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Herssesifer ^rrisblntt
Mit wöchentlicher HraLis-AeLlage „Illustrirtes UnLerhalLungsötaLL".
Nr. 145.
Sonnabend den 8. Dezember
1888.
Zweites Blatt
Mus HMen-Kassau.
Hersfeld, 7. December. Wie in indischen Blättern berichtet wird, sind die Begleiter des verunglückten Landgrafen von Hessen zum Theil wieder in Batavia angekommen, um Nachforschungen darüber anzustellen, ob die Leiche vielleicht an einer der Inseln des Archipels ange- spült worden ist.
Hersfeld, 7. December. In einzelnen Orten Kurhessens und im benachbarten Thüringen sind falsche Geldstücke ausgeiaucht. ES sind meist falsche Markstücke und in einzelnen Fällen sogar nur Zehnpfenn'astücke, die zur Ausgabe gelangten.
Hersfeld, 7. December. v. Ap ell, Haupt- mann ü la suite des 3. Hess. Jnf.-RegtS. Nr. 83 und commandirt zur Wahrnehmung der Geschäfte als Flügeladjutaut des Fürsten zu Walbeck und Pyrmont Durchlaucht, zum Flügeladjutanten Seiner Durchlaucht des Fürsten zu Watdeck und Pyrmont ernannt.
* Hersfeld, 7. December. In der am 5. d. Mls. fiatlgefunbenen Sitzung der Strafkammer Königlichen Landgerichts zu Gaffel wurde die Tage- löhnerin Eltfe Stecket von hier wegen des am 26_ October in einem hiesigen Laden verübten Diebstahls zu einer Zuchthausstrafe von 2 Jahren verurtheilt, außerdem wurden ihr die bürgerlichen Ehrenrechte am weitere 2 Jahre abgesprochen und die Zulässtgkelt der Polizeiaufsicht anerkannt.
Homberg, 4. December. Der vorhinnige Reclor Schreiber von der hiesigen Reclor-
schule ist in vergangener Woche zu Zertz gestorben, seit 1883 pensionirt. Als pädago-
Schreiber war 1
Bischer Schriftsteller ist er auf verschiedenen Ge
bieten thätig gewesen.
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„Ach", erwiderte der Gast, graziös den kleine Schnurrbart drehend, „so schlimm ist auch hat man ja den' Abend erholt man st
„Im Winkel ja," fiel Magda ein, „aber im
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Theater —
Sommers
„Da spricht man bei lieben Freunden vor, die einen hübschen Garten haben," antwortete der junge Mann, indem er Mutter und Tochter die Hand küßte.
„Aber bet uns wird es Ihnen einsam sein, meinte Frau Rüdiger, „Sie bewegen sich viel in Gesellschaft."
„Wenn der Winter zu Ende ist, wird man gesellschaftsmüde und sehnt sich nach Einsamkeit und Ruhe. Ein Stündchen bet Ihnen, in Ihrem reizenden Garten, geht mir weit über alle gesellschaftlichen Genüsse. Apropos, wissen Sie schon, daß Jordans den gloriösen Entschluß gefaßt haben, in nächster Zeit ein Gartenfest mit italienischer Nacht zu veranstalten?"
„Alice verrieth es mir," entgegnete Magda vergnügt: „Ich treue mich wie ein Kind darauf."
„Es mag dem Keinen Wildfang Mühe genug gekostet haben, den Vater dazu zu bewegen," ve- merkte Frau Rüdiger, mit Magda den Thee servirend, welchen die Dienerin soeben gebracht.
,DstS glaube ich auch, stimmte der Referendar
| Rothwesten, 3. December. Vorgestern Abend wurden die hiesigen nach dem Häuschenberg zu wohnenden Bewohner durch einen Hellen ^euer« schein, der in der Richtung nach dem Gute Winler- büren bemerkbar war, erschreckt. Man meinte nichts Anderes, als die dortige große Scheune oder eine der dort auf dem Felde stehenden Strohpansen stehe in Brand. Schnell eilte man, mit den verschiedensten Löschgeräthschaften bewaffnet, nach Winterbüren. Je näher man dem Gutshose kam, desto mehr überzeugte man sich, Daß es im freien Felde drenne. Schnell also nun auf die Brandstätte los. Dunkle Gestalten huschten hin und her, die verschiedensten Bewegungen auSlührend. Ein großer eigenthümlich gestalteter Gegenstand war gleichsam der Ausgangspunkt und Zielpunkt der Gestaltn. Doch wunderte man sich, daß N.emand Hand anlegte, das Feuer zu löschen, im Gegenthe l bemerkte man ganz erstaunt, daß das Feuer immer neue Nahrung erhell. Endlich war man an Ort und Stelle und da entpuppte sich denn der große Brand, der die Rothwester so er. ichreckt hatte, als eine eigenartige Beleuchtung für die Zuckerrüben auiladenden Arbeiter Winterbürens. Dieselben hatten nämlich, um bet dem Austaden besser sehen zu können, das Stroh, nut welchem die Zuckerrüben bedeckt waren, um sie vor Kälte zu schützen, angezündet und freuten sich über Die ebenso praktische wie schöne Beleuchtung, natürlich aber auch über Die Löschapparate der Rothwester.
Gewänden, 30. November. In der Nähe von Armiern kam Nachts e ne Schafheerde aus ihrem Pferch und gelangte auf den Bahnkörper. Durch den alsbald von Schweinfurt kommenden und diese Strecke passirenden Lahnzug wurden ca. 20 Stück getödtet.
