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ItrsftlÄtt Kreisblatt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-ZLeilage „ILustrirtes Auterhattungsölatt".
Nr. 138. Donnerstag den 22. November 1888.
Amtliches.
Hersfeld, den 19. November 1888.
Von dem Kunstinstitute A. O. Troitzsch in Berlin, Potsdamerstraße Sir. 23, ist ein Bildniß Seiner Majestät des Hochseligen Kaisers und Königs Wilhelm in farbigem Lichtdrucke nach dem Gemälde von Gustav Richter vervielfältigt worden, welches 1,05 m hoch, 0,85 m breit ist, und zu dem außerordentlich billigen Preise von 11,50 M. einschließlich Glas und Nahmen ge- liefert wird. Diejenigen Gemeinden des Kreises, für deren Schulen ein solches Bild noch nicht angeschafft ist, werden auf die oben bezeichnete Bezugsquelle hierdurch aufmerksam gemacht.
11246. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Uolitische Nachrichten.
(Deutschland.) Ueber die am Montag stattgehabte Vereidigung der R e k r u t e n der Potsdamer Garnison in Gegen- wartSr. MajestätdesKatsers bringt die „Nordd. Allg. Ztg." folgenden Bericht:
„Se. Majestät der Kaiser und König war mit Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin nach 9 Uhr vom Marmorpalais nach dem Stadtschlosse von Potsdam gefahren, um dort die schwedische Marinedeputation zu empfangen. Nachdem dies geschehen, fuhr der Kaiser, der die Uniform des i. Garderegiments zu Fuß und Band und Stern des Schwarzen Adlerordens angelegt hatte, nach der Garnison-Kirche, stieg vor derselben aus und erwartete hier den Anmarsch der Fahnencoinpagme des 1. Garderegiments z. F. vom Schlosse her. Die Compagnie war in Paradeuniform und trug die Blechmützen. Das Fahnencommando des 1. Garderegiments z. F. wurde vom Lieutenant von Bismarck- Bohlen geführt, das Garde-Jägerbataillon von Lieutenant v. d. Lancken.
Der Kaiser ließ die Fahnencoinpagme vorbeimarschiren und begab sich dann in die Garnisonkirche. In seiner Umgebung befanden sich der General-Feldmarschall Graf Blumenthal,
Ein Pechvogel.
Erzählung von L. F. Born. (Fortsetzung.)
Des DächselS Knurren erweckte ihn, die Lampe war ausgegaugen, und als er die Augen ausschlug, sah er das Zimmer nur durch einen ungewohnten, matten Lichtschein erhellt, der schnell wieder erlosch. Ein sonderbar beängstigendes Gefühl lag aus ihm, er rieb sich die Augen und streckte sich, gewiß hatte er im Fieber geträumt, und der Dächsel ebenfalls — der Lichtschein war nur eine Täuschung gewesen. Jetzt wollte er stch niederlegen und tastete nach seinem Feuerzeug umher. Suchend trat er anS Fenster, und blickte auf einen Augenblick hinaus. Es stand Mondschein im Kalender, aber es war trotzdem so dunkel, daß man die Gegenstände draußen schwer unterscheiden konnte. Schwarz und nestg, recht wie ein verwunschenes Schloß, lag die Villa Friedrichsen da. Was war Das? Wieder der Lichtschein, — und diesmal sah Max ganz deutlich, daß er von einer Blendlaterne unten im Frtedrlchschen Garten verrührte, die schnell wieder verdunkelt wurde. Diese Wahrnehmung toteste ihn gründlich auf, seine Sinne nahmen plötzlich eine ungewohnte Schärte an, und siegreich drangen seine Augen durch Nebel und Dunkelheit. Er sah, daß das Parterresenster der Villa offen stand, — und daß eine dunkle Gestalt eben tm Begriff war, tn dasselbe von außen hlnemzukrtechen. Eine zweite Gestalt erschien oben auf per Mauer, welche den Garten von der Straße
der commandirende General des Gardecorps Frhr. v. Meer- scheidt-Hüllessem, die directen Vorgesetzte», der Kriegsminister Bronsart von Schellendorff, der Chef des Generalstabs der Armee Graf Waldersee, Generallieutenant v. Hahnke, der Chef der Admiralität Graf Monts. Der Kaiser mit seiner Umgebung, in die auch die schwedische Marinedeputation eingetreten war, begab sich in den Königlichen Kirchenstuhl, dem Altar gegenüber. Vor dem Altar hatte das Fahnencommando je zu zwei Fahnen Aulstellung genommen, in den Kirchenmihlen rechts und links die zu vereidigenden Rekruten des 1. Garderegiments und des Garde-Jägerbataillons. In dem oberen Königlichen Kirchenstuhl hatte das Ofsiciercorps der Potsdamer Garnison Platz genommen, auf den Emporen Deputationen sämmtlicher Regimenter. Die Altarrede hielt Garnisonprediger Dr. Rogge über die Textworte 2. Epistel Pauli an Timotheum, Cap. 1, Vers 7: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht." Er wendete diese Textes. Worte auf die Pflichten des Soldaten an.
