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Hersstli>er Kreisdllitt.
Mit wöchentlicher KraLis-Meilage „IllustrirLes MnLerhattungsötatL".
Nr. 114. Donnerstag den 27. September 1888.
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10 Pf. Die Expedition.
Amtliches.
Hersfeld, den 24. September 1888.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 28. Februar 1880 Nr. 2182 im Kreisblatt Nr. 18, die Einzahlung der Forst- gelder betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 2. October d. I. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.
9730. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
(Unbefugtes Nachdruck verboten.)
Im richtigen Kurs.
Von Helene P i ch l e r.
(Fortsetzung.)
Jost lachte scherzhaft aus: „38 all beter, de Plan! kömmt nicht tau Wurt; wat schall wt mit ’n Malheur annerer Minschen us afgewen?" (Es ist bester, die Planke kommt nicht zu Wort; was sollen wir uns um das Unglück anderer Menschen kümmern.)
Cord setzte die Säge wieder an und während fünf Minuten hörte man nichts als das feine Knirschen des Eisens zwischen dem Holze. Ehe aber dieses ganz besonders dicke Stück durchgesägt war, hielt Cord wieder inne und guckte nieder; dabei sagte er sinnend: «Dat was 'n Stück von ’n Kiel; dat schall nu vor de Ewigkeit wäsen sin. (Das war ein Stück von einem Schiffsktel, das sollte für die Ewigkeit fein.) Wat meenst, Jost, dat schall keen Dod nich gewen, denn wär de Welt wunnerschönS"
«Ach Watt, Platz für Jedwederein mott sin," erwiderte Jost.
Antje kam aus dem Hause. Sie wollte in den Garten, um junge Zwiebeln auszugraben, die sie nothwendig als Gewürz zu dem heutigen Abendessen gebrauchte. Aus der Arbeitsstätte der Männer verweilte sie einen Augenblick und als die tnne- hielten mit ihrem Werk, nickte sie ihnen zu und erzählte, eben habe Brandfiedel «vorgesprochen"; in Emden komme morgen früh eine hübsche Slup
# Die große Reise des Kaisers.
Kaiser Wilhelm steht im Begriff, zum zweiten Male zu weiten Reisen an verschiedene Höfe des In- und Auslandes aufzubrechen. Zunächst gilt sein Besuch seinen süddeutschen Verbündeten: dem Könige von Württemberg, dem Großherzog von Baden, dem Prinz-Regenten von Bayern. Als zwölf Tage nach dem Tode seines Vaters Kaiser Wilhelm die Vertreter des deutschen Volkes um sich versammelte, um vor ihnen Zeugniß abzu- legen über die Gesinnungen, in denen er das Regiment zu führen gedenke, da eilten auch die deutschen Fürsten sämmtlich nach Berlin, um durch ihre Anwesenheit bei jenem feierlichen Acte vor dem In- und Auslande zu bekunden, daß die schwere Heimsuchung dieses Jahres die theuer errungene Einheit nicht zu erschüttern vermocht habe. Alle Berechnungen, welche davon ausgingen, daß das deutsche Reich nur ein Act der Gewalt sei und seinen Schöpfer nicht überleben werde, alle Befürchtungen, wie nach dem Tode des hochbetagten ersten Kaisers die deutschen Fürsten sich zu seinem verhältnißmäßig jungen Enkel stellen würden, waren durch diesen Entschluß der Fürsten beseitigt: einig wie nur je in den größten Tagen unserer Geschichte tauchte Deutschland aus der tiefen Trauer, in welche der Tod zweier Kaiser es versenkt hatte, in neuem Glänze empor.
Der jetzige Besuch Kaiser Wilhelms ist nicht nur die dankende Erwiderung einer fürstlichen Höflichkeit, er dient zugleich der Bekräftigung jener Gesinnungen, welche in der damaligen Anwesenheit der deutschen Fürsten in Berlin ihren so beredten Ausdruck fanden, und auf die Kunde vom Kommen des Kaisers rüsten sich die Bevölkerungen Süddeutschlands, um auch ihrerseits der Anhänglichkeit an Kaiser und Reich einen festlichen, unzweideutigen Ausdruck zu geben.
(einmastiges Schiff) zum Verkauf, wenn'S Cord wirklich Ernst sei mit der Fischerei auf eigene Rechnung, denn solle er sich heut Abend noch auf ’n Weg machen nach Emden — die Slup würde wohl billig abgehen.
Jost ließ die Säge los und rief: «dar Willi wi gliks p'rat sin!"
«Ne, nel bliew Do man bt Antje. Dat mak ik sülvest af,' bestimmte Cord in seiner ruhigen Art, die keinen Widerspruch zuließ, dat is ja Hoch- water (Hochwasser), tk kam in’ ner Stund' gau alleen över."
