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Rr. 86. Sonnabend den 20. Juli 1889.

f Politik und Körst.

Die in der deutschen Presse ergangenen War­nungen vor einer Betheiligung an dem jüngsten russischen Converttrungsgeschäft, das heißt Ein- tausch von Sprozentigen Obligationen gegen 4prozentige, hat einen sehr erfreulichen Erfolg gehabt. Von 207 Millionen Mark 4prozentiger Obligationen, welche russischerseits untergebracht werden sollten, sind nur ca. 82 Millionen vom Publikum abgenommen worden, wobei auf Deutschland ca. 30 Millionen entfallen, im Wesentlichen durch Betheiligung der großen Bankhäuser, welche schon vorher einen Theil Der auf dem deutschen Markt befindlichen Sprozentigen Obligationen aufgekauft hatten. Da der Besitz in deutschen Händen leider immer noch recht er­heblich war, so läßt sich mit einiger Sicherheit annehmen, daß der weitaus größte Theil des betreffenden Publikums es vorgezogen hat, die in seinen Händen befindlichen Obligationen zu dem angebotenen Nominalbeträge wegzugeben neue russische Werthe aber abzulehnen. Dieses Verfahren, welches wir auf den gesammten, in deutschen Händen noch befindlichen Besitz an russischen Papieren jeder Art ausgedehnt zu sehen wünschten, hat selbstverständlich nicht den Beifall derjenigen Börsenblätter, welche irgend welchen Grund hatten, sich für das russische Con- vertirungsgeschäft oder für russische Papiere überhaupt zu begeistern. Nachdem seit länger als zwei Jahren in Rußland Alles geschieht, um deutschen Besitz und deutsches Kapital zu schädigen. Deutsche dürfen dort keinen Grund­besitz mehr erwerben oder pachten, keine Fabriken oder Bergwerke anlegen und leiten, bereits dort ansässige Personen haben ihre Existenz aufgeben müssen ist es freilich nicht recht verständlich, weshalb wir uns hier in Deutschland für Ruß­lands Geldbedürfnisse fernerhin noch begeistern sollen.

gg-gSSS" I -------- SSSBBSBBBSSSBBSBBBSBB Waldschmetterling.

Erzählung von B. W a l d o w.

(Fortsetzung.)

.'s ist doch ein Teufelskerl, der Thalberg, daß er dem Mädel so den Kopf verdreht!" Damit nimmt er mit hast'gen Schritten eine Zimmer- Promenade auf. .Ein Teufelskerl! Doch hoffentlich wird er durch eine excellente Gegenliebe den Riß in Margarethens Herzen flicken."

»Ich wiederhole, das wird Thalberg nie ver­mögen," klingt die Gegenrede seiner Gattin.

.Mach wich nicht ernstlich böse, Thilde, mit deinem ewigen Widerspruch, da du in Wahrheit doch unmöglich glauben kannst, daß Margarethe den Doctor in ihr Herz geschlossen. Ich sage dir, gegen den empfindet ste nicht eine Spur von Liebe, sondern nur gewaltigen Respect. Müßte auch ein schnurriges Pärchen geben, der ernste Salield und unser luftiger Schmetterling. Und nun, Alte, kein Wort mehr von der leidigen Sache, wenn dir das Schweigen nicht etwa das Herz abdrückt."

.O, bewahre, mir tft'S recht; ich weiß ja doch, daß du dich bald vor meinem Scharssion beugen wirst," entgegnet sie mit schelmischem Gesicht, indem sie lächelnd das Gemach verläßt.

»Die Weiber sind doch unverbesserlich!" murrt der Zurückgebliebene. .Alles Unsinnige, was die sich einmal in den Schädel setzen, das vertheidigen sie mit einer Conscqaenz, Die wahrlich besserer dache würdig wäre. Doch warte, Alte, du sollst

Die Börsenblätter, welche dem russischen Interesse dienen, stellen mit Vorliebe den Grund­satz auf, daßdas Geschäft" doch nichts mit der Politik zu thun habe und daß das Kapital da her nicht in den Dienst der letzteren gestellt werden dürfe. Im Lande der allgemeinen Wehr- Pflicht ist das ein gefährlicher Grundsatz. Drei Millionen Deutsche müssen jederzeit bereit sein, sich mit Blut und Leben in den Dienst der Politik zu stellen, d. h. für etwa bedrohte Interessen Deutschlands einzutreten, und an dem Tage, an welchem dieser Ruf des Kaisers ergeht, wird davon das gesammte wirthschaftliche Leben der Nation, fast jeder Deutsche mehr oder minder in seinem Beruf, in seinen Familienbeziehungen betroffen. Unter diesen Umständen ist es doch nur einem sehr geringen Grade von National- gefühl, von nationalem Stolze, ja man darf sagen von Pflichtgefühl gegen das Vaterland möglich, den Profit von einigen Tausend oder Hunderttausend Mark, welchen die Bankhäuser im russischen Geschäft machen, höher anzuschlagen, als das Wohlergehen und den Frieden des ge­summten Reiches. Aus Rücksicht auf den Profit der Bankiers soll die nationalgesinnte Presse daraus verzichten, sich einer Waffe zu bedienen, deren nachdrückliche Anwendung die Anwendung der wirklichen Waffen zu verhüten geeignet ist!

Gerade in den Blättern, welche dasGeschäft" von der Politik nicht berührt wissen wollen, wird so oft auf England, dessen Einrichtungen u. s w., verwiesen. Nun stellt aber keine Nation mit größerem Nachdruck das Kapital in den Dienst der Politik wie gerade England. Als die Suez- kanalfrage brennend wurde, kaufte England den größten Theil der Actien, und die Franzosen klagten über diesehypothekarische Eroberung." Als im Jahre 1885 die Zerwürfnisse mit Ruß land wegen Afghanistan drohend wurden, waren in wenigen Wochen die russischen Papiere unter zum Theil enormen Verlusten aus dem englischen

schon deinen Text noch kriegen, da ich diesmal ganz entschieden recht behalte."

