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Rr. 122.

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Dienstag den 16. Oetober

1888.

Amtliches.

tersfeld, den 15. October 1888. an meine Verfügungen vom 19.

v. Mts. Nr. 9503 im Kreisblatt Nr. 111, und vom 9. d. Mts. Nr. 10438 im Kreisblatt Nr.

121 werden die Herren Bürgermeister der (in letzterer Verfügung bezeichneten) Urwahlorte hierdurch angewiesen, die Ihnen in diesen Tagen zugehenden Abtheilungslisten vom 19. bis einschließlich 21. d. Mts. in Ihrem Ge- schäftslocale auszulegen, vorher aber in Ihrer Gemeinde öffentlich bekannt machen zu lassen, daß die Liste, wie angeordnet, offen liegt, und Einwendungen gegen deren Richtigkeit und Voll­ständigkeit binnen 3 Tagen bei Ihnen schriftlich oder zu Protokoll angebracht werden können.

Am 22. d. Mts. sind sodann die Listen durch Extra-Boten hierher zu senden unter Bei­fügung der etwa erhobenen Einwendungen sowie der berichtlichen Anzeige, daß die Liste nach vor- gängiger deshalbiger Bekanntmachung während der bezeichneten drei Tage offen gelegen hat, und nur 'die überreichten (oder überhaupt keine) Re- clamationen dagegen erhoben worden sind.

Die bis Abends den 22. d. Mts. dahier nicht eingetroffenen Abtheilungslisten werden durch Warteboten sofort abgeholt werden.

Die übrigen Herren Ortsvorstände des Kreises haben in gleicher Weise sofort bei Empfang dieser Verfügung in Ihren Gemeinden bezw. Gutsbezirken die oben vorgeschriebene Bekannt­machung (daß die Abtheilungsliste bei dem Orts- vorstande des betreffenden Urwahlortes während der bezeichneten drei Tage offen liegt, und bei jenem die etwaigen Einwendungen anzubringen sind) zu erlassen, und alsbald, spätestens bis ^ zum 21. d. Mts. bei Meidung der Zusendung I

eines Warteboten mir anzuzeigen, daß solches geschehen ist.

10629. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 10. October 1888.

Aus Anlaß eines Specialfalles und auf Grund einer Verfügung der Königlichen Regierung zu Cassel wird hierdurch mitgetheilt, daß Leichen todtgeborener Kinder nie ohne vorgängige Besichtigung durch den Todtenbeschauer beerdigt werden dürfen; ebenso dürfen die Hebammen die Kindesleichen nicht fortschaffen und beerdigen, da dieses nicht zu ihren Obliegen­heiten gehört.

Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises werden deshalb angewiesen, diese Anordnung zur allgemeinen Kenntniß der Ortseinwohner zu bringen und darauf zu sehen, daß derselben nicht zuwider gehandelt wird; namentlich aber haben diejenigen Herren Ortsvorstände, in deren Ge­meinden die Hebammen wohnen, denselben alsbald hiervon entsprechende Mittheilung zu machen und ihnen zu eröffnen, daß sie im Uebertretungsfalle ohne Weiteres ihre Bestrafung zu gewärtigen hätten.

Ein jeder Uebertretungsfall in dieser Beziehung ist mir sowohl seitens der Herren Bürgermeister als auch der Königlichen Gendarmerie zur An­zeige zu bringen.

9817. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 11. October 1888.

Die Herren Ortsvorstände zu Allendorf, Beiershausen, Bingartes, Eich- Hof, Eitra, Engelbach, Gershausen, Heenes, Kalkobes, Kathus, Kohlhausen, Mecklar, Meisebach, Mengshausen, Niederaula, Reilos, Reimboldshausen, Rohrbach, Roßbach, Sorga,

Tann, Hillartshausen, Lampertsfeld, Landers­hausen, Oberlengsfeld und Ransbach werden hiermit an die Erledigung meiner Ver­fügung vom 4. August d. I. J. A. Nr. 215, die Ablösung derWasenmeistereigerechtsame betreffend, mit Frist bis zum 20. d. Mts. erinnert. J. A. Nr. 215. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

# Kaiser Wilhelm in Kam.

Aus der reichen Fülle der Ereignisse, welche die ersten Monate der Regierungszeit unseres Kaisers auszeichnen, ist der Besuch in Rom wohl das bedeutsamste, von den farbenbunten Geschichts­bildern, die seit der Reichstagseröffnung vom 25. Juni an unserem Volke vorübergezogen sind, bei Weitem das prächtigste. Wohl war es ein Anblick, wie die Geschichte ihn noch nicht geschaut, als der deutsche Kaiser im Geleit seiner Flotte vor Kronstadt erschien, doch Größeres hat sich in der Stunde vollzogen, als zum ersten Male der Kaiser des neu geeinten deutschen Reiches die Hauptstadt des neu geeinten Italiens betrat. Denn in Rom reichen in Wahrheit zwei Völker sich die Hände und unser Monarch ist dort nicht nur der liebe Gast des savsyischer^Königshauses, sondern der hochwillkommene Gast Roms und des gesammten Italiens. Große geschicht­liche Ereignisse haben sich vollziehen müssen, bevor das eiserne Kreuz der deutschen Kaiserstandarte zum friedlich-festlichen Willkommen neben dem blauen Kreuz von Savoyen auf der Höhe des Quirinals sich entfalten konnte und die gleichen Jahreszahlen bezeichnen für Deutschland wie für Italien die Etappen, welche beide Völker zur Erreichung ihrer nationalen Ziele durchlaufen mußten. 1848 in Deutschland wie in Italien der vergebliche Anlauf, 1859 in Deutschland mit dem Eintritt der Regentschaft Kaiser Wilhelms

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Das erste Lied.

