Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal

Dienstag, Donnerstag und Sonnabend NbonnementSpreir:

vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.

Postausschlag.

Die Jnfertionigebührm betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg, Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei gr^eren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Itrsfclhtr Krcisliliitt.

WiL wöchentlicher KraLis-AeitageIllustrirtes NnLerhattungsötatL"._________

Nr. 125. Dienstag den 23. Oktober 1888.

Amtliches.

Polizei-Verordnung. Auf Grund des §. 137 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (G. S. S. 195 ff.) und unter Bezugnahme auf die Bestimmungen der §§. 6, 11, 12 und 13 der Verordnung vom 20. Sep­tember 1867 (G. S. S. 1529) wird nach Zustim­mung des Bezirks - Ausschusses für den Umfang des Regierungsbezirks Cassel Folgendes verordnet:

§. 1. Wer es unternimmt, mit Gefangenen einer Strafanstalt, eines Gerichts- oder Polizei- Gefängnisses, einer Corrections- oder Besserungs­Anstalt, gleichviel, ob dieselben sich innerhalb oder außerhalb der Anstalt befinden, ohne aus­drückliche Erlaubniß der zuständigen Behörde oder gegen das Verbot des mit der unmittelbaren Aufsicht über die Gefangenen beauftragten Be­amten in Verkehr zu treten, insbesondere sich mit denselben durch Worte, Zeichen oder auf andere Weise zu verständigen, oder ihnen Speisen, Ge­tränke oder andere Gegenstände zu verabfolgen, wird mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit entsprechender Haft bestraft.

Das gleiche Verbot gilt hinsichtlich des Ver­kehrs mit Transport-Gefangenen jeder Art.

§. 2. Diese Polizei-Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft. Gleichzeitig treten alle dieser Verordnung widersprechende Bestimmungen außer Kraft.

Cassel, am 10. October 1888.

Der Regierungs-Präsident.

# Wieder in der Heimath.

AuS dem sonnigen Süden, der ihn mit seiner reichsten Farbenpracht, mit einem unbeschreiblichen Enthusiasmus herzlichster Freude umfing, ist Kaiser Wilhelm wieder heimgekehrt in die alten

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Das erste Lied.

Von N. A. G u t h m a n n.

(Fortsetzung.)

Tief bewegt und mit befriedigter Genugthuung berichtete sie Lisa, daß der berühmte Violinspieler Sontheim für nächste Zeit einen Cyklus von Con­certen angekündigt habe, zu denen schon jetzt kein Billet mehr zu haben, eben jener Geliebte ihrer Jugend sei.

Er wenigstens ist glücklich geworden, und daß ich dazu bettragen durfte, ihm zu diesem Glücke zu verhelfen liegt nicht ein großes Glück auch für mich in dieser Thatsache? Hätte ich mich wie eine Last an ihn gehängt, die Flügel seines Genius hätten ihn wohl nie so hoch getragen. Das Leben des Weibes ist ein Opfer für Andere, und wenn wir mit unserem Glücke das des Geliebten bezahlen, im Grunde thun wir eS doch gern, auch wen» es uns das Herz schwer macht," schloß die ErzWerin, mit feuchten Blicken ins Leere starrend. Ihr änfänglicher Mißmuth hatte einer weicheren Stimmimg Platz gemacht, aber diese weiche Stim­mung wich wieder, als plötzlich Lisa auf diese Er­öffnungen in wenig ermunternder Weise reagirte. DaS junge Mädchen kämpfte noch immer mit ihren Thränen und war furchtbar erregt, aber sie widersprach den Ansichten der Hofräthin in so ent­schiedener Weise, daß diese, die eine solche Gut- schiedenheit in dem kindlichen Wesen nie gesucht hätte, erstaunt aus ihrem träumerischen Nach­

Stammlande des brandenburgischen Hauses und im Herbstgewande begrüßen ihn die blauen Seen, die dunkeln Kiefernwälder, die Eichen und Buchen der heimathlichen Mark. Was auch die Ferne ihm an glanzvollem Prangen geboten, es reicht nicht an jene sicher und bewußt in sich selbst ruhende Kraft hinan, welche die Adler von Brandenburg und Preußen durch die sturmbe- wegte Geschichte der Jahrhunderte bis zu der Höhe getragen, von der heute ein Kaiserhaupt über Deutschland blickt als treuer Wächter unserer Wohlfahrt und des Friedens der Welt.

