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Hcrssel-er Kreisblett.
Mit wöchentlicher chratis-Weikage „Mugrirtes IlnterßattungsKkatt".
Nr. 35. Donnerstag den 21. Mrz 1889.
Amtliche».
Hersfeld, den 19. März 1889.
Die Herren Bürgermeister des Kreises haben in ihren Polizeibezirken wiederholt bekannt zu machen, daß das Einfängen oder Tödten aller Arten von Vögeln, namentlich der Nachtigallen und sonstigen von Jnsecten sich nährenden Vögel, sowie auch das Zerstören deren Nester und das Sammeln von Eiern durch die Forst-, Jagd- und Fischerei-Strafordnung vom 30. December 1822, Satz 10 des Jagd'Straftarifs, bei 30 Mk. Lezw. 7 Mark 50 Pfg. Strafe gesetzlich verboten ist.
Die Feldhüter und Waldschützen sind zur Aufsicht gegen Uebertretung dieses Verbots gemessenst anzuweisen und die Herren Schullehrer zu ersuchen, die Schuljugend namentlich vor Aus- Hebung oder Zerstörung der Nester von Nachtigallen, Rothkehlchen, Rotschwänzchen, Grasmücken, Meisen, Finken, Drosseln, Spechte rc. ernstlich zu warnen.
2731. Der Königliche Landrath ___Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 19. März 1889.
Für den am 28. Januar 1871 zu Friedewald geborenen Anton Budesheim ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden. 2718. Der Königliche Landrath _____________Freiherr von Schleinitz.
Bekanntmachung.
Die Grund- und Gebäudesteuer-Heberollen für das Etatsjahr 1889/90 der Gemeinden des diesseitigen Kassenbezirks liegen vom 20. bis inel. den 30. d. Monats im Äüreau der unterzeichneten Kasse zu Jedermanns Einsicht offen.
Hersfeld, am 18. März 1889.
Königliche Steuerkasse. H e ck e r.
Sein Kind.
Novelle von A. von der Elbe.
(Fortsetzung.)
Man plauderte eine kurze Zeit, dann redete Frau von Billerbeck die mit ihrer Tochter herzutretende Räthin Gubttz an, bat um Adelens Arm, winkte Susannen, die sich erhob, lächelnd zu, da zu bleiben, sie habe ein Wörtchen mit den lieben Freunden allein zu reden und ging mit den Damen davon.
„Man muß kein ersehntes täte ä tete stören, liebes Kind,- sagte die Generalin tu absichtsloser Grausamkeit zu der erbebenden Adele, „der arme Wegener sehnte sich längst, sein Herz vor der Aus- erwählten aufzuthun, gönnen wir ihm ein ungestörtes Stündchen."
Die Räthin biß sich auf die Lippe, blickte ärger- lich nach dem jungen Paare zurück und verwünschte die offenen Worte ihrer Gefährtin, welche es ihr unmöglich machten, eine Unterredung zu stören, die das Lebensglück ihres Kindes in Frage stellte.
Wie auf Verabredung wichen auch die übrigen im Garten spazierenden Gäste der Ecke aus, in welcher Lieutenant von Wegener Susanne gegenüber saß. Er hatte beklommen von der Absicht ihres Herrn Vaters gesprochen, Montreux zu verlassen, betonte mit großer Wärme sein Bedauern darüber und fragte, ob denn ihr Wunsch deS Herrn Lenz Entschluß nicht werde ändern können.
Susanne hatte nicht wieder an ihre Reisepläne gedacht. Das Interesse für den sremden Knaben rpar so «-thttg über sie gekommen, bah alles andere
Mittwoch den 8. Mai d. I., von 9 Uhr Vormittags ab, sollen hierselbst ungefähr 100 Gestütpferde, bestehend aus Mutterstuten (meistens bedeckt), Fohlen, 4jährigen Hengsten, Wallachen und Stuten meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden.
Sämmtliche 3-, 4jährigen und älteren Pferde sind mehr oder weniger geritten. Die zum Verkauf kommenden gerittenen Pferde werden am 6. und 7. Mai, von 7 bis 10 Uhr Vormittags unter dem Reiter, sowie sämmtliche von 4 bis 6 Uhr Nachmittags auf Wunsch an der Hand gezeigt.
