Erscheint wöchentlich drei Mal
Dienstag, Donnerstag und Sonnabend AbonnementSpreiS: viertjShrllich 1 Mark 40 Pfg. excl.
Postaufschlag.
Die Jnsertionbgrbühr« betrage» für den Raum einer SpaltzeN« 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt,
Htlsselder Kreisbllltt.
__________Mit wöchentlicher Hratis-Aeikage „Illugrirtes Ilutertzaltungsbkatl".___________
Nr. 153. Sonnabend den 29. December 1888.
Abonnements-Einladung.
Mit dem 1. Januar beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt
Wi der wöchentlichen Gratis-Beilage Mustrirtes Unterhaltungs - Blatt."
M bitten das Abonnement rechtzeitig erneuern Mm, damit bei Beginn des Quartals keine DRechung in der Zustellung eintritt. vierteljährliche Abonnementspreis für das
■Matt* mit der wöchentlichen Gra- ■■he „JllustrtrteS Unterhaltungs»
■gt 1 Mark 40 Pf.
Mtretenden Abonnenten wird das M Wunsch vom Tage der Bestellung ^■uar gratis und franco zugesandt.
Mte finde« zweckentsprechende iüHVirWUflts f-h Mftal__klä__nitiiat^^l*»** Garmond-Zeile 'oder deren Raum 10 Pf.
Die Expedition.
Amtliche».
Gesunden/1) ein Militärhelm, 2) ein Taschen tuch, 3) eir/Hampelmann. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Mengshausen.
Folitische Nachrichten.
(Deutschland.) Am Montag fand bei dem Kaiserpaare Nachmittags 4 Uhr ein Diner von 22 Gedecken statt, an welchem auch Prinz Friedrich Leopold, Prinz Alexander, der Erbprinz und die Erbprinzessin von Sachsen-
Meiningen, sowie die Damen und Herren des Kaiserlichen Hofstaates theilnahmen. Nach der Tafel begaben sich die Kaiserlichen Majestäten mit ihren Gästen nach dem Pfeilersaal, wo die Weihnachtsbescheerung stattfand, zu welcher auch die Kaiserlichen Prinzen und die Prinzessin Feodora von Sachsen-Meiningen erschienen waren. Gegen halb 7 Uhr verabschiedeten sich die Mitglieder der Königlichen Familie. Die Kaiserliche Familie verblieb den Abend über im Schlosse. Am ersten Feiertage wohnten der Kaiser und die Kaiserin dem Vormittagsgottesdienste im Dome bei. Am Nachmittage, um 5</2 Uhr fand Familientafel bei der Kaiserin Augusta statt. An derselben nahmen außer den zur Zeit in Berlin anwesenden Königlichen Prinzen und Prinzessinnen auch die Großfürstin Katharina von Rußland nebst Tochter theil.
Die Kaiserin Friedrich hat, wie der officiöse „Popolo Romano" versichert, den italienischen Hof benachrichtigt, daß sie im Monat Januar von England aus sich bestimmt nach ***^<SM!£ • j"^V»*vww * v *, ^
viel gelitten, einige Wochen im Andenken' an ihren edlen dahingeschiedenen Gemahl zu leben.
Das „Kieler Amtsblatt" veröffentlicht eine Verordnung des Oberpräsidenten, wonach mit Beginn des Sommerhalbjahrs 1889 die Unterrichtssprache in den nordschleswigschen Volksschulen in allen Lehrgegenständen mit alleiniger Ausnahme des Religionsunterrichts die deutsche ist.
Der baierische Ministerpräsident Freiherr von Lutz ist einer Münchener Drahtmeldung zufolge an Bronchitis erkrankt.
Der Austausch der Ratificationen des am 11.v.Mts. abgeschlossenen Zusatzvertrages zum bestehenden deutsch-schweizerischen Handelsverträge hat am Mittwoch in Berlin stattgefunden.
Um die Zelt der Wiedereröffnung der Reichstagssitzungen wird auch der Reichskanzler wieder in Berlin erwartet.
Aus Ostafrika wird gemeldet: Die deutsche Fregatte „Leipzig" hat wiederum ein Sclavenschiff genommen, auf welchem sich 140 Sclaven befanden; es wurden gleichzeitig viele Araber gefangen genommen. Der deutsche Generalconsul errichtet unweit Dar-es-Salem eine große Missionar-Niederlassung für die befreiten Sclaven.
Auf Grund des Bankgesetzes vom 14. März 1875 hat der Bundesrath den Aufruf und die Einziehung der von der Kommerzbank in Lübeck und der Kölnischen Privatbank m Köln ausge- gebenen Noten angeordnet. Die Verkehrsart- stalten sind angewiesen, die bezeichneten Noten nicht mehr in Zahlung zu nehmen.
Der Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten, Dr. Freiherr v. Lucius, hat unterm 17. December d. I. an sämmtliche Ober-
Forstmeister folgenden Erlaß gerichtet: Die Zahl
ch bestimmt nach der Forstassessoren und Forstreferenda.