Und als treuer Wächter war Kaiser Wilhelm ausgezogen, um zunächst den Fürsten in Süd­deutschland Dank zu sagen für ihre Haltung in schwerer Zeit und Hand in Hand mit ihnen an­gesichts der deutschen Stämme die Reichs- und Volksgemeinschaft neu zu besiegeln, zu welcher sein großer Vorfahr Alldeutschland unauflöslich ver­bunden hat. Der helle, frohe Jubel aus Schwaben, Baden und Bayern geleitete ihn dann in das verbündete Oesterreich, welches er gleichsam an der Spitze der geeinten Kraft des Reiches als neuer Kaiser und alter Bundesgenoß betrat. In herzlicher Freundschaft, nicht ohne tiefe Bewegung, empfing Kaiser Franz Joseph den erhabenen Gast, und noch klingen in Europa die Worte wieder, in welchen die Herzensgemeinschaft der Fürsten, die Bundes- und Waffengemeinschaft ihrer Völker, die feierliche Weihe empfing.

War der Kaiser in Oesterreich der Gast des Hofes gewesen, jenseit der Alpen war er der Gast Italiens und seines Königs. Begeisterter ist wohl noch niemals ein fremder Herrscher empfangen worden, als wie der Enkel Wilhelms, der Sohn Friedrichs, in Rom und Neapel. Auf dem von den Kämpfen und dem Ringen der jüngsten Vergangenheit noch heißen Boden be­grüßte ihn stürmisch ein dankbares Volk, welches I in dem Kommen des deutschen Kaisers mit Recht

denken ausschreckte, als Lisa mit zuckenden Lippen erklärte:Ich glaube nicht, daß jener Mann, von dem Sie vorhin sprachen, glücklich geworden ist, trotz seines Ruhmes glaube ich das nicht wie könnte er, wenn er sie wirklich geliebt hat? Sie müssen ihm doch jedes Glück zerstört haben, damals! Auch der Weg zum Ruhme ist ihm ohne den Sonnenschein der Liebe gewiß viel müh­seliger erschienen als einem Glücklichen. Gehen Sie doch in seine Concerte, gnädige Frau, und prüfen Sie, ob er wie ein Glücklicher aussteht? Und wenn doch dann überzeugen Sie sich nur auch, ob sein Glück nicht Maske ist Comödie. Ich aber könnte nie so herzlos handeln wie Sie, gnädige Frau! Nie! Mag Siegfried mir die Treue brechen, mögen Sie ihn dahin bringen, oder Mittel und Wege finden, uns sonst zu trennen, ich für mein Theil bleibe meiner Liebe treu! Und ich kann auch nichts Sträfliches darin finden, denn ich bin der felsenfesten Ueberzeugung, daß eine glückliche Liebe das Talent nur fördern kann."

Es klang fast wie Trotz, wenigstens sehr fest und entschieden, als die kleine Blumenwinderin also sprach, und Frau von Mola preßte die Lippen fest aufeinander, zog den weißen Tüllstretfen über das feine, geistreiche Gesicht und empfahl sich mit kurzem Gruße von dem jungen Mädchen. Auf der Schwelle stehend, wandte sie sich jedoch wie von einer unsichtbaren Macht getrieben noch ein­mal um und warf einen Blick zurück. Da stand die kleine Künstlerin unter ihren Lieblingen.

die feierliche Bekräftigung eines Bündnisses er­blickte, das als ein Vermächtniß der Wiederher- steller beider Reiche auch Italien die Frucht seiner heißen Schlachten und schweren Sorgen zu sichern bestimmt-ist.

