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Hersscliitl Kreisblatt.
Mit wöchentticher Hratis-AeitagL „Illustrirtes Htuterhattungsölatt".
Nr. 12.
Sonnabend den 26. Januar
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1889.
Mum L7. Januar.
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Dreißig Helle Kerzen flammen Festlich auf im Kaiserschloß. Dreißig lebensgrüne Kränze Wand die Zeit dem Zollernsproß, Der mit seiner Väter Throne Erbe ihrer Tugend auch, Die sich täglich neu belebet An der Jugend frischem Hauch.
Und des Volkes alte Liebe Rankt sich um den Kaiser neu, Millionen Herzen schlagen Ihm entgegen warm und treu. Von des Nordmeers eis'gen Borden Bis zum steilen Alpenwall Denken seines Wiegenfestes Heut' die Deutschen überall.
Amtliches.
Polizei-Verordnung. — Auf Grund des §. 137 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung Dom 30. Juli 1883 (G. S. S. 195) und der §§. 6, 12 und 13 der Verordnung Dom 20. September 1867 (G. S. S. 1529) verordne ich nach erfolgtet- Zustimmung des Provinzialraths für den Umfang der Provinz Hessen-Nassau Folgendes:
§. 1. Als Dampffässer im Sinne der gegenwärtigen Polizei- Verordnung gelten:
die Lumpen-, Stroh- und Holzstoff-Kocher;
die Kartossel-Kochfässer der Brennereien, der Stärke- und der Stärkezucker-Fabriken;
die Knochendämpfer der Leim-, Knochenkohle- und Dünger- fabriken;
die Gefäße zum Vulkanisiren des Gummis;
die Ammoniakgefäße der Eismaschinen; ferner
(Unberechtigter Nachdruck wird verfolgt.) Fluch und Segen.
Novelle von B. W a l d o w.
Die Firma G. Holding in B. hatte weit und breit einen guten Klang und Holdings Haus mit den großen steinernen Löwen an der Thür hätte jedes Kind zeigen können, wenn man es danach gefragt. Der einsame Wanderer, der an einem kalten, nebeligen Herbstmorgen, tief in seinen Mantel gehüllt, über den Marktplatz dem erwähnten Hause eotgegenschritt, schien gleichfalls genau informirt zu sein, was auch sehr günstig für ihn war, da noch kein lebendes Wesen in den Straßen stch zeigte und die guten Bewohner von B. noch fest zu schlummern schienen.
Alle? — O nein — denn dort oben im dritten Stock realen sich ja schon fleißige Hände und ein Paar Mädchenaugen waren bemüht, dem nebligen Morgen das nöthige Licht zu dem Fertigen einer Stickerei abzuringen.
.Ob das die Liebe thut oder die Armuth ver- langt?" murmelte der junge Fremde und seine großen dunklen Augen hingen secundenlang an dem bezeichneten Fenster. Dann näherte er sich langsam der verschnörkelten, eichenen Thür und gleich daraus erscholl drinnen im Hause der schrille Ton einer Glocke, welche mit kräftigem Ruck von dem draußen Harrenden gezogen worden war.
.Salonfähig und zur Vifitenstunde erscheine ich freilich nicht," sagte dieser halblaut für stch; »hoffentlich aber wird man dem Sohne des Hauses
Kaiser Wilhelm, der des Reiches Scepter trägt in starker Hand, Kaiser Wilhelm, dem in Eintracht Zugethan das Vaterland, Hält mit seines Namens Zauber Glorreich jetzt die Friedenswacht Daß uns nimmer mag bedrängen Blut'gen Krieges schlimme Macht.
Dreißig helle Kerzen flammen Festlich auf im Kaisersaal — Möchten sie ihm Glück bedeuten Glück den Seinen allzumal! Holdem Bund, den er geschloffen, Reichster Segen schon entsprang — Möchte Gott ihn weiter schirmen Gnädiglich sein Leben lang!
Ed. Mund.
die Gefäße zum Ausziehen von Farbholzern (Farbholzkocher), sowie
die Gefäße zum Bleichen oder Dämpfen von Gespinnsten und von Geweben aller Art,
sofern dieselben bei geschlossener Bauart mit einem höheren als dem atmosphärischen Drucke betrieben werden, und sofern zugleich das Produkt aus dem Fassungsraume des Dampffasses in Litern und dem Betriebsdrücke in Atmosphären die Zahl 300 überschreitet.
Unter Atmosphärendruck wird ein Druck von einem Kilogramm auf den Quadratcentimeter verstanden.
§. 2. Mit Dampf geheizte Dampffässer sind mit Vorrichtungen zu versehen, welche es gestatten, sie einzeln für sich von der Dampfleitung abzusperren.
Die Feuerungen, durch welche Dampffässer geheizt werden, müssen so eingerichtet sein, daß ihre Einwirkung auf die letzteren ohne Weiteres gehemmt werden kann.
§. 3. Jedes Dampffaß muh mit mindestens Einem zuver-
verzeihen, der nach so langen Jahren einmal die Gastfreundschaft desselben in Anspruch zu nehmen kommt. Vieles überhaupt wird man dem Seebär verzeihen müssen, der auf seiner .Lydia" die feinen Sitten und den Anstand des Weltmannes verlernt hat, wenn er überhaupt je etwas davon besessen," fügte er lächelnd hinzu.
Salonfähig sah nun allerdings der junge Fremde keineswegs aus, dessen kräftige, hohe Figur bei der augenbllcklich sehr nachlässigen Haltung nichts weniger als graziös erschien, ebensowenig als der schwerfällige, eigenthümlich schleppende Gang für das glatte Parkett geeignet sein mochte. Und an die Salonatmosphäre erinnerte auch nicht das sonnenverbrannte, wenngleich nicht unschöne Gesicht, mit dem entschlossenen, fast finsteren Aus- druck und den schmalen, sich leicht zum Spott kräuselnden Lippen, die wohl noch niemals ein verbindliches Lächeln umspielt hatte.
