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Hersfeldel Krtisblett.

__________Mit wöchentlicher KraLis-AeikageIllustrirLes Zluterhattungsölatt".

Nr. 143. Dienstag den 4. Dezember 1888.

Monnements-Zinladung.

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HersfeLder KreisMatt

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Amtliches.

Hersfeld, den 29. November 1888,

Der Maurermeister Andreas Brandau und der Mühlenbesitzer Ludwig Schwalm, beide zu Sieglos, sind heute als Ortsschätzer dieser Ge­meinde bestellt und eidlich verpflichtet worden.

12074. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Bekanntmachung.

Zur Vermeidung von Contraventionen werden die Gewerbetreibenden darauf aufmerksam gemacht, daß auf Grund von § 2 der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 30. October 1884 nach­stehend aufgeführte Gewichtsstücke nach dem 31. Dezember 1888 im öffentlichen Verkehr nicht mehr zulässig sind:

1) Eiserne Gewichtsstücke zu 20 Pfund in Bombenform.

2) Eiserne Gewichtsstücke unter 10 Kilogramm mit fester Handhabe statt des vorgeschriebenen Knopfes.

3) Eiserne Gewichtsstücke mit beweglichen Hand­haben, Ringen und dergleichen.

4) Eiserne Gewichtsstücke in Cylinderform mit Justirhöhlung an der Bodenfläche.

Das leidige Geld.

Erzählung von Hermann Frank.

(Fortsetzung.)

Und sparen, sparen, sparen," fiel Thekla lachend ein,das sagst Du täglich. Ich finde es langweilig."

Das hübsche Mädchen warf einen neuen Blick in den Spiegel, dann tänzelte sie trällernd zur Thür hinaus.

In dem nämlichen Augenblicke rief Härtung aus dem Nebenzimmer:Die Guste soll mir eine halbe Flasche vom Grüngesiegelten bringen I"

Die Gattin neigte seuizend das Haupt.

Eine halbe Stunde später saß die Familie beim Mittagsmahl. Niemand sprach ein Wort, jedes hing seinen Gedanken nach. Erst als der Kaffee ferbtet wurde, unterbrach Härtung das Schweigen, indem er, einen Bries hervorziehend, zur Gattin äußerte:Meine Schwester hat mir geschrieben und zu meinem Geburtslage gralulirt."

Der Glückwunsch kommt sehr post festum,* bemerkte Thekla schnippisch.Ich muß gestehen, Tante Frieda besitzt wenig seine Art."

Sagen wir lieber," korrigirte die Mutter,ste ist seit jener Zeit, wo ste sich mit dem Papa entzweit, sehr unaufmerksam."

Entzweit," griff der Letztere auf,ich habe mich ja gar nicht mit ihr entzweit. Wir haben uns ein wenig gezankt, das ist alles."

Die Gattin unterdrückte, auf Thekla blickend, tipe Bemerkung.

5) Gewichtsstücke in Gestalt vier- oder acht- seitiger Prismen.

6) Gewichtsstücke in Gestalt abgestumpfter sechs­seitiger Pyramiden.

7) Gewichtsstücke aus Messing und verwandten Legirungen in cylindrischer Form ohne Knopf, sowie solche von 200 Gramm abwärts in cylindrischer Form mit Knopf, bei denen aber die Höhe des Cylinders gleich dem Durchmesser oder größer als der letztere ist.

8) Gewichtsstücke aus Messing und dergleichen VSN witrf.lfnnm^r iLestalt, sowie in Gestalt von ebenen oder gebogenen Platten.

9) Cylindrische Gewichte zu 72 Pfund, bei denen die Höhe des Cylinders kleiner ist als der Durchmesser derselben.

10) Alle Gewichtsstücke zu 5 Pfund, und alle solche Gewichtsstücke unter 10 Pfund, welche nach Centner bezeichnet sind, sowie alle Ge­wichtsstücke unter 7« Pfund, welche nach Pfund bezeichnet sind.

Cassel, den 12. November 1888.

Königliche Aichungs-Jnspection für die Provinz Hessen-Nassau: gez: Meyer.

« Schwarz in Schwarz.

Man muß schon auf die berüchtigte Rede Bebels zurückgehen, in der er bedingt den Fürsten­mord vertheidigte, um aus den Ereignissen der letzten Jahre etwas zu finden, was für die Agi­tation der deutschen Socialdemokratie so charac- teristisch wäre, als die Etatsrede des Abgeord­neten Liebknecht vom letzten Mittwoch. Daß die Rede nicht für den Reichstag bestimmt war, son­dernzum Fenster hinaus" gehalten wurde, ver­steht sich vorweg von selbst. Schwarz in Schwarz malte der Abgeordnete die Zustände in Deutsch­land : die auswärtige Politik bald aufreizend,

Das Töchterchen hatte inzwischen den Inhalt des Brieses überflogen und meinte, daß er äußerst kalt geschrieben sei.

Apropos," fuhr sie, zum Vater gewandt, fort, mein Taschengeld ist zu Ende."

Schon ?" gab Härtung überrascht zurück.Das geht ja mit Dampf. Du solltest etwas haus­hälterischer zu Werke gehen."

