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Hersstl-el Kreisdliltt

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Nnterhattungsklatt".

Nr. 136.

Sonnabend den 17. November

1888.

Amtliches.

Verordnung, betreffend die Einberufung des Reichstags.

Vom 9. November 1888.

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher

Kaiser, König von Preußen 2C. verordnen auf Grund des Artikels 12 der Ver­fassung, im Namen des Reichs, was folgt:

Der Reichstag wird berufen, am 22. November dieses Jahres in Berlin zusammenzutreten, und beauftragen Wir den Reichskanzler mit den zu diesem Zweck nöthigen Vorbereitungen.

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem KaiferlichenJnsiegel.

Gegeben Marmor-Palais, den 9. November 1888.

(L. 8.) Wilhelm.

Fürst von Bismarck.

Iotttische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hatte am Mittwoch Nachmittag im Marmorpa- lats bei ^Potsoam eine längere Conferenz mit dem Slaatssecretair des Aeußern, Staatsminister Grafen Herbert Bismarck, empfing darauf um /42 Uhr den Commandanten Sr. Maj Schiff .Schwalbe", Corvetten-Capitän Hirschberg, und nahm die persönliche Meldung des zum Flügel- Adjutanten bet Sr. Majestät dem Kaiser ernann­ten Capitäns z. See Freiherrn von SendewBi- bran entgegen. Im Laufe des Donnerstag Vormittags arbeitete Se. Majestät der Kaiser zunächst längere Zeit allein, nahm alsdann die regelmäßigen Vorträge entgegen und empfing den Chef des Großen Generalstabes der Armee und demnach den Chef des Mititär-Cabinets. Um */.212 Uhr Vormittags hat sich Se. Majestät der Kaiser vom Bahnhöfe zu Potsdam aus mit den Herren seiner Begleitung mittels Sonder-

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Ein Hechooget.

Erzählung von L. F. Born. ^Fortsetzung)

Hedwig, die niemals einen Bruder gehabt, Die so überaus tadellos erzogen und stch immer nur in Den engsten Schranken der Sitte und Wohlan- ständigkeit bewegt hatte, wie würde sie Die Ver­pflanzung in so ganz andere Kreise, in ein unge­bundenes und bewegliches Künftlerleben Der» tragen 8 Max sank der Muth, er war doch über dreißig Jahre lang recht glücklich gewesen ohne Hedwig und er gedachte der Rede seines alten Freundes: Mein Sohn, ich rathe dir, so lange du das Helralhen lassen kannst, so lasse es.

Siehe, Da war er schon wieder aus dem besten Wege, sich durch vieles Nachdenken um allen Ver- ftaao zu bringen. Er sprang aus und trat in's Atelier. Dort sah eS ungewohnt feierlich und ordentlich aus, dem Besuch der Waltersheimschen Verwandten zu Ehren, welchen Max vor zwei Tagen empfangen hatte. Da stand das Portrait der kleinen Durchlaucht, welches sie so sehr tnleressirt hatte, und Die Skizzen, welche sie ganztamos* und .reizend" gesunden hatten. Er kramte ein Weilchen herum, und zog endlich ein kleines Bild hervor, das er ihnen nicht gezeigt hatte, er wußte selber nicht recht warum. Es stellte das Fenster eines Dachkämmerchens im Winter dar, ein Mädchen luchle daraus hervor und fütterte einige Hpatzen, die auf Dem beschneiten Fensterbrett um»

zuges über Charlottenburg nach Berlin zum Bahnhöfe Friedrichstaße begeben, von wo Aller- Höchstderselbe um 12 Uhr 10 Min. seine Reise zu den Hofjagden bet Ohlau 2C. antrat. Die Ankunft des erlauchten Monarchen in Breslau erfolgte am Donnerstag Abend und nimmt Aller- Höchstderselbe während seines Aufenthaltes da­selbst im Königlichen Schlosse Wohnung. An diesen Kaiserlichen Hofjagden nehmen auch Se. Königl. Hoheit der Prinz Albrecht von Preußen und Se. Hoheit der Fürst von Hohenzollern, so­wie der Herzog von Ratibor und der Herzog von Ujest, der Fürst Lichnowski und der Hurst Hatz- feldt-Trachenberg und mehrere andere hochge­stellte Personen Theil. Am Freitag früh begiebt sich der Kaiser von Breslau aus mit der gesammten hohen Jagdgesellschaft mittels Sonder- zuges nach Linden und trifft daselbst um 8 Uhr 10 Min. ein, um sich sofort nach dem Rendez­vous jenseits der Haltestelle auf der Linden- Briesener Grenze zu begeben. Nach dem Schluß der Hofjagden wird Se. Majestät der Kaiser am Sonntag, den 18. d. M., früh in Berlin zurück- erwartet.