Listen über die zum Verkauf gelangenden Pferde werden am 24. April zum Versandt rc fertig gestellt sein und auf Ansuchen zugeschickt werden.
Für Personenbeförderung zu den bezüglichen Zügen von und zum Bahnhof Trakehnen wird am 6., 7. und 8. Mai gesorgt sein.
Trakehnen am 27. Februar 1889.
Der Landstallmeister v. Frankenberg.
Zugelaufen: Ein kleiner gelber Hund. Mel düng des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Schenklengsfeld.
» Das Heer, der Freisinn und die Socialdcmokralic.
Bei der Berathung des Rachtragsetats, welcher insbesondere eine Verstärkung der Feldartillerie in Aussicht nimmt, haben sich die Herren Richter, vom Freisinn, und Bebel, von der Socialdemokratie, wie gewöhnlich hervorgethan.
Dem ersteren ist es peinlich, daß Deutschland durch die vorgeschlagene Erhöhung in der Zahl der bespannten Geschütze einen Dorsprung vor Frankreich und Rußland gewinnen könnte. Thatsächlich freilich werden wir, wie der Kriegsminister ausführte, immer noch gegen die beiden Nachbarstaaten zurückbleiben, da insbesondere Frankreich eine sehr viel größere Zahl von Munitionswagen bespannt halten wird, als dies durch die deutsche Vorlage in Anssicht genommen
dadurch verdrängt worden war. Wenn, wie es bet Tische geheißen hatte, der Baron im Begriff stand, abzureisen, so durften sie ja noch bleiben, wie konnte sie auch ihr armes Paulchen verlassen? Sie antwortete daher unbefangen, daß sie jedenfalls den Papa bitten werde, seine Absicht jetzt auf« zugeden und noch hier zu bleiben. DieS „jetzt" er» muthigte Wegener, eS konnte sich ja nur auf die durch seines Nebenbuhlers Abreise veränderte Lage beziehen. Er sah sich scheu um, sie waren allein, er rückte der Erschreckenden etwas näher und sagte ihr nun, daß er sie liebe, daß eS das höchste Ziel seiner Wünsche sei, sich mit ihr zu verbinden.
Susanne bedauerte ihre Arglosigkeit und Zerstreutheit, sie hätte dieser Unterredung ausweichen sollen. Wäre der junge O fizier ihr mehr gewesen, würde sie nicht so unbefangen geblieben sein.
„Es thut mir unendlich leid, Sie betrüben zu müssen. Herr von Wegener" antwortete sie dem Erbleichenden mit unsicherer Stimme, „aber ich kann Ihnen nur die volle Wahrheit sagen und diese ist, daß ich Sie schätze, gern habe, aber nicht liebe."
Der Lieutnant sprang verletzt empor. „So habe ich mich schmählich geirrt," stammelte er, „Sie werden nie ein Herz finden, das treuer für Sie schlägt l"
Auch Susanne hatte sich erhoben. „Sein Sie mir nicht böse," bat sie ergriffen.
„Ein Mädchen kann doch nicht blind zustimmen, wenn ein Mann um sie u?irbt. Nehmen Sie meine Ablehnung übel, so müßte ich ja jedem freien Mann«
ist, wenn auch die Zahl der bespannten Geschütze in Deutschland eine größere sein sollte als in Frankreich und Rußland. Ein solcher Borsprung ist aber so wenig im Sinne des Herrn Richter, daß er sich auch darüber beklagt, daß Deutschland vor zwei Jahren seine Friedenspräsenzstärke mit Rücksicht auf die damals in Frankreich projectirte Verstärkung, welche 44 000 Mann betragen sollte, um 41000 Mann vermehrt hat, während das damalige Project in Frankreich nur Project geblieben und mit bem Sturze Boulangers nicht verwirklicht worden sei: Frankreich habe vielmehr sein Heer nur um 18000 Mann vermehrt, wir hätten also mit unserer Heeresverstärkung, welche 41000 Mann betrug, ein Zuviel von 23000. Dies kann Herr Richter so wenig verwinden, daß er allen Ernstes meint, es müsse eine Verminderung unserer Präsenzstärke, eine Auslösung der fünfzehn neuen Bataillone statt einer weiteren Verstärkung der Wehrkraft durch Vermehrung der Geschützbespannungen vorgenommen werden. Aber hiermit ist die Phantasie des Herrn Richter noch nicht erschöpft: er meint, wenn schon neue Mehrausgaben für das Heer verlangt werden, so habe doch die Regierung die Verpflichtung, dieselben anderweitig, d. h. durch Ersparung anderer Militäransgaben, zu rompenfiren. Welcher? Das hat er freilich nicht näher angedeutet.