Rinteln, 1. December. Aus Gr. Varlingen b. Swlzenau erzählt die „Schaumburger Ztg.': Auf einem hiesigen Hofe höhnte kürzlich ein kräitiger
Bursche über die geringe Kraft des dortigen we?v- »^^^|i^^|j|^^^ter■n«^■S■1^«^^■■ST?^lTS^^^^ aw^wiy^1 in.» uuui ^ütkll —
" Aie beurtheilen Jordan falsch," entgegnete ötuu mUdiger, „er scheut weder die Menschen,
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versetzte zweifelnd der Referendar, „ich weiß doch nicht — jedenfalls hat er ganz seltsame Launen, Die an der Misantropie nicht weit vorüberstreifen."
„Kennen Sie Jordans Vergangenheit
„Nein."
„Sie ist der Schlüssel zu seinem anscheinend wunderlichen Charakter."
„Mama hat Recht," betheuerte Magda, „das Schicksal schlug dem armen Manne tiefe Wunden."
„Jordan," nahm Frau Rüdiger ihre Steoe'^er ant, „war, wie Ihnen bekannt fein wtri-,^Ja. genieur. Aber in ferner Jugend floh ihn das Glück, und trotz alles Streveus und Fleißes kam er nicht vorwärts, sondern immer mehr in seinen finanziellen Verhältnissen zurück. Eine frühe Heirath erschwerte ihm den Kampf um die Existenz, und zu der schweren Sorge gesellten sich noch Krankheiten in der Familie. Die Noth erreichte einen ungeahnten Höhegrad, und vielleicht rüttelte gerade dieser Jordans Energie mächtig auf. Er entschloß sich, mit Wem und K-ndern die tzetmath zu verlassen, und trotzdem er recht wohl wußte, daß tzunoerltausende jenseits d.s Oceans zu Grunde gegangen waren und nur ein kleiner Bruchtheil zum ersehnten Ziele gelangte, so wanderte er dennoch nach Amerika aus, Seitdem er den Boden der neuen Welt unter sich hatte,
lichen Gesindes und nahm dann die Aufforderung zu einem Rmgkamps von einer der anwesenden Dorsschönen an. Er hatte sich jedoch getäuscht, denn nach einigen Secunden fühlte er sich so kräftig zu Boden geschleudert, daß er ernstere Quetschungen erlitt und sofort ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen mußte.
Vrrmischtes.
— Hannover, 5. December. Heute Morgen wurde in Leiserde der Aufkäufer und Fuhrmann Lutter Busse mit eingeschlagenem Schädel im Bette gefunden. Busse schlief in der Kammer im Pferde- stall allein. Die Frau fand ihn dort todt. 600 Mark sind geraubt. Der Ermordete wollte heute nach Braunscheig, um Stroh und Heu zu kaufen. Derselbe, ein fleißiger und ehrbarer Mann, war nicht wohlhabend und hinterläßt Frau und mehrere Kinder. Der Thäler ist noch nicht ermittelt, Derselbe muß die Hausgelegenheit gekannt haben. Das Haus liegt ifolirt vor dem Dorfe. Unter der Einwohnerschaft herrscht große Aufregung.
— Erfurt, 3. December. Auf dem Ritter- gute des Herrn Amtmann Jänsch zu Gebesee brach vergangene Nacht in einer Scheune Feuer aus, das mit colossaler Schnelligkeit um sich griff. Bald standen 5 Scheunen und einige Ställe, sowie zwei Scheunen benachbarter Gehöfte in Flammen. Die Hitze war eine so intensive, daß die Rettungs- arbeit Der zahlreich erschienenen Feuerwehren sehr beeinträchtigt wurde. Das Vieh konnte, wenn auch mit Mühe, gerettet werden. Viele Getreide- vorräthe, landwirthschaftliche Maschinen und Ge- räthe gingen verloren. Mit der größten Scheune verbrannten allein 8000 Schock Weizen. Im ganzen brannten 7 Scheunen und einige Stalle nieder. Man vermuthet Brandstiftung.
— Im Krankenhause zu F ü r t h verstarb Montag morgen Die junge mi’ifhp i?™ ^"7 ^".'-»^—^-^«-
klammerte sich das Glück an seine Fersen, alle feine Unternehmungen schlugen ein und wenige Jahre später war er mehr als ein begüterter Mann. ^Gleichwohl ließ das Schicksal mit seinen harten Schlägen nicht nach, ihn zu verfolgen. In einer einzigen Nacht raffle das Scharlachsteber feine vier Kinder hin, uns die Mutter, Deren Herz im Schmerze brach, folgte ihnen bald nach. Nun stand Joroan allein in Der Welt, — ein armer reicher Mann. Der Schwergebeugte stürzte sich in die tollsten Spekulationen, nur um seinen wüthenden Schmerz einigermaßen zu betäuben — und sie gelangen über alles Erwarten und machten den trauernden Gatten und Vater zum Millionär. Zu Dieser Zeit lernte er Ihren Onkel Sternau kennen, Herr Referendar, dem das Glück in der Fremde gleichfalls gelächelt hatte. Beide Männer schloffen Freundschait, und als das Sternausche Ehepaar sich anschickte, nach Europa zurückzukehren, folgte Jordan ihrem Beispiele. Der Abschied von den theuren Gräbern fiel ihm schwer, nicht aber von dem Lande, in welchem er feine Lieben verloren. In der deutschen Heimathstadt ließ er sich dauernd nieder, und den zweiten Bund, Den er hier fürs Leben schloß, brauchte er nicht zu bereuen; Gott schenkte ihm eine treuliebende Gattin und ein herziges Kind. Wenn trotzdem düstere Stimmungen Jordan heimsuchen, so sind sie aus seine vereinstigen schweren Verluste zurückzuführen, die er noch immer nicht zu verschmerzen vermag. Misanthrop ist er aber nicht, denn er liebt die Menschen und benutzt seinen Reichthum zu Werkest