Der Eid wurde den Mannschaften vom Lieutenant von Plüskow II. vorgesprochen, zuerst den Preußen, dann den Elsaß-Lothringern, darauf den Braunschweigern für den Prinz-Regenten und den übrigen deutschen nichtpreußischen Mannschaften für ihren betreffenden Landesherren und wurde von den Mannschaften unter Nennung ihres Namens unisono nachgesprochon. ES ivar das erste Mal, daß der oberste. Kriegsherr der Vereidigung von Truppen beigewohnt hat. Als Commandeur des Leib-Garde-Husaren-Regiments war Prinz Wilhelm bei dieser Feier zugegen gewesen, auch in der katholischen Kirche, die zugleich Garnisonkirche ist. Wie der Eidesleistung in der evangelischen Garnisonkirche, wohnte der Kaiser der gleichen Feierlichkeit für die Katholiken in der katholischen Kirche bei. Von der Garnisonkirche marschirte die Fahnenkompagnie mit den Fahnen nach dem Bassinplatze vor die Kirche. Dann kam der Kaiser im offenen Wagen und ließ die Fahnen vor sich nach der Kirche vorbeimarschiren. Am Portale der Kirche wurde er vom Erzpriester Beyer und dem Gemeinde- und Kirchenvorstand empfangen und nach dem Presbyterium geleitet. Die Kanzelrede hielt Erzpriester Beyer über Gebot zwei über Bedeutung und Heiligkeit des Eides, und namentlich des Fahneneides, für dessen erhöhte Bedeutung er den Mannschaften die Anwesenheit ihres Allerhöchsten Kriegsherrn vorführte. Die Eidesleistung geschah in derselben Weise wie in der Garnisonkirche, nur daß keine katholischen Braunschweiger da waren, an ihrer Stelle Bayern. Von der katholischen Kirche begab sich der Kaiser nach dem Marmorpalais zurück.
schied, und ließ stch jetzt hinab, um wie es schien, denselben Weg inS Haus durch daS Fenster zu nehmen. — Im Nu hatte der Maler seine Pistolen von der Wand gerissen und unter den verbundenen Arm geklemmt, bann ergriff er den Hausschlüssel und stürzte die Treppen hinunter. Er riß au jeder' Schelle, an der er vorbetkam und schrie aus vollem Halse: »Diebe — Diebe I" während der Dächsel mit wüthendem Gebell hinter ihm drein stürmte. Er wartete nicht auf Hülfe, und überlegte nicht, wie gewagt es war, den Kampf mit den Dieben allein, und zwar mit einem Arm aufzunehmen. Leicht gelang es ihm, stch über das niedrige Gitter zu schwingen, welches die Gärten trennte, und so- bald er stch dem Fenster näherte, sprang ihm eine der Gestalten mit einem großen Sack auf der Schulter entgegen. Vor dem Geschrei und der Pistole machten sie Halt, klirrend fiel der Sack zu Boden, und der Dieb versuchte seitwärts auszu- weichen. Der Maler vertrat ihm den Weg, und schon machte er Miene, sich zu ergeben, da sprang der Zweite zum Fenster hinaus, und stürzte stch auf den Angreifer, einen schweren Knittel in der Hand. Jetzt drückte der Maler los, der Schutz streifte den Ersten und verwundete ihn leicht, zu- gleich wurde er vom Hunde mit Grimm attaquirt, so daß es Max für den Augenblick nur mit dem Zweiten und feinem Kutttel zu thun hatte. Ein kurzer Kampf folgte, und hätte er beide Arme gebrauchen können, so würde er den Menschen ohne Zweifel schnell überwältigt haben. So aber unter- lag er nur zu bald, sein Gegner packte ihn an der
Der Bezirkstag für U n t e r e l s a ß, welcher am Montag zusammentrat, beschloß auf den Antrag des Alterspräsidenten Dommel einstimmig, ein Huldigungstelegramm an Se. Majestät den K a i s e r zu richten.
