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Die JnsertionSgerührm

Herchliin Kreisbliitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIllustrirtes NuLerhattungsölatt".

Nr. 150. Donnerstag de^ 20. December 1888.

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Mit dem 1.Januar beginnt'ein neues Abonne­ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage JllustrirtesUllteihLltmigs-Blatt."

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Die Expedition.

Amtliches.

I. Bedingungen

zur Aufnahme von Kranken in das Hessische Diakonissenhaus.

1) Kranke ohne Unterschied der Religion und Consission werden ausgenommen, ärztlich behandelt uud treu verpflegt.

2) Von der Ausnahme sind ausgeschlossen: Krätze, Ge­schlechts-, Pocken-, Cholera, Flecktyphus, und Geisteskranke, sowie Sieche. Etwaige Ausnahmen bestimmt der Vorstand.

3) Die Pflege in der Anstalt soll in der Regel die Dauer eon 3 Monaten nicht übersteigert.

4) Der Aufnahme muß, dringende Fälle ausgenommen, eine schriftliche oder mündliche Anmeldung vorausgehen, widrigenfalls der Kranle wegen Mangels an Raum oder, auS anderen Gründen zurückgewiisen werden könnte,

Das leidige Geld.

Erzählung von Hermann Frank. (Fortsetzung.)

Alle Bemühungen, das Geld wieder zu erhalten, blieben resultatlos, selbst die Verheißung einer namhaften Belohnung fruchtete nichts. Härtung war zwar anfangs außer sich, fügte stch aber bald in das Unabänderliche, trotzdem ihm der Verlust nachging und er stch durch ihn genöthigt sah, das bis dahin intakte Vermögen seiner Frau anzu- greisen.

Es war natürlich, daß er jetzt, wo die Sorgen ihn übeiflutheten, wehmüthig jenes Verlustes gedachte, wennschon der Besitz jener Summe ihn vor dem, was naturgemäß kommen mußte, nicht zu bewahren vermochte.

Der Tag erschien, wo das unerbittliche Schick­sal hart und ehern an die Pforte seines stillen Heims klopfte, uud zwar in der Gestalt des .Gerichtsvollziehers, der das gesammte Mobiliar pfändete und jedem einzelnen Stück das amtliche Siegel ausdrückte.

»Morgen über acht Tage findet die Versteigerung statt," äußerte er nach Beendigung seines trau­rigen Geschäfts. »Sie haben zur Befriedigung der Gläubiger noch eine Woche Zeit. Ist diese verstrichen, ohne daß ich Coutreordre erhalte, so hole ich die Pfandstücke ab."

Nach diesen Worten empfahl er sich. In dumpfem Hinbrüten saß die Familie da.

,., DaS leidige Geld!...

5) Die Aufnahmegesuche sind an die Frau Oberin des Diakonissenhauses zu richten und sind zu begleiten:

a. von einem Zeugnisse des bisherigen ArzteS des Kranken ;

b. von einem Garantieschein über die Zahlung der Pflegekosten.

6) für ärztliche Behandlung durch den Anstaltsarzt, Arznei und Verpflegung werden für jeden angefangenen Tag berechnet:

III. Cl. Pflege in den Krankensälen pro Tag.....1,25 Mark,

II. Cl. 2 Kranke in einem Zimmer pro Tag ..... 2,50

I. Cl. Einzelzimmer pro Tag . 4

Wein und natürliche Brunnen sind bei den Kranken I. und II. Classe in obige Pflegesätze nicht einbegriffen. Für größere Operationen haben die Kranken dieser beiden ersten Classen den Hausarzt besonders zu honoriren.

Die Ausnahmen von obigen Pflegesätzen bestimmt der Vorstand.

7) Kinder unter 10 Jahren zahlen für den angefangenen Tag 50 Pf., resp, die Hälfte der Sätze der I. u. II. C>.

8) Für die Mitglieder der Krankenkasse deS Diakonissen- Hauses und des Dienstboten-Abonnement treten die in dem Reglement angegebenen Ermäßigungen der Pflegesätze ein.

^.Bedingungen

für daS Dienstboten-Abonnement in dem Hessischen Diakonissenhaus bei Cossel.

DaS Hessische Diakonissenhaus eröffnet zur Pflege er- krankter Dienstboten ein Abonnement unter folgenden Be­dingungen:

1) Das Abonnement lautet auf den Namen der ver­sicherten Dienstboten und geht bei Dienstwechsel aus die nachfolgenden Dienstboten über,

2) Der Preis beträgt 3 Mark jährlich für eine Person, für jeden weiteren Dienstboten derselben Herrschaft 2 Mark mehr,

3) Dafür wird im Erkrankungsfalle der Versickerte in das Diakonissenhaus ausgenommen und bekommt alles, was er während der Dauer der Krankheit bedarf.

4) Doch darf die freie Pflege nicht länger als 10 Wochen beansprucht werden. Nach dieser Zeit ist das gewöhnliche Pflegegeld von 1,20 Mark pro Tag zu entrichten.

5) Die Aufnahme erfolgt nur aus Grund eines ärztlichen Zeugnisses, sei es deS Hausarztes der betreffenden Familie ' oder des Arztes des Diakonissenhauses.

