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ersskliier Kreistlatt
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illulirirtes Zlnterhaltungsblatl".
Nr. 16.
Dienstag den 5. Februar
1889.
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HersfeLder Kreisvlatt mit der wöchentlicher» Gratis-Beilage „Jllustrirtes Unterhattungsblatt" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern
—und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 1. Februar 1889.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 14. Januar d. I. Nr. 413 im o____KreMlatt Nr. 8, die mit ihren Eltern unge- —4»f^44aJy£JSmei&i^^
treffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 12. d. Mts. bei Meidung von je 3 Mk. Strafe erinnert.
1115. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 2. Februar 1889.
Die Herren Standesbeamten des Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 6. März 1885 Nr. 2599 (Kreisblatt Nr. 30), den Nachweis über die Bewegung der Bevölkerung während des abgelaufenen Jahres betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 12. d. Mts. erinnert. 1268. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Der Tod des Kronprinzen Rudolf.
Die in den ersten von Wien ergangenen Nachrichten enthaltene Mittheilung, daß der Tod des Kronprinzen Rudolf „wahrscheinlich durch Herzschlag" erfolgt sei, hat ihre Bestätigung leider nicht gefunden. Das so tief traurige Ereigniß wird noch schrecklicher durch den nunmehr in der amtlichen „Wiener Zeitung" veröffentlichten Be- richt, wonach der Kronprinz sich selbst mit- telst Revolverschusses in den Kopf entleibt hat. Die genannte Zeitung meldet unter dem 31. Januar:
„Die gestern von uns über das nieder- schmetterndeEretgniß des Todes des Kronprinzen Rudolf gebrachten Mittheilungen stützten sich auf die ersten Wahrnehmungen, die von der nächsten Umgebung des erlauchten Dahingeschie- denen unter dem betäubenden Eindruck des schicksalsschweren Vorfalls hierher gelangten. Von dieser Seite wurde, nachdem die Thüre w ©ctrirrf^wittt^^ war, beim Mnkritt der Kronprinz eüseelt im DeM gefunden. Auf diesem ersten Eindrücke beruhten die nach Wien gelangten Mittheilungen, sowie die Annahme eines Schlaganfalls als Todesursache. Von den Anwesenden wurde Professor Dr. Widerhofer mittels dringenden Telegramms nach Mayerling berufen, wohin sich dieser mit dem nächsten Zuge sofort begab. Dr. Widerhofer constatirte bei der sofort vorgenommenen Untersuchung, daß am Kopfe des Verewigten eine beträchtliche Wunde mit ausgebreiteter Loslösung der Schädeldecke und der Schädelknochen vorhanden war, welche den sofortigen Tod zur Folge gehabt haben mußte. Dieselbe wurde als eine Schußwunde constatirt und an der Seite des Bettes in der unmittelbaren Nähe der rechten Hand befand sich ein ent
ladener Revolver. Die Lage der Waffe ließ keinen Zweifel darüber, daß die Tödtung mit eigener Hand erfolgt ist. Bei dem Umstände, daß die Dienerschaft des Kronprinzen in Nebenhäusern »ertheilt ist, und der der Person des Verewigten zugetheilte Diener von Hochdemselben Aufträge zur Bestellung der Jagd erhalten und das Haus für kurze Zeit verlassen hatte, konnte die erfolgte Detonation von Niemandem gehört werden. Die Aufgabe der sofort nach Mayerling entsendeten und nach den diesfalls bestehenden Normen zusammengesetzten Commission war es, den Thatbestand und die Nebenumstände protokollarisch aufzunehmen."
Die „Wiener Zeitung" fügt hinzu, daß die nächste Umgebung deS Kronprinzen an ihm in den letzten Wochen mehrfache Zeichen krankhafter Nervenaufregung wahrgenommen habe, so daß die That als Ausfluß momentaner Sinnesverwirrung angesehen werden müsse. Der Kron- prinz habe seit einiger Zeit häufig über Kopfschmerz geklagt, den er selbst auf einen Sturz mit dem Pferde im letzten Herbst zurückführte, ein Unfall, der auf den ausdrücklichen Befehl des Verstorbenen geheim gehalten worden sei.
Die Enthüllungen der vollen, wenn auch entsetzlichen Wahrheit über die Todesursache hat in Berlin keinen geringeren Eindruck gemacht, wie in Wien. Das Mitleid, welches man den fohen Hinterbliebenen widmet, hat sich noch ver- tärkt, und die Gebete der Deutschen, ohne Unter- chied der Partei, vereinigen stch mit denen des ssterreichisch-ungarischen Volkes, daß Gott vor Allem dem schwergeprüften Kaiser Franz Joseph Kraft verleihen möge, die Schwere des Schicksals, das sich auf sein Haus gesenkt hat, zu ertragen.
Das mit Trauerrand erschienene „Armee-Ver-
Kkuch und Segen.
Novelle von B. W a l d o w.
