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Hersselder Kreisblitt
Mit wöchentlicher Hratis-Weilage „Illustrirtes Zlnterhaltungsötatt".
Nr. 124. Sonnabend den 20. Oktober 1888.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Die diesjährigen Herbst-Controlversammlungen im Kreise Hersfeld finden wie folgt statt:
1) Zu Unterhaun
Montag den 5. November d. I. Vormittags 9 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilperhausen, Holzheim, Kohlhausen, Oberhaun, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Unterhaun und Wippershain.
2) Zu Hersseld
Mittwoch den 7. November d. I. Vormittags 9 Uhr für die Mannschaften aus der Stadt Hersfeld und den Gemeinden Kathus, Gutsbezirk Oberrode, Petersberg, Gutsbezirk Wilhelmshof, Sorga, Gutsbezirk Bingartes, Meisebach, Friedlos, Kalkobes, Reilos, Mecklar, Meckbach, Gutsbezirk Eichhof, Heenes, Rohrbach, Tann und Her- mannshof.
Controlplatz: „Turnplatz am Hain."
3) Zu Obergeis
Donnerstag den 8. November d. I. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allmers- hausen mit Hof Hählgans, Aua, Biedebach, Gittersdorf, Goßmannsrode, Obergeis, Reckerode, Rotterterode und Untergeis.
4) Zu Niederaula
Freitag den 9. November d. J. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allen- dorf, Asbach, Leiershausen, Frielingen, Gersdorf, Gershausen, Hattenbach, Heddersdorf, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Kruspis, Mengshausen, Niederaula, Niederjossa, Retmboldshausen, Solms, Stärklos, Willingshain und Gutsbezirk Engelbach mit dem Hof Sternberg.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Das erste Lied.
Von N. A. G u t h m a n n.
(Fortsetzung.)
Die also Sprechende öffnete eine Thür im Hintergründe des Blumenladens und Frau von Mola betrat das Gewächshaus der Gärtnerei. Es war ein auffallend großer, durch Glaswände erhellter Raum, gefüllt mit den seltensten ausländischen Pflanzen und Blumen, zwischen denen sich die einheimischen Blüthen fast sonderbar ausnahmen, obgleich auch sie in ungewöhnlicher Schönheit, eine jede in ihrer Art prangten. Dunkle Palmen in großen Kübeln streckten ihre riesigen Fächer und Zweige über die buntfarbige, lachende Pracht der blühenden Gruppen, alle Farben und Formen waren hier vertreten, und ein berauschender Duft von Maiglöckchen und Veilchen durchzog den Raum.
Unter den Palmen, auf einem kleinen Fuß- bänkchen, saß ein junges Mädchen von etwa achtzehn Jahren und wand einen Todtenkranz. Sie hatte das dunkle Köpfchen mit dem krausen Stirnhaar und dem lang in den Nacken fallenden schweren Zopfe gesenkt, und hob es erst als die Gärtnersfrau freundlich hinwars: „Fräulein Lisa, diese Dame hier hat von Ihrem guten Geschmacke gehört und wünscht, daß Sie ihr einen kleinen Blumenstrauß nach besonderer Angabe winden möchten. Sie sind wohl noch nicht fertig mit dem Kranze?"
Elise Strom erhob sich jetzt, und neigte an-
5) Zu Schenklenasfeld
Sonnabend den 10. November d. J. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Ausbach, Conrode, Dünkelrode, Hillartshausen, Malkomes, Motzfeld, Oberlengsfeld, Ransbach, Hilmes, Lampertsfeld, Landershausen, Schenk- lengsfeld, Schenksolz, Unterweisenborn, Wehrshausen und Wüstfeld.
6) Zu Heimboldshausen
Sonnabend den 10. November d. J. Nachmittags 2 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Bengendorf, Friedewald, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen, Kleinensee, Lautenhausen, Leimbach, Lengers, Röhrigshof mit Nippe, Philippsthal, Widdershausen, Wölfers- Hausen und Unterneurode.
Zur strengen Nachachtung für die betheiligten Mannschaften fügt das Bezirkscommando folgende Bemerkungen hinzu:
1) Zu den Herbst-Controlversammlungen haben zu erscheinen:
a) diejenigen Mannschaften, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1876 eingetreten sind und deshalb zur Land- bezw. Seewehr II. Aufgebots übergeführt werden,
b) sämmtliche Reservisten und Dispositions- Urlauber,
c) die zur Verfügung der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften,
2) Die Beorderung zu den Controlversamm- langen findet lediglich durch diese Bekanntmachung und durch Ausrufen in sämmtlichen Ortschaften statt. Die Betheiligten werden noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß nach dieser Art der Beorderung die Fehlenden ebenso strafbar sind, als wenn sie persönliche Ordres erhalten hätten.
3) Die Mannschaften aus einzelnen, hier nicht
I"....."^"''" ................. 1 '.."■■'IiH™1.1^^^ . '■SBSBWi muthig das sehr brünette Köpfchen, dessen Teint an das sammetartige der Aprikose erinnerte.
