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Hersftliiel Kttisbllltt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes NuLerhalluugsvlatt".

Nr. 104 Sonnabend den 31. August 1889.

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Hersfetder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage Wustrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Gefunden: in der Gemarkung von Kohlhausen mehrere Geldstücke. Meldung des Eigenthümers bet dem Ortsvorstand daselbst.

Zolitische Nachrichten.

Berlin, 29. August. Se. Majestät der Kaiser ist mit den Herren seiner Begleitung gestern Vormittag im besten Wohlsein in Küstrin elngetroffen und hatte darauf im Laufe des Tages den daselbst stattfindenden großen Belage- rungsübungen beigewohnt. Nach Beendigung der Uebungen des gestrigen Tages begab der erlauchte Monarch sich am Nachmittag des gestrigen Tages von Küstrm nach Metz zu einem Pürschgange auf Rothwilb in der Königlichen Oberförsterei Massin. Auch während der heutigen Morgenstunden hatte Se. Majestät der Kaiser daselbst eine Pürschjagd abgehalten, nach deren Beendigung Allerhöchst- derselbe die Rückreise nach Berlin bezw. nach dem Neuen Palais bet Potsdam anzutreten gedenkt. Die Rückkehr des erlauchten Monarchen und der Herren der Kaiserlichen Begleitung von Küstrin nach der Wildparkstation bezw. nach dem Neuen Palais wird nach den bereits hierher

Mit dkr Fluth.

Novell» von Zoö von Reuß.

(Fortsetzung.)

Noch einmal biete ich Ihnen den Lohn!"

Eltenne's Augen schwemm wieder zu Aimäe hinüber, die sich erbleichend abwandte. Er wollte reden, aber der Vicomte unterbrach ihn eiligst, tu- dem er mit Betonung hinzusetzte:

Jeder Lohn, den tch gewähren kann, sei Ihnen gegönnt, Etienne! Auch wünsche ich dringend die Schuld bald zu begleichen. Die Verhältnisse sind unsicher, kaum über den morgenden Tag läßt sich vorausvefttmmeu. Dazu hat die Zeit meiner Ge- saugenschaft in der Pastille meine Gesundheit unter­graben. Die Folgen davon drücken mich mehr als die Last der Jahre. Wer weiß wie lange ich zu leben habe? Auch könnten die Fortschritte der traurigen Berhältmsse mich dennoch noch zur Flucht zwingen, gleich den Andern. BiS jetzt hielt ich es noch für Pflicht zu bleiben um mein Vaterland und um Die Mcomtesse, die ich zuvor an der Seite deS ihr lange bestimmten Gatten sehen möchte... Baron Cavignac dringt aus endliche @nWbunfl!e _ »Baron Cavignac? Wirklich?" entfuhr eS Etienne, während ein nervöses Zittern seine Glieder durchlief. Er zweifelte nicht daran, daß der Brcomte mit Absicht gesprochen hatte. Denn er war seit einiger Zeit unfähig geworden seine Empfindungen zu verbergen: jeder Blick, jeder Ton, M Bewegung brächte sie bei einer Begegnung mit Mse aus Tageslicht. Er wußte auch, daß er

in Schloß Merville darum kein gern gesehener Gast war. Aber er kam doch, getrieben von seiner Leidenschaft, und als Gläubiger, um seine Schuld einzutreiben. Sie aber gaben ihm einen Stein anstatt des Brodes ... O, er begann ste zu hassen, diese Aristokraten!

Gefällt es Dir einen Spaziergang zu machen, theure Aimäe?" wandte stch Vicomte von Merville an die Tochter, um die Audienz zu beenden.

Etienne verstand sofort und erhob stch. Umsonst zwang er stch zuerst zur Selbstbeherrschung, seine Augen traten aus ihren Höhlen und blickten stier und finster, und sein Gang war schwankend. Plötzlich trat er wieder fest und sicher auf, fast triumphirend. Es war als ob er einen Bann von sich schüttele, wenn auch nur noch mit halbem Ge­lingen. Dazu klang die Stimme höhnisch und schmerzlich zugleich, als er stch mit der Gewandtheit eines CavalterS empfahl.

XII.

Die Königin von Frankreich saß in ihrem kleinen Empfangssalon. Vor ihr auf dem Sammetteppich kniete Graf Hohenstein, der deutsche Cavalter. um ihr Bericht über seine Reise an verschiedene aus­ländische Höfe zu erstatten. Indem sie ihm die Hand zum Kuß darreichte, sagte sie nach erstattetem Bericht huldvoll:

Stehen Sie auf, Graf Hohenstein! Nur vor dem Höchsten sollen wir knieen diese Wahrheit der neuen Zeit, auch ich nehme ste willig an, stehen Sie auf 1*

gelangten Nachrichten im Laufe des heutigen Nachmittages erfolgen.

Während der Anwesenheit des Kaisers in Dresden und bei den Manövern des säch­sischen (12.) Armeecorps werden als Gäste des Königlichen Hofes daselbst auch erscheinen: der Prinz Leopold von Bayern, der Erbgroßherzog von Sachsen und Fürst Heinrich XIV. Reuß. Dem Kaiser folgen sämmtliche deutsche und fremdländische Militär-Bevollmächtigten.