Er setzt seine Wanderung noch eine Zeit lang fort, während welcher er bemüht ist, sich mit Hilfe seiner langen Pfeife in immer dichtere Rauchwolken einzuhüllen, als d'e Thür sich plötzlich öffnet und Doctor Salfeld mit heiterem Morgengruß ins Zimmer tritt.

.AH, da sind Sie ja, mein lieber Doctor! Nun, wieder ausgeruht von den Strapazen und zu neuer Wanderung bereit 8"

Die beiden Männer schüttelten herzlich sich die Hände.

.Alles in Ordnung, Herr Obcriörster, und in der Erinnerung durch Ihre Güte wieder um so vieles reicher. O, das Schlestetland ist doch ein herrlich Stückchen Erde!"

.Will's meinen! Und ich freue mich recht von Herzen, daß Sie meine Heimath lieb gewonnen haben. Sehen Sie, da fand ich vorher in der Zeitung diesen Feuilletonartikel: Eine Wanderung durchs schleftsche Gebirge. Den Verfasser möcht' ich kennen lernen, der hat das Herz ganz ohne Zweifel auf dem rechten Fleck. Wenn'S Ihnen recht ist, 'mal die Spalten durchzugehen ich habe draußen nur einen Auitrag zu ertheilen und stelle mich sofort bet Ihnen wieder ein."

Doctor Salfeld läßt sich mit dem gedachten Blatte ohne Zögern am geöffneten Fenster nieder, wobei sein Blick unwillkürlich über den Blumenflor vor diesem gleitet und an einem bunten Falter haften bleibt, der lustig über die duftenden Kelche tanzt,

Markt hinausgeworfen, der deutsche war damals gefällig genug, sie aufzunehmen. Aehnlich ist die Londoner Börse gegen Chili vorgegangen, als dessen Regierung englische Interessen in Peru bedrohte, und als in jüngster Zeit Differenzen mit Portugal wegen der Delagoabai-Eisenbahn entstanden, ward in London beantragt, die portu­giesischen Papiere von der Börse ausNischließen. So verfahren die Engländer, welche sich doch im Allgemeinen auch aufdas Geschäft" verstehen. In England erhebt auch Niemand Einspruch, daß das Kapital nicht allein in gegebenen Augen­blicken in den Dienst der Politik gestellt wird, man darf vielmehr sagen, das englische Kapital stehtdauernd imDienstder englischen Politik. Englands Stellung in den andern Welttheilen, in seinen bedeutenden Kolonien, ist nicht allein durch die Arbeit von Heer und Flotte, sondern auch durch die Arbeit des englischen Kapitals geschaffen worden. Jeder Engländer würde es aber vor Allem als einen Widersinn betruchten, -^. den Ersparnissen Eng­lands die Macht eines"Landes zu stärken, deffen Maßnahmen und dessen öffentliche Meinung von dauerndem Uebelwollen gegen England beherrscht sind. Ganz ebenso würde sicherlich auch in Frankreich und Italien verfahren werden. Nur in Deutschland ist mit der politischen Größe noch nicht der Sinn für das Machtbewußtsein eines großen Volkes eingezogen und für die Pflichten, welche diese Größe dem Einzelnen wie der Ge­sammtheit auferlegt. Wenigstens kann die Börsenpresse sich noch nicht von dem Fluch jener deutschen Zerrissenheit losmachen, welche dienst­beflissen die Schleppe des Auslandes trug.

Holitische Nachrichten.

(Deutschland.) U n s e r K a i s e r verließ am Montag Mittag D r o n t h e i m. Nachts '/,12 bet Tageshelle erfolgte die Begegnung mit

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Sinnend folgt er einige Minuten diesem Spiel, bis er, des Oberförsters Weisung sich erinnernd, darauf angelegentlich den schwarzen Plaudertasche« Audienz ertheilt. Nicht lange aber hat er sich in das Blatt vertteit, als lautes, fröhliches Gelächter zu ihm dringt, er plötzlich wie electrisirt den Kopf erhebt und in demselben Augenblicke ein Schatten über seine Züge huscht.

Drüben über den Kiesplatz, jenseits der Blumen­beete, flattert Margarethe wie ein Wirbelwind dahin, dicht hinter sich den übermüthigen Thalberg, der mit der ersteren um die Wette jubelt.

An diesen beiden hängt des Lauschers Blick. Seine Hände sinken schlaff herab und mechanisch beugt er den Oberkörper vor, keine Bewegung der beiden frohen Menschen sich entgehen lastend. Er steht wie sein fideler Freund das junge Mädchen eingeholt und darauf zwangSlos sich ihrer Hände bemächtigt hat, indem er sie alS seine Gefangene erklärt. Steht, wie er sich tief zu ihr ntederbeugt, so tief, daß sein kastanienbraunes Haar die Schläfe Margarethens streift, die muthwillig, mit freude- blitzenden Augen, in sein vergnügtes Antlitz schaut. Und nun lauscht er mit angehaltenem Athem, mal Thalderg zu ihr spricht:

.Geben Sie sich keine Mühe, Fräulein Margarethe, mir so ohne weiteres zu entwischen. Straie muß sein, und ich gebe Sie nicht eher frei, als biS Ste abgebüßt, was Sie au mir gesündigt."

.Ich habe gegen Sie nichts zu verbüßen und