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tlsseliter Kltisdliltt.

Mit wöchentlicher Hratis-IeilageIllukrirtes AuLerhakLnugsölE.

Nr. 7.

Dienstag den 15. Januar

1889.

Amtliches.

Hersfeld, den 12. Januar 1889.

Die Herren Standesbeamten in den ländlichen Ortschaften des Kreises werden davon benachrich­tigt, daß, da sich im Voraus nicht bestimmt über­setzen laßt, ob die für mehrere Jahrgänge ange­legten Standes - Haupt - Register gerade wie beabsichtigt für 3 Jahre passen, oder ob ein­zelne für ein weiteres Jahr ausreichen oder etwa schon nach 2 Jahren verbraucht sein werden, die Schilder der betreffenden Register absichtlich nicht mit der Aufschrift1889 bis 1891", sondern einstweilen nur mit der Jahreszahl 1889 versehen worden sind, und daß die Aufschrift Seitens der Herren Standesbeamten durch Beischreibung des Wortesbis" nebst der betreffenden weiteren Jahreszahl zu vervollständigen ist, sobald sich genau übersetzen läßt, bis zu welchem Jahre der betreffende Registerband ausreicht.

-^»Die Versetzung der betreffenden. Registerbände Mit der Aufschritt1889 bis 1891" würde außer- dem eine sorgfältige Auseinanderhaltung der für ein Jahr und der für mehrere Jahre angelegten Registerbände jeder einzelnen Klaffe erforderlich gemacht und leicht Verwechselungen im Gefolge gehabt haben.

A. 29. Der Königliche Landrath

__Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 10. Januar 1889.

Der Grobschmied Heinrich P f a f f zu Schenk- lengsfeld, geboren daselbst am 23. August 1865, hat um Entlassung aus dem diesseitigen Staats- verbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

256. Der Königliche Landrath

__Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 12. Januar 1889.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen

Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 4. Januar 1882 Str. 119 im Kreis­blatt Nr. 2, die Untersuchung des Schweine- fleisches auf Trichinen betreffend, noch im Rück­stände sind, werden hieran mit Frist bis zum 2 2. d. M t s. bei Meldung von 3 Mark Strafe erinnert.

378. Der Königliche Landrath

__Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 5. Januar 1889.

Die Fouragelieferung für die Pferde der dahier stationirten berittenen Gendarmen für das Etats­jahr 1889/90 soll öffentlich verdungen werden.

Termin hierzu habe ich auf Dienstag den 22. d. Mts. Vormittags 11 Uhr in mein Geschäftslocal anberaumt, wozu etwaige Lieferungslustige mit dem Bemerken eingeladen werden, daß die desbezüglichen Bedingungen im Termine bekannt gemacht werden.

146. Der Königliche Landrath ,Freiherr pan SM^_inU. .

Bekanntmachung.

Der Königliche Rentmeister Hecker zu HerSfeld hat unter seiner vollen persönlichen Verantwort­lichkeit mit unserer Genehmigung seinen Privat- gehülfen Georg Knauff zur Ertheilung von Quittungen über Zahlungen an die Steuer- und Forstkasse daselbst bevollmächtigt.

Cassel, den 10, Januar 1889.

Königliche Regierung, Abtheilung für directe Steuern, Domänen und Forsten.

0. L 286. Göbell i. V._______________

Der Herr Minister des Innern hat dem Comits für den Loxusplerdemarkt zu Marienburg die Er­laubniß ertheilt, in Verbindung mit dem im Früh­jahre dieses JahreS daselbst abzuhaltenden Pserde- markte wiederum eine öffentliche Verloosung von

Pferden, Equipagen, Rettutenstlien rc. zu veran» , galten, zu derselben 30000 Loose zu je 3 Mark auszugeben und diese im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.

Cassel am 7. Januar 1889.

Der Regierangs-Prästdent.

I. V.: Schwarzenberg.

Der Herr Ober-Präsident hat dem Vorstände des Mitteldeutschen Kunstgewerbe - Vereins zu Frankfurt a/M. die Genehmigung ertheilt, zum Besten des Fonds für die Vermehrung der Bor- bilder-Sammlung des Vereins eine Verloosung vn» kunstgewerblichen Erzeugnissen der Neuzeit z» oer- anstalten.

Die Zahl der Loose beträgt 30000 a 1 Mark und wird deren Vertrieb auf den Umfang der Provinz Hessen-Nassau beschränk. Die Verloosung selbst ist längstens bis zum 31. December d. I abzuhalten.

Die VerwaltungS- und Polizeibehörden deS R-zirks wallen Dafür Sorae traaem daß dem Ver­trieb der Loose ein Hinderniß^icht entgegengesetzt wird.

Cassel am 3. Jauuar 1889.

Der Regierungs-Prästdeut.

J. B.: Schwärzenderg.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 11. Januar. Der Reichstag beschäftigte sich heute mit dem Bericht der Wahiprüsungscommlssion über die Wahl des Abg. Dr. Websy (10. Wahlkreis Breslau), dessen Gültigkeitserklärung die Commission beantragt, während von den deutschfr. »bgg. Dr. Herme« und Rickert der Antrag gestellt wurde, die Brschtußsassimg über diese Wahl bis nach" stattgehabter Erhebung über einzelne im Proteste behauptete Thatsachen auszusehrn. In der DiSlufsion trat zunächst Abg. Dr HermeS für seinen An­trag ein, der von dem Abg. von Rheinbaben (ReichSp.) be­kämpft wurde, indem er dabei einen gewis«« moralische« Einfluß der Arbeitgeber auf die Arbeiter bei den Wahl«, namentlich gegenüber den freisinnigen und soziald«»»«

Das leidige Geld.