Aus Pola wird dem „D. Tgbl." berichtet: Das d e u t s ch e G e s ch w a d e r ist am Montag Morgen nach Fiume abgegangen. Der Chef desselben, Kontreadmiral Hollmann, gab Sonntag Vormittag auf der Kreuzerfregatte „Stosch" ein Dejeuner, an welchem Erzherzog Stefan, der Militärattache bei der deutschen Botschaft in Wien, Major v. Deines und die Spitzen der hiesigen Behörden theilnahmen. Abends fand im Militärcasino eine kameradschaftliche Vereinigung statt, welcher Erzherzog Stefan, sämmtliche Admirale und dienstfreie deutsche und österreichische Seeofficiere sowie viele andere Officiere beiwohnten. Gleichzeitig fand in einem hiesigen Hotel eine kameradschaftliche Zusammenkunft der beiderseitigen Deckunterofficiere statt.
Se. Katserl^Hoh. der Großfürß Oren- folget von Rußl a nd trifft auf der Rückreise von Kopenhagen am 21. d. Mts., Abends 8 Uhr 40 Mtn. in Berlin ein und nimmt im russischen Lotschaftshotel Wohnung In seiner Begleitung befinden sich der General Richter und Oberst Graf Schuwaloff. Die Weiterreise nach Petersburg Dürfte voraussichtlich am nächsten Tage erfolgen.
Auf Vorschlag der Subcommtssion ist seitens des Bundesraths in den ihm zur Beschlußfassung von den Ausschüssen vorgelegten Entwurf betreffend die Alters- und Jnvaltdenver- sicherung ein neuer Paragraph eingeschaltet worden. Demselben zufolge ist, sobald stch im Laufe deS Verfahrens bet Feststellung der Invalidenrente Zweifel darüber ergeben, ob nicht die Erwerbsunfähigkeit durch einen nach den Unsall- versicherungsgesetzeu zu entschädigenden Unfall verursacht worden sei, dem die Rente beantragenden
Kehle und versetzte ihm einen heftigen Schlag auf den Kopf. Schon halb betäubt hörte er um sich her ein lautes Rufen, Menschen eilten herzu, — aber die Hülse kam zu spät für ihn, der Knittel saüste noch einmal hernieder, und nahm ihm die Besinnung. Und damit hatte der große Unglückstag für ihn ein würdiges Ende erreicht — in derselben Stunde, die ihn zum glücklichen Bräutigam hatte machen sollen, wurde er von den entsetzten Nachbarn für todt aufgehoben, gefallen in der Vertheidigung von nicht« Geringerem als Herrn Friedrichsens Münzensammlung.
Aber Max hatte schon öfter bewiesen, daß er mehr Widerwärtigkeit vertragen konnte, als die meisten andern Menschen, und so erwachte er allmählich wieder zu theilwelsem Bewußtsein, freilich mit sehr unangenehmen Empfindungen. Sein Kops schien vor Schmerz in Stücke zu gehen und er glaubte stch an eine seltsame Marterbank angeschmiedet, von der er sich vergeblich loszumachen suchte. Dazwischen schlief er und träumte das tollste Zeug: Er war auf dem Ball und tanzte mit Hedwtg, aber immer schien ste seinen Armen zu entschweben, umsonst suchte er ste sestzuhalten, er stürzte ihr nach ins Gewühl, das wie Wahn- finnig um ihn herum tanzte, aber vergebens. Zuletzt war sie ganz verschwunden, die Tänzer zerstreuten sich, er stand ganz allein, und hatte eine riesige Schachtel mit todten Blumen im Arm. Danach kämpste er mit den Räubern, welche keinen Sack, sondern Fräulein Friedrichsen auf den Armen megzuschleppen suchten, und dann malte