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Htlsstidtl Kreisbilitt.
__________Mit wöchentlicher Hratis-Aeilage »Illukrirtes Zlnterhallungsökatt^.__________
Nr. 32. Donnerstag den 14. Mrz 1889.
Amtliches.
Hersfeld, den 9. März 1889.
Am Freitag den 29. März d. I. Bormittags 10 Uhr findet in dem Saale des hiesigen Rathhauses eine Kreistagssitzung statt.
Tagesordnung.
1) Prüfung der Verhandlungen über die nach §. 64 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885 im Jahre 1888 in Folge Ausloosung von Kreistagsmitgliedern vorgenommenen Ergänzungswahlen, Beschlußfassung über die Gültigkeit dieser Wahlen und Einführung der neu Gewählten in ihr Amt. (§. 71 der Kreisordnung und §. 2 der Geschäftsordnung.) 2) Prüfung und Feststellung der von dem Kreisausschusse revidirten und von der seitens des Kreistages in dessen Sitzung am 8. September 1888 beauftragten Commission geprüften Kreiskassen Rechnung pro 1887/88. 87 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885.) 3) Feststellung des Kreishaushalts-Etats pro 1889/90.
4) Begutachtung des Projekts über Herstellung einer Muldenpflasterung im Orte Rohrbach
5) Begutachtung des Kostenanschlags über die Reparatur der Fuldabrücke bei Mecklar.
J. A. 223. Der Königliche Landrath Freiherr v on S ch l e i n t tz.
Hersfeld, den 7. März 1889.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises gehen in den nächsten Tagen die Benachrichtigungen über die Gewerbesteuer-Veranlagung pro 1889/90 behufs Aushändigung derselben an die betreffenden Gewerbetreibenden zu.
Bis spätestens zum 20. März d. J. erwarte ich darüber Bericht, an welchem Tage die Aushändigung stattgefunden hat.
2374. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Sein Kind.
Novelle von A. von der Elbe.
„ , , (Fortsetzung.)
Susanne hatte dem Lieutenant mit freundlichem Blick gedankt. Jetzt wandte sie sich wieder zum Baron. «Ich habe nicht gewußt," sagte ste spöttisch, .daß es Ihre Art ist, sich auf den Rücken zu legen, wenn Sie einer Dame zu Füßen fallen wollen."
.ES scheint, mein gnädiges Fräulein, als ob Sie diese Art bevorzugen, da Sie dieselbe provocirten." Der alte Großkausmann Lenz aus Hamburg war zu seiner Tochter herangetreten und hatte in zärtlicher Besorgniß gefragt, ob sie sich auch nicht weh gethan habe. Sie verneinte, er führte sie etwas zur Seite und flüsterte unmuthig: .Du warst wieder gar zu brüsk gegen den Herrn Baron, Kind."
Sie warf den hübschen Kopf unmuthig auf und entgegnete ebenso leise: .Ich lasse mich nicht foppen, Papa, das solltest Du wissen," dann nahm ste den Arm einer jungen Freundin und ging mit ihr aus die Terrasse.
In der Laube von Kirschlorbeer, zur Seite im Gebüsch, saßen zwei ältere Damen in eifrigem, halblauten Gespräch. Es waren die Generalin von Blllerbeck und die Geheime RegteruugSräthtn Gubitz, die Tochter der Letzteren erging st« eben «U Susanne.
4^lw denkt, dir Sache spü jeden Daß so oder
« Unsere höheren Lehranstalten.
Seit einigen Jahren ist in weiten Kreisen der gebildeteren Schichten unseres Volkes eine auf Reform des höheren UnterrichtswesenS, der höheren Lehranstalten gerichtete Bewegung bemerkbar, die mit den mannigfachsten Anforderungen und den verschiedensten Zielen auftritt. Ganze Gruppen von Vereinen haben sich gebildet, um durch Beschlüsse und Massen- Petitionen der einen oder andern Richtung Nachdruck zu verleihen, und zahllos sind die Vorschläge, welche in dieser oder jener Form in die Oeffentlichkeit gelangen. Dieselben gehen meist von der Voraussetzung auS, daß die oberste Unterrichts- verwaltung des Cultusministeriums keine klare Vorstellung von den vermeintlichen oder wirklichen Mängeln habe und auf diese durch Männer aus dem praktischen Leben aufmerksam gemacht werden müsse; am verbreitesten ist die Behauptung, daß der Unterricht au den höheren Lehranstalten sich in einer den Anforderungen und Bedürfnissen des praktischen Lebens entgegengesetzten Richtung bewege.