^^^^■^i ^..mi'm'1^ ^'iNstS.^E im Andenken an te^Ju^™^^
werden, bevor diejenigen Forstbefliffenen, welche in nächster Zeit die erste forstliche Prüfung ablegen, zur Anstellung als Oberförster gelangen. Künftig kann demnach nur der kleinste Theil der Forst-Assessoren eine remuneratorische Beschäftigung in der Staats-Forstverwaltung finden, und es steht zu befürchten, daß hierdurch nicht nur die fachmäßige Fortbildung leiden, sondern auch ein Theil der Forst-Affessoren in Bedrängniß gerathen und die erforderliche Frische und Berufs- freudigkeit verlieren wird, ehe in erheblich vorgerücktem Alter endlich die Anstellung als Oberförster erfolgt. Ich sehe mich deshalb veranlaßt, die Bestimmungen über die Ausbildung und Prüfung für den Königlichen Forstverwaltungsdienst vom 1. August 1883 im § 5 zu 5 dahin
, , Das leidige Geld.
Erzählung von Hermann z r a n I.
/ (Fortsetzung)
/ Härtung hatte seiner Gattin zwar viel Rühmliches über das Lesttzthum gesagt, aber seine Schilderung war hinter der Wirklichkeit doch wett zurückgeblieben. Thekla Päpste im Park umher und schon nach einer Stunde hatte sie die schönsten und lauschigsten Plätzchen entdeckt, wo man frühstücken, biniren und soupiren konnte.
So glückselig wie an diesem Tage hatte sich die Familie noch nie gefühlt und die aufmerksame Bedienung des alten Jakob that ihr nach den trüben Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit doppelt wohl.
Der Frühkaffee ward am nächsten Tage auf der von Gaisblatt umrankten und mit allerlei Schlinggewächsen und Blumen geschmückten Veranda eingenommen. Härtung rauchte mit großer Behaglichkeit seine Havanna und der zufriedene Ausdruck seiner Mienen erhöhte sich noch, als Jakob die Ankunft eines mit Weinktsten, Fleisch- und Materialwaaren aller Art bepackten Wagens meldete.
Da hatte ein jedes vollauf zu thun. Mutter und Tochter übernahmen das Arrangement der Speisekammer, während der Hausvater mit freundlichem Schmunzeln in den Keller hinabstieg, um das Auspacken der buntgestegelten, silberbezipselten Flaschen zu überwachen. Selbstverständlich durste jetzt der Champagner nicht fehlen, aber er sollte
nur an Sonn- und Festtagen aus den Tisch kommen, denn Härtung hatte es sich fest vorgenommen, fortan haushälterisch zu Werke zu gehen.
Während er, die blauen Rauchwolken seiner C'garre in die Lutt wirbelnd, inmitten des Kellers stand, seine Befehle ausiheilte und hin und wieder wohl auch einen zur Erde gefallenen Nagel der geöffneten Weinktsten aufhob, was bet seiner Korpulenz immerhin einer gewissen Anstrengung bedurite, erschien der Inspektor des Gutes, der den gnädigen Herrn zu sprechen wünschte.
„Habe jetzt eigentlich keine Zeit, mein Lieber," gab der ruhig dastehende Härtung zur Antwort. „Bin vollauf beschäftigt; indessen — was wünschen Sie?"
„Ich möchte dem gnädigen Herrn das Inventar des Gutes übergeben und Rechnung ablegen."
„So, so," erwiderte der den Abladern scharf auf die Finger sehende Härtung zerstreut, „ei nun, es wird ja wohl Alles in Ordnung sein — Potz Element, die Rothstegel kommen tn das zweite Regal, wie oft soll ich Euch das sagen! — Ja, also mit dem Inventar und der Rechnungsab- legung hat's Zeit."
Der Inspektor blickte verwundert auf feinen neuen Herrn.
„Giebt's sonst noch etwas?" fragte der Letztere.
„O ja," lautete die Antwort. „Es sind verschiedene Ackergeräthschatten anzuschaffen, auch möchte ich den gnädigen Herrn wegen einiger land- virthschastlicher Maschinen betragen, die uns an-
geboten worden sind, namentlich wegen einer Häckselmaschine mit neuer Construktion."
Härtung fuhr sich durch das Haar. Land- wirthschaftliche Maschinen — was verstand er davon? Sind denn die Dinger praktisch?" fragte er verdrießlich, und da der Inspektor bejahte, fügte er hinzu: „Run, so kaufen Sie das Zeug."
„Und wegen der Inventur und des RechnungS- abschlusses —"
„Ein andermal," fiel Härtung ärgerlich ein, „Sie sehen ja, daß ich jetzt keine Zeit habe."
Der Inspektor verneigte sich und ging seines Wegs. Er harrte von Tag zu Tag, doch der gnädige Herr ließ sich auf dem Gute nicht blicken; er inklintlte nicht für Landwirthschaft, der Anblick eines Misthaufens war ihm ein Gräuel und der Stallgeruch unerträglich. Vielleicht entschloß er sich im Laufe des Winters dazu, nach dem Gute zu sehen; jetzt mußte man die schöne Herbstzeit zu tdealern Dingen benutzen. Da die Gattin sich damit nicht einverstanden zeigte, so wälzte Härtung die unbequeme Last von sich, indem er äußerte: „Dann übernimm Du die Aufsicht deS Gutes. Das patzt auch viel besser für eine Frau." Die einsichtsvolle Gattin that es, — ach, und sie verstand von Oekonomie doch so wenig, wie ein neugeborenes Kind!
Sein volles Interesse schenkte Härtung dem Park. Er fand ihn ganz wundervoll, gleichwohl hielt er einige Abänderungen in der Anlage für geboten. Natürlich wollte er mit denselben erst im nächsten Frühjahr beginnen, aber er zog jetzt