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Strsftlhtt Kltisdllitt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeilag« „Mustrirtes Autertzaltungsklatt^.__________
Rr. 91. Donnerstag den 1. August t889.
Avonnements-Kinladung.
Bestellungen auf das
Hersfelder Kreisdiatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage ^Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriesträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 80. Juli 1889.
Die Nummerliste der verloosten und zum 1. November 1889 gekündigten Kurmärkischen Schuld» verschreibungen liegt im Geschäftslocale des hie» sigen Landrathsamtes, sowie auch in denjenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises wäh- renA der Dienststunden den Inhabern zur Einsicht offen, Zugleich mache ich auch auf die diese Nummerliste betreffende Bekanntmachung der Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 1. Juli d. I., abgedruckt im Regierungs-Amtsblatt für 1889 Seite 137, aufmerksam.
7077. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e t n t tz.
Es wird um Auskunft über die Aufenthalts- orte der Dienstknechte
1. Wilhelm Gutsmann 21 Jahre alt, aus Kentschkau, Kr. Breslau,
2. August Lebowsky 23 Jahre alt, aus Tschechnitz, Kr. Breslau hierher zu den Acten Nr. 45. 46/89 P. L. ersucht. Niederaula, den 27. Juli 1889.
Der Amtsanwalt Nuhn.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Mit der Fluth.
Novelle von Zos von Reuß.
Man schrieb das Jahr 1789.
Der französische Reichstag, der seit 1614 nicht mehr versammelt worden, war auf den dringenden Rath deS Finanzministers Necker durch Ludwig den Sechzehnten endlich einbermen worden, und sollte bald in Versailles tagen. Die königliche Ordre war mit offener Freude begrüßt worden, die drückende Schuldenlast von 900 Mllwnen Thalern, welche Ludwig der Fünfzehnte hinterlassen, hatte den Staat dem Verderben nahe gebracht, umsomehr als die Staatseinkünfte der nächsten Jahre gleichfalls schon im Voraus nahezu aufgczehrl waren.
Indessen ging das Leben äußerlich seinen gc» wohnten Gang. Die königliche Familie hatte wie gebräuchlich das Osterfest gefeiert, und war nach dem Feste nach den Tu'lerien zurückgekehrt. Da der Lenz schön zu werben versprach, machte man bereits Pläne für eine diesjährige, frühere U;ber- stedelung nach Trianon. Denn in dem Versailler Schlosser selbst mochte man dieses Jahr nicht wohnen, wegen der unmittelbaren Nähe des dem Könige abgerungenen Reichstages. Wenn der König der Finanzschwierigkeiten wegen zuletzt auch persönlich die Zusammenberufung desselben gewünscht hatte, empfand er doch die Beeinträchtigung seiner absoluten Macht.
pr-kkvtk- war ja Trianon auch der Lieblings'
« Der Keiserdesuih in Ciiglilnd.
Kaum von seiner Nordlandsfahrt zurückgekehrt, tritt unser Kaiser nach kurzer Rast in Wilhelms- Haven, die überwiegend den Staatsgeschäften gewidmet war, die Fahrt nach England an. Gleichwie im vorigen Jahre den nördlichen Höfen und denen von Wien und Rom — will der Kaiser nun auch dem Königlichen Hofe von Großbritannien seinen Besuch abstatten. Das Gebot fürstlicher Höflichkeit, welchem der Kaiser damit genügt, wird in England wohl gewürdigt: es ist das erste Mal, daß ein deutscher Kaiser den Boden Großbritanniens betritt, zugleich aber auch das erste Mal, daß eine fremde, zumal eine deutsche Flotte in solcher Stärke vor Osborne erscheint, wie die beiden Geschwader, welche Kaiser Wilhelm dem Zweiten das Geleit über das Meer geben. Seitens der englischen Regie» rung ist Alles aufgeboten worden, um den mächtigen Herrscher, welchen die Nordseewogen hin- über an das britische Gestade tragen, würdig zu empfangen, namentlich ist bei Portsmouth eine so große Flotte versammelt worden, wie England sie noch nie unter seiner Flagge vereint gesehen, und für deren Besatzung die vorhandenen Kräfte kaum ausreichen. Nicht an Zahl, aber an Qualität vollkommen ebenbürtig schließen sich an die langen Reihen der englischen Geschwader die zwölf deutschen Schiffe an, und es ist nicht ohne Bedeutung, daß der erste deutsche Kaiser, welcher seinen Fuß auf britische Erde setzt, in der Uniform des Admirals an der Spitze eines solchen Geleits erscheint.