Erzählung von Hermann Frank.

(Fortsetzung.)

Peter Härtung hatte sich nunmehr vollständig beruhigt und der Vorsitzende fuhr im Lesen fort:

Als ich den hier niedergelegten Entschluß faßte, glaubte ich von quälenden Borwürfen befreit zu sein, weil ich im Sinne meines Gatten gehandelt. Allein viel vachtheilige Ge­rüchte, welche mir betreffs der verschwenderischen LebeoSwetse meines Bruders Peter zu Ohren gekommen sind, haben mir die Ruhe der Seele von neuem geraubt. Weder er, noch die Seinen kümmern sich um mich, trotzdem ich sehr leidend bin, während meine Schwägerin ©mitte mich in rührendster Weise pflegt. Der Gedanke, daß mein Bruder die von meinem Gatten so schwer erworbene Summe, welche ich für ihn als Erbe auSgesetzt, in seinem unbegrenzten Leichtsinn verprassen und das Anwesen von FriedaS-Ruhe, den LieblingSbesitz von meinem seligen Eheherrn, durch schlechte Bewirthschaf- tung zurückbringen könne, peinigt mich ohne Unterlaß. So schwer eS mir auch fällt, muß ich um meiner Ruhe willen, meinem letzten Willen die Klausel hinzuiügen: baß meine Schwägerin Emilie an die Stelle meines Bruders als Untversalerdiu tritt, sobald sich meine Be­fürchtungen bestätigen und nach Ablauf eines JahreS sich der Rückgang von Friedas-Ruhe h«a«Ssttllen sollte, Mein Bruder hat dann

innerhalb von Monatsfrist den Landsitz zu räumen. Dem Ermessen meiner Schwägerin soll es indessen anheim gestellt sein, an Peter Härtung eine kleine Abfindungssumme zu zahlen."

Der so furchtbar enttäuschte Erbe vernahm von den letzten Sätzen nichts mehr. Mit verzerrtem Antlitz lag er im Stuhl, scheinbar ohne Leben, ein stiller, geduldiger Mann. Ein erneuter Schlag­anfall hatte ihm das Bewußtsein geraubt.

Obgleich dem Codic ll noch einige Zeilen beige- fügt waren, so sah sich der Vorsitzende doch ge­nöthigt, mit Lesen inne zu halten. Der Schmer- zensauSbruch Kurts war herzzerreißend. In seiner Verzweiflung ließ er sich vor dem leblos daliegeu- den Vater auf die Kniee nieder, ihn mit den zärtlichsten Namen nennend; allein das Bewußt­sein kehrte nicht zurück, und als endlich ein herbei­gerufener Arzt erschien und den Zustand Peter HartungS untersucht hatte, vermochte er dem weh» klagenden Sohne nur wenig Hoffnung zu geben. Der Transport deS Patienten nach einem nahen Krankenhaus erfolgte sofort. Zu KurtS namen­loser Freude gelangte der Vater daselbst alSbald zur Besinnung, gleichwohl fand der Arzt eS für geboten, Gattin und Tochter möglichst rasch von dem Borsall tu Kenntniß zu setzen, um ihre Reise nach der Residenz zu beschleunigen.

Obwohl Kurt vom Krankenlager deS Vaters nicht weichen wollte, sah er doch ein, daß nur er der Mutter und Schwester die Hiobsbotschaft mit der nöthigen Vorsicht übermitteln könne. So

bestieg er denn den Wagen, der ihn und den Bat« am Morgen nach der Residenz gebracht.

Am Kutschenschlag stand ein verlumpter Mann mit rothem, struppigem Bart.

Ein Wort", raunte er Kurt zu, welcher den Bagaburden sofort erkannte.

Er wollte mit dem Menschen nicht- zu thun haben, doch dieser hielt ihn zurück.

Nur ein Wort es wird Sie toteres fiten." Dann aber schnell, ich habe keine Zeit."

Weiß wohl, der Herr Papa ist schwer krank. War ja wohl heute die CocodillSeröffnung?"

Kurt blickte den Sprecher erstaunt an.

Ich kenne Ihre Familtenverhältnisse genau," erwiderte Merzer selbstgefällig.Die Geschichte ist faul, wie?" Da Kurt den Wagenschlag zu­werfen wollte, fügte er rasch hinzu:Lassen Sie sich deshalb kein graues Haar wachsen, verstehen Sie mich? Es giebt einen gewissen Jemand, der Ihren Vater schadlos hatten muß hähähä!" Mit sichtlichem Wohlgefallen bemerkte er die große Ueberraschung, welche sich in den Mienen deS jungen Mannes kundgab und fuhr in ge­steigertem Tone fort:Wenn Sie wünschen, werde ich Ihnen denselben nennen. Aber eine ordentliche Belohnung, verstehen Sie mich, muß dabei für mich abialleu."

Machen Sie, daß Sie fortkommen," rief Kurt angebracht, der von der unredlichen Absicht MerzerS jetzt fest überzeugt war. Da der Vaga­bund den Wagenschlag nicht sreigebeu wollte, so rief Kurt dem Kutscher zu, davon zu fahren»