(Fortsetzung.)
„SöperbeS Geschöpf, aus Ehre l" schnarrte der Lieutenant, indem er auf Marianne deutete, welche der Hausherr soeben einem Kreise junger Damen Erstellte. „Reizendes Profil — tamose Haltung! — Wer ist die Kleine, Freund Halbivg?"
»Untere Hausgenossin, von welcher ich früher einmal zu Ihnen sprach," erwiderte Arthur gedehnt.
„Wie, Fräulein Frieder? — Halbing, Sie stnd benetdenswerth! Mit diesem Wesen unter einem Dach —"
Arthur zuckte die Achseln und drehte verlegen die Spitzen seines SchnurrbartS.
„Aha, ist wohl sehr spröde, die kleine Hexe? Wie?" lachte der Lieutenant. „Müssen mich mit ihr bekannt machen, Freund. Verwünscht — da kommt Ihr Bruder mit Hauptmann Horst unS zuvor! — Sie plaudern mit ihr — und ich glaube wahrhaftig, die kleine Hexe scheint sich dabei zu amüstrrn. — Sehen Sie nur, wie Ihr Bruder soeben den großen Blumenstrauß dort unter der Schillerbüste plündert, um gewiß--richtig, da haben wtr's! — Also auch galant kann so ein Seemann sein!"
„Hole der Henker seine Galanterie," zischte Arthur zwischen den zusammengekniffeneu Lippen hervor.
„Für diesen frommen Wunsch würde Ihnen die juv-t Dame, nach dem Blicke zu urtheilen, mit
dem ste Ihrem Bruder die Blumen bezahlt, am Ende wenig dankbar sein," spottete der Lieutenant. „Ich würde für einen solchen Blick aus diesen K-nderaugen mit Vergnügen einige Stunden meine« kostbaren Daseins opfern."
„Kommen S'e mit inS Spielzimmer, Lieutenant — ich finde eS langweilig hier," sagte Arthur ärgerlich, indem er den jungen Officier mit sich fort zog.
„Angenehm," meinte lachend der letztere, „ist's allerdings nicht, mit hungrigem Magen zusehen zu müssen, wenn andere speisen — — doch ich denke, wir kommen auch an die Reihe."
«„Wir müssen," erwiderte Arthur mit einem vielsagenden Blick auf die erwähnte Gruppe, indem er fester seinen Arm in den feines Gefährten legte und mit diesem die Schwelle des Salons überschritt.
Die Gesellschaft befand stch in heiterster Stimmung und auch Marianne, welche nur mit Widerstreben Arthurs Aufforderung gefolgt war, hatte mit Hilfe der aufwunternden Blicke aus Mama Erk- mannS freundlichen Augen ihre Befangenheit in der That abgelegt und plauderte heiter mit Hugo und Hauptmann Horst, welcher der Familie Hat- btng schon längst befreundet und, wie man vermuthete, sogar willens war, in noch engere Beziehungen zu derselben zu treten.
Helene, welche stch bisher allerdings seiner vielfachen Auszeichnung zu erfreuen gehabt, beobachtete von einem, einige Schritte seitwärts stehenden Divan unausgesetzt die drei fröhlichen Menschen, deren zwanglose Heiterkeit ste aus- unangenehmste
zu berühren schien, wie dies die finster zusammengezogenen Brauen verriethen.
Der kleine gemüthliche RegierungSrath an ihrer Seite gab mit wenig Glück seine Reiseerinne- rungen zum besten und stellte schließlich die vergeblichen Versuche ein, das Interesse seiner schönen Nachbarin zu fesseln, indem er nun mit unverwüstlichem Humor die Melodie eines Liedes vor stch hinsummte. Da blitzte eS in HelenenS Augen auf.
„Kennen Sie daS Lied?" fragte ste hastig.
„Nicht ganz," erwiderte der RegierungSrath, „und ich würde glücklich sein, hörte ich eS einmal so fingen, wie eS gesungen werden muß — von Ihnen zum Beispiel."
Es war das Lied, um dessentwillen man Marianne heruntergenüthigt.
„Ich werde eS fingen," sagte Helene mit einem triumphierenden Blick aus die erwähnte kleine Gruppe und erhob stch sofort, dem erfreuten Re- gierunaSrath kaum Zeit lassend, ihre feine Hand zu küssen.
Durch das Knistern ihres Kleides aufmerksam geworden, blickte Horst um stch; ihr Auge begegnete dem seintgen und sofort trat er an ihre Seite.
„Darf ich mir erlauben, daS gnädige Fräulein an das mir gegebene Versprechen zu ertnueru?"
„Sie dachten daran noch? — DaS wundert mich." Dabei zuckte eS eigenthümlich um HelenenS Mund und hastig setzte ste ihren Fächer in Bewegung.
„Wie meinen Sie das?" fragte Horst verwundert, t«hi» er ihr artig den Kr» bot.