Als unser Kaiser vor zwei Jahren, damals noch Prinz Wilhelm, sich zum Jubiläum der Königin Victoria nach Großbritannien begab, legte er die Reise mit seinem Bruder, dem Prinzen Heinrich, in einem Torpedodivisionsboot an der Spitze einer kleinen Schaar von Torpedo
aufenthalt Marie Antoinettes und ihre eigenste Schöpfung. Ueberall erkannte man dort die Spuren und Werke ihres feinen, beweglichen Geistes, Geschmack und Phantasie hatten vereint dort ein kleines Eden geschaffen, das den Schauplatz und Hintergrund für die Lieblingsneigungen der Königin bildete. Glänzende Gartenfeste und Schäferspiele, bet denen die Königin gewöhnlich selbst agirte, würden hoffentlich auch die Stimmung deS Königs wieder verbessern, und die ernsten galten von seiner Stirn scheuchen. Dort war alles aus heitersten Lebensgenuß abgesehen. Selbst die Singvögel in der Umgebung des Parktheaters von Klein-Trianon hatten den gepuderten Herren und Damen und dem SofgelnDe die Strophe nachzwitschern gelernt, die sie täglich fingen hörten:
La bergdre si belle,
Est une reine, sans pareille!
.Du w'rü Dich entschließen müssen, mich auf ein paar Wochen nach Paris zu begleiten," sagte die Baronin Cavignac zu ihrer Nichte, während beide Damen nach dem Diner auf den Balkon des unweit Versailles belegenen Merv'lle saßen. «Gilt es doch die Bicomtesse von Merv lle würdig auszustatten I"
»Nach Paris — jetzt wo der Frühling gekommen ist?" wagte Aimüe von Merville schüchtern einzuwenden. «Verzeihen Sie, aber ich würde lieber auf dem Lande bleiben!"
»Uumötzltch Kleine!"
schiffchen in beschleunigter Fahrt über die Nordsee zurück. Einzelne Schiffe der deutschen Flotte, auch kleinere Geschwader haben schon oft in den letzten zwanzig Jahren die englischen Häfen besucht, aber die Ueberraschung der Engländer über das kühne Unternehmen des Prinzen Wilhelm war keine geringe, zumal nach dem offenen Ge- ständniß britischer Seeleute, die englische Marine — damals wenigstens — zu einer solchen Leistung nicht befähigt war. Um so mehr wird das jetzige Erscheinen des deutschen Kaisers die Engländer daran erinnern, daß Deutschland auf dem Meere wie in den fremden Welttheilen ihr Nachbar geworden ist.
In seiner insularen Abgeschlossenheit nach den bisherigen Erfahrungen für einen Feind kaum erreichbar, liegen die verwundbaren Punkte Großbritanniens in seinem über die ganze Erde zerstreuten Colonialbesitz. Auch Deutschland, indem es aus wirthschaftlichen, socialen und politischen Gründen sich entschloß, in anderen Theilen der Erde feine Flagge aufzupflanzen, hat damit unstreitbar die Zahl seiner eigenen An» griffspunkte vermehrt. Aber jedenfalls will Deutschland damit nicht die Zahl seiner Gegner vermehren, ebensowenig kann England wünschen, daß Deutschlands berechtigtes, wenn auch erst so spät geltend gemachtes Bestreben, sich einen Antheil am Colonialbesitz zu sichern, es in die Reiben der Gegner Englands führe. Beide Nationen sind im Gegentheil darauf angewiesen, sich in der Culturarbeit fremder Welttheile gemein» samzu fördern und zu bethätigen, und je höher entwickelt das englische Colonialwesen ist, um so weniger hat es ein Interesse daran, die mühsamen Anfänge Deutschlands zu erschweren, welches ohne eigene Erfahrungen und ohne erprobte Kräfte sich noch in seiner ersten colonial-politischen Lehrzeit befindet. Je freundlicher und freundnachbarlicher England sich zu den deutschen Bestrebungen stellt,
.Weshalb?" frug das junge Mädchen unschuldig, das noch die dunkle Klosterkle.dung trug. Denn Aiwär war erst vor wenig Tagen aus dem sacrd Coeur nach dem Schlosse ihres Vaters zurückgekehrt.
.Die Lieferanten sind unzuverlässig. Dein Auf» treten in der Gesellichast darf aber nichts zu wünschen übrig lasten!"
«Ich hoffte den Sommer in der Stille des Landlebens zubringen zu können." sagte Aiwöe leise, indem sie die schwarzweiße Angorakatze lieb» koste, die ihr auf ihren Sammtschuhen auf den Balkon nachgeschlichen war — aus Dank, well Gra, ella ihre Herrin trotz dreijähriger Abwesenheit sofort wiedererkannt hatte. Dann sich über die we ße Stirn streichend, fuhr das junge Mädchen fort. .Es ist m r tast traumhait zu Sinne. Der Austr tt aus dem Kloster erfolgte so plötzlich . . ."
.Plötzlich?" trug die Baroum Cavignac. .Er war immerhin verspätet. Du bist achtzehn Jahr alt — wenige der Pensionärinnen bleiben so lange we Du d^r Welt entzogen!"
.Am liebsten wäre ich immer im sacre coeur geblieben," sagte 8Lr.de m t einem Seufzer. »Bin ich nicht eine Waise? Ja schlimmer noch! . . . Auch hatten sich die frommen Schwestern schon daran gewöhnt mich bei sich zu behalten und liebten mich wie ihr Kind . .
.Ich zweifle nicht, daß es ihnen lieb gewesen wäre, wenn die zukünftige Erbin das Kloster» gelübde abgelegt hätte!" meinte die Baronin mit eigenthümlichen Lächeln, «die Güter der Merville'S würden bew saorö coeur große Einkünfte in