In der Stiftungsurkunde, welche in den Grundstein des Kaiser Wilhelm-Denkmals zu Metz eingeschlossen wurde, heißt es u. A: Im Jahre Eintausend achthundert und neun und achtzig am dreiundzwanzigsten August hat der Allerdurchlauchtigste Herr und Fürst Wilhelm der Zweite, Deutscher Kaiser und König von Preußen rc. mit Seiner Hohen Gemahlin der Allerdurchlauchtigsten Kaiserin und Königin Augusta Victoria den Grundstein zu diesem Denkmal Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm des Ersten, seines glorreichen Herrn Großvaters gesegnete« Angedenkens, .eierrich gelegt, diese Urkunde Allerhöchstselbst unterzeichnet und hier mit eigener Hand eingemauert. Errichtet wird dieses Denkmal zur Ehre des großen Kaisers, welcher das deutsche Vaterland unter seinem ruhmreichen Scepter geeinigt, demselben diese Lande wiedererworben und nach schweren sieg­reichen Kriegen den Frieden seines Reiches und der Welt mit starker Hand behütet und geschirmt hat, ein Vater seines Volkes, durch weise und gerechte Gesetze ein Förderer der dauernden Wohlfahrt seiner Unterthanen in unablässig treuer und wirksamer Fürsorge, bis nach einem reichgesegneten Leben Gott der Herr ihn im ein und neunzigsten Jahre seines Alters zu sich ab­berufen hat, beklagt und verehrt von den deutschen Fürsten, von seinem treuen Heere und dem ganzen deutschen Volke.

Die vier ältesten Söhne Ihrer Majestäten des K a i s e r s und der K a i s e r i n find am Mitt­woch Abend 83/4 Uhr wohlbehalten in Potsdam eingetroffen und von Ihrer Majestät der Kaiserin auf der Wildparkstation empfangen worden. Ihre Majestät und die Prinzen wurden von dem zahlreichen Publikum, das sich auf der Wildpark- station angesammelt hatte, mit brausenden Hoch­rufen begrüßt.

Die vor kurzem durch die Zeitungen gegangene Mittheilung, es sei beabsichtigt, Bronze- kanonenanStelle derGußstahlkanonen einzuführen, weil die ersteren gegenüber den neueren Pulversorten vortheilhafter seien als die letzteren, ist auch in die französische militärische Fachpresse übergegangen. Demgegenüber bringt dieDeutsche Heeres-Zeitung" eine Mittheilung, in welcher nachgewiesen wird, daß Bronze gegen- wärtig für Kanonen überhaupt nicht mehr brauch­bar ist.

Nach dem neuen amtlichen Verzeichniß der Kaiserlichen deutschen Consuln, das bis in den August d. I. reicht ist das Deutsche Reich im Ganzen an 706 Orten der Erde consularisch vertreten. Die darunter befindlichen 86 Berufs- consulate sind bis auf vier besetzt; vacant sind die Berufsconsulate in Rustschuk, Ftume, Singa- Pore und Port au Prince.

CC. Eine neue moralische Eroberung hat Frankreich gemacht und zwar durch den in Ver­anstaltung von Ehrenweingelagen, Festessen und obligaten Ansprachen ganz besonders rührigen Pariser Stadtrath. Die neuesten Gäste, welche durch Ovationen, die man, wie Herr Bebel rühmte, der deutschen Socialdemokratie gegen­über tactvoll unterdrückt hatte, und durch Schmauserei in dem Stadthause zu Paris ge­feiert wurden, waren die Schweizer Schützen, welche über tausend Mann stark mit dem Banner der freien Eidgenossenschaft, das nächstens auch

Der deutsche Cavalter, den die Majestät deS Unglücks mehr als die Majestät des Königthum» zur Kniebeugung gezwungen hatte, erhob sich sofort.

Die Nachrichten, die Sie mir bringen, sind im Allgemeinen so erfreulich als sie sein können. Ja, ja, sie gewähren mir einen großen Trost!"

Ich bin glücklich, Ihre Majestät durch meine Dienste zufrieden zu stellen," versicherte der deutsche Cavalter erfreut.

Muß ich nicht dankbar und froh sein, wenn unsere Leiden Theilnahme finden bet denen, die uns nahe stehen und helfen können? O, noch ahnen Sie nicht den Grad unseres Unglückes, unserer Erniedrigung!" fuhr sie leidenschaftlich aber mit wirklicher Würde fort.Die letztvergaugeneu Monde haben die Situation noch bedeutend ver­schlimmert und unsere Leiden erhöht. Seitdem ich meine Garde bluten gesehen habe zu Versailles, seit ich vergebens vom Balkon unseres Schlöffe» herab um Gnade für sie gefleht habe, ist meine Kraft gebrochen!" rief die Königin in letdeuschaft- lichem Schmerz.Nein, nein, nicht gebrochen! Noch wollen wir kämpfen für unser Recht!" ver- besserte sie sich in einem Tone, aus dem wirklicher Heldenmuth Herausklang.

Und die Getreuen alle, sie kämpfen mit Ihnen, Madama, für das Königthum!' rief Graf Hohen- ftein mit Enthusiasmus.O, ihre Zahl ist größer als Ste ahnen I"

Ich weiß, daß es der Herzen genug giebt in Frankreich, welche treu für uns schlagen," an­erkannte die Königin, Täglich gehen Seim;