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Httchl-er Srcisblitt
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Interhaltungsklatt".
Nr. 97.
Donnerstag den 15. August
1889.
Amtliches.
Gefunden: Eine alte Knaben-Joppe. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand in Oberhaun.
Iolitische Aachrichten.
(Deutschland.) Berlin, 12. August. Zum Empfange des Kaisers Franz Josef waren am Bahnhof Se. Majestät der Kaiser, sowie sämmtliche hier anwesenden Prinzen, Fürst Btsmarck, Graf Moltke, Graf Herbert Btsmarck, sowie die gesammte Generalität. Um 5 Uhr 10 Minuten traf der Extrazug mit Sr. Majestät dem Kaiser Franz Josef auf Bahnhof Thiergarten hierselbst ein. Beim Berlassen des Wagens wurde der Kaiserliche Gast von Sr. Majestät Kaiser Wilhelm auf's Herzlichste begrüßt. Beide Herrscher umarmten sich tiefbewegt und hielten sich längere Zeit innig umschlungen. Sodann begrüßte Kaifer Franz Josef Se. Königliche Hoheit den Prinzen Heinrich, sowie die übrigen anwesenden Fürstlichkeiten. Hierauf erfolgte die Vorstellung des beiderseitigen Gefolges; ganz besonders herzlich wurde hierbei dem Fürsten Bismarck vom österreichischen Kaiser die Hand gedrückt. Bet der Ankunft des Zuges präsentirte die Ehrenwache und die Musik spielte die österreichische Nationalhymne. Nach Abschreitung der Ehrencompagnie setzte sich der Zug nach der Stadt in Bewegung. Denselben eröffnete die Leib-Escadron des Garde du Korps- Regiments. In dem ersten Wagen (offener Vierspänner), welchem Spitzreiter vorausritten, saßen beide Kaiser; in dem zweiten Prinz Heinrich mit dem Erzherzog Franz Ferdinand. Hieran schloß sich eine Escadron des Garde- Kürassterregimeuts, wie die Leib-Schwadron an
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Mit der Fluth.
Novelle von Zoö von Reuß.
(Fortsetzung.) A
Als Etienne rückwärts schreitend die Drechslerwerkstatt verlassen hatte, schritt der König ihm nach Di8 in das Zimmer, wo die vergessene Reise- beschreibung von Lapeyrouse noch aus dem Lesepulte lag. Alles Pflegma vergessend, ergriff er eilig eine goldene Glocke, um seinen Kammerviener Clery Herdeizurufen.
„Melden Sie Ihrer Majestät den König
VI.
Die inneren Gemächer Marie Antoinette's waren nach der Hof- und Gartenseite zu gelegen. »er tzos bildete ein weites, schönes Parallelogramm, welches durch ein prächtiges, eisernes Gitter von dem Carousselplatz getrennt war. Bon der Garten- fette her grüßten alte, seltenste, kostbare Baume in die Gemächer der Königin, die neben Königlicher Pracht mit allem Raffinement deS üppigen RoccocozettalterS ausgestattet waren. Da dies Zeitalter aber auch das Zeitalter der Schalkhastig- kett und liebenswürdigen Caprice war, sehlten auch Anmuth und Grazie nicht. ithnl_o
Die Königin lag aus dem Sopha ihres Boudo rs. Ihr Morgenrock war von weißem indischen Mousselio, der von solcher Feinheit war, daß er einst in einer Nußschale Platz gesunden hatte. Ein Atchu von Palenciennerspttzen war fose um oen
der Spitze in Zugfront. Sodann folgten die! übrigen preußischen Prinzen, ferner in einem Wagen der Reichskanzler Fürst Bismarck, Graf Kalnoky und Graf Herbert Bismarck; sodann Graf Moltke mit dem Chef des österreichischen Generalstabes, Feldzeugmeister Baron Beck, das übrige Gefolge des Kaisers Franz Josef, sowie endlich die zum Ehrendienst befohlenen Officiere. Auf dem ganzen Wege von Bahnhof Thiergarten bis zum Königlichen Schlosse, auf welchem die Garnisonen von Berlin, Potsdam und Spandau Spalier bildeten, wurden die Majestäten von dem Publikum mit unbeschreiblichem Enthusiasmus begrüßt. Beim Schlosse angekommen, woselbst auf der Rampe die erste Compagnie des Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments als Ehrencompagnie aufgestellt war, schritt Se. Majestät der Kaiser Franz Josef die Front der Compagnie ab und begab sich alsdann, von Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm geleitet, ins Schloß, woselbst Ihre Majestäten die Kaiserin Victoria Augusta und die Kaiserin Augusta nebst den Prinzessinnen des Königlichen Hauses den hohen Gast empfingen und herzlichst begrüßten.
Der große Zapfenstreich vor dem Königlichen Schloß verlief bei Prachtwetter glänzendst. Der Kaiser von Oesterreich und das deutsche Kaiser- paar wohnten demselben von den Fenstern des Königsschlosses aus bei. Als die Musik die österreichische Volkshymne intonirte, erhoben sich die Majestäten von ihren Sitzen und hörten dieselbe stehend an. Das Publikum brächte stürmische Hoch- und Hurrahrufe aus. Der Kaiser von Oesterreich dankte, sich allseitig verneigend. Bet dem Abends um 7 Uhr stattgehabten Fa- miliendiner saß die Kaiserin zwischen dem Kaiser von Oesterreich und dem Erzherzog Franz Ferdinand, der Kaiserin gegenüber der Kaiser zwischen der Prinzeß Irene und der Prinzeß Friedrich Leopold. Tafelmusik fand nicht statt.
