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Hersselher Irtislilntt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIllustrirLes UnterhattungsölatL".__________

Nr. 134. Dienstag den 13. November 1888.

Amtliches.

Hersfeld, den 7. November 1888.

Die Königliche Gendarmerie des Kreises mache ich auf die im Kreisblatt Nr. 131 veröffent­lichte Bekanntmachung des Herrn Regierungs­Präsidenten vom 23. October d. I., betreffend die Einreichung von Anzeigen über strafbare Handlungen, zur genauesten Nachachtung hierdurch besonders aufmerksam. Ebenso mache ich den Ortspolizeibehörden wiederholt zur Pflicht, in Anwendung des Gesetzes vom 23. April 1883 nach Anleitung der Anweisung vom 8. Juni 1883 (abgedruckt im Kreisblatt Nr. 64) von der ihnen zustehenden Strafbefugniß überall in denjenigen Fällen Gebrauch zu machen, in welchen die Be­strafung durch die Ortspolizeibehörde zweckmäßig bezw. geboten erscheint.

11097. Der Königliche Landrath ____Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 6. November 1888.

Zufolge Verfügung der Königlichen Regierung Abtheilung für Kirchen- und Schulfachen zu Cassel vom 26. Oktober d. I. J. B. Nr. 12669 werden die Herren Bürgermeister der Landge­meinden des hiesigen Kreises davon in Kenntniß gesetzt, daß die Königliche Regierungs-Hauptkasse angewiesen worden ist, die auf Grund des Gesetzes vom 14. Juni d. Js. (Gesetz-Sammlung Seite 240) zu dem Diensteinkommen der Lehrer und Lehre­rinnen an den Volksschulen an Stelle des bisher erhobenen Schulgeldes zu leistenden Staatsbet- träge vom 1. Oktober d. Js. ab in viertel­jährlichen Raten zum Voraus an die be­treffenden Schulgemeinden zu zahlen.

Sodann weise ich die Herren Bürgermeister der Schulgemeinden des Kreises an, in Gemäß- heit des 8. .5 des vorerwähnten Gesetzes auf

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Ein stechvoget.

Erzählung von L. F. Born. (Fortsetzung.)

Vetter Robert, sein Vormund, hatte sich soweit mit ihm ausgesöhnt, um ihn nach Jahren zum ersten Mal wieder nach Waltersheim einzuladen, und dort hatte Max nichts Eiligeres zu thun, als sich glühend und rettungslos tu seine schöne, blonde Cousine Hedwig zu verlieben, der einzigen Tochter des Hauses. Dem stillen, zarten, siebzehnjährigen Mädchen gefiel der lustige, euthu- stastische Better Künstler weit bester, als die andern Herren, mit denen sie bis dahin in Berührung gekommen war, aber die Eltern waren anderer Ansicht, und es erhob sich ein ungeheurer Sturm der Entrüstung, als der gefährliche Mensch, statt sich aus Herrn von Waltershetms Andeutungen hin still zu entfernen, mit der unbescheidensten Offenheit und Zuversicht um Hedwigs Hand anhielt. In Verzweiflung kehrte er Waltersheim den Rücken, ohne daß ihm noch einmal ein Blick auf das liebliche Madonnengesicht gegönnt worden, das ihn von nun an Tag und Nacht begleitete. Er dachte nicht daran, ihm zu entsagen, Himmel und Erde wollte er in Bewegung setzen, um dem hartherzigen, bornirten Tyrannen seinen kostbaren Schatz abzutrotzen, und es däuchte ihm zu dieser Zeit ein Leichtes, seinen Künftlerberus zum Opfer zu bringen, nur um damit dem Ziel seiner Wünsche um einen kleinen Schritt näher zu rücken.

Grund der Gemeinderechnungen bezw. der zu denselben gehörigen Schulgeldserhebelisten und Quittungen der Herren Lehrer pro Etatsjahr 1885/86, 1886/87 und 1887/88 den durchschnitt­lichen Betrag des Schulgeldes während dieser drei Etatsjahre alsbald festzustellen und denselben den Herren Lehrern als Theil ihres baaren Ge­haltes in vierteljährlichen Raten aus der Ge­meindekasse zahlen zu lassen. In den Gemeinde- rechnungen müssen diese Staatsbeiträge und die durchschnittlichen Schulgeldsbeträge selbstverständ­lich in Einnahme bezwse Ausgabe nachgewiesen werden.

Die Königlichen Herren Lokalschulinspectoren des hiesigen Kreises ersuche ich ergebenst, die Ihnen unterstellten Herren Lehrer von dem In­halte dieser Verfügung gefälligst in Kenntniß setzen zu wollen.

11135. Der Königliche Landrath _____________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 8. November 1888.

Nach einer weiteren Mittheilung des ständischen Bauamtes dahier sind die Gemeinden

Ausbach, Conrode, Dünkelrode, Heringen, Lampertsfeld, Landershausen, Leimbach, Lengers, Malkomes, Ransbach, Röhrigshof, Schenklengsfeld, Widdershausen, Wölfers- Hausen und Wüstfeld mit Erledigung von Landwegebauarbeiten im Rückstände.

Die Herren Ortsvorstände dieser Gemeinden haben dafür Sorge zu tragen, daß die rückständigen Arbeiten bis spätestens zum 30. November d. J. vollständig erledigt sind, bei Vermeidung des ä Conto-Verfahrens.

1126011274. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 12. November 1888.