Als eben die Sonne untertauchte und in der klaren Dämmerluft der Abendstern flimmerte, saß Cord in seinem Boot, das er unter leisen Ruderschlägen mit der steigenden Fluth durch's Watt dem Festlande zutreiben ließ.
Antje stand am Heerd. Ueber dem glimmenden Torffeuer auf einem «Stritten" (eiserner Dreifuß) stand die Pfanne, in der die Zwiebeln zum «Pann- fisch" prasselten. Antje hatte allerlei schöne Ge- danken von gutem Kauf, ergiebigen Fang, Reich- thum, Wohlleben, Glück; sie lächelte - das scharfe Gewächs hatte ihr Thränen in die Augen getrieben, die sie mit dem Schürzenzipfel abwischte — das Lächeln verlieh ihrem weißen, etwas strengen Ge- sichte einen wunderbaren Zauber. Eben öffnete Jost die Hausthür, er sah noch das Lächeln und rief: «halb Part bi ’n Schaffen.*)"
«Bis willkommen" antwortete Antje, die den
*) Schaffen - essen - Mahlzeit einnehmen,
Zwischen Stuttgart und München liegt ein Tag tiefschmerzlicher Erinnerung für unser Königshaus: der Geburtstag der betagten Kaiserin Augusta am 30. d. Mts. Sonst pflegte zu diesem Tag ihr hochseliger Gemahl fernher von den Herbstübungen kommend in Baden einzutreffen, nicht selten auch der Kronprinz, und an einem der vielen landschaftlich schönen Punkte des ßa« dischen Landes ward dann mit der großherzoglichen Familie in stiller Zurückgezogenheit der Geburtstag der Kai erin gefeiert. Dieses Idyll fürstlichen Familienlebens ist durch die schmerzlichen Ereignisse dieses Jahres zerstört, und die Kaiserin unterbricht ihren badischen Aufenthalt, um den 30. September in stillem Gedenken auf der Insel Mainau zu verleben. Dorthin, in den Kreis der ihm so nahestehenden großherzoglich badischen Familie eilt von Stuttgart aus der Kaiser, um an diesem Tage seiner erlauchten Großmutter nahe zu sein und mit ihr auf jenem lieblichen Eilande zu weilen, auf welchem jeder Schritt die Spur des unvergeßlichen Gemahls trägt.
Die innigen Beziehungen zum bayerischen Königshause haben im Laufe dieses Jahres mehr denn je eine vielfache Bestätigung empfangen. Des Kaisers Besuch in München wird sie auf's Neue feierlich besiegeln und die Einwohnerschaft der bayerischen Hauptstadt blickt dem Besuch um so freudiger entgegen, als Kaiser Wilhelm I. niemals als Gast des Hofes in München geweilt hat, Kaiser Friedrich zwar als Kronprinz häufig in München gewesen ist, aber als Kaiser es doch nur sterbend, bei der Heimreise von San Remo berührt hat.
Haben die Besuche an den süddeutschen Höfen gleichsam einen intimen, nur die inneren Verhältnisse Deutschlands berührenden Character, so liegen die daran sich schließenden Reisen nach Wien und Rom auf dem Gebiet der auswärtigen Politik. Der Umstand, daß der Kaiser
braun gedackenen «Pannfisch" aus der Pfanne auf einen bunten Steingutteller gleiten ließ. Dann saßen die beiden drinnen im Stübchen am Tische bet einer solchen frugalen Abendmahlzeit, wie sie das Nordmeer seinen Kindern bietet. Die Beiden lachten und scherzten, Jeder wollte das größte Stück haben. Sie theilten den braunen Fischkuchen durch einen Schnitt in zwei gleiche Hälften und schoben einander doch die besten Bissen zu. Und dann — ? dann kam eine Stunde, nein, eine Minute, ein Augenblick, der nie hätte sein dürfen. — Das Mondlicht lag auf den weißen Dünen und auf dem dunklen Meere, das geheimnißvoll rauschte und murmelte — in Antje'S dürftigen Gärtlein wuchs zwischen den Zwiebeln eine einsame Nacht- Viole, aus deren violetten Blüthenkelchen ein süßer Dust emporstteg. Neben der dustenden Nachtviole stand ein junges Weib mit klopfenden Pulsen und hochathmender Brust und neben dem jungen Weibe ein Mann, kräftig und lebensprühend, wie daS Weib selber. Zwei Menschenkinder in süßer, zauberhafter, mondbeglänzter Welteinsamkeit. Nur einen einzigen Augenblick lag des Mannes Arm um des Weibes Schulter, nur ein einziges sinn- bethörendes, berauschendes Liebeswort drang von seinen Lippen zu ihrem Ohr. Dann riß daS Weib sich los und floh in die Hütte, deren Thür sie hinter sich verriegelte. Der Mann wanderte über die weißen Dünen im Mondlicht dahin; er pfiff ein keckes Seemannsliedchen leise vor sich hin und als er in seiner Behausung, dem hübschen Stübchen in Brandfiedels Wohnung, angekommen war,