Von N. A. G u t h m a u n.

Die goldenen Sonnenstrahlen stahlen sich ge­schmeidig durch die feinen Ritzen, welche die schweren blauseidenen Vorhänge, die ihrem Eindringen wehren sollten, noch freigelassen hatten, und tanzten in schimmernden Streifen über den kost­baren Schreibtisch von Polisanderholz. Zuerst huschten sie neugierig über das ganze Möbel, beäugelten jede geschnitzte Arabeske, kokettirten mit der blonden Schäferin von Meißner Porzellan, die, ein weißes Lamm am rothen Bande führend, schon seit Jahren einem blauröckigen Schäfer mit buntfleckigem Hunde gegenüberstand, von diesem mit den zärtlichsten Blicken, die sie vielsagend und verheißungsvoll erwiderte, angeschmachtet wurde, und doch dem zärtlichen Anbeter nie näher rückte. Dann küßten die losen Kinder des Lichtes einen Strauß Frühlingsblumen, die in einem geschliffe­nen Kelchglase auf dem Aufsätze des Schreibtisches standen, und in die eine schöne Männerhand lieb­kosend Hineingriff, und endlich zerstoben sie wie erschrocken über ihre Kühnheit in tausend goldige Ständchen, als sie gar das weiße Papierblatt untersucht hatten, das von der grünen Schreib­unterlage sich blendend abhob, und auf das die gleiche Männerhand flüchtig allerlei krause Noten hingekritzelt hatte. Ein wunderbarer Text stand unter diesen Noten; von Sonnenschein, Blüthen- qne«,Lerchenjubel, dazwischen girrenden und schnä­

belnden Tauben, und zwei jungen Menschenkindern, die einander lieb hatten, redete dieser Text. Das alles lasen die Sonnenstäubchen, und dann ver­dichteten sie sich wieder zu einem ganz entschiedenen Sonnenstrahle von ziemlicher Breite, und legten sich schmeichelnd auf den blonden Kops des jungen Mannes, der sich mit dem Oberkörper über den Schreibtisch gelehnt hatte, vor dem er saß. Er war noch sehr jung, dieser Mann, kaum am An- sang der zwanziger Jahre mochte er stehen, und das hellblonde, ziemlich kurz gehaltene, auf der Mitte des Kopses mädchenhaft gescheitelte Haar, trug nicht dazu bet, ihn älter erscheinen zu lassen, als er war; im Gegentheil, es gab ihm etwas kindliches, knabenhaftes. Nur im Ausdruck der Gesichtszüge lag bei aller Weichheit der Form etwas ernstes, gereiftes, über seine Jahre männ­liches, wenigstens für gewöhnlich. Fast immer lag zwischen seinen Augenbrauen eine kleine Falte wer ihn aber nur oberflächlich betrachtete, der fand dieses regelmäßige Gesicht mit dem kleinen rothen Munde, zwischen dessen setngeformten, weichen Lippen die prächtigsten Zähne schimmerten, lächerlich jung; dazu dieser zarte, durchsichtige Teint, nein, männlich sah er noch nicht aus, dieser verwöhnte Liebling des Glückes und einer zärt­lichen Mutter: Siegfried von Mola. Auch zufrieden sah er nicht aus. Die characte- rtftische Falte zwischen seinen Augenbrauen hatte sich auffallend vertieft, und als jetzt die Thür leise knarrte, und eine schlanke, brünette Dame, im knappen, eleganten Hauskletde, ein Spitzenhäubchen

aus dem braunen glänzenden Scheitel, auf der Schwelle erschien, nahmen seine Hellen, graublauen Augen, die sich mechanisch und wie ermüdet der Thür zuwandten, einen gereizten Ausdruck an. Er rümpfte fast ein wenig die Nase, und die Oberlippe hob sich leicht und ließ die prächtigen Zähne noch mehr sehen als vorher man sah, er erwartete von diesem Besuche nichts Gutes.

Die Dame lächelte schelmisch, als sie ihrem Sohne näher trat, und ihre kleine beringte Hand auf seine Schulter legte.Weshalb kommst Du wieder nicht zu Tische, Friedel?" frug sie zärtlich Heinrich sagt. Du seiest unwohl?"

Das bin ich auch, liebe Mama," entgegnete er, und verzog das hübsche Gesicht wie ein krankes Kind,ich kann nicht essen! Es steht mir daS alles bis hierher." Er machte mit der Hand eine Bewegung nach seiner Cravatte und die Hof- räthtn Mola lachte.Du gedenkst, wie es scheint, von Neetar und Ambrosia zu leben," meinte sie heiter,aber das dürste Dir doch für die Dauer nicht genügen. Du bist überhaupt in letzter Zeit gar nicht mehr derselbe, Friede! und ich täusche mich gewiß nicht, wenn ich den Grund in der An­gelegenheit suche, die ich gestern Abend mit Dir besprach."

Der sonnig-heitere Zug in dem interessanten Gesicht der Dame verschwand während dieser Rede gänzlich und machte einem besorgten Gesichtsaus­drucke Platz. Der junge Mann dagegen sprang hastig auf und schob seinen Stuhl sehr unsanft zurück, Sein knabenhaftes Gesicht wurde plötzltH