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Herssel-er Sreisbliitt.

_______ Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Anterhaltungsölatt".

Nr. 120._________ Donucrstag den 11. Oktober 1888.

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Avonnements-Gintadnng.

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Hersfrider Kreisvlatl mit der wöchentlichen Gratis Beilage Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" pro IV. Quartal 1888 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief­trägern und von der Expedition angenommen.

# Ein Charakterbild Kaiser Wilhelms 11.

Graf Douglas, der in dem Abgeordnetenhause bisher den 7. Magdeburgischen Wahlbezirk (Aschersleben) vertreten, hat soeben in einem vor seinen Wählern abgelegten Rechenschaftsbericht über seine Thätigkeit im Landtage von unserem Kaiser ein Lebens« und Characterbild entworfen, welches nicht nur, weil die Persönlichkeit des hohen Herrn Vielen noch nicht genauer bekannt ist, sondern tMch^MW^^^Dlverunff^fMt^ Characters selbst bei jedem Preußen und Deutschen ein großes und bleibendes Interesse finden wird.

Der Redner, dem es wiederholt vergönnt war, dem Kaiser näher zu treten, wirft zunächst einen Blick auf die Jugend, auf die gymnasiale, aka­demische und militärische Ausbildung des Prinzen, wie dieser sich allen an ihn heran­tretenden Aufgaben mit ganzer Seele, mit Ernst und Thatkraft gewidmet hat, und geht dann auf die Eigenschaften ein, welche der Kaiser bis­her als Regent bethätigt hat.

Mit Recht hebt der Redner hervor, es habe allgemeines Staunen erregt, was Alles der Kaiser sich zumuthet, und es werde vielfach die Besorgniß ausgesprochen, daß seine rastlose, an keine Stunde gebundene Thätigkeit aufreibend

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Im riesigen Kurs.

Von Helene Pichler.

(Fortsetzung.)

DaS sagte Antje ganz laut. Dann ging sie zu dem Tische, auf welchem in einer Tasse ein Rest Kaffee stand, schüttete den Inhalt der Düte hin­ein und, da kein Löffel zur Hand war, rührte sie das Getränk mit dem Finger um, bis sie kein Körnchen mehr auf dem Boden der Taffe sühlte.

Als sie das Gesäß zum Munde hob, deckte Schneebläffe ihre Wangen, aber sie lächelte sanft und sagte mit klarer Stimme:vergteb uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern ver­geben! Cord, min Cord!"

Die drei letzten Worte glichen einem gellen­

den Ruf.

Und der Ruf schien ein Echo in dem engen Fischerstübchen geweckt zu haben, denn eine Helle Stimme erwiderte:Cord, ja Cord! den Do bedrängen (betrügen) willst, Do Do Do fahrig Wies."

Entsetzt wandte sich Antje um, sie zitterte am ganzen Körper. Vor ihr in der Stubenthür stand der alte Brandstedel mit seinen Hellen scharfen Augen und den weißen struppigen Brauen darüber, die in diesem Augenblicke finster zusammen gezogen waren. Einen Moment standen sich die beiden Menschen so ruhig gegenüber, als wären sie ver­steinert. Dann ging der alte Seemann auf das junge Weib zu und schlug ihr die Tasse aus der

wirken müsse.Es ist wahr so sagt Graf Douglas, der Kaiser stellt in dieser Beziehung Anforderungen an sich, die über das gewöhnliche Maß, das sich etwa ein pflichttreuer Beamter oder Officier zuzumuthen pflegt, erheblich hinaus­gehen. Indessen jene Besorgniß läßt einen Factor außer acht, der dem aufmerksamen Beob­achter nicht entgehen kann, nämlich die große Ruhe, die unser Kaiser auch in den wichtigsten Angelegenheiten und unter der größten Geschäfts­last niemals verliert. Nie wird er ungeduldig, nie hastig und unruhig, und dieses ruhige Gleich­maß, diese energische Selbstbeherrschung inmitten schwieriger Situationen wirkt begreiflicherweise auch auf die Leistungsfähigkeit des hohen Herrn in günstiger Weise zurück. Der tiefere Grund dieser unerschütterlichen Ffuhe des Kaisers liegt freilich ohne Zweifel nicht etwa ausschließlich in einer bloß natürlichen Begabung. Er ist viel­mehr in der stillen Gelassenheit zu suchen, welche die Frucht des echten, auf tiefinnerster Ueber­zeugung beruhenden Gottvertrauens ist. In olWm Giranen des.Kaisers aber Bürgschaft nicht nur für 'die energische Durch- ührung der großen Aufgaben, die Gott auf seine ugendlichen, aber kräftigen Schultern gelegt >at, sondern auch für die Jnnehaltung des Maßes, das für jede dauernde Anspannung menschlicher Thätigkeit geboten erscheint."

Reben dieser rastlosen Thätigkeit und der auf Gottvertrauen beruhenden unerschütterlichen Ruhe ist der sittliche Ernst ein wesentlicher Zug in dem Character des Kaisers.Man hat so führt unser Gewährsmann weiter aus unsern Kaiserernst" genannt. Gewiß, der Ernst des Lebens ist an ihn frühzeitig herangetreten, und er hat ihn auf sich wirken lassen, wie es natür­lich und recht war. Aber dieser hohe sittliche Ernst des Kaisers, getragen von einer tief inner­lichen religiösen Gesinnung, dem schönen Erbtheil

Hand, daß sie klirrend am Boden zerschellte und der Inhalt weit umherspritzte.Wat schall de Kamödie mit Dt sülvest? Willst' us' Hergott bedräugen, as de din Mann bedrängst üm Glück un Rau?"