Hals geschlungen, über der Brust gekreuzt und daselbst mit einer haselnußgroßen, mattschillernden Perle befestigt. Sie war etwas unwohl und übel- launig und hatte Mademoiselle Armande Lagrange, die Heldinnen-Darstellerin des th^atre fran^ais, welche als Vorleserin fungirte, zu sich beichten lassen, um die Morgenstunden verkürzen zu helfen. Außer der Schauspielerin befand sich noch die Palastdame Marguiie Bracy, die sich als stellvertretende Oberhofmeisterin im Dienst befand, bet der Königin. Aus einem vergoldeten Tischchen lagen Bände von Corneille und Racine, aus denen Mademo selle Armande einzelne cff.-civolle Stellen ausgewählt und vorgetragen hatte. Jetzt hatte sie den aus England stammenden hochderähmten Roman von Richardson „Pamela, oder die belohnte Tugend", der sogar von den Kanzeln empfohlen war, ergriffen und zu lesen begonnen. Aber die Schicksale und Prüfungen der Heldin schienen die Königin zu langweilen, sie gähnte und schloß die Augen. Da trat der Kammerdiener des KönigS ein und meldete: „Se. Majestät der König!"
Marie Antoinette fuhr auf, um sich sogleich zu erheben und dem König entgegen zu gehen. Sein Besuch zu dieser Stunde war ungewöhnlich, es konnte nur etwas wichtiges, unaufschiebbares sein, das thu augenblicklich in ihre Gemächer führte.
„Sie überraschen mich, Sire," sagte sie befremdet.
Ludwig küßte seiner Gemahlin die Hand, etwas gewohnheitsmäßig heute, und wartete dann bis Marie Antoinette wieder Platz genommen hatte,
Der „Reichsanzeiger" brächte am Montag Abend an der Spitze seines amtlichen Theiles nachstehende herzliche Worte zur Begrüßung des Kaiserlichen Gastes:
Dem Kaiser Franz Josef.
Mit seinem Kaiser begrüßt das deutsche Volk heute in der Person des Kaisers Franz Josef den Freund und Bundesgenossen unseres Monarchen und den Herrscher des mächtigen Nachbarreiches, mit welchem uns geschichtliche Traditionen, gemeinsame Interessen und gleiche Liebe zum Frieden verbinden. Die schweren Prüfungen, mit denen Kaiser Franz Josef heimgesucht wor- den ist, haben Seinen Heldenmuth nicht gebrochen, und der Schmerz, der Seine Seele erfüllt, ist niemals Kleister geworden über das monarchische Pflichtgefühl, mit dem Er Seinem Volke als leuchtendes Beispiel vorangeht. Deutschland ehrt in dem Hohen Gaste den Fürsten, der in vierzig- jährigem Wirken dem befreundeten Nachbarlande den Weg zur Größe und Wohlfahrt gewiesen hat, und bringt ihm feige tief empfundenen Hul- digungen^entgegen^. ^ Kaiser Franz Joseph,
dem Freunde Deutschlands, dem edlen, mächtigen Bundesgenossen I
Gott erhalte Ihn Seinem Volke und uns!
Mit lebhafter Genugthuung begrüßen die österreichischen Blätter den enthusiastischen Empfang des Kaisers Franz Josef in Berlin. Das officiöse „F r e m d e n b l a t 1" schreibt: „Diese Großartigkeit und Herzlichkeit des Empfanges, dieser Triumphzug der beiden Kaiser durch Berlin läßt neuerdings die Bedeutung dieser Kaiserbegegnung erkennen. Sie ist eine wiederholte feierliche Bekräftigung jenes innigen Bundesverhältnisses, jener unverbrüchlichen Freundschaft der Fürsten und der Völker, denen Europa ein Dezennium des Friedens in ernster und bewegter Zeit verdankt. Der Jubel
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Dann erst ließ er sich langsam auf einen lilien- verzerteu Armsessel nieder und begann:
„Ja Madame, es ist in der That etwas wichtiges, das mich Ihre Ruhe stören läßt. Hoffentlich ist Ihr Unwohlsein ohne Bedeutung?"
„Ich hoffe es!"
„Darf i« Sie ohne Zeugen sprechen, Madame?"
Sie Königin sah sich nach ihren beiden Damen um. Ihr Auge blickte unfreundlich; die Feierlich- keit, mit der der König sprach, war nicht geeignet, die Sorge zu zerstreuen, die der Besuch des Königs hervorgerufen hatte. Auch Marquise Brach und Mademoiselle Lagrange schienen etwas unheimlich geworden zu sein, denn sie hatten sich in den äußersten Hintergrund des Boudoirs zurückgezogen. Ein Wink der Königin entfernte sie gänzlich.
„Was ich Ihnen zu sagen habe, Madame, verträgt keine Zeugen," sagte der König mit Ernst.
Auf Marie Antoinettes schöner, edler Stirn zeigten sich Falten deS Unmutys, der Mund zog sich in seinen Winkeln herab. Die Regelmäßigkeit der Züge ward hierdurch zerstört, der Habsburger Typus trat jetzt unverkennbar hervor.
Der König ließ sich durch ihre Mißstimmung keineswegs anfechlen, und fuhr mit Würde fort: „Ich komme um Sie, Madame, um Auskunft zu bitten!"
„Nun Monsieur?"
„Wissen Sie — von einer Verhaftung be8 Bicomte von Merville?" ging er gradewegs, aber nicht ohne Anstrengung, auf sein Ziel loS.
Die Königin erbleichte etwas, dem scharf D«