Daß nicht für die Schule, sondern für das geben gelehrt .und gelernt wird, ist einer der Fundamental-Grundsätze unseres preußischen UnterrichtswesenS. Derselbe ist zu keiner Zeit je verleugnet worden, aber freilich hat jede Zeit andere Anschauungen und andere Ansprüche in Bezug auf das, was dem Leben nützt und frommt. Die Richtung des Geistes in der Nation zu erkennen, ihr zu folgen oder — wo erforderlich — zu corrigiren, ist daher die Aufgabe der leitenden UnterrichtSbehörde. Kann es einerseits nur erfreulich begrüßt werden, wenn die gebildeten Kreise unseres Volkes sich der Unterrichtsfrage zuwenden, so sind darum noch keineswegs alle Anschauungen und Vorschläge gerechtfertigt, welche aus dieser Bewegung heraus sich geltend machen. Der Kultusminister hat dies in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 6. März, welche sich bei der Etatsberathung mit dem Kapitel „höhere Lehranstalten" beschäftigte, in längerer Rede erschöpfend dargethan und dabei hervorgehoben, daß diese Bewegung keineswegs eine charakteristische Erscheinung unserer Zeit ist, sondern sich seit bO Jahren, bald steigend, bald fallend wiederholt. Für den Umfang, welchen die Kritik in den letzten fünf Jahren angenommen, zeugt die Thatsache, daß die Zahl der direkt oder indirekt durch die Presse u. s. w. an den Minister gerichteten verschiedenartigen Vorschläge nicht weniger als 344 beträgt.
Die Unzufriedenheit richtet sich theils gegen die Lehrpläne, theils gegen die ganze Lehrverfassung, theils gegen daS Be- rechtigungSwesen. Auf die Einzelheiten dieser Klagen einzu- gehen, tote der Minister es im Abgeordnetenhause that, gestattet der unS zu Gebote stehende Raum nicht. Der Minister
so zum Abschluß kommen," sagte die Generalin. .Wenn man seit einigen Wochen so deutlich steht, wie die Dinge werden und sich zuspitzen, verlangt man danach, auch daS Ende zu erleben. Der Lieutenant ist ein charmanter junger Mann, er bemüht sich lange um sie. Wenn Wegener Ernst machen will, dars ste ihn ketneniallS ablehnen."
.Sollte der Vater nicht Einwendungen erheben, Excellenz? — die einzige Tochter" —
.Verzeihen Sie, Frau Getzeimräthiv, nicht die einzige," fiel die Generalin eifrig ein, .das älteste Fräulein Lenz ist schon seit mehreren Jahren an einen holsteinischen Gutsbesitzer vertzetrathet. Der Papa hat gleich, als er sich vom Geschäft zurückgezogen, neben dem Gut der Weitesten eine Villa erworben und denkt hier, er ist, wie Sie wissen, Wtttwer, mit seiner Schwester den Lebensabend zuzubringen."
.Und Susanne?"
.Sie scheint nicht ganz tu deS alten Herrn Rechnung zu passen. Er liebt sie augenscheinlich sehr und eben deshalb will er sie nicht in länd- User Einsamkeit vergraben, wie er neulich beim Whist offen etngestand."
.Was nur die beiden jungen Männer au ihr finden? Ist Susanne Lenz auch in Ihren Augen eine Schönheit, Excellenz?"
.DaS gerade nicht," erwiderte die Generalin zögernd, .schön nicht, aber doch kaum zu übersetzen. Sie ist mit ihrer kräftigen Gestalt, dem vollen, dunkelblonden Haar und den lebhaften hartzr» dg- M Ktsuvder, dlühtflder ^Ußeüdliß.