.Es dauert ziemlich lange, bis die Thür des Vaterhauses stch dem fremd gewordenen Sohne öffnet," sagte der junge Mann mit einem Anfluge von Bitterkeit und seine Linke streckte sich abermals nach dem Klingelgriff aus.
Der Wind fegte über den Marktplatz herüber und zerwühlte das dunkle, krause Haar des Ungeduldigen, während unmittelbar nach dem abermaligen Läuten ein Fenster stch öffaete und die Mädchenaugen, welche vorhin so emstg auf der Arbeit geruht, nun neugierig herauSschauten. Wenige Augenblicke nachher aber näherten stch leichte Schritte der Thür, der Schlüssel drehte sich
I lässigen Sicherheitsventile und Einem zuverlässigen Manometer I versehen sein, welche so einzurichten oder an einer solchen Stelle anzubringen sind, daß sie durch die kochende Masse nicht ungangbar gemacht werden können.
Werden mehrere Dampffässer von derselben Dampfleitung aus geheizt, so genügt die Anbringung eines gemeinsamen Sicherheitsventils, falls dieses vor den Absperrvorrichtungen für die einzelnen Dampffässer angebracht ist und eine dem Querschnitte des gemeinsamen Dampfzuleitungsrohres gleich- kommende freie Durchgangsöffnung besitzt.
Bei denjenigen Dampffässern, welche mit Dampf, der einem anderen Dampferzeuger entnommen ist, geheizt werden, kann von der Anbringung des Sicherheitsventils und des Manometers in dem Falle Abstand genommen werden, daß der höchste Betriebsdruck im Dampferzeuger denjenigen im Dampf- satz nicht übersteigt.
Die zulässige Belastung des Ventils ist mittels des Manometers dem festgesetzten Höchsten Betriebsdrücke gemäß zu regeln.
§. 4. An jedem Dampffasse muß der festgesetzte höchste Betriebsdruck in Atmosphären, der FassungSraum in Litern, die Firma und der Wohnort des VerfertigerS, die laufende An- fertigungSnummer und das Jahr der Herstellung in leicht erkennbarer, dauerhafter Weise angegeben sein.
$. 5. An jedem Dampffaß muß sich eine Einrichtung (Flansch) befinden, welche das Anbringen des amtlichen Eon- trolmanometers gestattet.
§. 6. Jedes neue Dampffaß muh nach Anbringung der Ausrüstung, jedoch vor der etwaigen Einmauerung oder Um- mantelung, einer Wasserdruckprobe, sowie einer hiermit stet» zu vereinigenden weiteren technischen Untersuchung (Con- structionSprüfung) durch einen Sachverständigen unterzogen werden.
Diosc ersten Untersuchungen können in der Fabrik, in welcher das Dampfstrst-m^ejertigt ist, oder an beut Orte der Benutzung erfolgen. Zu ihrer AMüha^ngfind die Dampffessel-Revisoren, die zur Vornahme von amtlichefr-HrurMoben an Dampfkesseln ermächtigtenVereinS-Jngenieure, sowieow-^Lackverständige im Sinne dieser Verordnung amtlich anerkanutenMwnffLagtcu der Berufsgenossenschaften und sonstigen Personen befugt'"'"
Die Auswahl des Sachverständigen aus dem Kreise der vorbezeichneten Personen bleibt dem Besitzer des Dampffasse» überlassen.
Die Druckprobe ist mit dem anderthalbfachen Betrage de» höchsten Betriebs-Ueberdrucks, mindestens jedoch mit einer den» selben um Eine Atmosphäre übersteigendenPressung auszuführen.
Die weitere technische Untersuchung (EonstructionSprüfung) hat festzustellen, ob die Vorschriften der $$• 2 bis 5 dieser
im Schloß und „Willkommen in der Heimathl^ klang es freundlich dem frühen Gast entgegen.
Ueberrascht und verwundert blickte dieser auf das vor ihm stehende junge Mädchen und mechanisch umschloß seine Linke die ihm mit kindlicher Unbefangenheit eutgegengestreckte kleine Hand.
„Kennen Sie Marianne Frieder nicht mehr, Herr Kapitän?" fragte der schelmisch lächelnde Mund und ein Paar treuherzige, blaue Augen blickten zu ihm empor.
„Marianne Frieder?" wiederholte der junge Mann, fast ungläubig auf das junge Mädchen herabsehend. „Ja, bei Gott," rief er jedoch im nächsten Augenblicke aus, „hatte vergessen, daß in der Heimath die Zeit auch nicht still gestanden, so lange ich draußen in der Fremde gewesen, und daß ich unmöglich noch die kleine Marianne von damals wiederfindeu konnte."
„Nun, sehr groß bin ich eben nicht geworden," entgegnete Marianne lächelnd, „aber so wild bin ich nicht geblieben und nicht so träge wie damals, wo ich mir so gern von Ihnen bei meinen Aufgaben helfen ließ,"
.Die Trägheit des Kindes,' erwiderte d." Kapitän, „war jedenfalls verzeihlicher als der übertriebene Fleiß des herangewachsenen Mädchens, welches dem letzteren rücksichtslos den süßen Schlummer und das Augenlicht opfert. — Was in aller Wett, Fräulein Marianne, treibt Sie zu fo mühseliger Arbeit bei Tagesgrauen?"
„Die Nothwendigkeit." antwortete das junge