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Htrssclder Kreisblitt.

Mit wöchentlicher Kraiis-AeilageJllustrirtes InterhattungsötaLL"__________

Nr. 113. Dienstag den 25. September 1888.

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Amtliches.

Gefunden: in der Gemarkung Mecklar ein Portemonaie mit 9 Mark. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand in Mecklar.

Bekanntmachung.

Am 14. Juni 1888 ist über das Vermögen des Handelsmannes Simon Maas von Mardorf das Konkursverfahren eröffnet und in der Folge gegen den Gemeinschuldner wegen betrügerischen Banke- rotts, gegen die Schwester desselben, die ledige Regine Maas von Mardorf wegen Beihülfe zu

(Unbefugtes Nachdruck verboten.)

Im richtigen Kurs.

Von Helene Picht er.

(Fortsetzung.)

Da aber mit einem Mal that es im Eise einen starken Krach und es lief ein unheimliches Knittern und Knattern unter den Füßen der Kinder hin und plötzlich war das lütte Mädchen, das immer voranlief, von den beiden Jungens durch einen breiten Spalt im Eise getrennt, aus dem gleich das blaue Wasser herausquoll. Der eine Spalt war's aber nicht allein, sondern das Knattern dauerte fort und mit einem Male war das ganze Strandeis in hunderttausend große und kleine Schollen gebrochen. Auf einer solchen Scholle stand Snteder Pitter sein lütt Deern; die Scholle schwamm langsam weiter.

Nu führt wt in de wiede, wiede Welt," rief das Kind ganz lustig. Aber die beiden Jungens, die noch auf festem Eis standen, guckten sich an und der Eine fing fürchterlich zu heulen an und rannte weg nach Hause. Der Andere aber schrie dem Mädchen zu:Jk führ mit Di." Er sprang von Scholle zu Scholle, daß das Wasser nur so klatschte, bis er neben dem Mädchen stand; und nun segelten die Beiden auf ihrem zerbrech­lichen Schiff immer weiter in die See hinaus. Klein Antje kriegte aber endlich doch Angst und fing bitterlich zu weinen an. Immer mehr wich der Strand zurück, immer weiter entfernte sich das schwimmende Eisstück von der Insel; rund umher,

diesem Verbrechen, unter gleichzeitiger Verhängung der Untersuchungshaft über beide die gerichtliche Voruntersuchung eingeleitet worden.

Der Vermögensveriall wird von dem rc. Maas zu erheblichem Theile auf fortgesetzte größere Verluste zurückgeführt, welche er in dem von ihm betriebenen Viehhandel erlitten haben will, ohne daß eine nähere Auskunft, bet welchen einzelnen Geschäften solches der Fall gewesen sei, von ihm gegeben werden konnte. Hiernach und nach den sonstigen Ergebnissen der Untersuchung ist der Verdacht unabweisbar, daß die Angaben des rc. MaaS auf Erfindung beruhen und daß in Wirk­lichkeit sein Aktivvermögen seiner mitangeschuldigten Schwester, mit welcher er allem Anscheine nach den Viehhandel auf gemeinschaftliche Rechnung betrieben hat, zurückgewiesen worden ist oder ander­weitig verheimlicht wird.

Die genaue Feststellung der Vermögenslage des rc. Maas ist für die Untersuchung aber von größter Wichtigkeit.

Wir ersuchen deshalb alle diejenigen, welche nähere Kenntniß von den Geschäfts- und Ver- mögensverhältnissen des rc. Maas, sowie diejenigen seiner vorgenannten Schwester und seines am 25. Januar 1887 zu Mardorf verstorbenen Vaters, Handelsmanns Moses Maas besitzen und nicht bereits vernommen sind, sowie insbesondere alle diejenigen, welche über Viehankäufe und Verkäufe des Maas während der letzten 3 Jahre Auskunft zu geben ver­mögen, ihre Wissenschaft entweder unmittelbar zu den Untersuchungsakten F. 1/88 bei uns zur Anzeige zu bringen oder sich bei der nächsten Polizeibehörde darüber vernehmen zu lassen.

Von besonderem Werth für die Untersuchung werden diese Mittheilungen sein, wenn zugleich bei Angaben über Ankäufe von Vieh über den wei­teren Verbleib desselben, bei Angaben über Ver-

so weit die Kinder sehen konnten, schwankten und knirschten die weißen Schollen auf dem dunklen Wasser, und weil das kleine Mädchen sich von dem Jungen nicht wollte trösten lassen, so hockten sie beide dicht aneinander nieder und weinten zusammen, bis sie vor Angst und Hunger matt wurden und miteinander einschliesen. Kopf an Kopf auf der schmelzenden Eisscholle, unter ihnen die murrende, grollende Nordsee, über ihnen der klare Himmel. Und dann -----------