Es waren auf weltgeschichtlichem Boden ge­schichtlich denkwürdige Tage und naheliegend die Vergleiche mit den vergangenen Jahrhunderten deutscher Geschichte. Noch niemals hatte ein deutscher Kaiser so sein Friedensbanner bis Süd- Italien getragen. In Stuttgart hatte der Kaiser des ruhmvollen Geschlechts der Hohenstaufen gedacht, in Neapel ward ihm aus der Mitte der Bevölkerung das Gedächtniß des großen Kaiser­geschlechts erneuert,welches für Italien nur Liebe, während die französische Herrschaft nur Unterdrückung gezeigt habe."

Die hohe Bedeutung, zu welcher in den Augen der uns befreundeten Völker, die Besuche unseres Kaisers emporgestiegen sind, nicht nur der be­freundeten Völker, sondern in den Augen von Freund und Feind, ist in ganz Deutschland tief empfunden worden, und der Dank, welchen der Oberbürgermeister von Berlin Namens der Reichs-Hauptstadt dem Könige von Italien dar- brächte, der Beschluß der städtischen Behörden, dem Kaiser bei seiner Rückkehr eine Huldigung zu bereiten, giebt nur den Empfindungen beredten Ausdruck, welche die Nachrichten aus Wien, Rom und Neapel in allen deutschen Herzen geweckt haben. Wie bei der Eröffnung des Reichstages verheißen, hat der Kaiser sichin den Dienst des Friedens gestellt", indem er persönlich die alten Freundschaftsbande erneuerte, andere neu knüpft, und so der Welt bekundete, daß der Tod Kaiser Wilhelms und Kaiser Friedrichs Europa nicht der Wohlthaten beraubt habe, die der Friedens­bund Deutschlands mit Oesterreich und Italien den Völkern verbürgte. Im Interesse dieses Friedens ist die Kaiserreise ein großer und glück-

Der Zipfel des aufgesteckten Schürzchens hatte sich gelöst, und zu Füßen Linas lagen in wildem Chaos die Blumen, die bestimmt gewesen waren, den Geburtstag des Geliebten zu verherrlichen. Lisa aber hatte die Hände gegen ihr Gesichtchen gedrückt und zwischen ihren zierlichen Fingern liefen die Thränen hervor, die sie ihrem zerstörten Glücke nachweinte. Sie wußte ja, so jung sie auch noch war: wer die Macht hat, der hat auch das Recht. Er war der Reiche sie war arm. Was konnte sie, die Tochter eines armen Musikan­ten, für Rechte geltend machen, wenn man diese Rechte nicht anerkennen wollte?

Das Geburtstagsbouquet wurde zwar abgeholt, aber es war ein seltsames Machwerk geworden; eine Art Monstrum; zur Hälfte ein kleines Kunst­werk von Harmonie und Farbensinn zur an­dern Hälfte ein Gewinde, in dem die feindlichsten Farben mit einander kämpften. Die Gärtners- trau hatte es kopfschüttelnd betrachtet, aber sie sandte es ab. War es doch nach den ausdrück­lichen Anordnungen der vornehmen Kundin ange­fertigt worden, wie die junge Frau meinte.

Als Frau von Mola an jenem Abend nach Hause kam, saß sie noch lange gedankenvoll in ihrem Boudoir und jann über den Mißerfolg ihres Ganges nach; als sie jedoch nach der Lampe schellte, war sie zu einem zweiten Entschlüsse gekommen, von dessen Ausführung sie sich mehr Erfolg versprach als von der mißlungenen Unter­redung mit Lisa Strom. Sie setzte sich vor ihren kleinen Schreibtisch und schrieb an Lisa's Vater,