Der Bund es rath nahm den Gesetzentwurf, betreffend die Alters- und Invalidenversicherung nmtreH-.iiJ!n_ der Subcommission beantragten Aenderungen an. Im Wesentlichen laufen diese auf die Umgestaltung der Bemessung der Rente und die Beseitigung des Reichscommissars und dessen Ersetzung durch den Landescommissar hinaus. Der für den Bezirk einer jeden Versicherungsanstalt zur Wahrung der Interessen der übrigen Versicherungsanstalten und des Reiches einzusetzende Commissar soll nicht, wie im bisherigen Entwürfe vorgesehen war, vom Reichskanzler im Einver­nehmen mit den Regierungen der betheiligten Bundesstaaten, sondern von der Landesregierung im Einvernehmen mit dem Reichskanzler bestellt werden. Was dic^ anderweitige Be­messung der Rente betrifft, so schlägt die Subcommission vor, die sämmtlichen Ortschaften des deutschen Reiches nach der Höhe des für sie sestgesetzten ortsüblichen Tagelohns gewöhn­licher erwachsener männlicher Tagelöhner in fünf Ortsclassen einzutheilen. In die erste sollen diejenigen Ortschaften ein­begriffen werden, in welcher der Jahreslohn 300 Mark be­

herhüpiten. Die Idee zu dem Bildchen war ihm gekommen, als er Fräulein Friedrichsen den hungrigen Vögeln der Nachbarschaft Brodkrumen streuen sah. Uebrigens glich ihr das Mädchen auf dem Bilde gar nicht, er hatte ein Studien- köpschen dazu benutzt, was er von der Sommer­reise mitgebracht hatte. Das Bild war eigent­lich fertig, nur die Hand des Mädchens befriedigte ihn noch nicht ganz, er beschloß sie schnell noch einmal vorzunehmen. War er erst einmal ver­lobt, so wollte er lieber nicht mehr an dem Bilde malen, und es womöglich bald verkaufen. Jetzt vertiefte er stch bald ganz hinein, und unter dem Malen dachte er an Fräulein Friedrichsens Hände, Die ihm als ganz besonders hübsch und rund aus. gefallen waren. Hedwigs Hände dagegen waren schlank und sensitiv, mit übermäßig schmalen, langen Fingern, Hände, Die Einen wehmüthig stimmen konnten, denn sie sahen nach Leiden und Geduld aus. Würde es ihm gelingen, Hedwig froh und glücklich zu machen, wenn sie erst die Seine wars Er wußte doch eigentlich gar zu wenig Bescheid um ihr inneres Leben, und im Verlauf der Jahre war sie ihm so fern gerückt, daß es ihm schien, als lebe sie in einer fremDen und fernen Welt, zu der er den Weg nicht zu finden wisse. Mit dem Malen wollte es ihm bald nicht mehr gelingen, und er war herzlich froh, als es endlich Zeit war, zu Tisch zu gehen, hätte er nur Dort den Neckereien und Andeutungen der Tisch- genossen entgehen können.

Jetzt war eS Zeit, seine Besorgungen zu machen.

trägt, in die zweite die Ortschaften mit 400 Mark, in die dritte, vierte und fünfte diejenigen mit 500, 600 bzw. 700 Mark. Die Renten sollen in Theilheträgen des Jahreslohueö derjenigen Ortsclasje berechnet werden, in welcher die Ver­sicherungsbeiträge für den Empfangsberechtigten entrichtet werden. Die Invalidenrente für männliche Personen soll jährlich vierundzwanzighundertstel dieses JahreslohneS betragen und vom Ablauf der Wartezeit mit jedem vollendeten Kalen­derjahre um einen weiteren Theilbetrag des JahreSlohncö steigen und zwar in den nächstfolgenden Kalenderjahren um je 4/10, in den dann folgenden'20 Kalenderjahren um je sechs Tausendstel, von da ab um je acht Tausendstel bis zum Höchstbetrage von jährlich fünfzig Hundertstel des betreffenden Jahreslohnes. Die niedrigste Invalidenrente würde danach in der ersten Classe 72 Mark und die höchste in der fünften Classe 350 Mark betragen. Die Altersrente für männliche Personen soll jährlich vierundzwanzig Hundertstel des Jahres­lohnes betragen, also in der ersten Classe 72 Mark und in der fünften 166 Mark.