Das unglückliche Weib rang nach Athem. Sie fand keine Erwiderung, sondern streckte nur Hülse- flehend die Arme aus. In ihrem Gesichte zuckte es wie beginnender Wahnsinn, unarttkulirte Laute kamen aus ihrem Munde.

'Ja, ja, ik weit Allens", sagte der alte Fischer. Er faßte die eiskalten Hände der jungen Frau und zog sie mit sich auf die Bank, die hinter dem großen Ofen stand. Zuerst ließ sich Antje willig führen, plötzlich aber riß sie sich los, schrie hell auf und rief:lat mi! lat mi! Mt kann nüms helpen!" Dann schlug sie beide Hände vor's Gesicht und weinte so heftig, daß ihr ganzer Körper bebte.

Der alte Fiedel zog sie wieder aus die Bank nieder und strich mit seiner rauhen Hand über ihr weiches glattes Haar. Seine Stimme, die vor­hin in der Entrüstung hart gewesen war, klang nun weich und mild:

So recht, min leiv Deernl dat Soltwater in 'n Minschenog is de best Medizin för'n weh­leidig Hart.*)

Büs doch min leiv, söt Leern, dat wol weit,

*) DaS Salzwasser im Menschenauge ist die beste Arznei für ein leidendes Herz.

seiner Väter, hindert ihn nicht, mit gesundem, Hellem Blick dem praktischen Leben fröhlich ins Auge zu sehen, und nichts liegt unserm jungen Kaiser ferner, als eine finstere, krankhafte Auf­fassung des Lebens. Wer jemals mit ihm ver­kehren durfte, wird den Eindruck gewonnen haben, daß er es hiermit einer gesunden, männ­lichen, heiteren Natur zu thun hat, die ihre ganze Kraft mit freudiger Energie in den Dienst des Landes und des Volkes stellt, aber für jeden finstern, schlaffen und trübsinnigen Quietismus vollständig unzugänglich ist."

Seine schnelle Auffassungsgabe, sein gesundes praktisches Verständniß, sein lebhaftes, den ein­zelnen Erscheinungen auf den Grund gehendes Interesse, seine zielbewußte Sachlichkeit, seine Unzugäuglichkeit für Schmeichelei und Liebedie­neret, seine Empfänglichkeit für ein offenes, ehr­liches und wahres Wort sind Eigenschaften, welche nicht nur seinem Character zur höchsten Ehre gereichen, sondern auch für das Land von unberechenbarem Werthe sind.

®^ ^f-»-. mshre und echt menschliche Cüa- racter des Kaisers tritt ganz uesvuvrr» utieu&m Interesse für alle Wohlfahrtsbestrebungen hervor. In dieser Beziehung wollen wir im Fol­genden den Grafen Douglas selbst sprechen lassen; er sagt:

Ich habe mich, wie Sie wissen, in meinem Leben viel, seit einer Reihe von Jahren fast ausschließlich mit humanitären Fragen beschäftigt, habe wiederholt weite Reisen gemacht, um Männer gleicher Interessen aufzusuchen, aber ich habe auf meinem Lebenswege.kaum Jemanden getroffen, dessen Herz für Alles, was das Wohl seiner Mitmenschen betrifft, ähnlich offen gewesen wäre, und. der so zu immer neuer Thätigkeit auf diesem Gebiete anregt, als unser junger Kaiser. Wo es gilt, Noth zu lindern und Einrichtungen zu schaffen, die das Loos unserer bedrängten Mitmenschen zu bessern geeignet sind, da giebt es keine willige und zur That bereitere Hand, als die seinige. In den bisweilen selbst stundenlangen Unterredungen, die Se. Majestät . mir die Ehre erwies, mit mir zu führen, hat der Kaiser stets

wo de Wind steiht. Nu kamm mal t'rügg, (zu Dir) un denk an 'n Petrus.

De Binke was ok as '» Fahrtüg, datn beten rank" iS: bt schön Wäer is he alltid's de wahre Held, dünn steiht he fttef, aberst wenn dat weiht un grust, denn is he de Jrst, de glicks 'n Kopp dal steckt un stk verkrupen deiht. Dor was nu 'ne Nacht, dor was us' leiw Herrgott gans ut 'n Kurs kamen un se wull'n em all an't Lewen; de Petrus aberst satt biAarmouth"*) un Der* tellt Dönchens, dat set man ntch schlaunt (merken), He künn to em hüren. Iarmouth markt dat aberst doch, un purrt (neckt) den Petrus. Dor fielt Petrus up 'n Lisch un nümmt 'n Schluck Honigwater dunnemals harrn 's noch keen Genever un swört bt allen Wind, de harr ntscht mit 'n Herrgott to dauhn, aberst bt Iarmouth un dat Honigwater wär dat moje. Dor guckt us' leiw Herrgott mit sin hellen Ogen 'n Petrus an; un de Blick geiht as 'n Füerstrahl in sin Hart un dor fängt dat an to brennen. Uu mit den Brand in de Brust löppt de Petrus rut und hat Weihdag. Un he jammert in de Nacht 'rüm un schirmt stk de Hänne af, un de Angst un de Weihdag wern schlimmer un schlimmer.

*) Yarmuth: in dieser englischen Hafenstadt war in früheren Zeiten der Hauptanwerbeplatz für Matrosen, hier sammelte sich daher der Abschaum von allem SchiffSvolk. Nach und nach ward der Name der Stadt zu einer Bezeichnung für aller niedere Schiffsvolk überhaupt, etwa in dem Sinne wie auf dem Festland« das Wort Jan» Hagel gebraucht wird;