I 6) Von der Ausnahme sind ausgeschlossen: Krätz-, Ge­

Frau Härtung war die Einzige, welche sich auf. raffte. Sie wollte die Gläubiger um Nachsicht bitten. Es waren schwere Gänge, die ste unter­nahm. Sie fürchtete nicht mit Unrecht, harte Worte zu vernehmen; aber ste wollte ste ertragen, wenn ste nur den Verlust von Hab und Gut dadurch abwenden konnte. Ihre stille Verzweiflung hatte einen Grad erreicht, welcher ste gegen die spöttischen Blicke der ihr auf der Straße begeg­nenden Kleinstädter feite. In ihr lebte und webte nur der eine Gedanke, die entsetzliche Caiastrophe abzuwenden. So ging ste von einem Gläubiger zum andern, bittend und flehend. Ader die Welt war härter, als sie gedacht; sie lernte erst jetzt die Lieblosigkeit der Menschen in ihrem vollen Um­fange kennen. Nur einige Wenige willfahrten ihrem Gesuche, die Mehrzahl zeigte sich unerbittlich und der Hausw-rth that es darin allen zuvor. Wankenden Schrittes verließ die arme, gedemü- thigte Frau seine Wohnung,

Nunmehr war alles aus und keine Hoffnung mehr.

Daß das Dienstmädchen ihre Sachen packte, auf und davon ging und in einem ungezogenen Briefe, den sie hinterließ, die Erklärung abgab, daß ihre Reputation es nicht gestatte, bet einer ausgepfän­deten Herrschaft noch länger zu bleiben und daß sie es vor,ziehe, auf ihren Lohn lieber zu verzichten machte auf die Familie so gut wie keinen Ein­druck; es war ein Mückenstich gegenüber den tiefen Wunden, welche das Schicksal ihr geschlagen.

Der letzte Abend brach an. Morgen wurden die Psandflücke abgeholt, morgen waren die Wände

schlechts-, Pocken-, Cholera-, Flecktyphus- und Geisteskranke sowie Sieche.

7) Das Abonnement nimmt seinen Anfang am 1. April. Im März wird die Bezahlung, die praenumerando ge­schieht, mit Quittungen eingeholt.

8) ES kann auch außer der Zeit abonnirt werden, doch so, daß für daS laufende Quartal voll bezahlt wird.

9) Ein neu gemachtes Abonnement tritt erst einen halben Monat, nachdem es gemacht ist, in Kraft. Also wer am I. Juli das Abonnement abgeschlossen hat, kann erst vom 15. Juli an einen Patienten in die Anstalt bringen. Kommt vor der Zeit ein Krankheitsfall vor, so muß bei gewöhnliche Kostgeld bezahlt werden.

Folitische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser, welcher am Sonntag den neuernannten spanischen Botschafter Grafen Rascon in Antrittsaudienz und am Montag dessen Vorgänger, Grafen Benomar, in längerer Privataudienz empfangen hatte, stattete am Nachmittag der Gräfin Beno- mar im HStel Kaiserhof einen längeren Besuch ab; Mittags war der Minister des Innern, Herrfurth, empfangen worden. Abends begrüßten beide Majestäten die Großherzogin Mutter von Mecklenburg-Schwerin, welche in Berlin einge- troffen ist und im Schlosse Wohnung genommen hat. Die Großherzogin ist bekanntlich das letzte noch lebende Kind der Königin Luise. Am Dienstag nahm der Kaiser die laufenden Vor- träge entgegen und ertheilte Audienzen. Um 6 Uhr fand Tafel statt, an welcher die Groß- Herzogin Mutter von Mecklenburg und der in Berlin eingetroffene Landgraf Alexander Friedrich von Hessen theilnahmen.

Kaiserin Augusta stattete am Dienstag der Großherzogin Mutter einen Besuch im Schlosse ab und empfing später den Landgrafen von Hessen.

Eine außerordentliche Gesandtschaft des Sul­tans von Marokko wird, dem Vernehmen

leer und die gemüthlichen Raume ihres Schmuckes beraubt,

Noch leuchtete die trauliche Lampe auf dem Tische, um den die Familie schweigend saß, noch erklang das regelmäßige Ticktack der großen Wand­uhr, die Frau Härtung dereinst als HochzettS- geschenk erhalten. Dort an der Wand beim Fenster stand das Pianino, an welchem Kurt und Thekla den ersten Klavierunterricht ertheilt bekamen ach und an jedem der übrigen Möbel hafteten heilige Erinnerungen! Thränenden AugeS blickte die Hausfrau von einem zum andern, bis ste au dem Mahagonispinde haften blieb, in welchem ste das Weißzeug verwahrte, auf dessen Besttz ste so stolz gewesen war. Sie fühlte, daß wenn morgen die Männer kämen, um die Pfandstücke abzuholen, es ihr zu Muthe sein würde, als wenn ein Liebe» nach dem andern auf den stillen Kirchhof hinaus­getragen würde. Freilich hatte der Gatte recht, wenn er die Gedanken der Hausfrau errathend darauf hinwies, daß der Mensch nicht an irdischem Besitz hängen solle, daß das größte Glück darin bestehe, wenn man stch selbst noch habe aber es war und blieb doch traurig, stch von all' den lieben Sachen trennen zu müssen.

Frau Härtung trocknete eben ihre feuchten Augen, als draußen die verhängnitzvolle Glocke ertönte. Die Familie schrak zusammen und blickte stch ängstlich um. War es wieder das Schicksal, das an die stille Pforte klopfte 8 Wer konnte jetzt noch Einlaß begehren?

»Daß größte Glück besteht darin, wenn was