hob hervor, daß die Klagen über das höhere Schulwesen in Preußen größer seien, als im übrigen Deutschland, und fand die Ursache in der bei uns eingetretenen sprungweisen Entwickelung. 1867 besaßen wir 362 höhere Bildungsan- stalten, 1880/81 deren 493, also 131 mehr, davon 86 Gymnasien. Im Jahre 1867 zählten wir in Preußen einen Schüler der höheren Bildungsanstalten auf 273 Einwohner, die Zahl sank bis 1887/88 auf 215; früher 1 Gymnasiasten auf 418 Einwohner, jetzt auf 348. Dagegen gab es bei den rein realistischen Anstalten 1880/81 einen Schüler auf 4000 Einwohner, jetzt auf 1685 Einwohner. Demgegenüber entfällt in Bayern ein Gymnasiast erst auf 365, in Sachsen auf 537 Einwohner, im Ganzen haben wir von der Schülerbevölkerung der höheren Lehranstalten in den Gymnasien zu sitzen: in Preußen 61 pEt., in Bayern 51 pCt., in Sachsen 48 pCt., in den realistischen Anstalten ohne Latein in Preußen 12 pCt., in Bayern 37 pEt., in Sachsen 29 PEt. Diese Ziffern weisen unstreitig auf ein Zuviel in der einen, ein Zuwenig in der anderen Richtung hin, es kommt mithin darauf an, eine Organisation zu treffen, welche den gewerblichen Klassen eine größere Anzahl besser und tüchtiger veranlagter Leute zuführt. Zur Erreichung diese« Ziele« ist die äußerste Vorsicht in der Konzessionirung neuer Bildungsanstalten und die Begünstigung der nicht Latein treibenben Anstalten zu Ungunsten der Latein treibenden, namentlich der Gymnasien, erforderlich und in Aussicht genommen. Damit verbindet sich bte* weitere Frage der Zurückhaltung de« Zudranges zu den Universitäten durch Einschränkung der Berechtigungen. Es ist dies um so erforderlicher, als wir schon jetzt 7—800 Lehramtskandidaten haben, die selbst nach 5—6jähriger Dienstzeit noch keinen Groschen verdienen und nicht einmal als Hülfslehrer angestellt werden können; die hie und da verlangte Berechtigung zum Studium der Medicin an die Zöglinge der Realgymnasien würde diese Zahl noch unendlich vermehren. Sind daher die realistischen Anstalten ihrer Natur und Aufgabe nach wohl berechtigt, so folgt daraus doch nicht, daß sie die nämlichen Berechtigungen besitzen müssen wie da« alte humanistische Gymnasium. Neben der Berechtigung ;um Universitätsstudium kommt die Berechtigung zum einjährigen Dienst in Betracht; auch hier liegt eine große Anzahl von Vorschlägen vor, die zum Theil ganz ungeeignet, zum andern Theil noch Gegenstand der Erwägung sind.
Auf die Frage der Lehrpläne übergehend, stellt der Minister als seinen leitenden Grundsatz hin:
„Die Schule hat die Aufgabe, die Entwickelung des öffentlichen Lebens zu begleiten und ihr zu folgen; sie hat den Bedürfnissen des Volks Rechnung zu tragen, sie muß sich in Fühlung halten mit den geistigen Kräften der Nation, muß sich klar werden, wohin richtet sich und strebt eine
kett, die um so mehr anspricht, als man hier so vielen schwachen, hüstelnden Mädchen begegnet."
.Mir ist sie zu robust, zu vollblütig und betet» minirt, nicht weiblich genug," entgegnete die Ge- heimeräthtn, deren Tochter etwas brustletdeud war, in gereiztem Ton. , „
.Die Herren scheinen viel Gefallen an ihr zu finden." _
.Da mag deS Herrn PapaS glänzende Finanz« läge mitreden."
Adele Gubitz hatte währenddem der Freunds« ihr Herz auSgeschättet. Die älteren Personen, denen eS unten am Wasser zu kühl geworden, waren aus die daS Haus umgebende Veranda zu« rückgekehrt, die jungen Mädchen saßen allein auf dem Hügel zu Ende der Terrasse. Der Mond war emporgestiegen, sein silbernes Licht glitzerte iu hüpfenden Funken auf den leise plätschernden Wellen deS SeeS, welche mit eintönigem Gemurmel an die Quaimauern schlugen. Aus einem Kahn, dessen Umrisse man kaum noch erkannte, wurde gesungen; Die Melodie mischte sich in daS sanfte Rauschen deS Wassers und tönte bald ferner, bald klar erkennbar zu den Lauschenden herüber. „
.Welch ein Vertrauen ich zu Ihnen empfinde, Susannel" flüsterte Adele. .Er ist ja so reizend, aber ich glaube doch nicht, daß Sie ihn lieben, dächte ich das, würde ich ja nie den Muth ge» funden haben, Ihnen meine Schwäche zu bekennen. Bitte, seien au« Sie offen gegen mich, gestehen Sie mir, daß Sie den Baron bevorzugen, tröste^
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