Prüfend richtete Frau von Mola ihre Blicke auf das junge Mädchen, das ihr bisher von Grund des Herzens unsympathisch gewesen war, und das ihr jetzt ganz anders entgegentrat als sie gemeint. Lisa Strom entsprach nicht dem Bilde, welches sich die Mutter Siegfried von Mola's von der Geliebten ihres Sohnes entworfen. Sie hatte sich unter dem „Blumenmädchen" ein auffallend schönes, nicht mehr ganz junges, gänzlich ungebildetes weibliches Wesen vorgestellt; nicht ganz verdorben, aber auch nicht ohne „Geschichte und Vergangenheit", dabei schlau und gerieben, ganz geeignet, durch berechnende Koketterie einen jungen, unerfahrenen Menschen in verderbliche Netze zu locken und dann auszunutzen. Aber diese Lisa Strom war nicht schön, sondern nur lieblich, jung und frisch wie eine Blume. Das einzig wirklich Schöne an ihr waren ein Paar prächtige dunkelbraune Aurikelaugen. Sonst war das junge Mädchen mehr klein als groß, hatte einen sehr dunklen Teint, ein allerliebstes Stumpfnäschen, und aus ihren offenen Gesichtszügen sprach nichts als harmlose Kinderfröhlichkeit und ein wenig Neugier beim Anblick der fremden Dame, die sich nach ihr erkundigt; aus dem ganzen Auftreten aber mußte mau schließen, daß Lisa Strom keine gewöhnliche Erziehung genoffen hatte, sondern über eine gewisse Bildung verfügte.
Die Gärtnerssrau entfernte sich wieder, und Lisa erkundigte sich nach den Wünschen der fremden
genannten Höfen, Mühlen u. s. w. werden zu den Ortschaften gerechnet, zu deren Gemeinden sie gehören.
4) Die Mannschaften haben den Militair-Paß und das Führungs-Attest mit zur Stelle zu bringen.
5) Etwaige Befreiungsgesuche sind rechtzeitig an den Bezirksfeldwebel zu richten und können nur durch das Bezirkscommando genehmigt werden. Ist bis zum Tage der Controlversammlung die Entscheidung auf ein Gesuch noch nicht erfolgt, so muß der Betreffende unfehlbar bei derselben erscheinen.
6) Etwaige Krankheits- oder sonstige plötzliche Verhinderungsfälle müssen entweder durch ärztliche Atteste oder durch Atteste der Ortsoder Polizei-Behörde, welche spätestens auf dem Controlplatze abzugeben sind, bescheinigt werden. In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit anzugeben. Atteste, welche nur die Bemerkung enthalten, daß ein Mann am Erscheinen zur Controlversammlung gehindert ist, ohne Angabe des Grundes sind ungültig und werden nicht angenommen.
Hersfeld, den 16. October 1888.
Königliches Bezirks-Commando.
* * *
Hersfeld, den 17. Oktober 1888.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises werden hierdurch angewiesen, die vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeindebezirken ' wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntniß der betheiligten Mannschaften bringen zu lassen.
10694. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 16. October 1888.
Sämmtliche Königliche Kreisthierärzte des Regierungsbezirkes sind von Königlicher Regierung IIII WWW ............ 1.......'JI.—■■■!■.-BiaM!« »«au
Dame, schnitt dann Mit bezaubernder Anmuth in jeder Bewegung allerlei Blumen von den Spalieren und Töpfen, die sie in ihr weißes, mit dem linken Zipfel emporgerafftes Schürzchen sammelte, und entwickelte beim Erklettern der hohen Leitern und beim Herabspringen von ihren Sprossen, eine solche Grazie, daß Frau von Mola nach und nach an- fing, den Zauber zu begreifen, der für Siegfried in der Persönlichkeit dieses „Blumenmädchens" liegen mochte. Der Zauber war ein durchaus natürlicher, unberechneter und unbewußter. Die kleine war ein reizendes, harmloses, schwarzbraunes Ding, aber dafür konnte sie doch kein Mensch verantwortlich machen! Sie war wie eigens erschaffen zum Verlieben und Verhätscheln.
Dann saßen die Beiden einander gegenüber, und Lisa begann mit ihren kleinen, braunen Händen ein entzückendes Etwas zu arrangiren, von dem die Zuschauerin die Augen kaum wenden konnte. Dabei wandte das kleine Ding das Köpfchen bald rechts bald links, wie ein kleiner Vogel, der eben im Begriff steht sein Liebchen zu singen. Seitwärts an der Erde lag der Todtenkranz, dessen Gewinde sie vorher begonnen, und die starren Todtenblumen und Cypressenzweige bildeten einen schauerlichen Contrast zu den Vergißmeinnicht- zweigen und Moosrosenknospen des Geburtstags- bouquets. Frau von Mola begann, geschickt aus ihr Ziel lossteuernd, davon zu reden, daß morgen der Geburtstag ihres Sohnes sei, und Lisa hörte mit großem Interesse zu und machte ihre naiven Bemerkungen, während sie das Machwerk ihrer