Schon längst hatte Antje die klappernden Strick­nadeln in den Schooß sinken lassen und hörte zu, indeß ihre Augen bet der durch Jost hervorgeholten Erinnerung förmlich aufleuchteten, Jetzt fiel ste lächelnd ihm in's Wort:

Dann kam Cord, der andere Junge, der klüger gewesen war als das dumme Ding von Antje und der tolle Jost. Der kleine Cord hatte Hilfe ge­holt Alle Leute von der Insel liefen am Strande zusammen und der kleine Cord war der Erste, der mit Snieder Pitter in's Boot sprang und die Rettungsfahrt mitmachen wollte, der fürchterlich schrie, als er wieder an's Land gesetzt wurde, weil der kleine Mann nur im Wege gewesen wäre. Na, Jost, Do büs willkommen aus Juist."

Da war's denn geschehen. Antje reichte Jost freiwillig die Hand. Cord, der ebenso gespannt wie sein Weib zugehorcht hatte, wischte mit dem Handrücken über seine Augen und legte seinen Arm um Antje's Schulter. Dabei sagte er:Dat ts us JostI Nu bliwt he bi us, un wi willt lewen als vor twintig Jahren de Ktnner."

käufe über den Ursprung des verkauften Viehs nähere Auskunft gegeben wird.

Amöneburg, den 13. September 1888.

Königliches Amtsgericht: Greib.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Das Programm für den Kaiserbesuch in Stuttgart ist vorläufig wie folgt festgesetzt: Ankunft des Kaisers am 27. d. M. Abends gegen 8 Uhr. Am selben Abend Sere­nade des Liederkranzes. Am 28. Umfahrt des Kaisers in der Stadt; um 2 Uhr Hoftafel und um 4 Uhr Abreise nach Mainau.

Die Nachricht, daß Se. Majestät der Kaiser nach Cöln kommt, bestätigt sich. Von den Jagden in Detmold aus begibt sich der Monarch nach Coblenz zu dem dortigen Festungsmanöver und wird in Cöln einen kurzen Aufenthalt nehmen.

Graf Kalnoky hat am Donnerstag spät Abends die Rückreise von Friedrichsruh nach Wien angetreten.

Erzherzog Albrecht von Oesterreich, welcher nach Beendigung der Manöver Berlin wieder verlassen bat, hat der Kreuzzeitung zufolge auf dem Manöverfelde wiederholt Veranlassung genommen, in ehrenden und anerkennenden Worten sich über die jüngsten Manöver des Gardecorps und des 3. Armeecorps, sowie über die Leistungen der Generale, der Officiere und der Mannschaften auszusprechen. So entbot am Sonnabend, nach­demdas Ganze HaltI" geblasen worden war, der erlauchte Herr den Commandeur der Garde-Ca- vallerte-Diotsion, Grafen v. Alten, zu sich, drückte demselben warm die Hand und beglückwünschte ihn zu den Leistungen der Garde-Cavallerie, deren Zeuge der Oberfeldherr Oesterreichs soeben gewesen. Am letzten Manövertage gab der Erzherzog vor den versammelten Generalen noch einmal seiner Anerkennung dessen, was er in diesen Tagen bei

Antje nickte und zog einen Stuhl zum Tisch heran. Das Strickzeug ruhte, ihre weißen festen Arme lagen vor ihrer Brust gekreuzt aus dem Tische.

Auch Cord setzte sich wieder. Und nun befanden sich die Drei in dem Zauberlande der Jugend. Tausend kleine Erlebnisse wurden hervorgeholt. Do werst jümms 'ne lütt Kalt," sagte Jost zu Antje. Antje lacht« hell auf und erwiderte:un Jost wall keenen Dag nich Wull trägen."*)

Der bedächtige Cord stopfte sich schon die dritte Pfeife und sagte:nu wäs man nich to lustig. Spart vor annere Tiden. Do aberst Antje, sorgst vör de Koje achter 'n Schapstall, dat is 'ne moje**) Schlapstäe vor us Jost."

Während Cord bei dem Tabackskasten auf der Commode hantirte und dann sein blaugewürfeltes Taschentuch hervorzog, um einem aufsteigenden Riesen zuvorzukommen, langte Jost noch einmal nach der Flasche. Da die Flasche aber in Antje's Nähe stand, so kam es, daß Jost's Hand nicht allzuschnell zurückging, sondern dicht an Antje's warmen Handgelenk liegen blieb. Im Nu flog Antje's Athem schneller. Die Beiden sahen sich wieder an und keiner von Beiden schien von den Augen des Andern loskommen zu können.

Cord mühte sich ab, auf seinem Oberschenkel ein Streichholz anzuzünden, jetzt hatte das Hölz­chen gefangen.

*) Er will keine Wolle tragen ^ nicht gut thun,

**; moje ~ «eich behaglich.