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Ensseldtr MnUHutt

Mit wöchentlicher HraLis-AeLlageIllustrirtes Nuterhatlungsölatt".

. Nr. 135.

Donnerstag den 15. November

1888.

Amtliches.

Hersfeld, den 12. November 1888.

Die Herren Orlsvorstände des Kreises erhalten hierdurch die Weisung, fortab von einem jeden Unfall, welchen eine nach dem Gesetz Dom 5. Mai 1886, betreffend die Unfall- und Krankenversiche­rung der in land- und forstwirthschaftlichen Be­trieben beschäftigten Personen, versicherte Person erleidet, mir unter Benutzung des für Unfall- Anzeigen allgemein vorgeschriebenen Formulars alsbald Anzeige zu erstatten. Diese Anzeige ist auch dann zu erstatten, wenn der Unfall voraus­sichtlich eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als nur 3 Tagen zur Folge haben wird.

11385. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Zugelaufen: ein rother Pinscherhund. Der Eigenthümer kann denselben bei dem Müller Stein zu Niederaula gegen Erstattung des Fut­tergeldes in Empfang nehmen.

Gefunden: einPaarwildlederneHandschuhe, eine Mütze, zweiMesser, eine Fruchtgabel und ein Regen­schirm. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Niederaula.

Folitische Nachrichten.

(Deutschland.) Im Laufe des Dienstag Vormittags arbeitete Se. Majestät der Kaiser zunächst längere Zeit allein, conferirte darauf von lOi/i Uhr ab mit dem Minister des König­lichen Hauses von Wedell und nahm die laufen­den Vorträge entgegen. Später arbeitete Se. Majestät der Kaiser längere Zeit mit dem Chef des Militär-Cabinets General-Lieutenant und General-Adjutant von Hahnke und empfing Mit­tags Se. H. den Prinzen Friedrich Karl von

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Ein Pedjooges.

Erzählung von L. F. Born.

(Fortsetzung.)

Sie führte ein sehr eingezogenes Leben, denn der Alte verkehrte eigentlich nur mit denjenigen, welche seine «Wuth für alte Münzen, Holzschnitte und dergleichen theilten. Den Sommer über pflegte er mit der Tochter auf Reisen zu gehen, und nur im Herbst und Winter erblickte Max Waltershelm die verwunschene Prinzeß zuweilen spazierensahrend mit ihrem Vater, im Garten oder auf dem sonnigen Balkon, der seinem Atelier gerade gegenüberlag. Sie war eine zierliche Erscheinung mit noch sehr jugendlichem Gesichtchen und dunklem Haar, und dem Maler erschien sie wie ein munterer ein- gefperrter Vogel, auch ein Pechvögelchen vielleicht, trotz des goldenen Käfigs, in dem sie gefangen ge­halten wurde.

Einmal im letzten Frühjahr war er aber doch mit ihr zusammengekommen, und zwar bei einem Familienfest in einem befreundeten Hause, welches weitläufig mit Friedrichsen- verwandt war, und wo der menschenscheue Herr wahrscheinlich nicht gut hatte adlehnen können. Amangs gelang es dem Maler auch hier nicht, sich Fräulein Frted- richsen zu nähern, er versuchte es darum zunächst mit ihrem Papa. Frischweg redete er ihn aus die Nachbarschaft an, aber der alle Herr ließ ihn so unhöflich abfallen, daß er für diesmal den An­griff aufgab, und sich zurückzog. Noch etwas Der»

Hessen und bald darauf den ehemaligen com-! mandirenden General des 3. Armee-Corps, General der Kavallerie Graf von Wartensleben, welcher Tags zuvor in Berlin eingetroffen war und sich von dort nach Potsdam begeben hatte. Nachmittags hatten sodann noch einige Gene­rale und zahlreiche andere höhere Officiere zur Abstattung persönlicher Meldungen die Ehre, von Sr. Majestät dem Kaiser empfangen zu werden.

Kaiserin Augusta gedenkt zu Anfang des nächsten Monats von Koblenz nach Berlin zurückzukehren.

Prinz Heinrich hat von Kiel aus in Begleitung des Vice-Admirals v. Blanc und seiner persönlichen Umgebung die Reise zum Königsjubiläum nach Kopenhagen angetreten.

Die Uebersiedelung der Kaiserlichen Familie vom Marmorpalais in Potsdam nach dem Königlichen Schlosse in Berlin findet voraussicht­lich am 22. November statt.

Die am 29. August in Fulda versammelten preußischen Bischöfe hatten an Seine Majestät den Kaiser eine Adresse gerichtet, worin sie ihn zu seiner Thronbesteigung beglückwünschen; in der Adresse heißt es wörtlich zum Schluß:Die Gewähr einer glücklichen Zukunft des Vater­landes erblicken wir in den wiederholten Aller­höchsten Kundgebungen, in welchem Eure Kaiser­liche und Königliche Majestät die christlichen Grundwahrheiten, die Hebung der religiösen und sittlichen Güter des Volkes als den Leuchtthurm bezeichnen, zu welchem die Menschheit unablässig aufblicken muß, um den Frieden hienieden und die höheren ewigen Interessen sich zu sichern. Und daraus schöpfen wir auch die freudige Zuversicht, daß unter der Regierung Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät die fried­lichen und wohlwollenden Beziehungen zwischen Kirche und Staat, deren erste Strahlen die letzten Lebensabende des höchstseligen Großvaters

blufft von seiner Niederlage trat er auf den Flügel zu, um den sich ein Theil der Gesellschaft ver­sammelt hatte. Eben stimmte Fräulein Friedrichsen das Mendelssohn'sche Wiegenlied an:

Schlummere und träume von kommender Zeit,

Die sich Dir bald muß entfalten,

Träume mein Kind, von Freude und Leid,

Träume von lieben Gestalten,

Werben auch Viele noch kommen und gehen, Mäßen Dir Neue doch wieder erstehen, Bleibe bleibe nur fein geduldig.

