben, von wo Allerhöchstderselbe etwa um halb 10 Uhr wieder im Marmorpalais eintraf. Bald nach seiner Rückkehr arbeitete dann der Monarch einige Zeit allein und nahm demnächst mehrere Vorträge und militärische Meldungen entgegen.

Se. Majestät der Kaiser wird, derCorr. de l'Est" zufolge, auf seiner Reise zu den be­freundeten Höfen am 16. October Wien verlassen, um am 18. October dem Geburtstag seines erlauchten Vatersin Rom einzutreffen. Qu rinal und Vatikan sollen davon bereits offtciell ver­ständigt sein.

Aus Posen wird vom dortigenTagebl.* gemeldet, Se. Majestät der Kaiser werde am Freitag früh 4 Uhr auf dem Manöverterrain

Waldschatten.

Erzählung von R o b e r t S ch w e i ch e l.

(Fortsetzung.)

OhneihrheimlichesLiedesverhältnißmitLindenau, das er inzwischen ja hatte erfahren müssen, wäre Zeuner nicht in des Teufels Küche gekommen, wie er sich auSdrückte.

Eines Nachmittags war Eugen glücklicher. Wie er nach Werners Mittheilungen annehmen konnte, mußte Zeuner zum Schlußtermin seines Processes in der Stadt sich befinden, und eS stand bei ihm fest, heute geradezu in die Mühle zu gehen und sich bei Trude Gehör zu erzwingen. Schon aus der Ferne sah er sie am Seeufer stehen. Es war ein sonniger Märztag und an den Bäumen schwollen die Knospen. Die Hände über dem Busen gefaltet, schaute Trude auf das Wasser, daS am nördlichen Ufer sich silbern kräuselte und sonst das Schilf wiegte. Im Süden, wo der See dicht vom Walde begrenzt wurde, lag er still und blau wie der Himmel. Eine feuchte, ver­lockende Bläue! Und Trude wandle langsam ihre Schritte dorthin. An einend solchen Tage nimmt selbst der Tod eine freundliche Miene an. Da hörte ste hinter sich ihren Namen rufen. Die Stimme traf sie wie ein elektrischer Schlag und eine Sekunde lang stand sie wie gelähmt. Dann beeilte sie ihren Schritt, ohne sich vorher umzu- sehen. «Trude! «Trude!* rief es wieder und sie fing an zu lausen. Sie flog über die Fließbrücke, aus den in den See gebauten Steg, dessen Dielen

Sonnabend bot 8. September

der 10. Division zwischen Kosten und Moschin eintreffen, um den dortigen Uebungen beizuwohnen.

Wie es heißt, soll Prinz Friedrich Leo­pold, Sohn des Prinzen Friedrich Karl, sich um die jüngste Schwester des Kaisers, Margarethe bewerben.

Der regierende Fürst Georg zuSchwarzburg- Rudolftadt ist vom Kaiser mit dem Orden vom Schwarzen Adler ausgezeichnet worden. Dem Fürsten ist auch, gutem Vernehmen nach, das Kommando eines preuß. Armeecorps zugedacht und dürfte die Ernennung ehestens erfolgen.

Der Erzherzog Albrecht von Oesterreich trifft am 12. d. M. in Berlin ein, um den Herbst- manövern beizuwohnen. Gleichzeitig dürfte auch der Großfürst Nicolaus von Rußland zu den Manövern in Berlin eintreffen.

Fürst Bismarck wird, wie verlautet, von Friedrichsruh zu kurzem Aufenthalte nach Berlin kommen und sich dann nach Varzin begeben, um dort den größeren Theil des Herbstes zuzubringen.

Die in der Presse aufgetauLte Nachricht, daß der Staatsminister Graf Bismarck nach England gereist sei, ist unrichtig. Derselbe befindet sich gegenwärtig im Seebade Ostende, wo er am 3. d. M. die Ehre hatte, von Sr. Majestät dem Könige der Belgier zur Tafel gezogen zu werden. Gegen Mitte dieses Monats wird Graf Bismarck, wie die «Nordd. Allg. Ztg.* erfährt, in Friedrichsruh erwartet.

Der Bundesrath wird, einem Berliner Blatte zufolge, seine Plenarsitzungen in den letzten Tagen dieses Monats wieder aufnehmen. Es wird jedoch im September wahrscheinlich nur eine Plenarsitzung stattfinden, vornehmlich um über die Verlängerung des kleinen Belagerungs­zustandes über Berlin-Potsdam, Hamburg-Altona, Frankfurt Höchst-Offenbach und Stettin auf ein weiteres Jahr zu beschließen; dann werden die regelmäßigen Sitzungen, wie im vorigen Jahre

sich unter ihr bogen. Ein Arm riß sie im letzten Augenblick zurück. Sie stieß einen Schrei aus und versuchte sich gewaltsam srei zu machen. Aber Eugen hielt sie fest umschlungen, hob sie auf seine Arme und trug sie aus Land zurück.

«Trude! Trubel* bat er dabei, mehr konnte er nicht sagen. Denn er hatte tüchtig laufen müssen, um sie noch rechtzeitig einzuholen und ihm fehlte der Athem.

Bleich mit geschlossenen Augen lag sie auf seinen Armen. Ihre stark wogende Brust bewies jedoch, daß sie nicht ohnmächtig war. Er trug sie nicht nach dem Hause, sondern in den Wald, wo er sie vorsichtig niederlegte und sich neben ihr auf die Knie warf.