Die Anna Elisabeth Stephan Witwe, ge-

Da brach der französische Krieg aus und Max mußte als Reserveofficier der Fahne folgen. Er war überglücklich über diese Fügung schon sah er sich mit Ruhm und Ehre gekrönt nach Walters- heim zurückkehren und Hedwigs Hand alsdann mit leichter Mühe erobern. Der Pechvogel hatte wieder einmal die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Bei einem unbedeutenden Gefecht zu Anfang des Feldzugs wurde er schwer verwundet, und als er geheilt zum Regiment zurücklehrte, welches unter- deß in den großen Schlachten mitgeiochteu hatte, gab es keine Lorbeeren mehr zu pflücke», es blieb ihm nur ein monatelanges Ausharren in Feindes Land, unter langweiligen und drückenden Verhält­nissen. Endlich kehrte er zurück, abgekühlt und ernüchtert, aber im Bewußtsein, seine Schuldigkeit gethan zu haben. Er zog den bunten Rock wieder aus, trotz Vetter Robert und seiner schönen Toch­ter, und nahiir. Pinsel und Palette mit neuem Eifer zur Hand. Zwar malte er keine Schlacht­stücke und weltbewegenden Ereignisse, aber man spürte in seinen Genrebildern etwas vom Hauch der großen Zeit, von den inneren Kämpfen. in denen die Ideen dazu herangereift waren. Sie wurden im Umsehen verkauft, und die Mutter in ihrem Stäbchen las mit Thränen im Auge die Recensionen derselben, darin viel vom frommen deutschen Gemüth, vom urwüchsigen Humor, ein­fältiger Naturwahrheit und dergleichen zu lesen stand.

An einem nebligen Abende es war der neun­zehnte Rovember, wanderte Max Waltershet«

boren am 25. Januar 1833 zu Kleinensee, gegen­wärtig wohnhaft zu Hersfeld, hat um Erthetlung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

11397. Der Königliche Landrath ___Freiherr von Schleinitz.__

Gefunden: eine Laterne. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Sorga.

# Das Werörecherthum 1887.

Im Septemberheft der Monatshefte zur Sta­tistik des deutschen Reichs wird eine Zusammen­stellung der im Jahre 1887 von deutschen Ge­richten wegen Verbrechen und Vergehen gegen Reichsgesetze Verurtheilten unter Beifügung der Zahlen für die 5 Vorjahre gegeben. Das Kenn­zeichen der ersten fünfjährigen Periode, seit statistische Nachweisungen über die Kriminalität (das Verbrecherthum) der Bevölkerung des Deutschen Reichs gemacht werden, war: Zu­nahme der Verbrechen und Vergehen gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion, des­gleichen Zunahme der Strafthaten gegen die Person (einschließlich der Sittlichkeitsvergehen), Abnehmen derselben gegen das Vermögen. Dre strafbaren Handlungen also, bei denen als Trieb­federn Uebermuth, Leidenschaftlichkeit, rohe Ent­artung wirken, waren in steigender Bewegung, dagegen diejenigen, welche vorwiegend aus Hab­gier und wirthschaftlicher Noth entspringen, in tetigem Rückgänge begriffen. Die letztere Er- cheinung erklärte sich zweifellos daraus, daß die wirthschaftlichen Verhältnisse der Bevölkerung sich seit 1881 gehoben, gewerbliche Thätigkeit und Verdienst sich reicher entfaltet hatten und daß der niedrige Preisstand der Hauptbedarfs­artikel des täglichen Lebens Nahrungssorgen viel weniger aufkommen ließ. Dagegen legte die Zunahme der Staats-, Sittlichkeits-,

in einer seltsamen Gemüthsverfassung seiner Woh­nung zu. Er hatte eben eine Mittagsgesellschaft verlassen, zu der sich die Familie Waltersheim in einem Hotel der Residenz vereinigt hatte. Die Waltersheims begingen nämlich ihren Familien- lag und Max war sehr verwundert, diesmal in dem illustren Kreise mit so viel mehr Zuvor­kommenheit ausgenommen zu werden, als er sonst gewohnt war. Mit den jüngeren Familienmit- gliedern hatte er sich stets gut und vetterltch ge­standen, aber auch die älteren schienen diesmal von einem plötzlichen Enthusiasmus für die Kunst und für den Maler erfaßt zu sein. Mau besuchte ihn in seinem Atelier, ließ sich von ihm in allen Museen und Ausstellungen umherführen und ver­zog ihn auf alle Weise. Das Merkwürdigste da­bei war, daß Vetter Robert selbst alle früheren Meinungsverschiedenheiten gänzlich vergessen zu haben schien und seinem ehemaligen Mündel mit überwältigendem Wohlwollen begegnete; ja Max fand bei den geselligen Zusammenkünften gewöhn­lich einen Ehrenplatz neben Cousine Hedwig. So war es auch heute wieder geschehen, heute, wo er genau vor sechs Jahren verzweiflungsvoll mit zer­rissenem Herzen von Waltersheim sortgestürmt war, in den dunkelen Abend hinein. Er hatte das Datum nicht vergessen, und wenn auch die Wunde allmähltg vernarbt war im Laus der Jahre, Hedwigs liebliches Bild hatte seitdem immer gleich einem Heiligthum tu einer verborge­nen Nische seines Herzens gestanden. Sonderbar vars, daß ihn das Wiedersehen mit ihr ut^t vo^