Auf der gleichen Linie bewegt sich der Gedankengang des Herrn Bebel: er schaudert vor den immer neuen Rüstungen sämmtlicher Staaten, vor ton. fortwährenden Anziehen der „Schraube," vor der fortwährenden Vervollkommnung der Mordinstrnmente zurück, und nun malt er sich den nächsten europäischen Krieg aus, in welchem 12—15 Millionen Menschen in das Feld rücken, aus ihrem Erwerb herausgerissen, die Völker im Blute ertränkt und Millionen Mütter, Franc», Bräute, Schwestern ihrer Stützen beraubt sein werden. Zwar glaubt er, daß dieser Krieg der letzte sein und sich alsdann das socialdemokratische Ideal verwirklichen werde. Aber trotzdem strebt er der Verwirklichung dieses Ideals auf diesem Wege nicht zu und verlangt, daß Deutschland in diesem Rüstungsivettkampf anfangen müsse aufzuhören.
Beide „Volksfrennde" wollen also die verlangte und von den militairischen Autoritäten für nothwendig erklärte Verstärkung unserer Wehrkraft nicht, obwohl sie den Krieg vor- auSsehen. Deutscbland ist Herrn Richter schon militairisch zu stark gegenüber den Nachbarn, und wenn der europäische Krieg mit seinen unheilvollen Folgen kommt, so scheint Herr Bebel sich für die Verwirklichung seines Ideals am meisten davon zu versprechen, daß Deutschland unter die Füße getreten wird.
Wir haben die Anschauungen dieser Vertreter des FreisinnS
zürnen, der mich nicht begehrt. Wären die meisten Mädchen nicht so heirathslustig, würden sich weit seltener Zwei in dem Wunsche nach ehelicher Verbindung begegnen. Weil eS nicht oft geschieht nimmt der Mann jede Ablehnung als Beleidigung, aber eS ist ein Irrthum, dies so aufzufassen."
„Es giebt Täuschungen, — Schmerzen, über die kein Raisonnement hinaus hilft," stammelte Wegener zwischen zusammen gebiffenen Zähnen hervor.
„Ach, Sie müssen eS nur wollen und die beleidigte Eitelkeit überwinden," sagte Susanne altklug.
„Ich sehe, Sie haben keine Ahnung von der Art meiner Empfindung — und so mag es besser sein, diese Unterredung zu beenden," er verbeugte sich flüchtig, wandle sich und ging mit raschen Schritten durch den dämmerigen Garten davon.
Die Generalin sammt der Räthin und ihrer Tochter hatten es sich nicht versagen können, den AuSgang der eingefädelten Zusammenkunft aus der Ferne zu beobachten. Sie waren alle Drei von lebhaftem, ja peinlichem Interesse für den Er- folg der Frage erfüllt, die Wegener eben wagte.
Die Generalin von Billerbeck hegte eine mütterliche Zuneigung für den jungen Officter, der längere Zeit ihres Mannes Adjutant gewesen war, sie kannte seine Verhältnisse, seine angegriffene Gesundheit und hatte eine solche Partie alS Gunst des Schicksals für ihren Liebling angesehen. AuS diesem Gesichtspunkte war sie bestrebt gewesen, dafür zu thun was sie konnte.
Die Gubitz, Mutter und Tochter, wurden von
selbstsüchtigeren Gedanken Steigt. Wie Mutter