«Höre mich an, Trude,* flehte er. «Du darfst mich nicht so verurtheilen. Ich liebe Keine auf der Welt, als Dich allein, Du mein Alles! Sieh mich doch nur an, ein einziges Mall*

Sie öffnete die Augen, aber sie sah ihn nicht an. Sie richtete sich auf und stieß ihn mit zornig sich röthenden Wangen zurück. Doch er faßte ihre Hand, die er gewaltsam festhielt und schwur: «Bei Gott dem Allmächtigen, ich bin nicht treulos, bin es nie gewesen!* Sie wagte nicht, ihm in das Gesicht zu sehen und er fühlte ihre Hand in der seinigen zittern. Mit sich überstürzender Hast begann er ihr alles zu erzählen, was er seiner Mutter gebeichtet hatte. Warum er seine Ent­deckung in der verhängnißvollen Nacht verschwiegen hatte, brauchte er kaum anzudeuten. Ihr schwin- delte es und sie wäre gefallen, wenn er nicht schnell

1888.

SSSSSSES9=SBE=ESHSS==EBS9SBSa wahrscheinlich erst Mitte October wieder ausge­nommen werden.

DieNordd. Allg. Ztg. veröffentlicht über die diesseitige Be­urtheilung des Falles Garnier folgende Auslassung' Die französischen Blätter der verschiedenen Schattirungen bemühen sich, den Mordversuch gegen den Büreaudiener her deutschen Botschaft in Paris als die That eines Geisteskranken hinzu­stellen und dadurch dem bedauerlichen Vorfall jede Bedeutung zu entziehen. Das Naheliegende wird in unverkennbarer Absicht unterdrückt. Der Fall Garnier ist nicht eine vereinzelte Erscheinung, er ist nur ein weiteres Glied in der Kette des in Frankreich getriebenen Deutschenhasses. Der Mordversuch des Garnier ist nichts Anderes, als die Verwirklichung der Lehren, wie sie die Hetzpresse und die von ihr geschürte öffentliche Meinung tagtäglich in Frankreich gegen die Deutschen predigen. Aus diesem Gesammtrahmen darf man die einzelne That nicht herausnehmen und auf die Unzu­rechnungsfähigkeit des Thäters kein entscheidendes Gewicht legen. In dem Fall Garnier liegt die Hauptverschuldung an der in Frankreich von oben her aus politischen Zwecken geförderten Zeitungshepereien gegen alles Deutsche. Wenn wir uns die Fälle ins Gedächtniß zurückrufen von jenen Mordthaten an, nach dem Friedensschluß, denen die deutschen Soldaten Kraft und Demnttller zum Opfer fielen, deren geständige Mörder, Pertin und Tonnelet, unter dem Beifall der Zuhörer von den Geschworenen freigesprochen wurden bis zu den letzten Mißhandlungen der Freiburger Studenten in Belfort, so liegt allen diesen Verbrechen keine andere Triebfeder als der fanatisch erregte Deutschenhaß zu Grunde. Daß Erbitterungen gegen den Sieger bei den Besiegten zurückbleiben, ist' wohl erklärlich, aber dergleichen feindselige Stimmungen pflegen, sich selbst überlassen, nach einiger Zeit und jedenfalls nach Jahrzehnten zu erlöschen. Anders ist es, wenn die führenden Gesellschaftskreise und die von dem Hetz- gewerbe lebende Presse den Haß täglich schüren. Es ist dann nicht schwer, denselben in einem einzelnen besonders gearteten Individuum bis zum politischen Mord zu steigern. Diesen Erwägungen gegenüber ist es im Allgemeinen gleichgiltig, ob Garnier gestörten Geistes ist oder nicht; ist er verrückt, so ist er es durch die chauvinistischen Hetzereien und Aufstachc- lungeu geworden. Der Grad von Störung des geistigen Gleichgewichts, welcher hinreicht, eine solche That zu begehen, ist neuerdings in Frankreich durch die Presse unb Parteium- triebe, die das Feld des Nationalhasses kultiviren und aus- i nützen, derart verallgemeinert, daß die Verantwortlichkeit von | Erscheinungen, wie sie in der That des Garnier zu Tage ausspringend, sie an seine Brust gezogen hätte.

«Und ich,* bebte sie, «ich konnte aus Deinen Drohungen, aus Deinem mir unerklärlichen Be­nehmen unter den Eichen und just unter den Eichen mußten wir uns treffen! Gott! Gott! wie konnte ich nur aus den Verdacht gerathen? O wie schlecht war ich! Vergieb mir! Vergieb mir!*

Wie hätte er in diesem Augenblicke über ihr Geständniß betroffen sein sollen? Er hob ihren Kopf auf, den sie von Gluth überflogen und in Thränen an seiner Brust zu verbergen suchte, und versiegelte ihr den Mund mit Küssen. Und dann schilderte er ihr, wie schwer und vergeblich er mit seiner Liebe gerungen und wie er, seitdem er wieder auf freiem Fuße, wiederholt nach der Mühle sich gestohlen hätte, um sie von seiner Treue zu über­zeugen, und daß er heute ins Haus gekommen wäre, wenn er sie nicht am See getroffen hätte. Da schloß sie schaudernd die Augen und drückte sich fest an ihn. Wenn er zu spät gekommen wäre! Denn sie hatte nicht länger leben wollen. Eugen aber jauchzte: »Mein, wieder mein!*

«Und die Käthe?' fragte sie, indem sie sich aus seinen Armen löste.

«Laß sie, geliebtes Herz,* bat er. »Es wird ja eines Tages alles klar werden; nur schweige! Ist es nicht genug, daß wir einander wieder haben ?*

Zur Antwort schlang sie ihre Arme um seinen Hals und blickte ihm mit einem Lächeln tief, tief in die Augen.