Schlummere und träume von Frühlings Gewalt,

Schau' all' das Blühen und Werden,

Horch wie im Hain der Vogelfang schallt, Liebe im Himmel, auf Erden.

Heut' ziehts vorüber und kann Dich nicht kümmern, Doch wird Dein Frühling auch blühen und schimmern, Bleibe bleibe nur fein geduldig.

Max stand wie bezaubert, so hatte er noch niemals singen hören. Das Lied schien wie ge­macht für das einsam kleine Mädchen in dem großen öden Hause, es war als müßte sie mit ihren süßen:Bleibe bleibe nur sein geduldig" das eigene Herz zur Ruhe fingen, welches sehn­süchtig des Frühlings harrte, der für sie kommen sollte und doch niemals zu kommen schien. Jetzt, wurde ihr Platz von einer Klavierspielerin einge­nommen, die sofort lebhaft darauf los trommelte, Fräulein Friedrichsen trat aus dem Kreise zurück, und stand allein, ganz in des Malers Nähe. Flugs stellte er sich ihr vor, und wurde diesmal freundlich als Hausnachbar anerkannt. Das Ge­spräch war bald im Gange, und sie erzählte ihm

verschönerten, sich befestigen und ausgestallM werden als der sichere Hort in der Sturmflinff der umsturzdrohenden Lehren und Ideen der Gegenwart." Hierauf ist unterm 7. November folgende Antwort Seiner Majestät des Kaisers ergangen:Mit Wohlgefallen habe Ich die Huldigungs-Adresse empfangen, welche Sie, Herr Erzbischof, in Gemeinschaft mit Ihren bischöflichen Amtsbrüdern aus Fulda an Mich gerichtet haben. Die nach Gottes Rathschluß in diesem Jahre über Mich, Mein Haus und das Vaterland verhängte Doppeltrauer findet in Ihrer Adresse einen so tiefempfundenen Aus­druck, daß unter den zahlreichen Beileidsbezeug­ungen die Ihrige Mir besonders werthvoll gewesen ist. Nicht minder wohlthuend berührt Mich Ihr patriotischer Segenswunsch zu Meiner Thronbesteigung. Mein Leben und Meine Kraft gehören Meinem Volke, dessen Wohlfahrt zu fördern die schönste Aufgabe Meines Königlichen Berufes ist. Daß Ich die Glaubensfreiheit Meiner katholischen Unterthanen durch Recht und Gesetz gesichert weiß, stärkt Meine Zuversicht auf dauernde Erhaltung des kirchlichen Friedens. Indem ich Ihnen, Herr Erzbischof, und den Mitunterzeichnern der Adresse für die loyale Kundgebung aufrichtig danke, verbleibe ich Ew. Hochwürden wohlgeneigter

Marmor-Palais, den 7. November 1888.

Wilhelm R.

An den Erzbischof von Köln Dr. Krementz zu Köln."

Dem F ü r st e n B i s m a r ck ist von der theo­logischen Fakultät zu Gießen am 10, November als dem Geburtstage Dr. Martin Luthers die theologische Doclorwürde verliehen worden. In dem Diplom ist dieser Beschluß folgendermaßen begründet:Dem hohen einzigartigen Manne, der drei Kaisern in unvergleichlicher Treue sein Leben zu Dienste geweiht hat und noch weiht, nie verzagt, nie zu ermüden, niemanden fürchtend als

unbefangen, daß sie oft nach dem großen Glas- seniler des Ateliers schaue und an die hübschen Bilder denke, welche dahinter gemalt wurden. Nun konnte er sie einladen, seine Werkstatt ein­mal zu besuchen und sich seine Arbeiten anzusehen. Es flog wie Sonnenschein über ihr Gesicht, aber dann schwellten ihre Augen verlegen zu ihrem Vater hinüber, der einsam in der Thür des Herren­zimmers stand und sich mit seiner Cigarre in eine verdrießliche graue Wolke hüllte.Zunächst werde ich leider von Ihrer Einladung feinen Gebrauch machen dürfen," sagte sie,denn übermorgen reisen wir ab an die italienischen Seen und bleiben den ganzen Sommer über aus. Aber vielleicht kann ich im Herbst kommen" ihre Augen leuchteten aufdenken Sie, im Herbst kommt meine Schwester mit ihren beiden Kindern zu uns, Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr ich mich darauf freue!" Hier wurde das Gespräch unter­brochen, zu Maxens großem Leidwesen, und erst von der Gastgeberin erfuhr er nachher, daß die Schwester, auf deren Ankunft sich das einsame Kindso sehr freute", wohl um zehn Jahr älter als Luise Friedrichsen sei. Als ganz junges Mädchen war sie an einen viel älteren Gemahl verheirathet worden, und hatte mit ihm eine Reihe von Jahren ruhig und zufrieden gelebt. Vor kurzem war sie Wittwe geworden und wollte jetzt auf eine Weile ihren ländlichen Wohnsitz verlassen, um in ihres Vaters Haus zurückzukehren. Wahr­scheinlich wegen der Erziehung ihrer Kinder, und um ihm Schwester willen.