Ueber d a § T r e i b e n französischer Schmugg­ler und Wilddiebe an unserer Westgrenze wird dem B. Tgbl." von dort geschrieben:Die Zollbeamten könnten Tag und Nacht auf den Beinen sein, um den französischen Schmugglern das Handwerk zu legen. Obgleich die Steuer- Verwaltung zur energischen Ueberwachung des Schmuggels eine neue Station von vier Grenzaufsehern fast unmittelbar an die Grenze und Zollstraße von Diedolshausen gelegt hat, scheinen die Schmuggler nichts desto weniger ihr lohnendes Gewerbe weiter zu treiben. Erst kürzlich stießen wieder zwei Grenzaufseher mit einer Bande von sechzehn Mann, die durch- "weg^juit Alkoholfäßchen beladen waren, in der Dämmerung zusamnwn^aiachdem die Schmuggler eine Zeit lang läng« der Grenze vow-ffnoMschen Zollwächtern begleitet worden waren. Die deutschen BeaNnsu-ffchossen einen der Schmugg­ler nieder, worauf sie sich jedoch genörhiHt-MM, der Ueber- macht zu weichen und sich znrückzuziehen. 6a$ttrfte__weni^_ bekannt sein, daß das große Wasserreservoir bet Seewen den Schmuggel bis jetzt außerordentlich begünstigt hat. Vor einigen Tagen bemerkten einige Grenzaufseher schwarze runde Gegenstände, welche auf dem Wasser schwam­men und langsam fortgetrieben wurden. Ein Boot wurde ausgesetzt, unb bald hatten die Zollbeamten eine ganze Flottille von circa zwanzig bis fünfundzwanzig kleinen mit Alkohol gefüllten Fäßchen aufgefangen. Das heißt nun doch, den Schmuggel auf bequeme Weise betreiben. Die franzö­sischen Schmuggler setzten die Alkoholfäßchen, welche je mit zwei leeren Fässern zusammengebünden waren, auf fran-

Auf den starken Frost der letzten Tage war seit gestern Abend plötzliches Thauwetter gefolgt, und die Straßen waren so mit Glatteis überzogen, daß stch nur die Leute herauswagten, welche auf sehr sicheren Füßen standen. Maxens Handschuh­kauf wollte kein Ende nehmen, er konnte heut' durchaus kein Paar finden, welches ihn ganz befriedigte, und erst als er Die gefällige Laden­jungfer bis an Die letzten Grenzen ihrer Geduld gebracht hatte, entschied er stch für ein Paar, immer noch gegen seine bessere Ueberzeugung. Vom Laden aus führten zwei Stufen auf die Straße hinab, welche sehr glatt waren, zum Unglück gerieth der Dächsel seinem Herrn beim Hinab- steigen zwischen Die Füße, und dieser stürzte so gewaltig hin, daß ihm Hören und Sehen verging. Als er wieder ganz zur Besinnung kam, fand er sich mit heftig schmerzendem Arm auf einem Stuhl im Handschuhladen wieder, von einem theil- nehmenden Publikum umdrängt, während ihm die Ladenjungfer mit einem Glase Wasser zu Hülse eilte. Sobald er aufstand und sich zu bewegen versuchte, merkte er, daß der linke Arm ernstlich verletzt sein mußte, wenn auch nicht gebrochen, wie die Umstehenden mitleidig behaupteten. Max sah ein, daß ihm nichts übrig blieb, als zu einem ihm bekannten Arzte zu fahren, den er um diese Zeit zu Haus treffen würde. Mit Hülse der An­wesenden knüpfte er sein Taschentuch zu einer Schlinge für Den Arm zusammen, setzte sich in eine Droschke und trat bald darauf in das Warte­zimmer des Arztes ein. Dort saßen zwei Damen