Puh," rief Thekla mit komischem Entsetzen, Mama hat Dich mit ihrem Sparsystem ange- steckt! Ich weiß ja. Du bist sonst nicht so, Väterchen, Du machst Deinen Kindern gern eine Freude."

Schmeichelkatze," lachte Härtung, sich den Lieb­kosungen des Töchterchens entziehend, das nunmehr graziös die Hand hinhielt, um das neue Taschen­geld in Empfang zu nehmen. Der freigebige Papa erhielt bafür einen Kuß der Dankbarkeit, woraus Thekla aus dem Zimmer hüpile.

Härtung sah ihr vergnügt nach, und indem er den Rauch seiner Havanna in die Luft blies, fühlte er, daß er ein glücklicher Vater sei.

Die Gattin entriß ihn jedoch seiner behaglichen Stimmung, indem sie wieder aus Tante Frieda zu sprechen kam, die auf einem Landsitze nahe der Residenz lebte. Die reiche Wittwe, deren Gatte in Amerika zu namhaftem Vermögen gelangt war man schätzte dasselbe auf eine Viertelmillion bildete in der Hartungschen Familie gewissermaßen den Hort, auf welchen man sein Hoffen für die Zukunft setzte. Frieda S t e r n a u war kränklich und die Aerzte prophezeiten ihr kein langes Leben;

bald kriecherisch, stets beunruhigend, das Volk mit Steuern überbürdet, seufzend unter eisernem Drucke, die wirthschaftlichen Verhältnisse im vollsten Niedergänge, das Reich im Innern mit Gewalt zusammengehalten, die in Elend ver­sinkenden arbeitenden Klassen mit dem Zucker­brode einer verbesserten Armenpflege, die sich Socialreform nenne, abgespeist, kurzum allge­meine Brandung, aus welcher als sicherer Fels für die Rettung der Cultur nur die Social­demokratie emporrage!

Es giebt wohl Vieles noch im deutschen Reiche zu bessern. Dahin gehört aber ganz besonders auch der gerade in der Rede Liebknechts hervor­tretende nihilistische Zug der socialdemokratischen Agitation, die Zustände trostlos darzustellen und jede Hoffnung auf Besserung schwinden zu machen, weil nur dann Hoffnung ist, daß die Menge sich den Verlockungen der Umsturzpartei willig erweist.

Und wie liegen denn die Dinge in Wirklichkeit? Ist das eine schlechte auswärtige Politik, welche uns 18 Jahre lang unter den allerschwierigsten Verhältnissen den Frieden erhalten und beschirmt hat, welche den Gegenstand des Neides für an­dere Nationen bildet? Nach Liebknecht sind alle vernünftigen Franzosen darin einig, Krieg führen heiße die Republik vernichten, Deutschland sei aber nur deshalb Frankreich feindlich gesinnt, weil dort die Republik eingeführt sei. Ein größerer historischer Unsinn wir finden kein anderes Wort läßt sich kaum denken. Unsere Politik hat niemals die Franzosen in ihrer republikanischen Staatsreform gestört, beneidet allerdings auch nicht. Jeder verständige Deutsche wird dem Minister von Bbtticher und dem Abg. von Bennigsen beistimmen, wenn sie die Klagen Liebknechts darüber, daß die Initiative von 1848 gescheitert und das Reich nicht großdeutsch und demokratisch von unten auf errichtet sei, vielfach

in letzter Zeit hatte sich ihr leidender Zustand derart verschlimmert, daß sie nicht mehr das Zimmer verlassen konnte. Man mußte sich auf eine Catastrophe gefaßt machen.

Peter Härtung liebte seine Schwester, und die Thränen, welche er bet der Nachricht von ihrem Ableben voraussichtlich vergießen würde, waren echt und kamen vom Herzen. Aber er war auch der Mann, der sich in das Unvermeidliche zu fügen wußte und außerdem keinen Augenblick vergaß, daß der Tod der Schwester ihn allen Sorgen entriß und zu einem reichen Manne machte. Besaß Frieda doch keinen anderen Blutsverwandten als ihn, und schon feit Jahren hatte sie den Bruder in ihrem Testament zum Universalerben bestimmt. Die Verwandten ihres seligen Eheherrn sollten nur mit kleineren Legaten bedacht werden, mit Ausnahme einer Schwester Sternaus, welche der­selbe zärtlich geliebt. Für sie hatte der Erblaffer ene besondere Verfügung hinterlassen, die aber kaum in Kraft trat, da Emilie Sternau ver­schollen war. Als der Bruder dem deutschen Vaterlande den Rücken gekehrt, um jenseits des Oceans fein Glück zu suchen, hatte die Schwester gleichfalls die Heimath verlaffen. Sternau erfuhr nie wieder etwas von ihr und betrauerte sie als eine Frühverstorbene; für alle Fälle aber bedachte er sie in seinem Testament.

Umso größer gestaltete sich für die Erben die Ueberraschung, als Tante Frieda kurz nach ihrer Entzweiung mit Bruder Peter mit der Nachricht hervortrat, daß die Schwester ihres